Schön, dass ihr dabei seid. Ich habe viele nette Rückmeldungen (mindestens zwei...) auf den ersten Newsletter bekommen. Und was mich wirklich begeistert hat: Ihr habt echt bescheuerte, aber sehr lustige Email-Adressen. Schade, dass ich die hier nicht wiedergeben kann. Datenschutz und so. Ich bin ja immer noch traurig, dass ich irgendwann in den Nuller Jahren meine Mailadresse: RocknRollStar@… aufgegeben habe.
WAS IST NEU?
Eine Studie findet heraus: Humor bei Kleinkindern ist super wichtig für die Entwicklung.
Das allerlustigste der Welt ist für mich ein sehr kurzer Monty-Pyhton-Sketch, der Fish-Slapping-Dance (Si apre in una nuova finestra). Michael Palin tanzt in einer Militäruniform und schlägt dabei immer wieder zwei kleine Fische ins Gesicht von John Cleese, ebenfalls in Militäruniform gekleidet. Dann holt John Cleese einen riesigen Fisch hinter seinem Rücken hervor und schlägt Palin damit so fest ins Gesicht, dass der in einen Fluss fällt. Es ist unfassbar lustig. Ich bin ein einfacher Mensch. Diesen Sketch habe ich meinem dreijährigen Sohn gezeigt. Er fand es eher verstörend. Vor allem, weil ich das Video nicht rechtzeitig ausschaltete - und der Sketch in einen Cartoon überging, in dem ein Nazi-Fisch einen Menschen verschluckt. Vielleicht dauert es noch ein oder zwei Jahre bis wir zusammen Life of Brian schauen können.
Mein Sohn hat jetzt schon einen ausgesprochen feinen Humor. Kürzlich wollte ich ihm mit einer Serviette die Tomatensoße vom Mund - eigentlich dem ganzen Gesicht - wischen, was er nicht wollte. „Ich bin auch so schon schön“, sagte er.
Oder: Ich räumte nach einer Reise alle Sachen aus dem Auto und sagte am Ende: „So, jetzt hab ich alles.“
Mein Sohn thronte noch im Kindersitz und sagte grinsend: „Mich noch nicht.“
Das amerikanischen Magazin New Yorker (Si apre in una nuova finestra) (in Deutschland machen die Billig-Klamotten...) berichtete letzte Woche über den „Early Humor Survey“, eine Studie, die über zehn Jahre hinweg, den Humor von Kleinkindern erforschte. Und zeigt: Witze und Lachen sind wichtig für die Entwicklung. Lachen ist sozial. Wir lachen selten allein. Um Witze zu verstehen oder sie gar zu machen, müssen die Kids Intentionen verstehen und emotionale Ausdrücke lesen können. Und wenn man einem Kind etwas auf lustige Weise zeigt oder erklärt, lernt es schneller. Wahrscheinlich spielt Humor eine wichtige Rolle beim Lernen des intuitiven Verstehens davon, was andere Menschen wissen, denken und fühlen.
Ich fand dieses Artikel beruhigend: Vielleicht ist mein Beruf als lustiger Autor und Vorleser doch nicht nur Quatsch. Also, schon Quatsch. Aber sinnvoller Quatsch. So wie mit Fischen zu tanzen.
DAS TELEFONAT
Die Kita meines Sohnes ruft an.
„Herr Lehmann“, sagt die Erzieherin. „Es sind 31 Grad und die Sonne brennt.“
„Jaja, die Klimakrise“, sage ich und räuspere mich. „Ich unterhalte mich ja gern mit Ihnen über das Wetter. Aber ich arbeite gerade…“
Ich nehme noch einen Schluck von meinem Erdbeer-Daiquiri und strecke mich auf dem Liegestuhl aus.
„Ihr Sohn trägt einen Schneeanzug“, sagt die Erzieherin.
„Heute morgen war alles in der Wäsche. Ziehen Sie ihm den Anzug doch einfach aus.“
„Er trägt nichts darunter.“
„Wie gesagt, es war wirklich alles dreckig“, sage ich.
„Und eine Skimaske und Handschuhe.“
„Wir hatten auch keine Sonnencreme da. Und bei kleinen Kindern soll man da ja sehr aufpassen.“
„Ich ziehe ihm jetzt eine kurze Hose und ein T-Shirt von Fabian an. Dessen vorbildliche Eltern haben immer Ersatzkleidung in der Kita deponiert. Das würde ich Ihnen auch empfehlen. Im Fach ihres Sohnes lag nur noch eine einzelne Socke und ein winziger Babybody mit der Aufschrift: ‚Wer das liest, ist doof.“
„Ein Geschenk vom Opa“, sage ich.
Aber die Erzieherin hat schon aufgelegt.
Als ich später meinen Sohn von der Kita abhole, trägt er Fabians Paw-Patrol-T-Shirt, das er schon immer haben wollte. Er strahlt.
„Guter Plan, Papa“, sagt er und wir geben uns High-Five.
SONGS FOR THE LEFTOVERS - Lieder, die ich gerade höre.
Thom Yorke, Mark Pritchard: The Spirit (Si apre in una nuova finestra)
Radiohead gehen wieder auf Tour, kommen sogar Ende des Jahres nach Berlin. Ich kann mich noch erinnern, wie ich vor 25 Jahren (ja, ich bin alt) zum ersten Mal in meinem Lieblings-CD-Laden (wirklich sehr alt), das Radiohead-Album Kid A gehört habe. Radiohead waren bis dahin eine ziemlich erfolgreiche Rockband. Und plötzlich blubberte und pluckerte es. Elektronische Sounds. Was ist das? Was soll das? Aber die Melodien! Die Stimme! Die verrückten Texte. Kid A war wahnsinnig einflussreich. Indie-Rock öffnete sich elektronischer Musik. Jedenfalls hörte ich dann für ein paar Jahre sehr viel Radiohead. Und dann nicht mehr. Radiohead und vor allem Thom Yorks charakteristische Stimme, sein trauriges Timbre, gehörten für mich zu einer bestimmten Zeit in meinem Leben. Ich konnte das schwer in meine Gegenwart übertragen. Aber dann erschien im Frühjahr dieses Album, das Yorke zusammen mit dem englischen Elektro-Musiker Mark Pritchard aufgenommen hat. Und plötzlich war ich wieder dabei: Das Album ist ziemlich experimentell und komplett elektronisch. Aber Yorke klingt anders. Entspannter vielleicht. Mehr bei sich. Es scheint genau die Musik zu sein, die er machen möchte. Ein Song überstrahlt das hervorragende Album: "The Spirit". Thom Yorke kann einfach wunderschöne Lieder schreiben, mit den leichtesten Melodien, die mich, wie damals im Jahre 2000, gleichzeitig überraschen und auf Tiefste berühren.
VIELEN DANK FÜRS LESEN.
Bis nächste Woche. Dein Sebastian.