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Wie mich das Feuerpferd jetzt schon stresst!

Wir leben neuerdings im Jahr des Feuerpferdes. Haben mir zumindest spirituelle Insider, faltenfreie, chinesische Damen, die immer mit Socken ins Bett gehen, und jüngst die mir sehr sympathische Ursula Karven bei Instagram erklärt. Ursula Karven habe ich schon einiges nachgekocht und auch bei dem einen oder anderen Reel mal mitgeturnt, zumindest gedanklich, spätestens da musste ich das Thema ernst nehmen.

Das Jahr des Feuer-Pferdes ist astrologisch gesehen übrigens gar kein Spaziergang, sondern eher ein galoppierender Sprint mit Funkenflug. Man sagt, in solchen Jahren bekommen selbst Vorsätze plötzlich Hummeln im Hintern und wollen umgesetzt werden — und das bitte sofort!

Das Problem: Feuer denkt nicht lange nach, Feuer lodert einfach. Projekte, die sonst drei Jahre Anlauf brauchen, werden fix und foxy umgesetzt. Nur muss das nicht immer gut sein…Unsere Herausforderung ist dabei, die blöden Ideen von den Geistesblitzen und Jahrhunderterfindungen zu unterscheiden. Sprich: Wer die Zügel locker, aber nicht aus der Hand lässt, kann auf diesem Pferd ziemlich weit kommen — wer loslässt, lernt fliegen.

Das Verrückte an dem brennenden Gaul ist nur, du musst offenbar schon im Vorfeld einiges richtig machen, sonst wird das ganze Jahr ein einziger Höllengang! Dazu gehört: Am 17. und 18. nicht putzen, waschen, schneiden, auch keine Haare, und bitte, bitte keinen Müll rausbringen. Kein Problem, dachte ich mir, mache ich alles am 16. Da hatte ich nur nicht bedacht, dass die Kinder mit Schwimmbadköpfen nach Hause kamen, aber egal. Danach waren sie eh krank und niemand hat ihre Salz-Fettköpfe je gesehen. Die Schere versteckte ich, denn schneiden war auch verboten. Sonst: Reichtum abgeschnitten! Also wurde alles aufgerissen, jede Packung Schokostreussel, Spaghetti oder Mandelblättchen. Putzen ging ja nicht, also ließen wir mal zwei Tage lang alles liegen. Und ich musste feststellen, wieviel mit drei Kindern so ’runterfällt. Denn sonst sauge ich täglich. Nun gut, ich dachte, ich hätte alles bedacht. Dann schrieb mir meine Freundin Daniela:

„Hast du Orangen in den Flur gerollt?“

Ich: „Nein, wieso?“

„Das gehört auch dazu. Sonst kein Reichtum.“

Ich geriet kurz in Panik und lief durch die Küche.

„Gehen auch Zitronen?“

„Natürlich nicht.“

Ich war kurz davor, nochmal einkaufen zu gehen. Aber bei Minusgraden und einer eisglatten Schneedecke, überlegte ich es mir dann doch anders. Das Orangenrollen musste man doch skippen können? Hatten außerdem nicht alle Insider erwähnt, Ursula auch nicht.

Am 19. war ich sehr zufrieden. Die Schere durfte wieder benutzt werden, alle hatten frisch gewaschene Köpfe und auch der Müll durfte raus.

Dann stolperte ich über das nächste Video: Am 20. bitte alle Ecken im Haus wischen und einen Zettel an die Tür pinnen: „Reichtum ist hier willkommen!“ Sonst: Bettelarm fürs ganze Jahr. Frage mich, was die Briefträger derzeit so erleben?

Und: Haben wir je so einen Zinnober um das chinesische Neujahr gemacht? Bisher lebten wir eigentlich auch so ganz okay. Gut, man soll sein Schicksal jetzt auch nicht herausfordern. Aber was machen Menschen, die nicht den chinesischen Sockenlady und Ursula Karven folgen und das alles nicht wissen? Ich beschloss mich zu entspannen. Und dann fiel mir noch ein: Ich bin ja keine Chinesin. Gilt das auch für Europäer? Und: Das Feuerpferd steht für Herausforderung und Risiko? Sollten wir dem dann nicht auch genauso begegnen? Let´s risk it. Und zur Not kann ich ja vielleicht noch um Verzeihung bitten, in Socken schlafen und ein paar Orangen hinterherrollen? Denn ein Neuanfang ist doch immer möglich.

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Argomento MINDSET & PERSPEKTIVE

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