Passa al contenuto principale

Mit den Füßen den Himmel berühren

Warum das Schaukeln uns beruhigt und glücklich macht.

Ein Mädchen mit blonden, langen Haaren sitzt auf einer Schaukel. (Si apre in una nuova finestra)
(Foto: Public Domain)
🎼

In unserem Reihenhausgarten gab es eine Sandkiste und im Sommer ein Planschbecken. Für eine Schaukel war das Grundstück zu klein. Schaukeln konnten meine Schwester und ich bei unseren Großeltern.

Mein Opa, ein gelernter Schmied, hatte das Schaukelgerüst aus Metallstangen und Röhren selbst zusammengeschweißt und mit grauer Farbe angestrichen. Offenbar vertrauten meine Eltern seinen Fähigkeiten. Wir schaukelten auf dem hellen Holzbrett, hielten uns an den dicken, blauen Kunststoffseilen fest und konnten die Füße in den Himmel stecken. Manchmal sprangen wir mitten im vollen Schwung ab – man musste den richtigen Zeitpunkt der rhythmischen Pendelbewegung abwarten – und landeten kichernd im Gras. Ich erinnere mich noch heute an diese Augenblicke in der Luft.

Kostenfrei:

Schaukeln – die Physik

Wer eine Schaukel in Gang bringen möchte, muss sich rhythmisch hin- und herbewegen, den Oberkörper nach hinten und dann wieder nach vorn legen, die Beine nach hinten abwinkeln, dann wieder nach vorne ausstrecken und erneut Schwung holen. Aus physikalischem Blickwinkel ist ein Mensch auf einer Spielplatzschaukel ein gekoppeltes System aus zwei Pendelkörpern. Zwischen dem Schaukelnden und der Schaukel werde Energie ausgetauscht, schreibt die Wissenschaftsjournalistin Katharina Menne bei (Si apre in una nuova finestra)spektrum.de (Si apre in una nuova finestra).

Wie effizient das gekoppelte System schwinge, hänge von drei Faktoren ab, so Menne: „der Frequenz, mit der die Person auf der Schaukel ihren Körper vor- und zurückbewegt, der Amplitude, also wie stark die Schaukel nach oben ausgelenkt wird, und schließlich der Phase, die ausdrückt, um welchen Zeitabstand die Bewegung des Körpers gegen die der Schaukel verschoben ist.“

Kleine Kinder, die gerade mit dem Schaukeln beginnen, wissen meist rasch und intuitiv, was sie wie, wann tun müssen, um sich in die Höhe zu schrauben. Die Fachfrau weiß: „Die Schaukel schwingt in der Anfangsphase am besten, wenn man sich genau dann maximal zurücklehnt, wenn die Schaukel sich in einer vertikalen, das heißt mittleren Position befindet“, erklärt Menne, die neben Biologie und Germanistik auch Physik studiert hat: Sobald die Schaukelbewegung an Fahrt aufnähme, müsse man sich zunehmend früher zurücklehnen – idealerweise am höchsten Punkt, bevor es wieder in die Vorwärtsbewegung gehe.

Noch komplizierter wird es mit den Kräfteverhältnissen, wenn die Mutter oder der Vater hinter dem Kind stehen und der Schaukel zusätzlich Schwung verleihen. Zumindest haben Physiker:innen der ETH Zürich sich vor Jahren Gedanken dazu gemacht (Si apre in una nuova finestra), um zu berechnen, welchen Kraftbeitrag der elterliche Schubs denn eigentlich für die Gesamtbewegung leistet. Die Forschungsarbeit lieferte offenbar die wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung von Sensoren für völlig andere Anwendungen – warum genau kann ich dir hier leider nicht erklären ;)

Schaukeln für den Körper

Schaukeln beruhigt, das weiß, wer schon einmal einen unruhigen Säugling durch leichtes Hin- und Herwiegen davon überzeugen konnte, endlich einzuschlafen. Ich erinnere mich an die erste Urlaubsfahrt mit unserer sechs Monate alten Tochter: Wir reisten mit sehr dezimiertem Gepäck nach Dänemark, weil die große, hölzerne Babywiege, in der unsere Tochter so gut einschlief, unbedingt in den Kofferraum musste.

Eine wissenschaftliche Studie mit Studierenden zeigte, dass das Schaukeln Stress verringert. Ganz offenbar trage die Stimulierung des Gleichgewichtssinns im Innenohr zur Beruhigung bei, vermuteten die indischen Forschenden, die die Untersuchung initiiert hatten.

Schaukeln soll (Si apre in una nuova finestra) zudem Schmerzen lindern, das Herz beruhigen, die Muskulatur stärken und das Gefühl für den eigenen Körper verbessern. Wer keine Gartenschaukel hat oder einen Spielplatz in der Nähe, könnte sich auch einen Schaukelstuhl oder eine Hängematte anschaffen.

Allerdings: Nicht jedem bekommt das Hin und Her. Manche reagieren mit Schwindel und Übelkeit und sollten, wenn sie es denn wollen, ihren empfindlichen Gleichgewichtssinn erst nach und nach an das Schaukeln gewöhnen.

Schaukeln für die Seele

In der Freiburger Thomaskirche hängt eine Himmelsschaukel, die mit langen Seilen an der Kirchendecke befestigt ist. Außerhalb der Gottesdienstzeiten können sich Besucherinnen und Besucher hineinsetzen und erfahren, wie es ist, „frei und geborgen“, „bewegt und ganz in Ruhe“ zu sein. Die Schaukel verbinde symbolisch Himmel und Erde und vermittle die Erfahrung, wie es ist, im Glauben gehalten zu sein, schreibt die Kirchenleitung (Si apre in una nuova finestra) zu dem Projekt.

Der Philosoph Wilhelm Schmidt hat ein Buch (Si apre in una nuova finestra) zum Thema geschrieben: „Schaukeln – die kleine Kunst der Lebensfreude“. Das Schaukeln könne uns helfen, mehr Freude am Leben zu haben, weil es uns unterstütze, zu realisieren, dass das menschliche Leben aus Gegensätzen bestehe, sagt Schmid in einem Interview (Si apre in una nuova finestra): „Wir haben Freude an etwas, kennen aber auch den Ärger als ihr Gegenteil. Wir haben Lüste, kennen aber auch den Schmerz. Wir kennen Gesundheit, aber auch die Krankheit. Wir kennen das Leben und wir wissen, dass es den Tod gibt.“

Über dieses Phänomen lasse sich nicht wirklich diskutieren. Merkwürdig sei, so Schmid, dass sehr viele Menschen die Gegenteile nicht wahrhaben wollen: „Sie wollen nur Freude, nur Lüste, nur Erfolg und nur Gesundheit.“ Aber so komme man nicht gut durchs Leben. „Die Metapher des Schaukelns kann uns dabei helfen, eine Umgangsweise mit den Gegensätzen zu finden“, sagt der Philosoph.

DANKE 💚!
https://steady.page/de/taktvoll/posts/30b6ac55-024f-46e4-b645-b9b92e3923fe (Si apre in una nuova finestra)https://steady.page/de/taktvoll/posts/a10f9c84-97dc-4b09-9aab-1c97f16eea8d (Si apre in una nuova finestra)https://steady.page/de/taktvoll/posts/7f11799f-9c4a-4e48-a92a-74d66dff8dad (Si apre in una nuova finestra)

Empfehle “Taktvoll – über die Rhythmen des Lebens” an Freundinnen und Freunde weiter. Damit hilfst du mir, das Projekt bekannter zu machen. Danke dir!

Taktvoll macht eine kurze Verschnaufpause😎. Am Mittwoch, 17. Juni, landet der nächste Wochenimpuls in deinem Mail-Postkasten.

Argomento Medizin + Rhythmus

0 commenti

Vuoi essere la prima persona a commentare?
Abbonati a Taktvoll e avvia una conversazione.
Sostieni