Mias Wochenrückblick
Ich habe in der letzten Woche nichts gedacht oder erlebt, was sich zu einem schönen, erbaulichen Mini-Essay für euch verarbeiten ließe, deswegen gebe ich euch stattdessen einen random Wochenrückblich (Plus: Einsichten in dein müdes Gehirn und zwei Buchempfehlungen).
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Ich recherchiere das Thema Schlaf für eine zukünftige Podcastepisode, lese matthew Walkers Buch dazu und obwohl ich das alles schon mal gelesen habe, flasht es mich immer noch. Wusstest du zum Beispiel, warum du keine wichtigen Entscheidungen treffen solltest, wenn du zu wenig geschlafen hast?
—> Die Amygdala ist eine kleine, mandelförmige Struktur im seitlichen Temporallappen deines Gehirns. Sie ist unter anderem für emotionale Reaktionen verantwortlich. Bei einem Laborversuch wurde gezeigt: Amygdalas mit Schlafentzug reagieren stärker auf emotionale Bilder. Viel stärker. Die Emotionsreaktivität von Menschen mit Schlafentzug ist um fette 60 Prozent erhöht. Der Grund dafür ist, dass die Signalübertragung zwischen Amygdala (Emozentrum) und Präfrontalem Cortex (Logisches Denken) bei Schlafentzug gestört ist. Man kann also seine Emotionen nicht richtig kontextualisieren und entwickelt sich gewissermaßen in einen primitiveren Zustand zurück, indem Besonnenheit kaum möglich ist. Man wird sozusagen emotional wieder zu einem kleinen Kind. Schlafmangel ist deswegen ein verstärkender Faktor bei Gewalttaten, Suizidraten und Rückfällen in die Abhängigkeit.
(Das Ganze zeigt natürlich noch etwas: Du kannst keine emotionale Nüchternheit erreichen, wenn du regelmäßig trinkst. Denn Kater und Schlafentzug sind sich neurologisch betrachtet sehr ähnlich.)
Buchtipp 1 — Mathew Walker: Das Große Buch vom Schlaf (Si apre in una nuova finestra)
Walker schreibt auch über Kaffee. Und darüber, dass Körper mit zunehmendem Alter immer schlechter dazu in der Lage sind, Koffein abzubauen. Ich habe den leisen Verdacht, dass mein geliebter Kaffee der Grund für meine kleinen Schlafrhythmusstörungen der letzten Zeit sein könnte und bin nun voller Angst: Oh Gott, was, wenn ich Koffein nicht mehr vertrage?!
Als ich am Sonntag Morgen realisiere, dass ich keinen Kaffee mehr im Haus habe, wird mir aber auch klar vor Augen geführt, dass es vielleicht doch mehr Abhängigkeit als Liebe ist. Ich gehe raus und nehme erhebliche Strapazen auf mich, um eine Packung überteuerten Dallmayer Prodomo aufzutreiben. Ich werde hier nicht in Detail gehen, aber ich bin offenbar bereit, mich emotional, körperlich und sozial sehr zu verausgaben, um an den Stoff zu kommen. Am darauffolgenden Tag kaufe ich mir das erste Mal in meinem Leben Decaf.
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Ich lerne einen Typen kennen, der das absolute Klischee eines Typen aus dem mittleren Westen ist. Er hat neulich gelernt, dass Massentierhaltung eine irgendwie nicht so gute Idee ist (blows his mind) und als es um irgendein feministisches Thema geht, fragt er mich, ob ich Männer grundsätzlich als minderwertig betrachte.
Die mangelhafte Aufgeklärtheit vieler Hetero-cis-Männer fällt mir in letzter Zeit wieder so häufig auf, dass mir klar wird, wie unwahrscheinlich es wird, dass ich je wieder eine romantische Beziehung mit einem haben werde.
Passend dazu lese ich »Ex« von Katja Lewina und es heitert mich wieder auf. Die Geschichte geht so: Lewina kontaktiert all ihre früheren Liebhaber und findet heraus, was falsch gelaufen ist. Sie lebt übrigens seit Jahren in einer offenen Ehe und ist regelmäßig nebenbei in andere verliebt.
Lewina hat einen beneidenswert lässigen Umgang mit ihren vergangenen und zukünftigen Liebeskummern und überhaupt mit dem ganzen Romantik-Spiel. Sie erweckt den Eindruck, mehr als die einzelnen Liebesgeschichten ist sie in die Liebe selbst verliebt.
Sie öffnet eine gedankliche Tür für mich: Vielleicht muss ich gar nicht für den Rest meines Lebens heteronormative Romantik wollen, vielleicht machen mich die alternativen Modelle sogar auf Dauer glücklicher.
Buchtipp 2 — Katka Lewina: EX (Si apre in una nuova finestra)
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Das Jahr neigt sich dem Ende, was auch immer bedeutet: Ich habe bald Geburtstag und verstärkt das Bedürfnis, das vergangene Jahr zu reflektieren und das zukünftige zu visionboarden. Als ich Montag mit Jo im Wald bin, sage ich zu meiner eigenen Überraschung, 2022 war eins der besten Jahre ever. Jobmäßig habe ich alles erreicht, was auf meinem Zettel stand (und zwar schockierend präzise) und emotional hatte ich so wenige Probleme wie lange nicht mehr. Meine Lover sind sexy und warm, mein Freundeskreis ist gesund und stabil und weitgehend nüchtern (wie ist das denn eigentlich passiert?), der Podcast floriert, die Steuer ist gemacht.
Es ist nichts passiert, das epische Ausmaße hat, alles, was passiert ist, hat sich langsam entfaltet und deswegen habe ich immer noch Schwierigkeiten, es richtig zu sehen. Ex-Suchtis eben. Immer muss es knallen, bis sie irgendwas ernst nehmen.
Happy Sunday 💙
Mia + Mika