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Städtisches Straßennamen-Portal mit Mängeln

Wer war Peter Paul Althaus und was machte er in der NS-Zeit

Der Bürgerentscheid über die Umbenennung von Straßen aus der NS-Zeit hat ein städtisches Online-Portal insRampenlicht gerückt, das sonst wenig Beachtung findet: das Portal „Straßennamen in Münster“. In Münster gibt es über2000 Straßen, was viel Arbeit für die Historiker bedeutet, die die Beiträge verfasst haben. Das Amt für Kommunikationist dafür verantwortlich. „Alle Straßen haben einen Namen. Manche erklären sich von selbst oder haben keine Bedeutung.Manche wurden zur Ehrung nach Personen benannt. Hier werden alle Straßennamen in Münster erklärt“, heißt es imVorwort.

Die Erklärungen sind oft ausführlich, wie bei Admiral Scheer oder Admiral Spee. Diese Namen sind Teil derBürgerentscheidung am 8. Februar, da sie Bezüge zur NS-Zeit oder zur Kolonialzeit haben. Es gibt jedoch eine andereKategorie von Personen, für die weniger recherchiert wurde, wie bei den beiden Admiralen oder der Langemarck- oderSkagerrakstraße.

Nennen wir die Kategorie: Menschen aus Münster, die aktiv für die NS-Propaganda in den Medien gearbeitet haben und gleichwohl noch bis in die 70 er Jahre mit eigenen Straßennamen geehrt wurden.

Vielleicht einfach aus dem Grund , dass sich niemand sich die Mühe gemacht hat, mal zu recherchieren, was die Person in den Jahren von 1933 - 1945 eigentlich genau macht hat. Dazu hätte man Archivgut heben müssen. Wie viele Personen allein aus Münster für diese Kategorie in Frage kämen: Unbekannt.

Durch Zufall ist nun ein Name in der aktuellen Debatte aufgetaucht, der in diese Kategorie gehört, was im städtischenPortal jedoch nicht erwähnt wird. Die Inhalte für die Seite „Straßennamen in Münster: A-Z“ werden vom Vermessungs-und Katasteramt in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv bereitgestellt.

Es geht um den Heimatdichter Peter Paul Althaus (1892 in Münster - 1965 in München), einen Apothekerssohn ausMünster. Nach schriftstellerischen Anfängen in den 20er Jahren wurde er in der Nachkriegszeit in Schwabing bekannt. Erwar ein weltfremder, heiterer Mann mit berühmten Freunden wie Joachim Ringelnatz und Erich Mühsam. Seinebekanntesten Werke sind „Die Traumstadt“ und „Wie sanften Irren“. Der nach ihm benannte Althausweg liegt inKinderhaus-Ost und wurde 1973/1974 nach ihm benannt. Ein Redakteur der örtlichen Tageszeitung, der dort lebte,informierte sich kurz im Internet und schlussfolgerte: „Ich kenne Peter Paul Althaus nicht. Ich weiß nicht, ob er ein guteroder schlechter Mensch war. Ich kann nicht beurteilen, ob er es verdient hat, dass eine Straße nach ihm benannt wurde. “Trotzdem habe er gerne am Althausweg gewohnt. Es ist nicht die Aufgabe von Journalisten, historisch tief zu bohren. Dasist die Aufgabe von Historikern und Archivaren. Im Althausweg-Beitrag im Straßenportal der Stadt erfährt man über dieBerufsjahre von 1933 - 1945 von Althaus nichts.

Hatte er sich in dieser Zeit in Luft aufgelöst? Mitnichten. Eine einfache Recherche in der Personalakte von Peter PaulAlthaus im Berlin Document Center, die der Autor dieser Zeilen vor 33 Jahren für eine Buchbesprechung ausgewertet hat,hätte das gezeigt. Die Personalakten liegen inzwischen im Bundesarchiv. Hätte man diese als Quelle hinzugezogen,könnte man zu dem Ergebnis kommen: Der Humorist war ein NS-Propagandist, der keinen eigenen Straßennamenverdient hat. So fehlt im Portaleintrag die Information, dass Althaus 1937 Parteigenosse wurde. Das Gaupersonalamt hattebis 1941 nichts an ihm auszusetzen. Unzutreffend ist auch die Legende, er hätte bis Mitte der 30er Jahre pazifistischeHörspiele im NS-Rundfunk platzieren können. Stattdessen machte er Karriere und wurde am 1. August 1939Chefdramaturg des Berliner Deutschlandsenders. Er nahm also eine exponierte Stellung im NS-Rundfunk ein. Tatsächlichwurde er am 1. April 1941 entlassen, weil Goebbels eine Jugendsünde „Jack der Aufschlitzer“ aus dem Jahr 1924entdeckt hatte. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass er bis dahin ein gut funktionierender Mitarbeiter des NS-Rundfunks war, der mehr als nur unverfängliche heitere Abende und literarische „Schätzkästlein“-Sendungen produzierte.Das soll kein endgültiges Urteil über Althaus sein, sondern eine offene und ehrliche Diskussion über die Straßennamen verfeinern.

Der Althausweg befindet sich in Kinderhaus. Foto: Frank Biermann

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