Passa al contenuto principale

Ein Girl wie Du (20/50)

Liebe Kinder,

möchte ich dieses Koapier-Kapitel überschreiben. Denn die kapiert-Erkenntnis dieser Woche lautet:

Eltern haben nicht immer Recht!

Kindern geht es nicht gut in diesem Land, lese ich in dieser Woche in einer Unicef-Studie (Si apre in una nuova finestra). Und das deckt sich mit dem, was ich zur Zeit für ein Projekt im Rheinwerk-Verlag (Si apre in una nuova finestra) rechercherie: Wir gehen nicht gut um mit der nächsten Generation!

Was diese Behautpung mit Reggae, dem aktuellen Kinofilm “Ein Münchner im Himmel” und dem niederbayerischen Rapper Grämsn zu tun hat, erfährst du in dieser 20. Folge des Lieblings-Kopiernewsletters. Denn Konstantin (der mir unlängst auch ein Interview im Blog gab (Si apre in una nuova finestra)) stellt uns den Song “Ein Girl Wie Du - Ein Typ wie Ich (Si apre in una nuova finestra)” vom Lunsentrio vor.

Auf einen optimistischen Blick auf die nächste Generation
Dirk

Girl Wie Du

Ein Girl Wie Du - ein Typ wie ich (Lunsentrio) (Si apre in una nuova finestra) - vorgeschlagen von Konstantin Gramalla (Jahrgang 1984), der als Rapper und Musiker unter dem Namen “Grämsn (Si apre in una nuova finestra)” aktiv ist (hier z.B. im Digitale-Notizen-Interview (Si apre in una nuova finestra)). Seit 1999 mischt er in der bayerischen Rap-Szene mit und hat Ende 2024 sein aktuelles Album “Homies” veröffentlicht. Hin und wieder legt er auch als DJ auf und spielt sich durch seine Plattensammlung aus Rap, Soul, Funk und Reggae. Und um einen seiner Alltime-Favorites daraus geht es heute:


Die Karibik-Insel Jamaica hat uns mit Reggae und all seinen Ausprägungen schon wahnsinnig viele Musik-Trends und Techniken beschert. Und auch wenn Reggae das Kopieren in der Musik natürlich nicht erfunden hat, so haben die Jamaikaner es doch auf ein neues Level gehoben.


Den Dub-Legenden Lee „Scratch“ Perry und King Tubby wird ja u.a. zugeschrieben, dass sie das Remix-Format salonfähig gemacht hätten, aber die Tradition aus Remixen und Kopieren geht im Reggae schon früher los. Denn die Produzenten bastelten ganz selbstverständlich ihre Instrumentals - die „Riddims“ - nicht nur für einen Artist exklusiv, sondern gleich für eine ganze Reihe an Interpret*innen. Der Produzent bzw. das Studio suchte sich eine illustre Auswahl an Sänger*innen zusammen und wenn dann einer der Songs durch die Decke geht, wodurch der Riddim zum Hit wird, zieht er die anderen Songs unter Umständen mit. Die ganze „Riddimwise“-Tradition bekommt dann nochmal eine neue Ebene, wenn jüngere Artists die Songs ihrer Eltern oder Jugend neu-interpretieren und somit ziehen sich manche Songs und Instrumentals wie ein Stammbaum durch die Reggae-Geschichte.


Einer dieser Songs ist „Uptown Top Ranking (Si apre in una nuova finestra)“ von Althea & Donna, der 1977 rauskam. Dieser Song ist zum einen selbst eine Neu-Interpretation von „I’m still in Love with you (Si apre in una nuova finestra)“ von Alton Ellis aus 1967 und „Three Peace Suit (Si apre in una nuova finestra)“ von Trinity aus dem Jahr 1977 - zum anderen inspirierte „Uptown Top Ranking“ wiederum unzählige Artists zu Cover-Versionen. Neben englischen und französischen Versionen gibt es auch eine sehr sympathische deutsche Cover-Version vom „Lunsentrio“ von 2017, die zwar auf „Ein Girl wie Du - ein Typ wie ich“ (Si apre in una nuova finestra) ihr ganz eigenes Ding machen, aber trotzdem einige Referenzen zu „Uptown Top Ranking“ beibehalten haben. Ganz fesche Khaki-Suits beispielsweise.

Eltern

(D8) Das Urteil ist hart. Aber es ist beispielhaft für die Überzeugung der Eltern-Generation, das Original zu vertreten.

Ich habe es in der Kritik zum Film (Si apre in una nuova finestra) “Ein Münchner im Himmel gelesen”, der seit vergangener Woche in den Kino zu sehen ist - und ein München anhand von zwei klaren Vorbildern zeichnet: auf Basis der gleichnamigen Kurzgeschichte von Ludwig Thoma vom Beginn des 20. Jahrhunderts einerseits und mit Bezug auf die Serien von Helmut Dietl vom Ende des Jahrhunderts andererseits. Der Kritiker schreibt dazu:

David Dietl zitiert seinen Vater sichtbar und mit großer Ehrfurcht. Doch genau darin liegt viel­leicht auch eins der Probleme dieses Films. Die Zitate bleiben Re-Enact­ments. Sie erzeugen Wieder­erkennen, aber kein Eigen­leben.

Die Kritik nimmt Helmut Dietl zum Maßstab ohne zu erkennen, dass dieser Vater selbst ein Kopier-Kind war. Wer auf dieser Weise den Maßstab anlegt, will nicht ehrlich und interessiert den zu vermessenden Gegenstand kennenlernen. Hier geht es darum, das Original zu verteidigen: den eigenen Maßstab in den Mittelpunkt zu stellen.

Ich mag den Film - eben weil er Re-Enactment ist. Weil er andeutet, referenziert und zur Kenntnis nimmt. Nicht mehr und nicht weniger.

Genau diese Haltung empfinde ich als mutig. Sich an das übergroße Vorbild heranzuwagen - und es zu verändern. Den gleichen Mut würde ich mir aber auch von der Eltern-Generation wünschen: zu erkennen, dass sie so übergroß gar nicht sind - wie sie sich selbst sehen.

Der Reggae-Stammbaum ist dafür ein schönes Vorbild: er wächst eben nur deshalb weiter, weil die Eltern sich jeweils nicht zum Mittelpunkt erheben, sondern in einer Kette von Vorläufern und Nachfolgern erkennen.

Wir haben hier bereits 20 von 50 Kapiteln gemeinsam erarbeitet. Ich freue mich, dass du immer noch dabei bist - und will einen kleinen Zwischenstand geben, wo wir gerade stehen:

Ingesamt besteht Kopieren - Kapieren aus fünf Kapiteln mit je zehn Kapiert-Punkte: 

A Zehn grundlegende Feststellungen zur (digitalen) Kopie
A1
Die digitale Kopie ist der digitale Urknall (19/50)
A2 Das Internet ist eine Kopiermaschine (10/50)
A3
A4 Die Kopie ist kein Raub am Original, sondern die Produktion von Meta-Daten (9/50)
A5 Die Kopie eröffnet neue Perspektiven (6/50)
A6
A7
A8 Auch KI ist nichts anderes als digitales Kopieren – mit unvorstellbarer Rechenleistung (7/50)
A9
A10  

B Zehn Gründe der Begeisterung für die lobenswerte Kopie
B1
Alles Leben basiert auf der Kopie (1/50)
B2
B3 Rückwärts-geboren-Sein (3/50)
B4
B5 Klare Referenz – die vorher sichtbar wird (11/50)
B6
B7 Neuer zeitlicher, sozialer, räumlicher Kontext (17/50)
B8 Kopien schaffen soziale Orientierung (5/50)
B9
B10.

C Zehn Fragen an betrügerische Kopien
C1
C2
C3
C4
C5
C6
C7
C8
C9
C10

D Zehn Herausforderungen für die Idee des Originals
D1
D2 Passive Kopierkompetenz: Kopiert zu werden ist mehr Ehre als Angriff (4/50)
D3 Die Behauptung der Kopie hat Folgen (8/50)
D4
D5 Wir müssen uns mit Interpolation auseinandersetzen (14/50)
D6
D7
D8 Eltern haben nicht immer Recht (diese Folge hier)
D9
D10

E Zehn gute Vorsätze für Kopierkompetenz

E1 Für mich ist die Kopie der Normalzustand (13/50)
E2 Ich bin mir bewusst, wie wichtig Aufmerksamkeit ist (2/50)
E3
E4 Ich verwende einen neuen Begriff des Originals (16/20)
E5 Ich denke hybrid (18/20)
E6
E7 Ich höre auf, nach dem Echten/Wahren suchen zu wollen (15/50)
E 8
E9 Ich weiß, dass nicht nur Inhalte kopiert sein können, sondern auch Accounts (12/20)
E10