Passa al contenuto principale

008 - Taubenschlag-Newsletter:

Liebes Taubenschlag-Publikum,

die neue Regierung hangelt sich von Krise zu Krise, aber immerhin hat sie es durch die ersten 100 Tage geschafft.

Anlass genug, um endlich mal zurückzublicken und zu überlegen, welche Namensgebärden gut zu den Leuten auf den Ministeriumsposten passen, die sich im Kabinett des Dr. Merzigari versammelt haben.

Dazu haben verschiedene Taube Expert*innen (aus den Bereichen Dolmetschen, Übersetzen, Gebärdensprachunterricht, Politik) überlegt:

Welche Gebärden wurden schon beobachtet? Welche gibt es vielleicht aus der vorherigen Arbeit in der Landes- oder Bundespolitik? Welche überschneiden sich vielleicht mit bereits bekannten?

Das Ergebnis sind teilweise mehrere, manchmal nur zwei, in einzelnen Fällen nur ein Namensgebärdenvorschlag. Wer Gebärdensprache als Tauber, gehörloser oder schwerhöriger Mensch aktiv nutzt, kann gerne hier (Si apre in una nuova finestra) abstimmen.

Wer einfach nur neugierig ist, was zur Debatte steht, kann sich auch ohne Abstimmung durch die Videos klicken.

Link zur Umfrage (Si apre in una nuova finestra)

Und gerne: Weiterleiten!

Die Umfrage geht noch bis zum 8. September, danach wird ausgewertet.

App-Tipp!

Mit MySportFriend.com (Si apre in una nuova finestra) könnt ihr Gleichgesinnte für Sport finden – neben vielen anderen Filtern und Reglern (etwa Sportart, Geschlecht…) kann man auch angeben, dass man gehörlos ist (oder blind, oder Rollstuhl fährt) und entsprechende Leute suchen. “Weil niemand außen vor bleiben sollte”, wie es so schön von den App-Entwicklern heißt.

Direkt herunterladen hier:

Android: Google Play Store (Si apre in una nuova finestra)

Apple: App Store (Si apre in una nuova finestra)

Das FELD Theater (berufliche Heimat von Clin d’Oeil-Gewinner Jan Kress) hat noch mal Glück gehabt, aber wirklich auf dem Trockenen ist man im Kürzungsmekka Berlin nicht. Als vulnerable Einrichtung bleibt die Basis-Förderung zwar erhalten, aber das Vertrauen in den Senat scheint erstmal etwas erschüttert.

Wer vor Ort unterstützen will mit zahlreicher Anwesenheit: am 30. September ist eine Podiumsdiskussion (Si apre in una nuova finestra) mit verschiedenen Mitgliedern des Berliner Senats (CDU, Grüne, Linke, SPD), moderiert von Kulturjournalistin Elena Philipp, natürlich mit DGS-Verdolmetschung.

Wer online unterstützen will, kann diese Petition (Si apre in una nuova finestra) unterschreiben unter dem Motto “NICHT SCHON WIEDER”.

Und wer am 30. September nicht da ist, aber trotzdem was vor Ort tun will, kann zu den FELD Fusion Freitagen (Si apre in una nuova finestra) kommen. Bei den lockeren Zusammenkünften gibt es wechselndes Programm.

Ganz besonders wird es in etwa einer Woche am 11. September 2025 um 17 Uhr: Bei der Residenz von Hyemi Jo und Paulina Güllü können Interessierte bei den Proben zuschauen und als “Feldberater*innen” Feedback geben zur laufenden Arbeit. Eine einmalige Gelegenheit für einen Blick hinter die Kulissen – für alle! Jan Kress, der die Residenz betreut, ist natürlich auch dabei. Anmeldung erbeten:

https://jungesfeld.de/2025/07/03/residenz-2/ (Si apre in una nuova finestra)

Noch mal Theater:

Das Deutsche Gehörlosen-Theater bringt den Pinocchio-Multipack auf die Bühne: “Pinocchios” soll eine freie Adaption des italienischen Originals sein. Mal sehen, wie sehr es sich von der Disney-Fassung lösen kann. Da sei schon mal das Urheberrecht vor, aber das hat das DGT auch nicht abgehalten, vor nun etwas mehr als 10 Jahren Alice im Wunderland sehr nah an Disney zu platzieren. Anders als damals aber diesmal komplett ohne Verdolmetschung. Tausendsassa Eyk Kaulisky ist für die Inszenierung verantwortlich. Das Stück: mit dem Ensemble improvisiert. Heißt also, frei aus dem Stegreif, Szenen, die aus dem Moment heraus entstehen und nicht einstudiert sind. Ob das gut geht? Kann man am 25. September selber in der UFA Fabrik in Berlin erfahren.

Infos auf Instagram! (Si apre in una nuova finestra)

Kurze Zwischenmeldung!

Achtung:

Wenn ihr Mails bekommt, in denen jemand behauptet, eure Emailadresse von “deafbase.de” zu haben und euch Dienste anbietet – das ist höchstwahrscheinlich Betrug. Wir haben damit nichts zu tun – Deafbase.de (Si apre in una nuova finestra) gibt es schon lange nicht mehr und die URL wird inzwischen zu Taubenschlag.de (Si apre in una nuova finestra) umgeleitet.

Angela Mortimer ist tot.

Die schwerhörige Tennisspielerin gewann sogar in Wimbledon. Der SPIEGEL entblödet sich aber nicht, zu schreiben, “sie gewann, obwohl sie schwerhörig war.” Da fragt man sich, wieso Autor Peter Ahrens sowas schreibt, obwohl er Journalist ist.

https://www.spiegel.de/sport/tennis/angela-mortimer-ist-tot-sie-gewann-in-wimbledon-obwohl-sie-schwerhoerig-war-a-f93b1d4a-2c80-4257-8ddc-5af2396d626c (Si apre in una nuova finestra)

Ja, gut, mag sein, dass es letztendlich wichtig ist beim Tennis, das “Plopp, plopp” (Ahrens) bzw. “Bumm Bumm” (Becker, Schöller et al.) zu hören, aber das ist ein anderes Thema.

“Sie schaffte dies alles, obwohl sie auf dem Platz in einer für sie abgeschlossenen Welt lebte.”

Schrecklich. Um Fraktus zu zitieren: “Warum holt sie keiner da raus? (Si apre in una nuova finestra)” Oder frei nach Raul Krauthausen: “Lieber rauslassen. (Si apre in una nuova finestra)

“Sie hörte Tennis nur, wenn es laut war.”

Und ich wünsche mir zu Weihnachten, Grönemeyer würde jedes einzelne Vorkommen dieses Kalauers abmahnen und das Geld in die Betroffenenverbände spenden.

“Handicap” darf natürlich auch nicht fehlen, was sie natürlich “ins Positive gedreht” hat. Vielleicht hätte der Autor der Frau einfach mal zuhören sollen, wenn er sie schon zitiert:

»Wenn Spieler sagen, sie bräuchten das Geräusch des Balles, dann muss ich immer lächeln.«

Selber weiß man’s immer am besten.

Schön aber: Mortimer setzte durch ihre Sturheit durch, dass Frauen nicht mehr Rock tragen mussten, sondern auch Hosen tragen konnten, irgendwie so. Die Briten sind mit ihrem Sport etwas eigen, man schau sich nur mal Cricket an.

Angela Mortimer starb mit 93 Jahren.

Cafétipp:

In Frankfurt gibt es das Cafe Sinn und Wandel, hat nichts zu tun mit der Firma Sinneswandel aus Berlin, ist aber auch ein Inklusionsbetrieb. Entscheidender Unterschied: Im Sinn und Wandel gibt es guten Kaffee und selbstgebackene Bagel und Foccacia. Die Grenzen der Taubblindenfreundlichkeit (v.a. bei der Hintergrundfarbe) testet Inhaber Sascha Nuhn in diesem Info-Video (Si apre in una nuova finestra) aus. Lasst euch davon nicht abschrecken, freut euch auf lecker aussehendes Essen (Si apre in una nuova finestra) und empfehlt den Laden weiter, wenn er euch gefällt.

Veranstaltungshinweis:

Am 14. September bietet das Anne Frank Zentrum in Berlin eine Führung durch die Ausstellung “Alles über Anne” an. Die Führung wird in DGS verdolmetscht und ist ein gute Gelegenheit im Angesicht des globalen Rechtsrucks mal das Wissen über die Person hinter dem Tagebuch aufzufrischen. Am 9.11. ist noch eine Führung, ebenfalls mit DGS. Anmeldungen bei Eike von Vacano, per Email an e.vonvancano@annefrank.de (Si apre in una nuova finestra) oder hier unter dem folgenden Link:

https://www.annefrank.de/termine/termin/fuehrung-in-deutscher-gebaerdensprache-durch-die-ausstellung-alles-ueber-anne-am-14092025 (Si apre in una nuova finestra)

Wie könnte eine gehörlose Architektur aussehen?

Ein tolles Beispiel gibt es in Nagano, Japan. Ein Instagram-Video zeigt sehr ausführlich, wie detailverliebt das Haus gestaltet wurde. So ist der Eingangsbereich leicht schräg versetzt, so dass man eine gute Sichtlinie hat, viele Wände fehlen und geben Blick frei auf verschiedene Etagen und in den Türen sind kleine Milchglasfenster, dass man sehen kann, ob dahinter jemand steht oder das Licht an ist. Mehr und Erklärungen in diesem tollen Video (Si apre in una nuova finestra) auf Instagram!

Wohnzimmer, in dem mehrere Menschen auf dem Boden sitzen, ein Fernseher läuft, es ist hell und viel Holz zu sehen (Si apre in una nuova finestra)

Das evangelische Bildungswerk München (ebw) bietet immer wieder spannende Veranstaltungen mit DGS an, oft sogar kostenlos, wie auch diese über das Darknet, das sogenannte “dunkle Internet”. Der Journalist Stefan Mey referiert über die Risiken (Drogenhandel) und Chancen (Meinungsfreiheit). Die Veranstaltung findet am 23. September hybrid in Präsenz in München und per Zoom online statt.

Achtung: Anmeldeschluss ist der 16. September, mehr Infos (auch in DGS) hier:

https://www.ebw-muenchen.de/veranstaltungen/das-darknet/ (Si apre in una nuova finestra)

Neu eingestiegen? Die alten Newsletter gibt’s hier: klick (Si apre in una nuova finestra)

Ach, und weil gerade auf Instagram ein Video kursiert, in dem die Dolmetschqualität der Phoenix-DGS-Nachrichten sehr scharf kritisiert wird, hier noch mal eine Reminder: Es gibt seit 2020 die ZABA, was so viel heißt wie zentrale Anlaufstelle für barrierefreie Angebote. Dahinter versteckt sich eine Beschwerdeplattform, bei der man z.B. fehlende Untertitel oder Verdolmetschung (oder eben auch Fehler in der Verdolmetschung) melden kann. Die Menüführung ist für deutsche Verhältnisse sehr einfach und der große Vorteil: Die Beschwerden werden zentral gesammelt und an die richtigen Stellen weitergeleitet.

Einfach mal reinschauen und ausprobieren. So werden auch Auswertungsprozesse angestoßen und die Statistik gefüttert.

https://barrierefreie-medien.info/de (Si apre in una nuova finestra)

Grüßt:

Wille

P.S.: Schwerhörigkeit macht dement, einsam, unbeliebt – so sonst der Tenor in der Presse, je näher der Tag der Gebärdensprachen rückt (ich denke mir das nicht aus, ich beobachte das seit Jahren) – da ist es erfrischend, wenn Schwerhörigkeit mal positive Seiten hat und auch entsprechend darüber berichtet wird.

Die Allgemeine Laber Zeitung (sic!) berichtet beispielsweise am 18. August, dass ein 53 Jahre alter Mann seinen 89 Jahre alten Nachbarn vor einem Betrug gerettet hat. Die Betrüger hatten den 89jährigen angerufen und ihn angelogen, dass sein Kind entführt wurde und er 50.000 Euro Lösegeld zahlen soll. Da er aber schwerhörig war, telefonierte er so laut, dass sein Nachbar es mitbekam und ihn noch rechtzeitig abfangen konnte.

Hat euch der Newsletter gefallen? Leitet ihn gern weiter:

Taubenschlag war lange ein ehrenamtliches Projekt, ein Blog, eine lebendige Pinnwand. Zwei Jahre lang haben wir mit dem ersten DJE-Projekt (Si apre in una nuova finestra) – kurze und längere, mehr und weniger tief recherchierte journalistische Artikel veröffentlicht, gefördert von der Europäischen Union. Abseits davon: Die Sparte “Übers Dolmetschen (Si apre in una nuova finestra)” mit einer eigenen Webseite (Si apre in una nuova finestra) ist einerseits eine für alle zugängliche Informationsquelle rund um Standardfragen zum Dolmetschen (ähnlich wie nicht-stumm.de (Si apre in una nuova finestra), welches sich rund um Taubsein und Gebärdensprachen dreht) und andererseits Heimat für exklusive Meinungs- und Diskussionsbeiträge. Fehlt dir etwas? Hast du Lob, hast du Tadel? Schreib uns an info@taubenschlag.de (Si apre in una nuova finestra) !

Willst du uns unterstützen? Abonnier uns bei Steady:

0 commenti

Vuoi essere la prima persona a commentare?
Abbonati a Taubenschlag+ e avvia una conversazione.
Sostieni