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Gechillt Flüge verpassen

und andere Lektionen des Lebens und der Nüchternheit

Ich fliege nach Innsbruck. Wo ich Nathalie treffe, für eine Doppellesung, zu der uns die wahnsinnig engagierte, stylishe, großartige und nüchterne Vizebürgermeisterin Elli Mayr eingeladen hat. Wir, also Nathalie und ich, haben uns darauf geeinigt, dass wir uns schon am Vortag in Innsbruck treffen, damit wir ein bisschen zusammen rumhängen können. Ich fliege von Berlin nach Wien und von Wien nach Innsbruck, und ich soll um zwei Uhr nachmittags in Innsbruck sein. Easy. 

Ich überlege, wann ich das letzte Mal alleine geflogen bin, also, ohne dass Mika oder Kathrin oder Tom oder mein Schreibclub oder Juri oder Nike dabei gewesen sind. 

Kurz nach meinem Abi. Ich bin zwanzig, und mache einen Trip nach Barcelona, alleine, eine Woche, weil ich romantische Ideen von Barcelona habe. Ich finde Spanisch sprechen attraktiv, weil ich Fan von Chavela Vargas bin und romantisierte Dinge wie Stierkampf und Tequila, weil ich Djian und Hemingway gelesen habe und weil ich schon ein kleines bisschen süchtig nach Alkohol bin. Ich habe Vicky Christina Barcelona gesehen und mich vollumfänglich mit Scarlett Johansons Figur identifiziert und ich habe eine Romanfigur erfunden, die Paloma heißt und immer weiße Häkelkleider und Strohhüte trägt. Deswegen will ich nach Barcelona. 

Mein viel älterer Freund Heiner findet es verdächtig, dass ich alleine irgendwohin fliege. Er vermutet, dass ich dort Party machen und untreu werden will, womit er nicht ganz unrecht hat. Er bricht in der Vornacht meiner Reise einen betrunkenen Streit vom Zaun, der damit endet, dass ich um Mitternacht heulend nach Hause fahre. Auf der Warschauer Straße höre ich eine Stimme hinter mir meinen Namen rufen, es ist Oliver Ramsch, mit dem ich Abi gemacht habe, und mit dem ich die komplette Oberstufe lang einen Flirt am Laufen hatte. Er fragt mich, was los sei, ich sähe ja schrecklich aus, ich sage, ich habe mich mit meinem Boyfriend gestritten und es sei alles sehr schrecklich. Oliver, lösungsorientiert, zeigt auf eine Tafel hinter mir im Fenster einer Bar, auf der geschrieben steht: »Tequila Shots 1 Euro«. And the rest is history.

Argomento Journal

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