Hierbei handelt es sich um einen Sachbuchbeitrag aus dem Jahr 2022. Erschienen ist er im Sammelband âKlimakrise, sozialökologischer Kollaps und Klimagerechtigkeit. (Si apre in una nuova finestra)Spannungsfelder fĂŒr Soziale Arbeitâ
Um diesen fĂŒr eine breitere Leser*innenschaft zugĂ€nglich zu machen, wird er hier in voller LĂ€nge veröffentlicht. (NatĂŒrlich freue ich mich, wenn Interessierte das Buch direkt in meinem Shop erwerben mögen, um so meine Arbeit direkt zu unterstĂŒtzen.)đ

Widerstand als SelbstverstÀndnis sozialarbeiterischer PrÀventionspraxis
âWir können die Welt nicht retten, indem wir uns an die Spielregeln halten. Die Regeln mĂŒssen sich Ă€ndern, alles muss sich Ă€ndern, und zwar heute.â Greta Thunberg 2018, auf einer Klimademonstration in Helsinki (Schulz 2018).
Die menschengemachteÂč Klimaerhitzung und Ăkosystemzerstörung haben AusmaĂe erreicht, die in Teilen mittlerweile unumkehrbar sind. Die Lebensgrundlagen von nahezu allen Menschen auf der Erde gelten als bedroht. âMindestens 80 Prozent der LandflĂ€che der Welt, mit mindestens 85 Prozent der Weltbevölkerungâ (MCC 2021) sind bereits von der Klimaerhitzung betroffen.
Die Folgen sind â und das ist fĂŒr Perspektiven von dekolonialerÂČ Klima-Âł und ökologischer⎠Gerechtigkeit von grundlegender Bedeutung â in unterschiedlichen AusmaĂen verteilt. WĂ€hrend LĂ€nder des Globalen Nordens â allen voran die euroamerikanischen Staaten â auf Ereignisse schauen, die erst seit wenigen Jahren zunehmenden Einfluss auf ihre Lebensgestaltung nehmen, sind die ökologischen, sozialen und ökonomischen Folgen in LĂ€ndern und Regionen des Globalen SĂŒdensâ” bereits seit mehreren Jahrzehnten bedrohliche RealitĂ€t.
Die Weltgemeinschaftâ¶ befindet sich in einer stark beschleunigten globalen Menschenrechts- und Gesundheitskatastrophe. Auch in Deutschland sind diese Entwicklungen bereits spĂŒrbar und so stehen Gesellschaften am Beginn von Ver-Ă€nderungen, die zu hohen Wahrscheinlichkeiten immer hĂ€ufigere und heftigere naturbedingte und dadurch auch massive soziale Katastrophen mit sich bringen werden. Jede auf der Erde lebende Zivilisation wird sich in den kommenden Jahrzehnten grundlegend verĂ€ndern (mĂŒssen). Ob dies durch einen Zusammenbruch zivilisatorischer Leitplankenâ· bedingt ist oder durch grundlegende und rasante sozialökologische UmbrĂŒche, bevor es zu einem sozialökologischen Kollaps kommt, bleibt weiterhin offen.
Die gesellschaftliche Mehrheit in Deutschland und allem voran die politischen Institutionen und Administrationen verharren zu einem groĂen Teil noch immer in einer fatalen VerdrĂ€ngungs- und Verweigerungshaltung, anders lieĂe sich wohl nicht erklĂ€ren, dass die Treibhausgasemissionen weiter steigen (Tagesschau 2021). Auch die planetaren Lebensgrundlagen werden weiterhin unwiederbringlich zerstört und immer mehr Menschen sind von den Folgen der menschengemachten Klimaerhitzung und Ăkosystemzerstörung betroffen (IPBES 2019; IPCC 2021). Das Verharren von Politik und Wirtschaft im âbusiness as usualâ â eine Haltung, die darauf ausgerichtet ist, dass alles seinen gewohnten Gang geht â hat auch Deutschland als Teil der Weltgemeinschaft in eine prekĂ€re Situation gebracht. Wissenschaftliche Studien zeigen auf: Das Eintreten von sozialökologischen Kollaps-Erscheinungen ist in manchen Belangen bereits nicht mehr zu verhindern (IPBES 2019; IPCC 2021).
Um das vollstĂ€ndige Zusammenbrechen plantarer Ăkosysteme zu verhindern, braucht es UmbrĂŒche in Form einer sozialökologischen Transformation,âž die als âeine kulturelle und institutionelle Wendeâ (Schneidewinde 2018, S. 54) verstanden wird und sozial gerechte LösungsansĂ€tze in das Zentrum zur Bearbeitung der katastrophalen Entwicklungen tragen. Ein Mittel, das Aufmerksamkeit generiert, um der Notwendigkeit des Umdenkens Nachdruck zu verleihen, ist der Druck einer widerstĂ€ndigen Zivilgesellschaft: Menschen, die sich zusammenschlieĂen und den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft aufzeigen, dass sie die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen nicht lĂ€nger hinnehmen. Menschen, die aufbegehren und sich buchstĂ€blich in den Weg stellen, um so nötige VerĂ€nderungen zu erwirken.
Hierbei kann die Soziale Arbeit eine wichtige transformative Rolle einnehmen. Will sie dem Anspruch einer Menschenrechtsprofession gerecht werden, ist dies gar ein Muss. Eine Form prĂ€ventiver Praxis, also zur Verhinderung des Kollapses, kann es daher sein, sich am zivilgesellschaftlichen Widerstand zu beteiligen. Der Akt des zivilen Ungehorsams muss dabei im Zentrum stehen. Durch die Kreation einer Widerstandspraxis können neue politische SpielrĂ€ume eröffnet werden, indem sie so mit möglichst breiter Ăffentlichkeit thematisch in die Debatten eingreifen kann. Das Ziel muss es sein, (potenzielle) Adressat*innen vor der aufkommenden Menschenrechts- und Gesundheitskatastrophe zu schĂŒtzen, denn genau darin liegt das Mandat der Sozialen Arbeit (Staub-Bernasconi 2019).
Bevor dieser notwendige Schritt in Betracht gezogen wird, erscheint es ratsam sich mit den Ursachen der unumkehrbaren als auch der noch verhinderbaren Problemkonglomeraten zu befassen. Erst durch die Anerkennung dieser realistisch-fatalistischen Analyse kann die Soziale Arbeit die Voraussetzungen schaffen, sich von ihrer bisherigen PfadabhÀngigkeit zu lösen und auf die Suche neuer Pfade begeben, um das eigene ProfessionsverstÀndnis sowie die ge-sellschaftlichen VerhÀltnisse neu zu konstituieren.
Warum vom sozialökologischen Kollaps gesprochen werden muss
âDer erste Hauptsatz des Menschen ist, âtöte deine Kinder nichtâ.â Hans-Joachim Schellnhuber 2019.
âIch sage Ihnen, dass wir unsere Kinder in einen globalen Schulbus hineinschieben, der mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit tödlich verunglĂŒckt.â Hans-Joachim Schellnhuber 2021.
Die soziale Frage des 21. Jahrhunderts hat einen endlichen Charakter, da davon auszugehen ist, dass bei einem Eintreten eines sozialökologischen Kollapses â einem Zusammenbruch der planetaren Ăkosysteme und darauffolgend auch der Sozialsysteme â die Bearbeitung und Beantwortung ihrer Inhalte obsolet sein könnten. So ist damit zu rechnen, dass das System Gesellschaft in seiner Stabili-tĂ€t stark beeintrĂ€chtigt werden wird, da wir uns âbereits weit auf der Fluglinie Richtung Zusammenbruchâ (Ayoub 2020) befinden. WĂ€hrend es in Bezug auf âdie soziale Fragenâ insbesondere seit der Industrialisierung und Urbanisierung darum ging, negative Folgen der Produktionsexplosion, wie schlechte Lebens-und Arbeitsbedingungen der in die StĂ€dte gezogenen Menschen zu beheben (Dollinger 2006, S. 24â32), bewegt sich die aktuelle soziale Frage in einer anderen, weitreichenderen, wenn gar endlichen Dimension. Es droht ein sozialökologischer Kollaps (BUND 2019; NABU 2019; IPBES 2019; UNFCC 2021).
Die Folgen der menschengemachten Klimaerhitzung und Ăkosystemzerstörung stellen alle Gesellschaften der Weltgemeinschaft vor neuartige Herausforderungen: Die Frage nach dem Ăberleben, die Frage, wie sie mit dem sozialökologischen Kollaps und dessen Auswirkungen zurechtkommen können, steht im Mittelpunkt dieser Auseinandersetzungen. Augenscheinlich umrahmt von einem Antagonismus zwischen dem âbusiness as usualâ in den Produktions- und Konsumweisen und der Forderung nach der Verwirklichung einer anderen, neuartigen, vertrĂ€glicheren, solidarischeren und lebensbejahenden Form von ökonomischem Wirken, ökologischer Wertschöpfung und sozialgerechter Gestaltung und BewĂ€ltigung. Das âbusiness as usualâ als eine neoliberale ideologisierte Praxis (Crouch 2017, S. 138) der unaufhörlichen Extrahierung von allem Verwertbaren aus der Natur, um es gleich darauf als Gas und Gift gewordenen MĂŒll und Abfall, als unbrauchbare Ausscheidungen allem voran in die LebensrĂ€ume der kapitalistischen Peripherie zu externalisieren (Lessenich 2015, S. 24; Lessenich 2016), bedroht die Existenz der gesamten Weltgemeinschaft.
Diese Bedrohungen sind Ergebnisse komplexer VorgĂ€nge, die im Folgenden in drei PhĂ€nomene unterteilt werden. Erstens die menschengemachte Klimaerhitzung, zweitens die menschengemachte Ăkosystemzerstörung, einzuteilen in den BiodiversitĂ€tsverlust bzw. das Artensterben, sowie die Degradation der Böden.
https://pixabay.com/de/users/terranaut-23759469/ (Si apre in una nuova finestra)Die menschengemachte Klimaerhitzung
Der Weltklimarat veröffentlichte im Sommer 2021 einen Bericht, der dystopische Zukunftsszenarien in Aussichten stellt. Im ersten Teil dieses Sechsten Sachstandberichtes des Weltklimarats der Vereinten Nationenâč â dem âWG I â Naturwissenschaftliche Grundlagen des Klimawandelsâ â vom 9. August 2021 wird deutlich, dass es keinen Zweifel mehr daran gibt, dass die Klimaerhitzung menschen-gemacht ist (IPCC 2021): âEs ist eindeutig, dass AktivitĂ€ten des Menschen den Klimawandel verursachen und dadurch auch extreme Klimaereignisse wie Hitzewellen, Starkregen und DĂŒrren hĂ€ufiger und intensiver werdenâ (Eyering/ Marotzke 2021, S. 6). Die Temperaturen der ErdatmosphĂ€re steigen rasant und dies ist nicht mit natĂŒrlichen VorgĂ€ngen, wie der VerĂ€nderung der Sonnen-aktivitĂ€t, den natĂŒrlichen Schwankungen im Ozeansystem oder der Aerosol-konzentration in der AtmosphĂ€re (etwa durch VulkanausbrĂŒche) zu erklĂ€ren (Rahmstorf/Schellnhuber 2019, S. 38â39). âFĂŒr den Anstieg ist der Mensch verantwortlich, in erster Linie durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, in zweiter Linie (zu einem Viertel) durch Abholzung von WĂ€ldernâ (Rahmstorf/ Schellnhuber 2019, S. 51). Der Weltklimaratsbericht verweist auch auf die ver-schwindend geringe Zeit, die der Weltgemeinschaft noch bleibt, um die globale Klimaerhitzung auf unter 1,5°C zu begrenzen:Âčâ° Laut den Autor*innen mĂŒssen umgehend MaĂnahmen ergriffen werden, um zu verhindern, dass die Erhitzung der ErdatmosphĂ€re bis zum Jahr 2030 die 1,5°C-Grenze ĂŒberschreitet.
Ein â zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Beitrags â von der Scientist Rebellion (Wissenschaftsaktivist*innen der Bewegung Extinction Rebellion) im August 2021 veröffentlichter Leak zum dritten (zu diesem Zeitpunkt noch unver-öffentlichten) Teil des Weltklimaratsberichtes zeichnet eine noch pessimistischere Zukunftsprojektion: Demzufolge ist es nicht unwahrscheinlich, dass â sollte der TreibhausgasausstoĂ der Weltgemeinschaft nicht spĂ€testens bis 2025 rapide ab-sinken â die fortlaufende Klimaerhitzung auch die 2°C-Grenze ĂŒberschreiten wird (Scientist Rebellion 2021).
Doch auch die aktuelle Erhitzung der ErdatmosphĂ€re von etwa 1,2°C (World Meteorological Organisation 2020; Guterres 2021) stellt die Weltgemein-schaft bereits jetzt Entwicklungen gegenĂŒber, die immer hĂ€ufiger und heftigere Katastrophen mit sich bringen: DĂŒrren, StĂŒrme, Ăberschwemmungen, Hitze-wellen und WaldbrĂ€nde treten mittlerweile fĂŒnf Mal hĂ€ufiger auf als noch vor 50 Jahren (World Meteorological Organisation 2021a).
BiodiversitÀtsverlust und Artensterben
âDie BiodiversitĂ€tskrise ist die gröĂte Gefahr fĂŒr den Menschen.â (Hechensteiner/ Mezzena 2021).
Jeden Tag sterben weltweit bis zu 130 Tier und Pflanzenarten aus und generell gelten rund eine Million â der etwa 8,1 Millionen bekannten existierenden â Arten weltweite als vom Aussterben bedroht (IPBES 2019, S. 8, WWF 2020). Dieser Vorgang wird als das gröĂte Massenaussterben der Arten seit den Dinosauriern bezeichnet (Brandes 2016). Zwischen 1970 und 2016 ver-schwanden 68 Prozent der weltweit an Land lebenden Wirbeltierarten (Living Planet Report 2020). Artenreiche Feuchtgebiete sind in den vergangenen 300 Jahren um etwa 85 Prozent zurĂŒckgegangen (IPBES 2019a, S. 12). Auch Europa und Deutschland bleiben hiervon nicht verschont. WĂ€hrend 68 Prozent der weltweiten WaldflĂ€chen gegenĂŒber dem vorindustriellen Zeitalter verschwunden sind (IPBES 2019a, S. 26), befinden sich 81 Prozent aller europĂ€ischen Habitate in sehr schlechtem Zustand. Im FrĂŒhjahr 2019 rief der Bund deutscher Forstleute den Klimanotstand fĂŒr die deutschen WĂ€lder aus (Bund deutscher Forstleute 2019). Lediglich 21 Prozent aller BĂ€ume besitzen eine gesunde Krone, ganze Baumarten verschwinden und Ă€ltere BĂ€ume (ab 60 Jahre) gelten als be-sonders betroffen (BML Waldzustandsbericht 2020, S. 6). Die Biomasse der Flug-insekten in Deutschland hat in den vergangenen 27 Jahren um mehr als 75 Prozent abgenommen (NABU 2016).
In den Ozeanen verzeichnet sich ein ebenso prekĂ€res Bild: Die weltweiten Korallenriffe sind seit 1870 um 50 Prozent dezimiert worden (IPBES 2019a, S. 14). Aktuell gelten mindestens 90 Prozent der weltweiten FischbestĂ€nde, die fĂŒr den kommerziellen Fischfang genutzt werden, als stark bedroht und kurz vor dem bio-logischen Zusammenbruch (NABU o.J.). Etwa 66 Prozent der gesamten Meeres-flĂ€chen sind durch menschliche Einflussnahme beeintrĂ€chtigt (IPBES 2019a, S. 11). Durch das massenhafte Abholzen und Verbrennen von WĂ€ldern â vom Amazonas in SĂŒdamerika ĂŒber die RegenwĂ€lder auf den afrikanischen oder sĂŒdostasiatischen Kontinenten bis hin zu den australischen und den borealen WĂ€ldern auf der Nordhalbkugel â ist der Schwund von Waldgebieten enorm. Diese VorgĂ€nge tragen maĂgeblich zur Erhitzung des Klimas bei und stellen eine essenzielle Bedrohung fĂŒr die Vielfalt der weltweiten BiodiversitĂ€t und das Leben der Weltgemeinschaft dar.
Bodendegradation
 Die sogenannte Degradation der Böden gefĂ€hrdet neben der BiodiversitĂ€t auch die weltweite Produktion und Versorgung von Nahrungsmitteln. Bereits jetzt gelten etwa 90 Prozent der weltweiten LandflĂ€chen als grundlegend gefĂ€hrdet und 75 Prozent als weitrĂ€umig degradiert: Diese Entwicklungen gefĂ€hrden schon jetzt die Nahrungsmittelsicherheit von etwa 3,2 Milliarden Menschen auf der Welt (National Geographics 2018). Grund dafĂŒr sind neben den Folgen der Klimaerhitzung allem voran die industrielle Landwirtschaft und Massentier-haltung. Durch das Einbringen von Schadstoffen (Pestizide, Tierausscheidungen), die Bepflanzung riesiger Areale mit Monokulturen, die Verwendung von gen-manipulierten Pflanzen, die Verdichtung durch Maschinen, die Verschmutzung durch stĂ€dtische AbfĂ€lle, MĂŒll und Altlasten, das Abtragen der Böden, die Störung des Wasserkreislaufes, die Versalzung durch den Meeresspiegelanstieg sowie die Desertifikation (WĂŒstenbildung) wird die Fruchtbarkeit förmlich aus-gelöscht (United Nations 2012). Werden diese VorgĂ€nge nicht gestoppt, könnte dies einen Zusammenbruch des weltweiten ErnĂ€hrungssystems noch vor dem Ende des 21. Jahrhunderts zur Folge haben: âDie Böden der Erde können [âŠ] nur noch fĂŒr etwa 60 Erntejahre ausreichende ErtrĂ€ge liefernâ (BUND Mecklen-burg-Vorpommern 2018).
Darum mĂŒssen wir vom sozialökologischen Kollaps reden!
WĂ€hrend WĂ€lder, Moore und Biotope weltweit weiterhin rasant dezimiert werden, Permafrostböden und das Eis an den Polen rasant schmelzen, ĂŒberall auf der Welt die Gletscher schmelzen, die Masse der SĂ€ugetiere und Insekten Weltweit rasant schwindet, die Böden verenden, die Ozeane versauern und ver-öden, Krankheitserreger immer HĂ€ufiger in Epidemien oder Pandemien aus-ufern, DĂŒrren und Hitzewellen, Ăberschwemmungen und Sturmfluten, welt-weites Waldsterben und Trinkwasser- und Nahrungsmittelmangel zunehmen, wird weiter produziert, konsumiert, ausgebeutet, angeeignet, enteignet und zerstört. Die Folgen sind weltweit fĂŒr Menschen, Gemeinschaften, Regionen, Kulturen und Gesellschaften verheerend. Schon jetzt ereignen sich dramatische Katastrophen, nehmen soziale Verwerfungen zu, werden Kriege befeuert oder gar ausgelöst, leben und arbeiten Millionen Menschen unter menschenrechts-widrigen Bedingungen oder sind versklavt, mĂŒssen Millionen Menschen vor Hunger, Durst, Gewalt und Naturkatastrophen fliehen und sterben dabei sogar.
Auch nimmt die StabilitĂ€t lokaler und globaler Ăkosysteme rasant ab. Eine Welt, in der sich die AtmosphĂ€re um mehrere Grad gegenĂŒber dem Vor-industriellen Zeitalter erhitzt, die Artenvielfalt massiv geschrumpft ist, die Böden tot und die Ozeane versauert sind, wird eine Welt voller Krisen und Katastrophen, eine Welt, in der Gesellschaften und ihre (Sozial-)Systeme im Dauerstress ver-harren und unter Menschenrechts- und Gesundheitskatastrophen leiden. Das UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) veröffentlichte im Vorfeld der COP26 (26. Weltklimakonferenz in Glasgow) einen Bericht mit dem Titel âThe heat is onâ. ErnĂŒchtert stellen sie fest: Die aktuellen Klimaschutzvorhaben der Weltgemeinschaft ziehen eine Erhitzung der ErdatmosphĂ€re um bis zu 2,7°C bis zum Ende des Jahrhunderts nach sich (UNFCC 2021; United Nations 2021, S. 29). Die entstehenden Problemkonglomerate bei diesen Temperaturen werden fĂŒr die Menschen kaum mehr zu bewĂ€ltigen sein.
Eine sozialökologische Transformation kann und muss diesen Entwicklungen entgegenwirken. Welche Rolle die Soziale Arbeit dabei einnimmt und einnehmen wird, bedarf einer raschen KlÀrung.
Progressive VerhÀltnisprÀvention gegen das zerstörerische Wachstumsparadigma
âMenschen bzw. insbesondere Kinder und Jugendliche vor als negativ erachteten Entwicklungen zu schĂŒtzen und entsprechend negative EntwicklungsverlĂ€ufe zu verhindern ist eine grundlegende Zielrichtung sozialpĂ€dagogischen Handelns. Sie ist alternativlos, weil ein âAbwartenâ und damit ein Zulassen von GefĂ€hrdungen ethisch und moralisch nicht vertretbar ist.â (Wohlgemut 2009, S. 11).
Wenn das Haus wegen einer Sturmflut zerstört, Regionen wochenlang kein Trinkwasser mehr zur VerfĂŒgung haben, der Herzinfarkt wegen einer Hitzewelle erlitten wurde oder Langzeitfolgen durch einen Krankheitserreger Menschen belasten, dann tritt die Soziale Arbeit nachgeschaltet auf. Sie kann von da an UnterstĂŒtzung anbieten, sie kann dabei Mitwirken, der Situation adĂ€quat und möglichst nachhaltig zu begegnen und Lösungswege aus der jeweiligen prekĂ€ren Situation mitgestalten. So kann sie bei der Entwicklung von Methoden zur Ver-haltensprĂ€vention unterstĂŒtzen (Rosenbrock 2017, S. 19), die das Individuum widerstandsfĂ€higer gegen Problembegegnungen macht.
Doch was geschieht, wenn die Grundversorgung gefĂ€hrdet ist und es zu sozialen Unruhen wie PlĂŒnderungen kommt, da Versorgungswege seit Wochen brach liegen oder Massenarbeitslosigkeit durch den Zusammenbruch ganzer Industrie- und Wirtschaftszweige in eine kollektive Mittellosigkeit fĂŒhrt? Ver-haltensprĂ€vention ist dann kaum mehr möglich, da in einem instabilen Gesell-schaftssystem gewohnte Strukturen des Hilfesystems wegbrechen und davon ausgegangen werden muss, dass die Soziale Arbeit dann selbst kaum mehr arbeits-fĂ€hig bzw. fĂŒr die Adressat*innen verfĂŒgbar sein wird. Aber auch ohne diese Zu-spitzung kommt die VerhaltensprĂ€vention hierbei schnell an ihre Grenzen.
So ist es ein sozialarbeiterisches Grundanliegen, den bereits existenten und sich weiter konstituierenden Problemkonglomeraten mit einer progressiven VerhĂ€ltnisprĂ€vention zu begegnen. Diese muss es sich zur Aufgabe machen, die VerhĂ€ltnisse in und um die Lebenswelt der Adressat*innen â gemeinsam mit, aber auch stellvertretend fĂŒr die Adressat*innenâzu verwandeln (siehe dazu Bei-trag Lutz im Band). Die VerhĂ€ltnisprĂ€vention ist ein Konzept aus der öffentlichen GesundheitsfĂŒrsorge (public health) und zielt darauf, âdie Lebens- und Arbeitsbedingungen mit den BedĂŒrfnissen der menschlichen Gesundheit in gröĂere Ăbereinstimmung zu bringenâ (Rosenbrock 2008, S. 9). So geht es dabei um âprĂ€ventive MaĂnahmen [, die] an den LebensverhĂ€ltnissen ansetzenâ (Bundesgesundheitsministerium 2019). Dazu zĂ€hlen unweigerlich auch der Zustand der Natur bzw. die Umweltbedingungen. Um Einfluss auf diese verschiedenen, das Individuum und die Kollektive berĂŒhrenden, Umweltbedingungen nehmen zu können, braucht es das Einmischen in politische und wirtschaftliche Belange. VerhĂ€ltnisprĂ€vention erscheint diesbezĂŒglich als notwendiges Konzept eines progressiven VerstĂ€ndnisses von Sozialer Arbeit, so ist es Teil ihres Mandates, ihre Adressat*innen vor GesundheitsgefĂ€hrdungen und Menschenrechtverletzungen zu bewahren (Staub-Bernasconi 2019).
Die VerhĂ€ltnisse mĂŒssen grundlegend verĂ€ndert werden, daran besteht kein Zweifel. Auch ohne die beschriebene PrekaritĂ€t hat die VerhĂ€ltnisprĂ€vention der VerhaltensprĂ€vention die politische Komponente voraus, vor allem daher, da sie an den Strukturen im System ansetzt (Homfeldt 2012, S. 318) und aus dem neoliberalen Dogma der Eigenverantwortlichkeit herausleiten kann. Denn bis dato gilt die Soziale Arbeit in weiten Teilen als systemstabilisierend, besonders seit ihrer Neoliberalisierung in den 1980/90er Jahren. Zeitliche und finanzielle Efizienz haben zunehmend den Anspruch, eine emanzipierte und empowernde Professionen zu sein, unterminiert. So lĂ€sst sich Soziale Arbeit als eine Dienstleistung innerhalb einer vorherrschenden neoliberalen Logik verstehen (Neubert 2017, S. 31). So erscheint es mehr als angebracht, sie als âPflaster des Kapitalismusâ (siehe Beitrag von Coutinho im Band), als Teil der Verwaltung des sozialökologischen Niedergangs, zu bezeichnen. Holzschnittartig betrachtet ist die kapitalistische Produktionsweise, die Akkumulation von Geld, Macht und Ressourcen, als hauptverantwortlich fĂŒr die Zerstörung der planetaren Lebensgrundlagen zu betrachten. Zerstörung und Ausbeutung von LebensrĂ€umen und Menschenleben ist eine immanente Bedingung. Es ist keine neue Erkenntnis, âdass die sich verschĂ€rfenden Turbulenzen um uns herum ausdrĂŒcklich als Krise der kapitalistischen Gesellschaft gelesen werden könnten oder vielmehr als Krise der besonderen Form kapitalistischer Gesellschaft, in der wir lebenâ (Fraser/ Jaeggi 2020, S. 9.). Besonders von Bedeutung fĂŒr die Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit ist die Analyse, dass âder Kapitalismus [âŠ] problematisch [ist], weil er Ergebnisse produziert, die moralisch unvertretbar sindâ (Jaeggi 2020, S. 169). Bisherige Versuche, im Rahmen der kapitalistischen Verwertungslogik die Ausbeutung von Menschen, Tieren und Natur zu unterbinden, zeigten wenig Wirkungen. Im Gegenteil erscheint jede neu Sparte, jedes neue Instrument, als weiteres Areal der Kommodifizierung. Denn die einstige âAbmachungâ zwischen dem Kapitalismus und dem Wohlfahrtsstaat, die âSchranken der Kommerzialisierung und Kommodifizierungâ zu wahren, gilt im postindustriellen Zeitalter nicht mehr (Crouch 2017, S. 103â107).
Ebenso, wie im Zuge der Privatisierung öffentlicher Dienstleistung, jene zur Efizienz- und QualitĂ€tssteigerung dem Ausverkauf preisgegeben wurden, geschieht es im Rahmen eines grĂŒnen Kapitalismus. Vertreter*innen der GrĂŒnen Ăkonomie sind der Auffassung, dass Ăbernutzung und Zerstörung nur daher geschehen, da natĂŒrliche Vorkommen keiner ökonomischen Bewertungen unterliegen. Die âLösungâ: Bisher nicht ökonomisierte âNaturgĂŒterâ sollen in Preissysteme und ökonomische Berechnungen eingegliedert werden. Der GrĂŒnen Ăkonomie geht es danach nicht darum, Wirtschaftsweisen grundlegend neu zu definieren; ihr Ziel ist es, die Natur der ökonomischen Erfassung und Bewertung zu unterstellen (Fatheuer/Fuhr/UnmĂŒĂig 2015, S. 65â66). Die GrĂŒne Ăkonomie, auch gepriesen als âĂkonomie der Instandsetzungâ, reproduziert weiterhin koloniale KontinuitĂ€ten, die sich in Verteilungsungerechtigkeiten, westlichen Deutungshoheiten und WissenszusammenhĂ€ngen erkennen lassen. Aneignung und Einhegung, Enteignung und Vertreibung sowie die fortlaufende unwiederbringlich Zerstörung der Lebensgrundlagen, bleiben weiterhin intrinsische Bestrebungen (Fairhead/Leach/Scoones 2021, S. 242; siehe auch Beitrag von Afeworki Abay/Schmitt im Band). Der jĂŒngste Versuch, Kapitalismus und den Erhalt der planetaren Lebensgrundlagen zusammenzubringen hat somit gezeigt, dass wachstumsbasiertes Wirtschaften nicht in der Lage ist, die Problembegegnungen zu bewĂ€ltigen, die letztlich erst durch diese aufgekommen sind. Auch nicht, wenn sie grĂŒn angestrichen wurden.
Die Praxis einer progressiven VerhÀltnisprÀvention kann der Sozialen Arbeit somit auch aus dem lange wÀhrenden Dilemma ihrer Neoliberalisierung verhelfen. Eine progressive VerhÀltnisprÀvention richtet sich gegen die Ausbeutung von Menschen und Natur und nimmt sozialstrukturelle MachtverhÀltnisse in den Blick, sie stellte die Mechanismen dieser AusbeutungsverhÀltnisse nicht einfach nur infrage, sie bekÀmpft sie und nutzt dabei ihr wissenschaftsbasierendes SelbstverstÀndnis und ihren ethisch-moralischen Kompass.
VerhĂ€ltnisprĂ€vention mittels relativer Autonomie â Widerstand nach bestem Wissen und Gewissen
Es muss zum mandatorischen SelbstverstĂ€ndnis gehören, dass sich die Soziale Arbeit die wissenschaftlichen Faktenlagen um die menschengemachte Klimaerhitzung und Ăkosystemzerstörung zu eigen macht. Die Schlussfolgerung könnte sein, die VerhĂ€ltnisse die verantwortlich fĂŒr die Problemkonglomerate sind, aktiv mit- und umzugestalten, wenn nötig auch zu bekĂ€mpfen: âWenn man davon ausgeht, dass Disziplin und Profession, Theorie und Praxis zusammenhĂ€ngen, dann muss sich sozialarbeiterisches Handeln so weit wie möglich auf theoretisch begrĂŒndete und wissenschaftlich geprĂŒfte und ĂŒberfĂŒhrbare Aussagen bzw. Hypothesen beziehenâ (Staub-Bernasconi 2019, S. 87). Ein weitlĂ€ufiges Hinnehmen und fortlaufendes Verhaften in der Kaschierung der Folgen, kann kein ernstzunehmendes Anliegen von Sozialarbeitenden einer Menschenrechtsprofession sein. Die âwissenschaftlich und ethisch begrĂŒndete relative Autonomie im Zusammenhang mit Entscheidungs- und HandlungsspielrĂ€umenâ (Staub-Bernasconi 2019, S. 89) ist konstitutives Merkmal der Sozialen Arbeit.
Die Aufnahme des Widerstandes als Teil von Theorie und Praxis, als SelbstverstÀndnis und als Methode, wird Fragen aufwerfen, Konfliktfelder generieren und irritieren. Dies ist jedoch notwendig, will sie nicht in die Rolle einer Katastrophenmanagerin gelangen, die sich lediglich mit der Abmilderung der Folgen aufkommender Problemkonglomerate befasst. Doch auch aus einer weiteren Perspektive erscheint es unumgÀnglich als Profession, als Praktizierende und Theoretiker*innen, Widerstand gegen die zerstörenden VerhÀltnisse zu generieren. Dem Anspruch des wissenschaftlich fundierten Wirkens sowie im Sinne des Ethikkodex als Menschenrechtsprofession zu agieren, gesellt sich der Anspruch dazu, das Ablaufdatum ihres strukturellen Obsolet-Seins durch ihren Beitrag zu einer besseren Gesellschaft mit zu beeinflussen.
SekundÀres Erhaltungsstreben als Ziel einer kritischen Sozialen Arbeit
âFaktisch und historisch gesehen ist die Soziale Arbeit eine notwendige Begleiterscheinung des kapitalistischen Gesellschaftssystemsâ (Seithe 2012, S. 399). WĂ€hrend die kritische Theorie Sozialer Arbeit, im steten Versuch der Selbstkritik und -reflexion (Staub-Bernasconi 2019, S. 266), diese als systemstabilisierenden Teil des kapitalistischen Ausbeutungssystems betrachtet und ihr unterstellt, ihres Selbsterhalts wegen nur marginal daran interessiert zu sein, dies zu Ă€ndern (Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit 2005), stellen die anwachsenden Problemkonglomerate sie vor neue Herausforderungen. Bis dato fordert kritische Soziale Arbeit, auf die Beseitigung der ausbeuterischen VerhĂ€ltnisse hinzuarbeiten. Doch zunehmend sieht sich die Profession einer dialektischen Wandlung gegenĂŒbergestellt. Mit Blick auf die Wahrscheinlichkeiten eines sozialökologischen Kollapses bzw. sozialökologischer Kollapserscheinungen muss sie damit rechnen, selbst den potenziellen VerhĂ€ltnissen zum Opfer zu fallen, da die Strukturen, durch die sie sich konstituiert, fragiler werden bzw. sich aufzulösen beginnen. So könnten auch Sozialarbeitende selbst fortlaufend zu Adressat*innen werden, da die Problembegegnungen an Dichte zunehmen werden. Demzufolge kann es nicht weiterhin alleiniges Ziel sein, die eigene Existenz obsolet werden zu lassen gemÀà der Utopie einer solidarischen Gesellschaft ohne ausbeuterische VerhĂ€ltnisse. Vielmehr geht es zunehmend um das Abwenden einer kollektiven HandlungsunfĂ€higkeit.
Eine zukunftsorientierte kritische Soziale Arbeit muss sich einer Dialektik zwischen Selbsterhaltungstrieb und dem intrinsischem Streben nach dem eigenen Obsolet-Sein bedienen. Beiden Bestrebungen ist gemeinsam, dass ihre ErfĂŒllung durch die Abschaffung der ausbeuterischen VerhĂ€ltnisse bedingt ist. So muss sie im Angesicht des sozialökologischen Kollapses danach streben, diesen nach ihren Möglichkeiten zu verhindern, um weiter funktionsfĂ€hig zu sein und zugleich muss es ihr ein Anliegen sein, perspektivisch nicht mehr gebraucht zu werden.Â
Ziviler Ungehorsam als Treiber von VerÀnderungen
Die Entwicklungen sozialer Normen sind grundlegend fĂŒr funktionierende Gesellschaften und können durch kollektives Handeln geprĂ€gt und verĂ€ndert werden (Scientist Rebellion 2021). So können kollektive Konsumentscheidungen groĂe politische Wirkung erzielen und grundlegende VerĂ€nderungen gesellschaftlicher VerhĂ€ltnisse in Gang bringen (Scientist Rebellion 2021; Paech 2011). Doch die Zeit ist rar und âKlimaschutz- und Entwicklungsziele können nicht durch schrittweise VerĂ€nderungen erreicht werdenâ (Scientist Rebellion 2021). Die sozialökologische Transformation muss rasant und entschieden, sie muss radikal, angegangen und umgesetzt werden. Eine weitreichende in GröĂe und KomplexitĂ€t nie dagewesene UmwĂ€lzung, seit es menschlichen Zivilisationen gibt, steht an (WBGU 2011, S. 1).
Viele der uns heute bekannten sozialen Normen, Rechte und Freiheiten erscheinen als SelbstverstĂ€ndlichkeiten, doch sind sie Errungenschaften aus unermĂŒdlichen KĂ€mpfen von unten, aus den Gesellschaften heraus. Vom Salzmarsch und der indischen UnabhĂ€ngigkeitsbewegung, dem Montgomery Bus Boycott und der schwarzen BĂŒrgerrechtsbewegung ĂŒber die Suffragetten in der Frauenrechtsbewegung oder die Arbeiterbewegung bis hin zur Antiatombewegung, diese und viele weitere KĂ€mpfe sind Teile einer langen Historie des zivilgesellschaftlichen Widerstandes gegen Unrecht, Rechtlosigkeit, Ausbeutung, UnterdrĂŒckung, gegen Rassismus und sexistische Ausgrenzung, gegen strukturell, staatlich und wirtschaftlich bedingte Gewalt (Braune 2017).
Dass es in LĂ€ndern des Globalen Nordens, inklusive Deutschland, ĂŒberhaupt zu gröĂer angelegten Diskursen und Auseinandersetzungen, bezĂŒglich der entstehenden Problemkonglomerate durch die menschengemachte Klimaerhitzung und Ăkosystemzerstörungen, gekommen ist, ist vor allem dem Aufbegehren und dem Widerstand, der mehrheitlich jungen Menschen zu verdanken, die seit 2018 massive Proteste veranstalten.ÂčÂč Ihr Anliegen ist kein geringeres, als zu verhindern, dass weite Teile der Erde fĂŒr die Menschen unbewohnbar werden, dass Luft ver-schmutzt, Wasser verseucht und Natur unwiederbringlich zerstört wird und dass es so zu ZusammenbrĂŒchen zivilisatorischer Leitplanken kommt. Es ist keine Fortsetzung der âsozialen Revolution von vor gut einhundert Jahren noch lediglich eine Fortsetzung der ĂŒber fĂŒnfzig Jahren wĂ€hrenden BĂŒrgerrechtsbewegung. Die neuen Formen des Widerstandes gehen von einer Mobilisierung fĂŒr akut bedrohtes Leben aus und kĂ€mpfen fĂŒr die Aussicht auf geteiltes, gemeinsam gewahrtes und solidarisch organisiertes Lebenâ (von Redecker 2020, S. 9â10).
Doch nicht nur ein ethisches VerstĂ€ndnis, sondern auch die Gesetzeslage stellt das Fundament fĂŒr den Widerstand gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen. Mit Artikel 20a12 verpflichtet sich die Bundesregierung, bereits seit dem Erlass des Gesetzes im Jahr 2002 dazu, die Lebensgrundlagen fĂŒr zukĂŒnftige Generationen zu schĂŒtzen. Und mit dem Urteilsspruch des Bundesverfassungsgerichts vom 24. MĂ€rz 2021 wurde dies einmal mehr unterstrichen und zudem die Rechte zukĂŒnftiger Generationen als unbedingt zu schĂŒtzen deklariert (Bundesverfassungsgericht 2021). Das Zustandekommen solcher UrteilsverkĂŒndungen ist kausal an den gesellschaftlichen Willensbildungsprozess des zivilgesellschaftlichen Widerstandes geknĂŒpft. Ohne die Diskurseröffnung und -verschiebung blieben solch weitreichende Entscheidungen bis dato wohl weitrĂ€umig aus (Tagesschau 2021).
Zivilgesellschaftlicher Widerstand ist eine wichtige und fortwĂ€hrend relevanter werdende Form der VerhĂ€ltnisprĂ€vention. Er kann entscheidend dazu beitragen, zerstörerischen Praktiken entgegenzuwirken und Entwicklungen verhindern, die die (potenziellen) Adressat*innen der Sozialen Arbeit bedrohen, in dem sie alte und vor allem neue GefĂ€hrdungen (re)produzieren: Problemkonglomerate die allem voran fĂŒr Kinder und Jugendliche, fĂŒr Frauen*, weiblich gelesene und Queere Personen, Alte, Menschen mit psychischen oder körperlichen Behinderungen und fĂŒr BIPoC* Personen essenzielle Bedrohungslagen generieren.
Um nur einen Ausschnitt zu geben: Aktuell leiden weltweit allein 11 Millionen Kinder unter fĂŒnf Jahren an Hunger (Save the Children 2020). âEine Milliarde Kinder [sind] durch die Auswirkungen des Klimawandels âstark gefĂ€hrdetââ (UNICEF 2021).
Frauen* sind signifikant hĂ€ufiger und stĂ€rker von den ökologischen Folgen und gesellschaftlichen Auswirkungen betroffen als MĂ€nner: âEtwa bei den Fluchtmöglichkeiten, dabei wer die Pflege von Verletzten und Kranken nach Katastrophen auf sich nimmt, bei der Gefahr von Gewalt auf der Flucht, in Katastrophengebieten, bei der Bedrohung von Lebensgrundlage und Gesundheitâ (UN Women 2021).
Menschen mit Behinderungen erfahren durch die Folgen der menschengemachten Klimaerhitzung und Ăkosystemzerstörung Diskriminierung und Marginalisierung. ErnĂ€hrungssicherheit, Zugang zu Trinkwasser und SanitĂ€reinrichtungen, Ermöglichung von Lebensunterhalt und menschenwĂŒrdiger Arbeit und die individuelle MobilitĂ€t werde besonders in Krisen und Katastrophenlagen zu essenziellen Bedrohungen fĂŒr die betroffenen Menschen (UN Human Rights Council 2020).
Ausgrenzungs- Diskriminierungs-, UnterdrĂŒckungs- und Ausbeutungs-strukturen sind selbst in demokratischen Gesellschaften noch immer markant ausgeprĂ€gt und so zeigen diese Beispiele die FragilitĂ€t auf, deren AusmaĂe sich nur erahnen lassen, gibt es keinen Widerstand gegen die unwiederbringliche Zerstörung der planetaren Lebensgrundlagen.
https://pixabay.com/de/users/clker-free-vector-images-3736/ (Si apre in una nuova finestra)Die neue Generation der Sozialen Arbeit muss eine Generation des Widerstandes sein
Es braucht VerĂ€nderungen, und zwar dringend: âDass dies nur gelingen kann, wenn Staaten, Unternehmen und die gesamte Zivilgesellschaft gemeinsam die richtigen Weichen stellen und alle Mittel der regionalen, nationalen und globalen Zusammenarbeit ausschöpfenâ (Figueres 2011, S. 423), ist unbestreitbar. Um dieser Forderung nach einem gemeinsamen Wirken Nachdruck zu verleihen, bietet sich die bereits benannte Praxis des zivilgesellschaftlichen, des kollektiven Widerstandes an: âDer zivile Ungehorsam eines Einzelnen wird wahrscheinlich kaum etwas ausrichten. Man wird dieses Individuum fĂŒr eine exzentrische Person halten, die zu beobachten viel interessanter ist, als sie zu unterdrĂŒcken. Bedeutung gewinnt ziviler Ungehorsam erst dann, wenn er von einer Anzahl von Menschen ausgeĂŒbt wird, die eine Interessengemeinschaft bildenâ (Arendt 2013, S. 133).
Die anhaltende Inkonsequenz von Politik und Wirtschaft wird zur essenziellen Bedrohung der (potenziellen) Adressat*innen, dies muss der Sozialen Arbeit Grund genug sein, sich im Widerstand zu ĂŒben. Dieser beginnt auf der individuellen Ebene â wie einst Henry David Thoreau, der sich weigerte Steuern an die US-Amerikanische Regierung zu entrichten, da diese damit den Krieg gegen Mexiko finanzierte und Menschen in die Sklaverei zwang (Thoreau 2013, S. 18â19) â, indem die Sozialarbeitenden sich weigern, ethisch fragwĂŒrdige Anordnungen auszufĂŒhren und Gesetze zu befolgen: âAktionsformen [âŠ] die bis zur Nichtkooperation mit denjenigen, welche sie geschaffen haben, gehen könnenâ (Staub-Bernasconi 2019, S. 240).
Auf kollektiver Ebene bedeutet dies, nach wirkmĂ€chtigen Mitteln zu suchen, indem Sozialarbeitende und Institutionen, Institute und Hochschulen sich an Demonstrationen und Streiks beteiligen, diese auch selbst organisieren und dazu aufrufen. Doch noch viel wichtiger wird es mit zunehmender Erhitzung und Zerstörung und der dadurch bedingten zunehmenden FragilitĂ€t des Gesellschaftssystems, den Akt des zivilen Ungehorsams als historisch etabliertes und wirkmĂ€chtiges Mittel zur Generierung von Aufmerksamkeit fĂŒr (potenzielle) gesellschaftliche Problembegegnungen in Theorie und Praxis aufzunehmen. Dazu kann sie sich an vielerlei kreativen Protestformen bedienen und es sozialen Bewegungen und NGOs gleichtun (Staub-Bernasconi 2019, S. 240).
Das UnterstĂŒtzen und Empowern, das Zur-Seite-Stehen, darf nicht lĂ€nger un-geachtet der dramatischen Entwicklungen ohne den Akt des Widerstandes gedacht und erledigt werden. Sozialarbeitende sind angehalten und aufgefordert, ihre Privilegien und ZugĂ€nge und die ihnen dadurch zukommende Macht einzusetzen und im Rahmen ihrer relativen Autonomie klarzustellen, dass sie die zerstörenden VerhĂ€ltnisse nicht weiterhin widerstandslos aufrechterhalten werden, dass sie sich schĂŒtzend vor ihre (potenziellen) Adressat*innen stellen. Eine Profession des Widerstands hat das Potenzial, Leiden nicht nur zu lindern, sie kann gemeinsam mit weiteren Institutionen und zivilgesellschaftlichen Organisationen das Leiden gar zu verhindern versuchen.
Der Einsatz um jeden zehntel Grad, den Erhalt jedes WaldstĂŒcks oder jedes Moores ist ein Einsatz, der sich lohnt. Vor allem aber ist es ein Kampf fĂŒr die Ungehörten, fĂŒr die Unsichtbargemachten, ein Kampf fĂŒr jene, die weder die Mittel noch die Kraft besitzen, dieser aufkommenden Menschenrechts- und Gesundheitskatastrophe etwas entgegenzusetzen. Dieser Kampf beinhaltet ein âGegenâ und ein âFĂŒrâ. Es ist ein Kampf gegen mĂ€chtige transnationale Konzerne und ihren Profitlobbyismus, gegen ein politisches System, das die Ungleichheit wachsen und den Zusammenbruch unserer Demokratie wahrscheinlicher werden lĂ€sst. Vor allem aber ist es ein Kampf fĂŒr die potenziellen Adressat*innen, fĂŒr den Erhalt ihrer Gesundheit, fĂŒr die Einhaltung und Wahrung ihrer Menschenrechte, fĂŒr ein gelingendes und gutes Leben, fĂŒr Perspektiven und Hoffnung, fĂŒr MĂŒndigkeit und SolidaritĂ€t, âfĂŒr ein neues Miteinanderâ (Pfaff 2019, S. 72) und fĂŒr eine Utopie einer besseren Gesellschaft. â2021 fĂ€llt die Entscheidung, ob die Welt den nötigen Wandel vollziehen und das Versprechen, die Ziele bis 2030 zu erreichen, halten kann. Die Folgen betreffen uns alleâ (Zhenmin 2021).
âWenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.â Berthold Brecht
Du hast Gedanken, Feedback oder Fragen, dann nutze gerne die Kommentarfunktion.:)
Du findest den pfaffblog unterstĂŒtzenswerte? Dann kannst du eine Mitgliedschaft (schon ab 3 ⏠im Monat) abschlieĂen und Dankeschöns dafĂŒr erhalten.
Du bist noch unsicher? Dann abonniere gerne den kostenlosen Newsletter, um mehr Einblicke in meinen Blog und politische Arbeit zu bekommen.
mehr zum Thema Soziale Arbeit und KrisenbewĂ€ltigung findest du in meinem Sammelband âSoziale Arbeit und der sozialökologische Kollapsâ.
Mehr zum Thema âSoziale Arbeitâ, Umweltzerstörung und gemeinschaftsgetragene LösungsansĂ€tze findest du in meinem SammelbĂ€nden.
Vielen Dank fĂŒr dein Interesse und deine UnterstĂŒtzung.:)
Solidarisch, Tino
1 Menschengemacht bezieht sich hierbei nicht auf die Summe aller seienden und gewesenen Menschen auf der Erde. Historisch gesehen sind es die euroamerikanischen Staaten, deren Produktions- und Konsumweisen die rasante Klimaerhitzung bedingen und somit bezieht sich der Begriff auf die Art von menschlichen Lebensweisen, nicht etwa auf die Menschheit als solche. Wichtig hierbei: Die historische Hauptverantwortung tragen die die euro-amerikanischen Staaten (Hickel 2020, S. 399).
2 Dekolonial: Konzepte von Klima- und ökologischer Gerechtigkeit sind mehrheitlich von weiĂen und eurozentristischen Interpretationen und Perspektiven geprĂ€gt. Dekolonial meint und verlangt den Einbezug zahlreicher Perspektiven, allem voran die der von Klima- und ökologischer Ungerechtigkeit betroffenen Menschen und Gemeinschaften in LĂ€ndern und Regionen des Globalen SĂŒdens. So sind entsprechende Konzepte stets auf diese Problematik hin kritisch zu betrachten und möglichst zu reformieren.
3 Klimagerechtigkeit: Legt den Fokus auf das Verursachendenprinzip: WĂ€hrend hauptsĂ€chlich LĂ€nder und Regionen des Globalen SĂŒdens von den Folgen betroffen sind, sind mehrheitlich LĂ€nder des Globalen Nordens fĂŒr die menschengemachten Klimaerhitzung und Ăkosystemzerstörung und deren Folgen verantwortlich. Erstere tragen nur eine geringe Verantwortung und zugleich besitzen sie weniger finanziellen und Ressourcenreichtum, um sich gegen die Folgen zu schĂŒtzen. Letztere tragen eine hohe Verantwortung, sind weniger von den Folgen betroffen und können sich gegen eintretende Folgen besser schĂŒtzen, da sie finanziellen und Ressourcenreichtum besitzen (Ekardt 2019, ausfĂŒhrlich zum Begriff siehe Beitrag von Liedholz im Band).
4 Ăkologische Gerechtigkeit: Fragt ebenso nach dem Verursachendenprinzip, legt darĂŒber hinaus auch einen Fokus auf Natur und Tiere. So stehen auch deren BedĂŒrfnisse im Mittelpunkt der Betrachtung, um so weg von einer reinen Verteilungsgerechtigkeit zwischen Gruppen und Gesellschaften zu kommen. Hin zu einem holistisch motivierten Prinzip, das Natur und Tiere nicht nur als zu verteilende Ressource versteht (Leist 2007).
5 Globaler SĂŒden und Norden: Meinen keine festgelegten geografischen Ordnungen. WĂ€hrend dem Globalen SĂŒden LĂ€nder und Regionen zugezĂ€hlt werden, die weltpolitisch unterprivilegiert sind, werden unter Globaler Norden weltpolitisch privilegiertere LĂ€nder zusammengefasst (Lentz/Noll 2020, S. 4; Brand/Wissen 2011, S. 78).
6 Weltgemeinschaft: Meint die Summe aller Menschen, Kollektive, Gemeinschaften und Gesellschaften auf der Erde. Es soll suggerieren, dass âgemeinschaftlich seinâ möglich ist. Der Begriff ersetzt den Begriff der Menschheit, da dieser eine zu enge Fassung impliziert, gerade wenn es um Verteilung von Verantwortung und Folgen, ZugĂ€nge und Lebenswelt geht.
7 Leitplanken: Meint Strukturen und Systeme, die die Menschen als gewöhnlich empfinden und die dafĂŒr sorgen, dass unsere Gesellschaften funktionieren. Angefangen bei der Art das Kommunizierens und Bewegens auf der Erde ĂŒber die Versorgung mit Lebensnotwendigem bis hin zu Normen und Regeln, die durch zuvor genanntes aufrechterhalten werden.
8 Der Begriff der âsozialökologischen Transformationâ wird teilweise unterschiedlich besetzt. Breiten Konsens gibt es darin, dass es sich um einen tiefgehenden Wandel von Gesellschaft und Wirtschaft handelt. Mit dem Ausgangspunkt, dass vor allem die Art des Wirtschaftens aber auch die Konsumtion mit der Zerstörung der Natur in Verbindung stehen und diese Korrelation beendet werden muss.
9 14.000 Berichte wurden von 235 Autor*innen aus 65 LĂ€ndern begutachtet und ausgewertet. Die Aussagekraft dieses Berichts lĂ€sst sich damit als in hohem MaĂe umfassend betrachten.
10 Wichtig fĂŒr diese Betrachtung ist, dass sie stets auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen basieren und es sich nie um Sicherheiten handelt. Sowohl die Anforderungen des Pariser Klimaabkommens als auch die des Klimapakets der Bundesregierung arbeiten mit diesen Wahrscheinlichkeiten. Mehr dazu hier: www.wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index. php/2-Grad-Ziel (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 04.11.2021).
11 Mag dies eine fundamental zutrĂ€gliche Entwicklung fĂŒr die Debatten und Diskurse auf (welt-)gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Ebene sein, so ist es zugleich ein Armutszeugnis. Obwohl Menschen in LĂ€ndern des Globalen SĂŒdens, obwohl viele der etwa 5000 Indigenen Gemeinschaften (Amnesty International) weltweit seit Jahrhunderten darauf aufmerksam machen und verbitterte KĂ€mpfe gegen die Zerstörung ihrer Lebens-grundlagen fĂŒhren, nehmen die Auseinandersetzungen um LösungsansĂ€tze und nötige Transformationen erst zu, seitdem die euroamerikanischen Gesellschaften aus einer Selbst-betroffenheit heraus tĂ€tig werden.
12 Grundgesetz fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland: Artikel 20a: Der Staat schĂŒtzt auch in Verantwortung fĂŒr die kĂŒnftigen Generationen die natĂŒrlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmĂ€Ăigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach MaĂgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.
Amnesty International (o.J.): Indigenous People. www.amnesty.org/en/what-we-do/indigenous-peoples/ (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 19.10.2021).
Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit (AKS) (2005): Homepage. www.kritischesozialearbeit.de/ (Si apre in una nuova finestra) (Ab-ruf 25.10.2021).
Arendt, H. (2013): Ziviler Ungehorsam (1969). In: Braune, A. (Hrsg.): Ziviler Ungehorsam. Texte von Thoreau bis Occupy. Stuttgart: Reclam, S. 132â158.
Ayoub, N. (2020): Klimaforscher: Zusammenbruch der Zivilisation ist der wahrscheinlichste Aus-gang. www.utopia.de/zusammenbruch-zivilisation-klimakrise-prognose-klimawandel-193842/ (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 25.10.2021).
BML Waldzustandsbericht (2020): Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020: SchÀden haben weiter zugenommen. www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/ergebnisse-wald-zustandserhebung-2020.pdf?__blob=publicationFile&v=11 (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 21.10.2021).
Brand, U./Wissen, M. (2011): Sozial-ökologische Krise und imperiale Lebensweise. Zu Krise und KontinuitĂ€t kapitalistischer NaturverhĂ€ltnisse. In: DemiroviÄ, A./DĂŒck, J./Becker, F./Bader, P. (Hrsg.): Vielfach Krise im finanzdominierten Kapitalismus. Hamburg: VSA, S. 78â93.
Brandes, E. (2016): Gewinner und Verlierer 2016. WWF: 2016 ist ein durchwachsenes Jahr fĂŒr den Artenschutz. www.presseportal.de/pm/6638/3522555 (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 25.10.2021).
Braune, A. (2017): Ziviler Ungehorsam. Texte von Thoreau bis Occupy. Stuttgart: Reclam.
BUND (2019): Alarmierender Bericht des WeltbiodiversitÀtsrates: Ohne radikalen Wandel droht ökologischer Kollaps. www.bund.net/themen/aktuelles/detail-aktuelles/news/alarmierender-bericht-des-weltbiodiversitaetsrates-ohne-radikalen-wandel-droht-oekologischer-kollaps/ (Si apre in una nuova finestra) (Ab-ruf 25.10.2021).
BUND Mecklenburg-Vorpommern (2018): Noch 60 Ernten, dann ist Schluss! www.bund-mecklenburg-vorpommern.de/service/meldungen/detail/news/noch-60-ernten-dann-ist-schluss/ (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 20.10.2021).
Bundesgesundheitsministerium (2019): PrÀvention. www.bundesgesundheitsministerium.de/service/ begriffe-von-a-z/p/praevention.html (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 25.10.2021).
Bundesverfassungsgericht (2021): Verfassungsbeschwerden gegen das Klimaschutzgesetz teilweise erfolgreich. Pressemitteilung Nr. 31/2021 vom 29. April 2021. Beschluss vom 24. MĂ€rz 2021. www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2021/bvg21-031.html (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 21.10.2021).
Crouch, C. (2017): Postdemokratie. Berlin: Suhrkamp.
Dollinger, B. (2006): Die PĂ€dagogik der Sozialen Frage. (Sozial-)PĂ€dagogische Theorie vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der Weimarer Republik. Wiesbaden: VS Verlag fĂŒr Sozial-wissenschaften.
Ekardt, Felix (Hrsg.) (2012): Klimagerechtigkeit. Ethische, ökonomische, rechtliche und trans-disziplinÀre ZugÀnge. Marburg: Metropolis.
Eyering, V./Marotzke, J. (2021): Vorstellung des Berichts. Sechster Sachstandsbericht. Arbeits-gruppe 1 â Naturwissenschaftliche Grundlagen. (Si apre in una nuova finestra)www.de-ipcc.de/350.php:AR6_PPT_SPM_ (Si apre in una nuova finestra) Folien_DE_Eyring_Marotzke_PK_BMU_BMBF (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 26.10.2021).
Fairhead, J./Leach, M./Scoones, I. (2012): Green Grabbing: a new appropriation of nature? In: Journal of Peasant Studies 39(2), S. 237â261.
Fatheuer, T./Fuhr, L./UnmĂŒĂig, B. (2015): Kritik der GrĂŒnen Ăkonomie. MĂŒnchen: Oekom. Figueres, C. (2011): Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag fĂŒr eine GroĂe Transformation. In: WBGU
(Hrsg.): Hauptgutachten. 2. verÀnderte Auflage. Berlin: WBGU, S. 423.
Fraser, N./Jaeggi, R. (2020): Kapitalismus. Ein GesprĂ€ch ĂŒber kritische Theorie. Berlin: Suhrkamp. German Watch (2010): Internationale Klimagerechtigkeit. www.germanwatch.org/sites/default/files/ (Si apre in una nuova finestra)
announcement/3080.pdf (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 26.10.2021).
Guterres, A. (2021): Ziele fĂŒr nachhaltige Entwicklung. Bericht 2021. United Nations. www.un.org/ depts/german/millennium/SDG%20Bericht%202021.pdf (Si apre in una nuova finestra) (26.10.2021).
Hartmann, S. (2019): Ărzteschaft. Ărzteallianz ruft zum Klimastreik auf. www.aerzteblatt.de/nach-richten/105994/Aerzteallianz-ruft-zum-Klimastreik-auf (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 16.10.2021).
Hechensteiner, S./Mezzena, D. (2021): Die BiodiversitĂ€tskrise ist die gröĂte Gefahr fĂŒr den Menschen. www.eurac.edu/de/magazine/biodiversitaetskrise-ist-die-groesste-gefahr-fuer-den-menschen (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 25.10.2021).
Hickel, J. (2020): Quantifying national responsibility for climate breakdown: an equality-based attribution approach for carbon dioxide emissions in excess of the planetary boundary. In: The Lancet Planetary Health 4(9), S. 399â404.
Homfeldt, H.J. (2012): Soziale Arbeit im Gesundheitswesen und in der Gesundheitsförderung. In: Thole, W. (Hrsg.): Grundriss Soziale Arbeit. Ein einfĂŒhrendes Handbuch. Wiesbaden: VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, S. 317â330.
Institute for Economic and Peace (IEP) (2021): Ecological Threat Report 2021. Understand ecological Threats, Resilience and Peace. Sydney. www.visionofhumanity.org/resources (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 20.10.2021). IPBES (2019): Das âGlobale Assessmentâ des WeltbiodiversitĂ€tsrates IPBES. www.helmholtz.de/ (Si apre in una nuova finestra)
fileadmin/user_upload/IPBES-Factsheet.pdf (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 20.10.2021).
IPBES (2019a): Globales IPBES-Assessment zu BiodiversitĂ€t und Ăkoleistungen. www.zenodo.org/ record/5502690/files/IPBES-Bericht_DE_2020_PH10.pdf?download=1 (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 20.10.2021).
IPBES (2021): Globales IPBES-Assessment. Deutschsprachige Zusammenfassung fĂŒr politische EntscheidungstrĂ€ger:innen. www.de-ipbes.de/de/Globales-IPBES-Assessment-Deutschsprachige-Zusammenfassung-fur-politische-2122.html (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 19.10.2021).
IPCC (2021): Sechster IPCC-Sachstandsbericht (AR6), 2021â2022. ArbeitsgruppeI: Naturwissen-schaftliche Grundlagen. www.de-ipcc.de/270.php#%C3%9Cbersetzungen%20zum%20AR6-WGI (Si apre in una nuova finestra). www.de-ipcc.de/media/content/Hauptaussagen_AR6-WGI.pdf (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 24.10.2021).
Jaeggi, R. (2020): Die Kritik des Kapitalismus. In: Fraser, N./Jaeggi, R. (Hrsg.): Kapitalismus. Ein Ge-sprĂ€ch ĂŒber kritische Theorie. Berlin: Suhrkamp, S. 196â226.
Leist, A. (2007): Ăkologische Gerechtigkeit als Besser Nachhaltigkeit. In: Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung (Hrsg.): Ăkologische Gerechtigkeit 24/2007. Bonn: bpb, S. 3â10.
Lentz, V./Noll, A. (2020): Wissenschaftskooperation mit dem Globalen SĂŒden. Herausforderungen, Potentiale und Zukunftsvisionen. In: DenkanstöĂe aus der Akademie. Berlin/Brandenburg: Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Lessenich, S. (2015): Die Externalisierungsgesellschaft. Ein Internalisierungsversuch. In: Sozio-logie 44(1), S. 22â32.
Lessenich, S. (2016): Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis. Berlin: Hanser.
Living Planet Report (2020): Living Planet Report 2020. Kurzfassung. WWF. www.f.hubspotusercontent20. net/hubfs/4783129/LPR/PDFs/GERMAN%20-%20SUMMARY.pdf (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 22.10.2021).
MCC (2021): Mindestens 85 Prozent der Weltbevölkerung vom Klimawandel beeinflusst. Neue Ana-lyse von ĂŒber 100.000 wissenschaftlichen Studien. Gemeinsame Pressemitteilung von MCC und Climate Analytics. (Si apre in una nuova finestra)www.mcc-berlin.net/news/meldungen/meldungen-detail/article/der-menschengemachte-klimawandel-ist-schon-fuer-85-prozent-der-weltbevoelkerung-spuerbar (Si apre in una nuova finestra). html (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 26.10.2021).
Meadows, D./Meadows, D./Mills, P./Zahn, E. (1972): Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. MĂŒnchen: Deusche Verlags-Anstalt.
NABU (2016): Wissenschaftler bestÀtigen dramatisches Insektensterben. Jahrzehntelange Untersuchungen belegen massive Biomasseverluste in Schutzgebieten. www.nabu.de/news/2017/10/23291.html (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 25.10.2021).
NABU (2019): Planetarer Notstand der Artenvielfalt. 1.000.000 Arten drohen fĂŒr immer zu ver-schwinden. www.nabu.de/news/2019/05/26373.html (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 25.10.2021).
NABU (o.J.): FischbestĂ€nde weltweit gefĂ€hrdet. Durch Ăberfischung sind viele Fischarten in ihren BestĂ€nden bedroht. www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/fischerei/index.html (Si apre in una nuova finestra) (Ab-ruf 19.10.2021).
National Geographics (2018): 75 Prozent der weltweiten LandflÀchen sind degradiert. www. nationalgeographic.de/umwelt/2018/04/75-prozent-der-weltweiten-landflaechen-sind-degradiert (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 20.10.2021).
Neubert, H. (2017): Spannungsfelder der Organisierung in der Sozialen Arbeit. In: WidersprĂŒche 145, S. 31â42.
Paech, N. (2011): Befreiung vom Ăberfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie. MĂŒnchen: Oekom.
Pfaff, T. (2019): Extinction Rebellion Hannover: Hope dies â action begins. Stimmen einer neuen Be-wegung. Bielefeld: transcript.
Rahmstorf, S./Schellnhuber, H.-J. (2019): Der Klimawandel. 9. Auflage, MĂŒnchen: C.H.Beck. Rosenbrock, R. (2008): PrimĂ€rprĂ€vention â Was ist das und was soll das? In: Veröffentlichungsreihe
der Forschungsgruppe Public Health Schwerpunkt Bildung, Arbeit und Lebenschancen Wissen-schaftszentrum Berlin fĂŒr Sozialforschung (WZB). Berlin.
Save the Children (2020): Extremer Hunger: 11 Millionen Kinder unter fĂŒnf Jahren bedroht. www. savethechildren.de/news/extremer-hunger-11-millionen-kinder-unter-fuenf-jahren-bedroht/ (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 23.10.2021).
Schellnhuber, H.-J. (2015): Selbstverbrennung. Die fatale Dreiecksbeziehung zwischen Klima, Mensch und Kohlenstoff. MĂŒnchen: Bertelsmann.
Schellnhuber, H.-J. (2021): âWir töten unsere besten Freundeâ. Interview mit Hans Joachim Schellnhuber. www.zdf.de/dokumentation/terra-x/interview-hans-joachim-schellnhuber-klimawandel-100.html (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 19.10.2021).
Schneidewinde, U. (2018): Die groĂe Transformation. Eine EinfĂŒhrung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. 2. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer.
Schulz, C. (2018): Greta Thunberg Zitate â 23 inspirierende SprĂŒche der schwedischen Klimaschutz-aktivistin. www.careelite.de/greta-thunberg-zitate-sprueche/ (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 20.10.2021).
Scientist Rebellion (2021): We leaked the upcoming IPCC report! www.scientistrebellion.com/we-leaked-the-upcoming-ipcc-report/ (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 19.10.2021).
Scientists for Future (S4F) (2021): Die Flutkatastrophe im Juli 2021 in Deutschland und die Klima-krise. Stellungnahme von Wissenschaftler:innen der Scientists for Future zu den Extremwetter-ereignissen im Juli 2021. www.de.scientists4future.org/die-flutkatastrophe-im-juli-2021-in-deutschland-und-die-klimakrise-pm/ (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 19.10.2021).
Seithe, M. (2012): Schwarzbuch Soziale Arbeit. 2. durchgelesen und erweiterte Auflage. Wiesbaden: VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften.
Staub-Bernasconi, S. (2019): Soziale Arbeit und Menschenrechte, Band 1. MenschenwĂŒrde â Menschenrechte â Soziale Arbeit. Die Menschenrechte vom Kopf auf die FĂŒĂe stellen. Lever-kusen: Barbara Budrich.
Tagesschau (2021): Weltorganisation fĂŒr Meteorologie Mehr Treibhausgas als je zuvor. (Si apre in una nuova finestra)www.tages-schau.de/wirtschaft/treibhausgas-hoechststand-101.html (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 24.10.2020).
Tagesschau (2021a): Klimaklage gegen Shell. Ein Urteil wie ein âPaukenschlagâ. www.tagesschau.de/ wirtschaft/unternehmen/klimaschutz-shell-prozess-101.html (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 22.10.2021).
Thoreau, H.D. (2013): Ziviler Ungehorsam. Stuttgart: Reclam.
UN Human Rights Council (2020): Elektronisches Dokumentenarchiv. (Si apre in una nuova finestra)www.daccess-ods.un.org/ (Si apre in una nuova finestra) TMP/7978650.92754364.html (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 19.10.2021).
UN Women (2021): Klima und Gender. www.unwomen.de/informieren/klima-und-gender.html (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 19.10.2021).
UNFCC (2021): UN Climate Press Release, 17 September 2021. Full NDC Synthesis Report: Some Progress, but Still a Big Concern. www.unfccc.int/news/full-ndc-synthesis-report-some-progress-but-still-a-big-concern (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 26.10.2021).
UNICEF (2021): UNICEF: Eine Milliarde Kinder durch die Auswirkungen des Klimawandels âextrem stark gefĂ€hrdetâ. Erster Klimarisikoindex fĂŒr Kinder von UNICEF; Junge Menschen in der zentralafrikanischen Republik, im Tschad und in Nigeria am stĂ€rksten bedroht. www.unicef. de/informieren/aktuelles/presse/2021/report-klimawandel-auswirkungen-auf-kinder/246268 (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 25.10.2021).
United Nations (2012): Resolution adopted by the General Assembly on 27 July 2012. The Future we want. (Si apre in una nuova finestra)www.documents-dds-ny.un.org/doc/UNDOC/GEN/N11/476/10/PDF/N1147610 (Si apre in una nuova finestra). pdf?OpenElement (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 26.10.2021).
United Nations (2021): Nationally determined contributions under the Paris Agreement. Synthesis report by the secretariat. www.unfccc.int/sites/default/files/resource/cma2021_08_adv_1.pdf (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 15.10.2021).
Von Redecker, E. (2020): Revolution fĂŒr das Leben. Philosophie der neuen Protestformen. Frankfurt am Main: Fischer.
WBGU (2011): Hauptgutachten. Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag fĂŒr eine GroĂe Trans-formation. 2. verĂ€nderte Auflage. Berlin: WBGU.
Wohlgemuth, K. (2009): PrĂ€vention in der Sozialen Arbeit. In: Wohlgemuth, K. (Hrsg.): PrĂ€vention in der Kinder- und Jugendhilfe. Wiesbaden: VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, S. 11â18.
World Meteorological Organisation (WMO) (2021): Climate change indicators and impacts worsened in 2020. www.public.wmo.int/en/media/press-release/climate-change-indicators-and-impacts-worsened-2020 (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 25.10.2021).
World Meteorological Organisation (WMO) (2021a): Weather-related disasters increase over past 50 years, causing more damage but fewer deaths. www.public.wmo.int/en/media/press-release/ weather-related-disasters-increase-over-past-50-years-causing-more-damage-fewer (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 19.10.2021).
WWF (2020): Nutzung biologischer Ressourcen. www.wwf.de/themen-projekte/weitere-artenschutz-themen/handel-und-nutzung/nutzung-biologischer-ressourcen (Si apre in una nuova finestra) (Abruf 18.10.2021).
Zhenmin, L. (2021): Ziele fĂŒr nachhaltige Entwicklung. Bericht 2021. United Nations. www.un.org/ depts/german/millennium/SDG%20Bericht%202021.pdf (Si apre in una nuova finestra) (26.10.2021).