(Si apre in una nuova finestra)Es ist Donnerstag. Du liest die ”Post aus Dachau”, den wöchentlichen Kultur-Newsletter von Stadtführung mit Matthias (Si apre in una nuova finestra).
Diese Woche bauen Filme Brücken, Martin Modlinger spricht über Verantwortung und die Idee hinter Lichtbrücke, während Stühle das System Schule auf den Kopf stellen.
Servus,
neue Formate haben es oft schwer. Umso schöner ist es, wenn aus einer anfänglichen Idee mehr wird als ein einmaliges Experiment. In dieser Woche trifft das gleich auf zwei Kulturprojekte zu, die 2025 ihre Premiere gefeiert haben und nun in die zweite Runde gehen.
Mit dem Lichtbrücke Human Rights Filmfestival verwandelt sich das Ludwig-Thoma-Haus erneut in einen Ort für internationales Kino, Menschenrechte und gesellschaftlichen Dialog. Filme über Demokratie, Erinnerung und Zusammenhalt treffen auf Gespräche, Workshops und Begegnungen. Im Vorfeld habe ich mit Initiator Martin Modlinger darüber gesprochen, warum Dachau ein besonderer Ort für ein solches Festival ist und welche Kraft Geschichten auf der Leinwand entfalten können.
Auch im Dachauer Wasserturm geht eine noch junge Erfolgsgeschichte weiter. Nachdem dort die erste Werkschau des Josef-Effner-Gymnasiums im vergangenen Sommer zahlreiche Besucher*innen anzog, kehrt nun der Kunst-Leistungskurs mit einer neuen Ausstellung zurück.

Im Mittelpunkt stehen diesmal sechs künstlerische Objekte, die von einem scheinbar vertrauten Schulmöbel ausgehen. Zwischen Konzentration, Anpassung, Kreativität und dem sprichwörtlichen „Sitzenbleiben“ eröffnen die Arbeiten humorvolle, irritierende und überraschende Perspektiven auf einen Ort, den wir alle zu kennen glauben: das System Schule.
Und noch etwas ist in dieser Woche sichtbar geworden: Bei der Aktion „Dachau zeigt Haltung“ versammelten sich am Dienstag über 200 Menschen aus rund 60 Organisationen, um ein gemeinsames Zeichen für Vielfalt, Demokratie und ein respektvolles Miteinander zu setzen. Das entstandene Foto ist mehr als eine Momentaufnahme. Es zeigt, wie viele Menschen sich in unserer Stadt für Zusammenhalt engagieren – ein Gedanke, der auch die Themen dieser Ausgabe verbindet.
(Si apre in una nuova finestra)Schön, dass Du auch diese Woche wieder mit dabei bist – und bleibst.
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#Lichtbrücken bauen
Menschenrechte im Fokus. Filmkunst im Mittelpunkt.
Die meisten Filmfestivals zeigen neue Filme. Das Lichtbrücke Human Rights Filmfestival Dachau versucht, einen Dialog anzustoßen.
Vom 16. bis 19. Juli verwandelt sich das Ludwig-Thoma-Haus bereits zum zweiten Mal in einen Ort für internationales Kino, gesellschaftliche Fragen und Geschichten von Menschen, die sich für Freiheit, Würde und Zusammenhalt einsetzen. Über 30 Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilme aus aller Welt stehen auf dem Programm. Veranstaltet wird das Festival von der Seebrücke Dachau gemeinsam mit dem Runden Tisch gegen Rassismus Dachau und dem Demokratiebündnis Dachauer Land.
Dass ein Menschenrechtsfilmfestival in Dachau stattfindet, ist folgerichtig. Die Stadt ist untrennbar mit der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus verbunden. Gleichzeitig stellt sich immer wieder die Frage, welche Verantwortung aus Erinnerung für die Gegenwart erwächst. Genau an dieser Schnittstelle bewegt sich das Festivalprogramm. Es blickt nicht nur zurück, sondern richtet den Fokus auf aktuelle Konflikte, gesellschaftliche Entwicklungen und Menschen, die handeln, statt wegzusehen.
(Si apre in una nuova finestra)Zur Eröffnung am Donnerstag übernimmt Iris Berben die Schirmherrschaft und eröffnet das Festival persönlich. Anschließend wird mit „Nürnberg“ ein Spielfilm gezeigt, der sich mit den Nürnberger Prozessen und der Frage nach Verantwortung, Schuld und der Anziehungskraft politischer Macht beschäftigt.
“Ich (…) wünsche allen Besucher*innen inspirierende Begegnungen, bewegende Filme und anregende Gespräche.” -
Lichtbrücke26-Schirmherrin Iris Berben
Besonders gespannt bin ich auf die Deutschlandpremiere des preisgekrönten Dokumentarfilms „UnBroken“ am Freitagabend. Der Film erzählt die außergewöhnliche Geschichte der sieben Weber-Geschwister – der einzigen bekannten jüdischen Familie, deren sieben Kinder den Holocaust gemeinsam überlebten. Nachdem ihre Mutter Lina Banda Weber in Auschwitz ermordet worden war, wurden die Geschwister fast zwei Jahre lang von den Brandenburger Eheleuten Arthur und Paula Schmidt versteckt und gerettet. Für ihren Mut wurden die beiden später von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
Was den Film für uns in Dachau besonders interessant macht: Der Weg der Geschwister führte nach Kriegsende ins DP-Kinderzentrum Kloster Indersdorf. Von dort reisten sie 1946 als sogenannte Displaced Persons in die USA aus. Die Geschichte von Flucht, Überleben und Neubeginn hat damit auch einen direkten Bezug zum Dachauer Land.

Regisseurin Beth Lane, selbst Tochter der Holocaust-Überlebenden Ginger Lane und Angehörige der zweiten Generation, erzählt die Geschichte ihrer Familie anhand von Zeitzeug*innenberichten und persönlichen Erinnerungen. Der Film wurde international vielfach ausgezeichnet, lief bei den Vereinten Nationen, erreichte auf Netflix in den USA ein Millionenpublikum und wird nun erstmals in Deutschland gezeigt. Im Anschluss an die Vorführung gibt es ein Filmgespräch mit Beth Lane, der Historikerin Anna Andlauer sowie dem langjährigen SZ-Redakteur Hans Holzhaider.
Darüber hinaus stehen Produktionen wie „The Other Side of the Sun“, „YANUNI“, „Materia Prima“, „Driving Europe“ oder „Gelbe Briefe“ auf dem Programm. Viele Vorführungen werden von Gesprächen mit Filmschaffenden begleitet, ergänzt durch Lesungen, Workshops und Diskussionsveranstaltungen.
Was ich an diesem Festival mag: Es versteht Film nicht als Endpunkt, sondern als Anfang. Als Einladung, sich mit Geschichten auseinanderzusetzen, die oft weit entfernt scheinen und doch erstaunlich viel mit unserer Gegenwart zu tun haben.
Denn gute Filme liefern selten einfache Antworten. Aber sie können helfen, die richtigen Fragen zu stellen. Deshalb habe ich im Vorfeld des Festivals auch mit Initiator Martin Modlinger über Mut, Verantwortung, die Kraft von Geschichten und darüber gesprochen, warum ein Menschenrechtsfilmfestival gerade in Dachau mehr sein kann als eine Reihe von Filmvorführungen. Das komplette Exklusiv-Interview findest Du im zweiten Teil des Newsletters dieser Woche.
Alle Facts auf einen Blick
📅 Donnerstag, 16. bis Sonntag, 19. Juli 2026
📍 Ludwig-Thoma-Haus Dachau
🎬 Über 30 Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilme
👤 Schirmherrin: Iris Berben
⭐ Deutschlandpremiere von „UnBroken“
am Freitag, 17. Juli, 20 Uhr
🎤 Filmgespräche, Lesungen, Workshops und Diskussionen
🎟 Tickets vor Ort, in der Buchhandlung Subtext und online
🌐 www.lichtbruecke-dachau.de (Si apre in una nuova finestra)
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Ein Gespräch über Film, Verantwortung und die Idee hinter Lichtbrücke.
Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr geht das Lichtbrücke Human Rights Filmfestival in sein zweites Jahr. Ich habe Festivalinitiator und Co-Leiter Martin Modlinger einige Fragen zu Film, gesellschaftlichem Dialog und den Herausforderungen eines solchen Festivals gestellt.

Zur Entstehung und Entwicklung des Festivals
Die erste Ausgabe von Lichtbrücke war ein neues Format für Dachau. Jetzt geht das Festival bereits in die zweite Runde. Wann hattest du das Gefühl: Aus einer Idee könnte tatsächlich etwas Dauerhaftes werden?
Martin Modlinger: “Bei solchen Ideen weiß man vorher nie, ob sie tragen und Menschen bewegen. Man kann es nur versuchen – denn ohne Versuch klappt es sicher nicht. Dass Kulturprojekte funktionieren können, zeigt die Dachauer Kulturszene seit Jahren: die musikbegleiteten Vernissagen in den Kunstwerken Dachau, die Wiederbelebung des Gramsci, die Theatertage, die Bühne im Musikboten, Konzerte im Metzgerhof, das Sommerkino beim SIMPErL, das Ostival oder der Hinterhofsommer der KVD. Dass die Lichtbrücke keine Eintagsfliege bleibt, hat das Publikum entschieden – mit der oft geäußerten Bitte: „Macht das noch mal!“ Eine schönere Rückmeldung kann man kaum bekommen.”
Zur Rolle von Dachau als Festivalort
Dachau ist ein Ort mit besonderer historischer Bedeutung. Welche Verantwortung, aber auch welche Chancen ergeben sich daraus für ein Menschenrechtsfilmfestival?
Martin Modlinger: “Dachau ist ein Ort der Gleichzeitigkeiten: Ort des ersten dauerhaften Konzentrationslagers und Heimat für Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion und Weltanschauung. Ort des Erinnerns und zugleich Ort vielfältigen kulturellen und gesellschaftlichen Engagements. Dachau ist eine moderne Stadt und gleichzeitig eine Mahnung, dass Menschenrechte immer wieder verteidigt werden müssen. Für mich ergibt sich daraus eine Verantwortung. Und für diese Verantwortung würde ich den Auschwitz-Überlebenden Marian Turski zitieren: „Seid nicht gleichgültig.“ Vielleicht zeigen genau das die Filme der Lichtbrücke: was Gleichgültigkeit anrichten kann – und was Zivilcourage, Engagement und Hoffnung bewirken können.”
Zum Medium Film
Warum eignet sich gerade Film so gut, um über Menschenrechte, Demokratie und gesellschaftliche Entwicklungen ins Gespräch zu kommen? Was kann Film vielleicht leisten, was Berichte oder Diskussionen allein nicht können?
Martin Modlinger: “Filme schlagen Brücken durch Zeit und Raum. Sie bringen uns ferne Orte, Schicksale und Menschen nah und führen uns vor Augen, was wir sonst nicht sehen würden. Natürlich können auch Berichte und Diskussionen zum Gespräch einladen. Filme aber können zugleich visuelles Zeugnis und emotionale Brücke sein. Sie eröffnen neue Perspektiven und bleiben für viele Menschen unmittelbar zugänglich. Eigentlich habe ich von Film gar nicht so viel Ahnung – ich weiß nur eines: Filme bewegen mich. Und andere Menschen offensichtlich auch.”
Zur Filmauswahl 2026
Vom Amazonas über Syrien bis nach Afghanistan spannt das Programm einen sehr weiten Bogen. Nach welchen Kriterien habt ihr die Filme ausgewählt und welche Themen haben euch in diesem Jahr besonders beschäftigt?
Martin Modlinger: “Mein Kollege Jakob Gatzka kennt als Filmschaffender die aktuelle Filmlandschaft bestens und hat ein gutes Gespür dafür, welche Stoffe inhaltlich und filmisch überzeugen. Ehrlicherweise hätten wir locker dreimal so viele Filme zeigen können, aber so ein Festivaltag hat nur begrenzt Stunden.
Wichtig war uns, nicht nur Filme über Menschenrechtsverletzungen zu zeigen, sondern auch über Menschen, die sich für Zusammenhalt und eine bessere Welt einsetzen. In Driving Europe, UnBroken, Yanuni oder Eine freie Tochter des freien Kirgisistan geht es trotz aller Unterschiede immer um dasselbe: Menschen engagieren sich für andere. Jederzeit. Überall.”
Zu persönlichen Festivalmomenten
Gibt es einen Film oder eine Begegnung im diesjährigen Programm, bei der du schon während der Planung gespürt hast: Dieser Beitrag wird das Publikum besonders bewegen?
Martin Modlinger: “Das wird für jeden Menschen im Publikum unterschiedlich sein. Vielleicht sind es die Erfahrungen in Queer Exile, die Bilder in Materia Prima, die Geschichte in Ich verstehe ihren Unmut oder die Lesung von Florian Göttler über das Dachau der NS-Zeit.
Für mich stechen zwei Momente besonders hervor: In UnBroken die Szene, in der deutlich wird, wie viele Menschen durch die Zivilcourage zweier einfacher Bauern gerettet wurden. Und das Ende von Yanuni – mehr möchte ich dazu nicht verraten.”
Zu den Filmgesprächen
Viele Regisseur*innen sind vor Ort und kommen mit dem Publikum ins Gespräch. Wie wichtig sind diese Begegnungen für das Selbstverständnis von Lichtbrücke?
Martin Modlinger: “Wie oft hat man schon die Gelegenheit, direkt mit Filmschaffenden über das zu sprechen, was man gerade gesehen hat? Hintergründe zu erfahren, nachzufragen und tiefere Einblicke zu bekommen? Schon bei der ersten Ausgabe haben wir gesehen, wie wichtig das dem Publikum war, etwa bei den Gesprächen zu Das Deutsche Volk, Kein Land für Niemand oder Save Our Souls. Deshalb wollten wir das unbedingt wieder ermöglichen. Genau diese Begegnungen gehören zur Idee der Lichtbrücke.”
Zur gesellschaftlichen Debatte
In vielen Ländern geraten demokratische Institutionen unter Druck, gleichzeitig wird öffentlicher Diskurs oft lauter und polarisierter. Welche Rolle können Kulturveranstaltungen wie Lichtbrücke in dieser Entwicklung spielen?
Martin Modlinger: “Wenn unsere Demokratie unter Druck gerät und Demokratiefeinde angreifen, was Freiheit, Vielfalt, Zusammenhalt und Rechtsstaatlichkeit ausmacht, dann müssen wir etwas dagegen tun.
Kultur hat dabei eine besondere Rolle, weil sie verbindet. Sie bringt Menschen unterschiedlichster Lebensgeschichten zusammen – bei Musik, Theater, Film, Tanz oder Kunst. Deshalb bin ich überzeugt: Kulturarbeit ist Demokratiearbeit. Nicht weil Kunst belehren will, sondern weil sie – wie Demokratie – eine Tochter der Freiheit ist.
Kunst und Kultur gehen von den Träumen, Sorgen, Hoffnungen und Schmerzen der Menschen aus. Und Menschen erkennen sich darin wieder. Kultur ist Ausdruck von Individualität und zugleich Mittel der Verbindung. Genau wie Demokratie.”
Etwas Persönliches
Wenn das Festival am Sonntagabend endet und die letzten Gäste nach Hause gehen: Woran würdest du erkennen, dass Lichtbrücke26 für dich persönlich ein Erfolg war?
Martin Modlinger: “Aus dem letzten Jahr sprechend: dann, wenn der Beamer durchgehalten hat!
Im Ernst: Ein Erfolg ist die Lichtbrücke 26, wenn sie hier und dort neue Perspektiven geboten hat, Menschen über Distanzen miteinander verbunden hat. Gezeigt hat, dass Engagement wichtig ist und sich lohnt. Und wenn am Ende eine*r sagt: macht es noch mal.”
Abschlussfrage
Welche Hoffnung über die Zukunft der Gesellschaft möchtest du niemals aufgeben?
Martin Modlinger: “Dass man gemeinsam etwas zum Besseren verändern kann. Zukunft geschieht nicht einfach, sie wird gemacht. Dafür braucht es keine Wundermittel, sondern Zuhören, Solidarität und die Überzeugung, dass uns am Ende mehr verbindet als trennt.”
Vielen herzlichen Dank für das Gespräch!
#mehrKultur
Manchmal schafft es ein Kulturtipp nicht in die «Post aus Dachau».
Nicht weil er nicht spannend wäre. Sondern weil dieser Newsletter bewusst kuratiert ist. Handverlesen statt vollständig. Mit Themen, die ich jede Woche sorgfältig auswähle und zusammenstelle.
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Dort teile ich zwischen den Newsletter-Ausgaben weitere Veranstaltungstipps, Hinweise, Fundstücke und Kulturtermine, die hier keinen Platz mehr finden.
So erfährst Du diese Woche unter anderem,
🎶 wo Du Kurzfilme unter freiem Himmel, mit Picknickdecke und bei freiem Eintritt sehen…
🎨 …und in welchem besonderen Museum Du Möbel und Objekte in nachhaltigem Design aus Myzel, Algen und Moos entdecken kannst.
Die ideale Ergänzung zur wöchentlichen «Post aus Dachau» – damit Du auch zwischen den Ausgaben nichts verpasst.
Und ganz nebenbei ein Beweis, dass digitale Souveränität auch bei Social Media funktionieren kann: ohne Algorithmus, ohne Reichweiten-Tricks, ohne Hass und Hetze.
Mehr Kultur. Mehr Austausch. Mehr Entdeckungen.
Meine offenen Touren

(Bild KI-generiert)
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