Es ist 16 Uhr, ich bin seit 4 Uhr morgens wach. Der Tag könnte jetzt vorbei sein, wenn es nach mir geht. Ich sitz in einem bequemen Korbstuhl vorm Balletsaal, in dem meine Tochter tanzt. Neben mir mein großer Sohn am zeichnen. Sein Bruder beim Fußball. Und ihre Mama also seit zwölf Stunden in ADHS-Maniac-Mode.
Ich weiß nicht genau, wann es begonnen hat, aber irgendwann die letzten Wochen hatte ich plötzlich das Bedürfnis mein Insta zu branden. Uschi zu formen. Die Uschi, die ich vor sechs Jahren im Internet zum Leben erweckt habe. Während meiner Buchtour wurde ich oft gefragt, ob sie eine Kunstfigur sei. Ich verneinte. Das war alles ich.
Heute fragt mich aktuell niemand, weil ich nachdem das Buch draußen war ein bisschen untergetaucht bin. Das Internet ist schnell und seine Nutzer vergessen alles, in dem Moment, in dem sie es nutzen, weil schon wieder hundert andere Sachen dran sind.
Jagdwurstnudeln
Ich habe vor sechs Jahren mit dem Schreiben auf Instagram begonnen und mich nie strategisch damit auseinandergesetzt. Ich habe Accounts wachsen sehen, schnell, hoch, weit, die immer wieder die gleichen Sachen gesagt haben. Ich dachte, das machen sie natürlich so. Ich könnte das nie. Mein innerer kreativer Anspruch isst lieber hundertmal Nudeln mit Jagdwurst und Ketchupmilchsauce als sich zu wiederholen.
Natürlich stimmt das nicht. Ich mag Nudeln mit Sauce nicht mehr. Und wir wiederholen uns alle, weil wir nur unsere eigene Wirklichkeit kennen und die anderen nur ihre. Was ich meine: wer kontinuierlich einen Film fährt auf dieser Plattform, ist sehr wahrscheinlich sehr erfolgreich. Wenn ich die letzten Jahre zurückblicke, sehe ich Uschis on Fire - Dear Uschi, Therapietagebuchuschi, Gold Uschis, Sprechstunden-Uschi - die Liste ist schier endlos. Einheitliches Konzept? Ich glaube, ich habe mich unbewusst dagegen gewehrt.
Ich habe das für mich so verteidigt, dass ich frei bleiben möchte in meinen Gedanken auf der Plattform und im Tun. Meiner Kreativität keine Regeln aufzwingen.
Jetzt begreife ich, dass das auch eine Form von Selbstliebe ist, die ich mir (noch) nicht zugestanden hatte: einer Tätigkeit, die man gern macht, eine Form, einen Rahmen, eine Struktur geben & darin dadurch noch mehr Tiefe finden.
Wie ein Tiger im Gefängnis
Zum ersten Mal denke ich: ja, ich will, dass meine Arbeit Menschen erreicht. So viele Menschen wie möglich. Vorher war es mir wirklich egal, ich habe es nur für mich gemacht. Jetzt gestehe mir ein: es ist mir wichtig.
All das, was ich bin und in dieses Profil gesteckt habe, jeden hart erkämpften Moment, in dem ich auf Toilette heimlich in Sekunden einen Text schrieb, schnell hochladen, sonst ist der Faden weg, nochmal dran zu sitzen schaffst du eh nicht.
Jede kreative Idee habe ich direkt umgesetzt, weil sie sonst verflogen wäre. So erleichtert war ich danach, während ich den Buggy schon und zwei Kleinkinder suchte. Geweint habe ich vor Glück, wenn der Text online war, weil das bedeutet hat, dass ich geschrieben habe und das obwohl es 100 andere “mummyduties” gab in dem Moment.
Jetzt also die Wandlung. Heute trotz Trennung, Pflege, Geschwisterstreit, Auftragsmangel also ein Konzept. Wie kleine Gänsebabys, denen du das Tor geöffnet hast, die mit Anlauf zum See rennen. Plötzlich will ich Struktur in meinem Leben. Kontinuität. Und lass damit die Angst rein: dass der Zug dafür abgefahren ist.
Ich bin 39, getrennt, spreche kein gutes Spanisch und wohne mit meinen drei Kindern auf Gran Canaria. Ich ändere mein Leben spätestens alle zwei Jahre komplett - sobald es um Routine geht, werde ich eine Tigerin, die hin und her läuft.
Dann wird das klar, was alle wussten und ich nicht sehen konnte: mit der ständigen Bereitschaft, zu gehen und mit etwas Neuem zu beginnen, habe ich mich selbst klein gehalten. Ich kann mich an jede Situation anpassen. Aber ich kann meine eigenen Ketten nicht sprengen.
Deshalb hat sie begonnen - meine neue Reise. In der ich an Ort und Stelle bleibe und in kleinen Schritten mein Leben trotzdem oder gerade deshalb verbessere. 100 Tage schaue ich mir genau an, was ich treibe und achte auf gute Entscheidungen und halte mich ohne Ablenkungsmanöver aus.
Heute ist Tag 35. Ich rauche nicht mehr, ich nehme die Medikamente, die ich brauche. Ich nehme meine Arbeit auf Instagram ernst und gestalte schöne Bilder für meine Texte. Und ich habe wie es sich für eine ernst zu nehmende Internetschreiberin & Printgirl zusammen mit Hannah einen Kalender am Start.

Weil ihr meine allertreuesten Uschis seid, bekommt ihr den Link zum Kalenderbestellen noch vor allen anderen:
ME, MYSELF & USCHI 2026 KALENDER (Si apre in una nuova finestra)
Stell Dir vor, Du hättest eine beste Freundin, die Dich jeden Monat daran erinnert, wer Du eigentlich bist: wild, witzig, weise und absolut unverwüstlich. Das mache ich mit diesem Kalender. Weil Du jeden Monat daran erinnert werden darfst, dass Dein Leben zu wertvoll ist, um Dich kleinzumachen.
Danke für Deine Treue
Deine Uschi