Zwiebel, Frostschutz, harte Blätter: die Überlebensstrategien der Frühlingsvorboten

Gerade lag da noch Schnee, jetzt schimmert etwas anderes Weißes im Garten: Schneeglöckchen! Irgendwie muss es diesen kleinen, hartnäckigen Pflanzen trotz der Kälte gelungen sein, Blatt und Blüte vorzubereiten, so dass sie als eine der Ersten im Jahr ihre Pracht zeigen können – manchmal, je nach Wetterlage und Region, sogar schon im Januar oder Februar.
Einer Legende nach (Si apre in una nuova finestra) war es Winter, als Gott Adam und Eva aus dem Paradies vertrieb. Es war kalt, Eva fror und weinte. Gott hatte Mitleid und verwandelte einige der Schneeflocken, die zu Boden fielen, in Schneeglöckchen.
Das ist eine Möglichkeit, sich das plötzliche Erscheinen der weißen, zu den Narzissengewächsen zählenden, in Mittel- und Südeuropa beheimateten Frühlingsvorboten zu erklären.
(Si apre in una nuova finestra)Die Botanik nennt hauptsächlich drei andere Gründe für die überraschende Winterblüte und Frostresistenz von Galanthus nivalis, so der lateinische Name des gewöhnlichen Schneeglöckchens. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné (Si apre in una nuova finestra) nannte die mehrjährige, krautige Pflanze (Si apre in una nuova finestra) so: Galanthus vom griechischen „gala“ für „Milch“, „anthos“ für „Blume“ und „nivalis“ für „des Schnees“.
Wie kommt Galanthus nivalis mit Schnee und Frost klar?
Schneeglöckchen sind Zwiebelpflanzen. Nährstoffe und auch Wasser sind für das frühe Wachstum unterirdisch in den Zwiebeln abgespeichert. Schon im Vorjahr hat die Pflanze zudem Vorbereitungen für den raschen Austrieb von Wurzeln und Trieben in der nächsten Saison getroffen.
Schneeglöckchen sind recht einfach und robust gebaut. Besonders auffällig sind ihre Blätter mit den harten Spitzen. Mit ihnen können sie sich sogar durch den gefrorenen Boden hindurch manövrieren.
Im Inneren ihrer Zellen haben Schneeglöckchen Frostschutzmittel eingelagert. Das sind bestimmte Proteine, die verhindern, dass sich durch die Minusgrade große Eiskristalle in der Pflanze bilden, die sie zerstören würden.
Schneeglöckchen haben bewegliche Blütenblätter. Die Chancen dafür, dass bestäubende Insekten vorbeikommen, sind bei frostigen Temperaturen gleich null. Anders sieht es ab 10 Grad Celsius (Si apre in una nuova finestra) aus. Ist diese Außentemperatur erreicht, wenn Schneeglöckchen blühen, können sie ihre Blütenblätter nach oben und außen bewegen, damit die Insekten einen besseren Zugang haben.
Für die Ausbreitung ihrer Samen nutzen die Pflanzen eine interessante Strategie: Die Samen enthalten fettreiche Anhängsel, so genannte Elaiosomen. Die sind besonders bei Ameisen (Si apre in una nuova finestra) beliebt. Die Insekten schleppen die Samen in ihr Nest und machen sich über die energiehaltigen Anhängsel her. Der Samen an sich bleibt jedoch verschont … und kann bei nächster Gelegenheit auskeimen und zu einem neuen Schneeglöckchen heranwachsen.
Die Pflanzen vertrauen bei ihrer Vermehrung aber hauptsächlich auf viele kleine Tochterzwiebeln, die sich aus einer Vorgängerzwiebel bilden können. Das Resultat sind große “Schneeglöckchen-Nester” an solchen Stellen, wo sich die Pflanzen so richtig wohlfühlen.
https://www.youtube.com/watch?v=sXIvCpusBrw (Si apre in una nuova finestra)Auch an den Schneeglöckchen geht der Klimawandel nicht vorbei. Ihr durchschnittliches Blühdatum hat sich laut einer britischen Studie (Si apre in una nuova finestra) von den 1950er bis zu den 1990er Jahren von Ende Februar auf Anfang Januar verschoben.
Schneeglöckchen sind leicht giftig. Sie enthalten so genannte Alkaloide. Für mindestens eines unter ihnen interessiert sich die Medizin: Das verschreibungspflichtige Demenz-Medikament Razadyne enthält Galantamin, ein Alkaloid des Schneeglöckchens, das auch in Narzissen vorkommt.
Galantamin erhöht den Spiegel eines Botenstoffs im Gehirn, das Acetylcholin, wodurch sich die Denkleistung verbessern kann. Das Medikament kann eine Demenz nicht heilen, aber die Symptome unter Umständen etwas verbessern (Si apre in una nuova finestra).
Der bulgarische Chemiker Dimitar Paskov (1914 bis 1986) isolierte das Galantamin erstmals vor 70 Jahren (Si apre in una nuova finestra). Angeblich hatte er bei Dorfbewohnern im Kaukasus beobachtet, wie sie sich bei Kopfschmerzen und Tüdeligkeit die Stirn mit Schneeglöckchen rieben.
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