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Altglas wegbringen ist besser als Spa

Liebe Steady-Supporter:innen,

ich möchte euch zuerst ein kleines Update zum Recovery Walk (Si apre in una nuova finestra) geben. Im September rufen wir (das Team von Recovery Deutschland) alle Menschen dazu auf, mit uns gemeinsam für Genesung von Suchterkrankungen auf die Straße zu gehen. Hinter den Kulissen arbeiten zahlreiche Ehrenamtliche an der Umsetzung und es wird nicht mehr lange dauern, bis wir das offizielle Datum bekanntgeben können. Auch eine Mitgliedschaft im Verein Recovery Deutschland sollte in wenigen Tagen möglich sein. Wenn ihr auf dem Laufenden bleiben wollt, abonniert den offiziellen Newsletter (Si apre in una nuova finestra).

Die Organisation des Walks kostet nicht nur viel Zeit und Hirnschmalz, sondern auch Geld. Angefangen bei Genehmigungen und Sicherheitskonzepten, über Veranstaltungstechnik bis hin zu Werbematerial – es kommt einiges auf uns zu. Umso mehr freue ich mich, dass wir nun ein offizielles Spendenkonto haben.

Wenn ihr den Walk finanziell unterstützen wollt, könnt ihr das aktuell per Überweisung:

Spendenkonto (Sozialbank)
Recovery Deutschland e.V.
DE41 3702 0500 0020 2133 21

oder per Paypal

Schaut auch gerne auf unserer Website (Si apre in una nuova finestra) vorbei und folgt uns auf Instagram (Si apre in una nuova finestra).

Live-Podcast

am 16. Mai sind wir mit SodaKlub in Dresden im objekt klein a (Si apre in una nuova finestra) in der Meschwitzstraße 9 (Si apre in una nuova finestra). Kommt auf jeden Fall vorbei und sagt »Hallo«.

19:00 Einlass
20:00 Live Podcast & Talk mit Vincent Neumann
22: 00 Party / Sober-Rave

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag und viel Spaß mit diesem kleinen Text, wie ich mich über mich selbst erschrocken habe.

Eure Mika

Neulich habe ich mich über mich selbst erschrocken. 

Ich hatte ein paar Tage richtig miese Laune.
Zum Malen kam ich kaum, und das Verhältnis zwischen spaßiger und quälender Arbeit kippte immer mehr Richtung »Ugh«. Auch das Aufräumen hatte ich schleifen lassen. Als ich morgens ins Wohnzimmer kam, türmten sich Teller und Flaschen auf dem Wohnzimmertisch. In den Flaschen war natürlich nur Wasser und Limo gewesen – aber das Bild: ein grauer Morgen, miese Stimmung, leere Flaschen, achtlos gestapeltes Geschirr – ließ mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Es war als wäre ein Bruchstück meines alten Lebens durch die Zeit gereist und mit ihm diese alten Gefühle: Ekel. Angst. Überforderung.

War das hier der Vorbote eines Rückfalls?
Muss ich jetzt irgendetwas tun?
Sollte ich jemanden anrufen?

Ich beschloss, erstmal einen Kaffee zu machen.

Ein paar Stunden später hatte ich den Kaffee getrunken, etwas aufgeräumt und die Flaschen in die Altglastüten verfrachtet. Die standen schon seit Wochen bereit, denn es war mir einfach zu viel vorgekommen: Zwei volle Beutel nur mit Flaschen und Gläsern! Aber als ich dann – bei Tageslicht und in empörender Öffentlichkeit – vor dem Altglascontainer stand und nach ein paar Handgriffen fertig war, musste ich lachen. Das war also das große Drama gewesen?

Nirgendwo spüre ich meine Erleichterung über die Nüchternheit so sehr wie am Altglascontainer. Am liebsten würde ich den Vorbeigehenden zurufen: Ey, guck mal hier! Schau in meine Tüte! Und sie würden sehen: Aha, diese Frau isst viele Kichererbsen und sollte vielleicht ihren Olivenöl-Konsum überdenken. Und ich würde sagen: Ja.

Hier, am Altglascontainer, überkommt mich noch immer diese Welle der Dankbarkeit, die mich in den ersten Monaten täglich durchströmte, wenn mir klar wurde: Ich bin nüchtern. Es ist besser als jedes Spa.

Das Alarmsystem

Es gibt viele Meinungen darüber, wie man sich verhalten „muss“, wenn man eine aktive Sucht hinter sich gelassen hat. Zu kaum einer anderen psychischen Erkrankung fallen mir so viele ungebetene Regeln und Ratschläge ein, die Menschen im Kopf haben und ungefragt teilen:
Man müsse sich lebenslang als chronisch krank begreifen („Es gibt keine ehemaligen Alkoholiker!“, ruft dir jemand aus der Kommentarspalte entgegen), solle Angst vor Schnapspralinen haben oder jede menschliche Regung sofort als Rückfallgefahr deuten. Ein Leben mit ständig blinkenden Warnleuchten im Kopf.

Ich bin davon nicht frei. Mein inneres Alarmsystem ist empfindlich – und wird es wohl auch bleiben. Aber was sich verändert hat, ist meine Reaktion darauf. Werde ich streng mit mir und schimpfe wegen meiner Nachlässigkeit? Oder kann ich einen Schritt zurücktreten?

Denn wie die Sucht ein Spektrum ist, ist auch die Genesung eines. Nicht jede Regel, jede Warnung, jeder Alarm gilt für jede Person. Es geht darum herauszufinden, was dir hilft – und was nicht. Es geht darum, was du willst und welche Strategien du entwickelst. Denn es ist dein Prozess.

Ich finde, es ist jedes Mal ein Geschenk, wenn jemand ein angstbesetztes »Man muss« durch etwas Eigenes ersetzt:
Ich will. Ich will nicht. Ich darf. Ich werde.

Das hier ist ein kleiner Reminder:
Du darfst selbst entscheiden.

Argomento Bi-Weekly

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