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Neuer Name, neues Ich

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Neuer Name, neues Ich

»Was mich am Umziehen am meisten geflasht hat, war, wie leicht es war.« sagte Nomi, ein Freund, der vor weniger als einem Jahr aus London nach Berlin gezogen war. »Man kann es einfach machen. Und niemand hält einen auf. Das war echt ein schräges Gefühl. Wie wenn einem klar wird, dass es keine Regeln gibt.«

Dieses Schwindelgefühl, das Nomi beschrieb, überkommt mich immer dann, wenn mir plötzlich klar wird, dass nichts auf der Welt unter Kontrolle ist und dass alles sich innerhalb einer Sekunde ändern kann. Ich hatte dieses Gefühl, als ich letztes Jahr fast von einem Pizzalieferanten auf einem E-Bike umgebracht worden wäre, hätte ich auch nur eine Sekunde früher seinen Weg gekreuzt. Oder wenn ich mir überlege, wie unendlich unwahrscheinlich es war, dass ich meinen Boyfriend damals nach rechts gewischt habe, statt nach links, eine komplett beliebige, von zufälliger Tagesform abhängige Nicht-Entscheidung, die einen signifikanten Einfluss auf mein restliches Leben und meinen Alltag, meine Wohnsituation und meine emotionale Gesundheit haben wird. Dass zwei winzige, random Zellen über das Sein oder Nichtsein eines kompletten Menschenlebens entscheiden. Die meisten Dinge, die einem schwer — im Sinne von eindeutig und folgerichtig und unveränderlich erscheinen — sind es überhaupt nicht. 

Eine light-Version dieses Schwindelgefühls hatte ich auch, als ich das erste Mal meinen Namen änderte. Es war sehr einfach, meinen Namen zu ändern.

Ich gab mir das erste Mal einen neuen Namen im Rahmen meiner anstrengenden, melodramatischen Pubertät. Mit fünfzehneinhalb war ich frisch entjungfert, das erste mal unglücklich verknallt, also auch auf eine entzückende, frühreife Art vom Leben enttäuscht; Ich wollte meiner kindlichen Identität und der damit verbundenen Machtlosigkeit entkommen, wollte meinen metaphorischen Babyspeck abstreifen, und dachte: ein neuer Name wäre ein guter Anfang. 

Argomento Lifestyle

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