
Wieso habe ich nichts anzuziehen? Und was trage ich zum nächsten Abend-Event, Elternabend oder zur Date night? Fragen, die die meisten Frauen vor dem Kleiderschrank quälen. Denn ständig ändert sich etwas: Die Figur, die Trends oder das Antlitz. Wenn wir ehrlich sind. Und die Antwort auf all diese Fragen ist: Suzana!
Suzana Walz ist Fashioncoach, eigentlich studierte BWLerin, die lange den Einkauf bei C& A gemacht hat. Gemodelt hat sie auch mal, aber das nehmen wir ihr nicht übel, wenn sie mit ihren 2-Meter-Beinen um die Ecke biegt. Sie weiß, was wir wollen, was wir brauchen. Und coacht die Wirtschaftselite, Unternehmerinnen, Moderatorinnen, aber auch Oma Kasuppke. Zeit, auf modische Tuchfühlung zu gehen und ihr ein paar Tricks zu entlocken. Denn das Tolle ist: Du musst nicht unbedingt immer tagelang shoppen gehen. Aussortieren, um ein Teil aufpimpen und neu zusammenstellen geht auch. Alles geht.
Wir denken immer alle, wir haben nichts anzuziehen und alles, was wir besitzen, ist doof. Was hilft uns, sicher aufzutreten, Suzana?
Da kann ich nur sagen: Das Wichtigste ist ein Basis-Kleiderschrank. Und dafür gehe ich ganz strategisch vor und frage mich: Welche Hose ziehe ich gerne an? Ich mache dann richtig Inventur und stelle fest: Die in kanariengelb, die in pinkkariert, dann kommen vielleicht noch ein paar schlichtere Jeans dazu und zwei andere Hosen. Dann gehe ich die Röcke durch, dazu finde ich 4,5 Unterteile, die ich wirklich gerne anziehe. Und dazu suche ich dann Oberteile raus. Das sind dann meine Power-Outfits. Die lege ich mir richtig zurecht und fotografiere sie bestenfalls. Und dazu baust du dir Bausteine, mit denen du variieren kannst. Wenn du heute einen dicken Bauch hast oder es kuschelig sein muss, greife ich direkt danach. Auch die passenden Schuhe planen wir. Eine Hose ist gekürzt für Ballerina, Loafer oder Sneaker. Und dann hast du die Hose, die nur für hohe Absätze gedacht ist. Ich unterscheide richtig in Tagsüber- Garderobe und Abendsortiment. Denn Klarheit entspannt alles!
Die Sachen, die du jeden Tag benutzt, müssen natürlich verfügbar sein. Wenn ich jeden Tag Parmesan esse, liegt die Käsereibe auch ganz vorne in der Küchenschublade. Dein Lieblingsoutfit hängt also auch vorne im Schrank, die Halbarm-Shirts, die es nur zwei Mal im Monat an deinen Körper schaffen, eher hinten. So muss man morgens nicht nachdenken. Ich empfehle ja gerne: Mach´ ein Foto vorm Spiegel, geh zu Budni, Rossmann oder DM und drucke dir deine Basisoutfits aus und dann weißt du, das ist mein Wow. Heute bin ich müde, habe schlecht geschlafen, dann ab an die Fotowand.
Diese Fotos sind wichtig. Die sollen auch nicht im Handy vermodern, die kleben wir an die Seite des Innenschranks. Und sofort haben wir mehr Struktur im Kopf.
Was ist der gängigste Fehler, den Frauen machen?
Wenn die Jeans unten weit sind, dann muss es oben eng sein. Das wissen aber nicht alle. Es geht um Proportionen! Einfach immer mit dem Kontrast arbeiten. Und Schuhe sind ein Thema. Man kann die schönsten Outfits kreieren, aber der Schuh muss passen. Wenn der nicht geht, kann er alles ruinieren. Generell gilt also: Wenn du einen Look planst, fang mit dem Schuh an! Und wenn die Jeans zu kurz ist oder eine bescheidene Länge hat, kannst du es auch nicht mit Cowboystiefeln retten. Dann sieht es manchmal aus wie „nicht gekonnt“, nicht Fisch, nicht Fleisch. Ich starre ja täglich allen auf die Füße, rein beruflich, und sehe täglich Samba-Sneaker. Das hat auch einen Grund, denn die machen schmale Füße. Je klobiger der Schuhe, desto mehr Plattfuß, muss man leider sagen.
Du sagst immer, jeder braucht einen modischen Anker, was kann das sein?
Wenn man sich etwas aussucht, dann neigt man dazu, irgendwas immer wieder zu nehmen. Das kann ein Gürtel sein, eine Tasche, Ohrringe, oder man sagt plötzlich, ich brauche noch einen Schal, einen Pulli oder einen bestimmten Schuh. Wenn dir das an dir selbst auffällt, dann sollte es klingeln! Das ist dein persönlicher Anker! Ich hatte mal eine Kundin, die liebte Ambänder. Sie liebte es, wenn es klirrte, wenn sie sich unterhielt. Für eine andere Kundin waren es die Fingernägel, ihre Nagellack-Nuance war ihr Anker. Es kann auch die Frisur sein. Meine Mutter hat mit 78 Jahren 60 Schals. Sie muss immer wissen, welchen Schal und Gürtel sie zu ihrem Outfit braucht, das ist ihr Ding und es steht ihr auch. Wenn du dich jetzt fragst, was dein Anker ist, musst du einfach nur genau hinhören: Wenn die Leute immer „Ursula, du hat immer die schönsten Socken an!“ sagen, dann hast du die Antwort bereits. Es gibt auch Menschen deren Anker die Unterwäsche ist. Wenn sie wissen, dass sie heute wieder bordeauxrot untendrunter tragen, gibt ihnen das Sicherheit. Der Anker muss von anderen nicht wahrgenommen werden. Viele Frauen sind auch sehr stark mit Ohrringen oder Ketten unterwegs. Wenn ich reise, sind immer alle erstaunt, weil mein Koffer der kleinste ist. Ich nehme nicht viel mit, meistens Jeans und eine weiße Bluse. Dafür habe ich aber pinke Schuhe dabei und haue eine auffällige Kette drauf oder einen witzigen Gürtel. Manchmal habe ich sogar das Gleiche an und trage nur einen anderen Gürtel. Das merkt aber niemand. Mode ist ein Spiel. Es ist simpel.
Ein typischer Fehler in meinen Augen ist, an Altem festzuhalten. Wir müssen adaptieren oder wir sehen aus, als wären wir in der Zeit stehengeblieben. Eine Kundin hatte mal eine sehr edle Lederhose in London gekauft. Sie hat sich so geärgert, dass sie sie nie getragen hat. Aber man musste auch ganz klar sagen: Der Schnitt ging gar nicht! Sehr high waist hing das gute Stück unterm Busen- das steht einfach nicht jedem. Der Körper verändert sich, wir verändern uns. Ich sage immer: Man muss nichts hinterher weinen. Es ist völlig normal.
Wie kann ich mein Tagesoutfit (Jeans, weißer Pulli) ganz schnell in ein Abendoutfit wandeln? Oder in seriös für den Elternabend? Wenn ich mich wie ein nasser Waschlappen fühle?
Immer Blazer überwerfen! Im Sommer mit Bluse oder T-Shirt und im Winter einfach einen tollen Rollkragenpullover kombinieren. Ob kariert oder dunkelblau- egal. Dazu sieht jede Jeans Bombe aus. Blazer geht immer. Kannst auch unterm Arm tragen. Ich zaubere den gerne mal aus der Tasche. Nur eins muss man auch ganz klar sagen: Oversized Blazer sind schwierig, wenn ich nicht gerade Anfang 20 bin und dazu Baggyjeans trage. Als erwachsene Frau verschwindet man sonst und rangiert kurz vor graue Maus. Wenn der Blazer schon lässiger ist, dann bitte untenrum so eng wie möglich. Mit Marlenehose, oben enger, funktioniert auch noch, aber dann bitte keinen dicken Rolli tragen, sondern figurbetont. Sonst ist das kurz vor verstecktem Vogel. Bei jungen Menschen sieht das noch cool aus, aber ab einem gewissen Alter nicht mehr. Einzige Ausnahme wäre eine echt gute Kombi, die man vorher getestet hat, und zum Oversized Blazer einen Gürtel und eine enge Hose. Da wären wir wieder beim Anker. Das ist ein Statement- kein Versteckspiel.
Ich hatte neulich ein Event, bei dem Farbe gewünscht war. Ich habe aber keinen Anzug in Rot oder Pink gefunden, der mir gefallen hätte. Am Ende wurde es dunkelblau. Ein Faux pas?
Ich habe 2 Moderatorinnen als Kundinnen, die sollten auch in Outfits mit Farbe zum Foto-Shooting kommen, aber wir haben uns nicht daran gehalten und bekamen trotzdem viele Komplimente. Warum? Man kann auch in Erdtönen strahlen. Und wir haben kompensiert über pinke Ohrringe. Dazu gutes Makeup- fertig. Es geht um Basis- Elemente: Du kannst ja auch deine ganze Wohnung in beige einrichten, dann kaufst du orange Kissen und dann pinke. Und alle sagen, deine Wohnung sieht anders aus. Das ist der Trick mit den Accessoires!
Wichtig ist dabei: Die Ohrringe müssen bequem sein. Es muss einfach Spaß machen, sie zu tragen. Modeschmuck ist ein Knaller. Ich war neulich mit einer Kundin in Marbella unterwegs und wir haben unerwarteterweise bei Bijou Brigitte geshoppt. Grund: Sie hatte viele Parties anstehen und brauchte Abwechslung. Wir haben ihr mehrere Ketten gekauft, um alle Looks zu pimpen, und sie war happy. Sie hat den Schmuck in ihren Koffer gepackt und sich gefreut, dass diese Ketten immer gehen und wenn sie mal eine verliert, ist es auch nicht schlimm. Wenn man im Laden steht, sollte man sich fragen: Macht es mich schöner? Und gehe deinen Kleiderschrank durch und hol´ dir eine Freundin. Dein Look muss deine Wellness-Oase sein. Ein Gewürzschrank, auf den man keine Lust hat, verfeinert ja auch kein Gericht.
Dein persönlicher Tipp, der alles einfacher macht?
Ich glaube, wir hängen zu oft der Vergangenheit hinterher. Nur wir verändern uns, unsere Haut, unsere Haare, das ist so und das muss auch nicht negativ sein. Und dann denken wir, alle haben doch immer gesagt: „Mensch, Ursula, siehst du gut aus.“ Um dann festzustellen, dass man sich immer noch so sieht wie vor 20 Jahren. Wir leben aber heute, hier und jetzt. Und dem Kleiderschrank sollte man das auch ansehen. Wenn ich merke, da hängt etwas auf dem Bügel, das ich seit 20 Jahren nicht getragen habe, dann sollte man es einem Test unterziehen. Hängt das da noch zurecht oder lieber aussortieren? Geh auf Pinterest, blättere Zeitschriften, lass dich inspirieren. Und fang immer bei den Schuhen an! Wenn du untenrum weißt, was du anziehen sollst, bist du fast fertig.

Was sind gerade Deine Favoriten?
Fellwesten sind gerade so „in“, die sind perfekt! Was jetzt auch immer geht, sind Winter whites. Das ist ein tolles Thema, sieht immer edel aus. Auch schön sind Mohairsachen, wenn es etwas fluffiger sein soll. Jeans gehen natürlich immer in allen Varianten, gerne mit Cowboy- oder derben Stiefeln. Dazu schmeißen wir noch einen Blazer drüber, einen Blouson oder Trench. Oder ein schicker Mantel, der kann einen ganzen Look upgraden.
Schön finde ich auch Kleid und Stulpenstiefel. Uggs sind nicht vorbei, aber bitte nicht mit weiten Jeans, wenn man nicht mehr ganz jung ist. Wenn klobige Füße rausgucken, macht das auch nicht jünger. Eine gut sitzende Woll-Leggings mit Uggs sieht vorteilhafter aus, wenn man dazu einen hüftumspielenden Pullover anzieht. Schnell festlich ist man mit Pailletten unterwegs, aber man sollte nicht wie eine Glitzerkugel daherkommen. Das gilt nur für ein Teil, der Rest besticht dann durch Schlichtheit. Schmuck ist auch immer ein Gamechanger, wenn man das kleine Schwarze rausholt, dazu eine blickdichte Strumpfhose mit 40 den, Ohrringe und Kette dazu, fertig.
Aber auch mit einem guten Hosenanzug und Tanktop kann man punkten. Ein großes Thema sind auch "lace tops, also Spitzentops, die man ein bisschen unter dem Blazer hervorgucken lassen kann. Und schon ist das Abendthema umgesetzt.
Es kann so einfach sein!
Ihr wollt Suzana buchen? Dann findet Ihr sie hier bei Insta:
@stylebysuzanawalz (Si apre in una nuova finestra)