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Bye, bye, Shortform-Content - warum ich Instagram & Co. (langfristig) nicht mehr bespielen will

Gleich vorab: Nein, ich werde meinen Instagram-Account nicht löschen.

Aber: Ich würde es gern. Und irgendwann werde ich das auch tun. Das ist übrigens keines von Caitlins »Irgendwanns«, sondern ein fester Vorsatz. Und wenn ihr wissen wollt, was es mit Caitlin und ihren »Irgendwanns« auf sich hat, dann schaut doch mal rein in

Ich will nicht sagen, dass Instagram, TikTok & Co. furchtbar sind. Wobei doch, eigentlich will ich das. Denn Menschen wie mir tun diese Formate nicht gut und die Tatsache, dass ihr hier seid und diese Worte lest, lässt mich zumindest vermuten, dass es euch ähnlich geht.

Diesen Text schreibe ich völlig außerplanmäßig und angesichts der Tatsache, dass mein Buch in nicht mal drei Wochen herauskommt, sollte ich wohl mehr Buchwerbung machen oder mehr über das Buch selbst erzählen.

Aber irgendwie hängt es ja doch zusammen - denn mein Buch habe ich geschrieben und mehrfach überarbeitet, während ich Instagram ignoriert habe. Wäre ich parallel online gewesen, wäre ich wohl heute noch nicht über Kapitel 2 hinausgekommen. »Brewing Tension« spielt außerdem an einem Ort in den nordöstlichen Highlands, an dem es zwar Internet gibt, aber dem Ganzen keine große Wertschätzung entgegengebracht wird. Das Dorfleben und der Tratsch in Portkilnoch machen jeden Feed überflüssig und die Schönheit des Dornoch Firth ließe sich wohl auch auf keinem Reel einfangen.

Quelle: Unsplash

Halten wir also fest: »Brewing Tension« ist zum Entschleunigen da. Dazu, sich mit einer Tasse Tee zurückzuziehen, Kekse zu naschen und sich ganz in dem kleinen Örtchen an der schottischen Nordseeküste zu verlieren.

Doch zurück zur Instagram-Thematik (und ich nehme Instagram jetzt mal stellvertretend für sämtlichen Shortform-Content).

Jedes Mal, wenn ich die App öffne, geht mein Puls in die Höhe. Wer hat was kommentiert, geschrieben, gepostet, mit wem könnte ich mich heute vergleichen, welche Nachricht könnte mich heute runterziehen, was beunruhigt mich, wo müsste ich aktiv werden und wozu müsste ich etwas sagen?

Es mag Strategien geben, damit klarzukommen und Menschen, die das Social-Media-Game sogar ganz gerne spielen.

Ich bin keiner davon.

Ich bin extrem schnell überreizt (halò, Hochsensibilität (1)) und neige dazu, alles zu hinterfragen und auf mehreren Ebenen zu betrachten. Was mir einerseits als Autorin unglaublich hilft, mich gedanklich in viele Perspektiven hineinzuversetzen, ist andererseits ein wahrer Fluch - denn mein Gehirn muss die unzähligen Dinge, die es wahrnimmt, auch erstmal verarbeiten. Deshalb brauche ich ziemlich viel Zeit für mich und meine Gedanken.

Wenn ich also zu lange kurzformatige Videos ansehe, merke ich nicht nur, wie meine Aufmerksamkeitsspanne schrumpft (2), sondern auch, wie ich mich selbst damit überfordere. Wie ich nach einer längeren Session am Smartphone erstmal Zeit brauche, mich wieder wie ich selbst zu fühlen.

Natürlich höre ich die Stimmen, die Social Media als das Mittel der Wahl benennen, wenn es um die Bildung von Community geht, und darum, eine Reichweite aufzubauen. Ich verstehe das Prinzip.

Und doch.

Und doch weigere ich mich, mitzuspielen. Zumindest nicht so richtig. Vielleicht geht mir damit etwas durch die Lappen.

Aber mal angenommen, ich würde zur Contentmaschine werden, mehrmals täglich Videos hochladen und meine Postings besonders ästhetisch gestalten: Ich würde ausbrennen.

Himmel, ich bin deshalb schon ausgebrannt.

Mehrfach.

Und es tut mir jedes Mal weh, wenn Posts, in die ich so viel Zeit und Arbeit gesteckt habe, Reels, mit deren Schnitt ich stundenlang beschäftigt war, innerhalb kürzester Zeit wieder verschwinden. Meine Posts hier sind vielleicht weniger sichtbar, aber sie bleiben. Ich kehre gern hierher zurück und bereue keine Sekunde, die ich hieran geschrieben habe.

Eigentlich will ich meine Zeit und meine Kreativität doch viel lieber ins Schreiben investieren, ins Ausprobieren (zum Beispiel rede ich seit Ewigkeiten davon, mir digitales Illustrieren beizubringen oder generell wieder mehr zu zeichnen) und überhaupt in analoge Aktivitäten.

Was mich zum Nachdenken gebracht hat, waren vor allem die Wege von Sara Fabian Gerner, die auf ihrem Substack mittlerweile ordentlich Wind macht und deren Beiträge ich jedes Mal so gerne lese …

… und von Molly Ella, die - zwar ebenfalls auf Substack, aber ich kenne sie in erster Linie als Youtuberin - über ihren langsamen Alltag in den schottischen Highlands berichtet.

Beide inspirieren mich auf so unterschiedliche Weise und bestärken mich noch mehr darin, dass ich eigentlich vor allem eines will: meine Geschichten in die Welt tragen und ein Leben leben, das sich frei und selbstbestimmt und kreativ und wunderbar anfühlt.

Ich will mir nicht mehr von Algorithmen diktieren lassen, wie ich meine Themen zu verpacken habe.

Ich will nicht alles auf ästhetische Content-Bits reduzieren.

Ich will Raum einnehmen und mich so ausdrücken, wie ich es am besten kann: schreibend.

Und wenn ich dafür mit weniger Reichweite leben muss, dann ist es so.

Sicher mögen Instagram und TikTok für manche funktionieren und sogar entspannend sein. Das ist auch Bungeejumping.

Nur halt nicht für mich.

Mein Wort für dieses Jahr ist »Gelassenheit« und wenn für mich eine Sache in Bezug auf Social Media nicht klappt, dann ist es, gelassen zu bleiben.

Ja, ich bleibe noch auf Instagram und TikTok. Erstmal.

Aber meine Energie werde ich wieder in die Dinge stecken, die mich wirklich erfüllen: das Erzählen von Geschichten. Und dieser Blog - denn der macht mir so richtig Spaß, vor allem an Tagen wie heute, wenn ich wirklich von den Dingen schreibe, die mich beschäftigen.

Danke, dass ihr da seid!

Cheers

Stevie x

Quellen und weiterführende Links:

(1) Dass ich hochsensibel bin, habe ich oft geahnt, aber erst begriffen, als mich eine Therapeutin explizit darauf hingewiesen hat. Einen von der US-amerikanischen Psychologin Elaine Aron entwickelten Test gibt es übrigens hier:

https://www.psychologie-heute.de/leben/artikel-detailansicht/43389-test-bin-ich-hochsensibel.html (Si apre in una nuova finestra)

(2)

https://www.mpib-berlin.mpg.de/pressemeldungen/informationsflut-senkt-aufmerksamkeitsspanne (Si apre in una nuova finestra)
Argomento Autorinnenleben

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