
Liebe Leser*innen,
willkommen in der Vorweihnachtszeit. Während Sie sich diese Woche gemütlich einen Glühwein nach dem anderen reingestellt haben, haben viele junge engagierte Rechtsextreme keine so unbeschwerten Tage hinter sich.
Nicht nur, dass einige von ihnen viel zu spät zur Gründung der eigenen Jugendorganisation gekommen sind, weil eine Meute aufgebrachter »linksradikaler Extremantifaschisten« (Zitat: Friedrich Merz) nicht schnell genug von der Straße gespritzt wurde. Nein, noch dazu hat einer der anwesenden Fotografen richtig Mist gebaut:

(Si apre in una nuova finestra)Doch Fehler passieren und Bilder lassen sich heutzutage zum Glück nachkolorieren. Ein paar schöne Farbfotos sind beim Gründungstag der »Generation Deutschland« dann auch noch entstanden. Die besten Momente haben wir für Sie zusammengefasst:

Der Moment, als Tino Chrupalla wegen seines komischen Namens von den Türstehern um einen Ariernachweis gebeten wurde.
Der Moment, als sich eine Gruppe von armseligen Goebbels-Imitatoren darum prügelte, wer von ihnen ein eingeschmuggelter Satiriker und wer echt sei.
Der Moment, als Demonstranten eine Autobahn blockierten und ein Redner sofort versprach, selbst eine Autobahn zu bauen.
Der Moment, als Jean-Pascal Hohm fast zu spät zu seiner Rede kam, weil die Türsteher ihn mit Daniel-Pascal Zorn verwechselten und ausführlich mit ihm redeten.
Der Moment, als eine Reihe von Teilnehmern wegen der Proteste nicht erscheinen konnte – da sie kurzfristig noch von der Einsatzleitung für den Dienst am Wasserwerfer verpflichtet wurden.
Abgesehen davon, dass in Gießen die neue AfD-Jugend gegründet wurde, ist die Stadt ziemlich pleite. Was man einerseits an der erdrückenden Trostlosgkeit und andererseits daran erkennt, dass alle der folgenden Punkte auf die »Lahn-Metropole« zutreffen:

Die Klärwerke werden nur noch ehrenamtlich betrieben.
Die Städtischen Bühnen sind jetzt ein Backwerk.
Es werden Warnschilder aufgestellt, wenn die Straße keine Schlaglöcher hat.
Es wird neuerdings Vergnügungssteuer auf Friedhofsbesuche erhoben.
Die Stadt hat eine Partnerschaft mit Boris Becker.
Im Zoo sind Nacktschnecken, Feuerkäfer und Weberknechte die Hauptattraktionen.
Die Müllabfuhr wurde von Uber übernommen.
Elendstourismus ist die Haupteinnahmequelle der Stadt.
(Si apre in una nuova finestra)Wenn Sie bei vier oder mehr der genannten Punkte Ihre Stadt wiedererkennen, sollten Sie dringend darüber nachdenken, sich eine neue Bleibe zu suchen. Das Leben in einer armen Stadt kann sich negativ auf Ihr Wohlbefinden auswirken, vor allem, wenn sie so trist ist wie Gießen.
Nicht nur arme hässliche Städte schlagen vielen Menschen aufs Gemüt. Auch zur Miete zu wohnen, kann belastend sein. Glücklicherweise gibt es immer wieder gute Angebote, von denen nicht nur Käufer, sondern auch Verkäufer profitieren:

Wenn Sie die Lösung zu dieser Aufgabe kennen, melden Sie sich bitte bei TITANIC-Herausgeberin Ella Carina Werner, die ab sofort jeden Montag neue Aufgaben auf titanic-magazin.de (Si apre in una nuova finestra) und all unseren Social-Media-Kanälen präsentiert – lebensprall, zeitgemäß und anspruchsvoll wie eine bayerische Abi-Prüfung!
Knobeln lässt es sich erfahrungsgemäß am besten in Cafés, selbst wenn man dort gewürgt wird:

Würgeschlangen, trockener Kuchen, tropfende Decken – man kann über vieles hinwegsehen, solange es kostenloses Wlan gibt.
Torsten Gaitzsch hat seine Kolumne diese Woche ganz ohne die Hilfe des Internet geschrieben. Was dabei herausgekommen ist? Lesen Sie selbst:

Heute: Es ist bloß eine (Prim?-)Zahl
Dieser Text ist ein Experiment. Es handelt sich um meine erste Onlinekolumne, die ich zu 100 Prozent offline verfasst habe. Soll heißen: Alles, was hier steht, habe ich runtergeschrieben, ohne das Internet zu konsultieren. Keine Synonymsuche, keine Wikipediakonsultation, keine Googlerecherche – so, wie es unsere Ahnen getan haben, diese armen Dropse. Darüber hinaus habe ich mir im Vorfeld keinerlei Gedanken zum Inhalt gemacht. Ich werde einfach wild drauflos assoziieren, und niemand kann mich aufhalten.
MORD! Gutes Thema. Die Zahl 187 ist auch hierzulande mit diesem Tatbestand verbunden, seit irgendwann in den, ich möchte sagen: 1990er Jahren ein Gangsterthriller mit dem Titel »187« in die Kinos kam. 187 ist der Paragraph im US-amerikanischen Strafgesetzbuch (ich glaube, es nennt sich penal code), der ebenjenes Kapitaldelikt behandelt, wobei man, glaube ich, nicht von Paragraphen spricht, sondern von, äh, Artikeln? Sektionen? Tja, Internet müsste man jetzt haben. Jedenfalls erinnert sich heute niemand mehr an diesen Film, doch die 187 bleibt präsent, denn später (in den 2010ern?) erlangte ein Rapper (Rapduo? Rap-Projekt?) Berühmtheit, der sich »187 Straßenbande« nannte. Das kam bei Kids, die sich ein hartes Image geben wollten, gut an. In Zehntausenden Klassenzimmern wird man Hefter, Brotbüchsen und Pulte zu Gesicht bekommen, auf welchen die drei Ziffern prangen, wahrscheinlich oft in unmittelbarer Nähe zum »coolen S«.
Am Mittwoch nun lief ich im Frankfurter Süden eine Straße entlang, und vor deren Hausnummer 87 hatte jemand eine schwarze 1 geschmiert, so dass dort »187« stand. Da musste ich lachen. Enttäuscht war ich darüber, dass der mutmaßlich jugendliche Vandale die Nummer am Haus 21 nicht ebenfalls um eine nachfolgende 1 ergänzt hatte, um das deutsche Pendant zur US-Mordvorschrift sichtbar zu machen. Und auch der 11 war keine 2 vorangestellt worden. Um zu überprüfen, ob das Schild von Nr. 18 eine 7 erhalten hatte, hätte ich die Straßenseite wechseln müssen.
Ich hoffe inständig, dass das öffentliche Hinterlassen von Chiffren für Tötungssachen das Schwerwiegendste ist, zu dem hiesige Hiphopper unsere Jugend verführen. Andererseits wird von der Generation Z ja auch der zurzeit wegen Mordes angeklagte Luigi Mangione (korrekte Schreibung des Namens mangels WWW nicht verifizierbar) abgefeiert – weil er wohl irgendwie »cute« ist. In was für einer Welt leben wir nur?
Ha, schon 2500 Zeichen – endlich wieder online gehen! *mit zitternden Händen ab*
Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:
Ihre TITANIC-Redaktion
TITANIC empfiehlt:
(Si apre in una nuova finestra)Lassen Sie Ihren inneren Wohltäter von der Leine und kaufen Sie ein TITANIC-Unterstützer*innen-Shirt!
Hier bestellen (Si apre in una nuova finestra)

TITANIC-Verlag Georg-Büchner-Verlagsbuchhandlung GmbH & Co. KG
Hamburger Allee 39
60486 Frankfurt am Main