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WAS IST NEU?

Bewiesen: AFD ist verfassungswidrig.

Es gab in den letzen Tagen ja nur ein Thema: Hitze! Oder doch WM? Oder gehört das nicht zusammen? Die WM im Land des Klimakrise-Leugner-Präsidenten? Jedenfalls kann ich den Satz “Ist das heiß!” nicht mehr hören. Vor allem von mir selbst. Interessant finde ich auch, dass unser Kanzler und seine Regierung bis jetzt gar nicht so groß was zu diesen neuen Hitzerekorden zu sagen hat. Sowas wie: Krass. Vielleicht sollten wir mal unsere Städte hitzeresistenter machen.

Jetzt hab ich doch wieder so viel übers Wetter geschrieben, dabei wollte ich lieber über ein anderes tolles Thema schreiben: die AFD. Ja, schon wieder. Es nervt mich auch. Aber die drängen sich immer so in den Vordergrund.

Die Gesellschaft für Freiheitsrechte hat am 25. Juni ein Gutachten veröffentlicht und darin Belege gesammelt, warum die AFD verfassungswidrig ist. 2500 hat sie gefunden. Das sind sogar mehr Belege als dafür, dass Jens Spahn unfähig für jegliche politische Funktion ist. Das sind nur 2499. Die Jurist*innen der Gesellschaft für Freiheitsrechte haben sich öffentlich zugängliche Aussagen der Partei angeschaut, sehr sehr viele, und kommen zum Schluss: Ein Verbotsverfahren kann erfolgreich sein. Die AFD missachtet wichtige Grundpfeiler unserer Verfassung. Gegner ihrer Politik verfolgen zu wollen oder einzuschüchtern verletzt zum Beispiel das Demokratieprinzip. Man muss sich nur mal anschauen, was die AFD zu Angela Merkel gepostet und gesagt hat. Und mit ihrer völkischen Ideologie, die zwischen scheinbar “echten” Deutschen und Migranten unterscheidet, widerspricht sie der im Grundgesetz garantierten Menschenwürde, die für alle gleich gilt. Die Ergebnisse des Gutachtens könnt ihr Euch HIER (Si apre in una nuova finestra) genauer anschauen. Was folgt daraus: PRÜFEN (Si apre in una nuova finestra). Beim Verfassungsgericht in Karlsruhe. Das muss man endlich mal anrufen.

Ich stelle mir das so vor:

"Hallo Karlsruhe, hier ist der Hendrik.... Ja, Wüst! Wer denn sonst?... Wollt ihr mich verarschen? .... Jedenfalls, ich und die anderen aus dem Bundesrat wollen mal diese eine Partei überprüfen lassen. Ihr wisst schon welche.... Haha, witzig! Nee, nicht die CDU... Habt ihr heute Zeit? Ist dringend."

VATERFREUDEN

Man vergisst so viel. Also, ich meine jetzt, vom Aufwachsen seiner Kinder. Liegt wahrscheinlich an der ständigen Übermüdung. An die so genannten Meilensteine kann ich mich aber erinnern. Sein erstes Lächeln. Sein ersten Mal beim Wickeln mir ins Gesicht pinkeln. Seine ersten Schritte. Und das:

Ich bin mit meinen Sohn af dem Spielplatz. Er backt und isst Sandkuchen, während ich neben ihm auf einer Bank sitze.

Ein niedliches Mädchen kommt auf mich zu. Es lächelt mich an. Dann sagt es: „Du bist alt.“

„Äh, ok...“

„Du bist ein alter Opa“, legt sie nach.

Irgendwie tut es weh. Selbst von einem kleinen Mädchen in einem Kleid mit Dinosauriern. Ich versuche es mit einer netten Gegenfrage: „Wie alt bist du denn?“

„Nicht so steinalt wie du.“

„Du hast ja gut reden“, sage ich zu ihr. „Bei deinem Vater dachte ich erst, dass es dein Opa ist; so alt sieht der aus.“

„Das ist mein Opa“, sagt das Mädchen. „Mein Vater ist 23 und macht gerade seinen Bachelor-Abschluss in Business-Marketing.“

Ich rechne kurz nach. Wenn ich mich damals mit 17 rangehalten hätte, könnte ihr Vater mein Sohn sein.

„Alter ist nicht nur schlecht”, sage ich. „Man hat mehr Geld als so ein verlotterter Student wie dein Vater.“

„Mein Papa hat sein Start-Up gerade für 25 Millionen verkauft.“

Ich gebe auf, ich habe keine Chance. Ich setze meinen Sohn in den Kinderwagen.

„Du bist alt“, sagt er lachend. Sein erster richtiger Satz!

DAS VIDEO

https://www.youtube.com/watch?v=5scTBmgs_L4 (Si apre in una nuova finestra)

DAS TELEFONAT

Mein Vater ruft aus meiner Heimatstadt Freiburg an.

Ich bekomme es aber nicht mit, weil ich in ohrenbetäubender Lautstärke The Sound of Silence von Simon & Garfunkel höre. Oder wie mein Vater früher immer sagte: Simon und Furunkel. Sorry.

Als das Lied fertig ist, sehe ich, dass auf meinem Handy „Verpasster Anruf“ steht - und darunter die Nummer von meinem Vater. Ich rufe sofort zurück.

„Wer da?“

„Ich, Papa. Du hast mich gerade angerufen.“

„Bist du es, Christian?“

„Nein, Papa. Dein anderer Sohn, Sebastian.“

„Oh, schade“, sagt mein Vater.

Stille.

„Deine Nummer stand auf meinem Display“, sage ich.

„Wo?“

„Auf dem Bildschirm.“

„Bei mir nicht“, sagt mein Vater.

Ich nehme ein Kissen von der Couch und beiße einmal herzhaft in den Stoff.

„Was gibt‘s denn?“, fragt mein Vater dann.

„Nichts“, sagte ich ruhig. „Ich habe nur zurückgerufen.“

„Vielleicht hat ja Mama angerufen?“

„Mit deinem Handy?“

„Sie weiß ja gar nicht meinen PIMP”, sagt mein Vater.

„Das heißt PIN“, sage ich. „Und sie weiß ihn, denn er lautet 123456.“

„Woher weißt du denn das?“

„Ich habe dir dein Handy eingerichtet, du erinnerst dich?“ Ich höre Kichern im Hintergrund. „Wer lacht denn da?“

„Niemand…“ Mein Vater muss jetzt auch kichern.

„Verarscht ihr mich etwa?“

„Das würden wir doch nie tun, Sebastilein“, ruft meine Mutter von hinten und mein Vater legt auf.

BUCHEMPFEHLUNG

Ben Lerner (Si apre in una nuova finestra): Transkription

Bei Ben Lerners Romanen geht es immer auch ums Schreiben selbst. Die Handlung ist schwer zusammenzufassen. Es beginnt damit, dass das Handy des Protagonisten kaputtgeht bevor er ein großes Interview mit seinem Mentor Thomas führen möchte. Thomas ist lose an den kürzlich verstorbenen Alexander Kluge angelehnt, mit dem zusammen Lerner schon ein Buch herausgebracht hat. Der Ich-Erzähler kann das Interview nicht aufzeichnen, weil er es aus verschlungenen Gründen nicht schafft, Thomas das Problem mit seinem Handy zu erklären. Er schreibt das Interview schließlich als Gedächtnisprotokoll. Ist das Betrug? Darum geht es in der zweiten Episode des Romans. Und plötzlich verschieben sich die Perspektiven. Es wird unklarer, ob die Verwirrungen entstehen, weil Thomas an Demenz erkrankt ist. Oder weil hier ein unzuverlässiger Erzähler am Werk ist. Im dritten Teil des Romans geht es um die Enkelin von Thomas, die nicht mehr isst. Es ist wiederum ein digitales Gerät, was schließlich hilft. Das Buch ist ziemlich schlau. Aber nie Schlauer als der Leser oder die Leserin. Höchstens schlauer als die Figuren selbst. Manchmal ist das ziemlich witzig. Und es entsteht ein Sog, aus dem man sich erst auf der letzten Seite befreien kann.

WAS STEHT AN?

Zweimal Sommershows: 17.7. in Gengenbach und 13.8. in Baienfurt. Und im September geht’s dann wieder los mit Tour. Alle Ticketlinks auf: www.sebastianlehmann.net (Si apre in una nuova finestra).

VIELEN DANK FÜRS LESEN.

Bis in zwei Wochen! Dein Sebastian.

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