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Wolken

über das Erinnern

Wir sind in Südfrankreich, Mika, Nathalie und ich. Wir haben ein schönes, weißes Haus und Palmen und einen Pool und einem Mandarinenbaum im Garten und Fliederhecken überall und das Klopapier ist parfümiert und zweimal in der Woche kommt ein Poolreiniger. Wir leben wie Adlige. 

Der Plan ist, mit genug Buchseiten nach Hause zu kommen, dass man darin einen ersten Entwurf für mein zweites Buch erahnen kann. Der Text ist noch wolkenförmig: Ich kann darin eindeutig Bilder erkennen, aber ich kann ihn nicht greifen. Ich habe keine Ahnung, ob ich am Ende irgendwas davon verwenden kann, oder ob ich diese ganzen Seiten nur schreibe, um Platz für das zu machen, was ich eigentlich erzählen will. Ich kann mich auf nichts verlassen. Das Ziel ist noch unbekannt. Alles ist reiner Prozess. 

Es ist ein aufregender Zustand, und absolut kein effizienter. Er entzieht sich den meisten gängigen Produktivitätsregeln. Wenn ich allein vom Bücherschreiben leben müsste, dann wäre ein solcher Prozess überhaupt nicht drin. Wir haben neulich Mareice Kaiser für den SodaKlub interviewed, und sie sagte, sie schreibt nur Dinge, für die sie schon einen Deal hat. So könnte ich das gar nicht machen. Ich wäre von Nervosität zerfressen. Ich habe eine Wolke verkauft, und nun liefere ich einen Berg! 

Im Moment konzentriere ich mich darauf, die erste nüchterne Beziehung, die ich hatte, in jedem noch so kleinen Detail aufzuschreiben. Alles, was passiert ist, wann es passiert ist und was ich anhatte, als es passiert ist. Ich lese meine fünf Jahre alten Tagebücher, höre alte Sprachnachrichten, rekonstruiere Dialoge. Es ist eine gründliche und furchtlose Inventur in meinem Inneren, oder zumindest in meiner vergangenen Beziehung. Dabei find ich erstaunliche Dinge.

Argomento Arbeit

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