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Wie du dich konzentrierst, als gäbe es kein WLAN

Du liest Wie du nicht den Verstand verlierst – der Newsletter gegen mentalen Dauerlärm. Heute: Schlaue Pausen sind für dein Gehirn viel besser als Verbote.
Eine Person sitzt an einem großen Computer, Stil 80er Jahre
KI-generiertes Bild mit Midjourney
Hi!

Ich habe mich wirklich viel damit beschäftigt, was Technologie mit unserer Aufmerksamkeit macht. Und ehrlich: Wir brauchen keine Apps, die unsere Bildschirmzeit kontrollieren. Meine wichtigste Regel nach all den Recherchen lautet: Respektiere dein Gehirn und was es braucht.

Aus all dem sind bei mir vier Tipps  hängen geblieben, die tatsächlich etwas bringen. Sie stammen von einem Suchtexperten, einer Aufmerksamkeitsforscherin, einer Studie aus Dänemark – und von meiner Therapeutin.

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Erstens: Dein Gehirn will Ablenkung. Das ist okay. Aber gib ihm eine Wahl.

Schon mal versucht, stundenlang Gewichte zu heben, ohne jede Pause? Vermutlich nicht. Vermutlich kämst du auch nie auf die Idee, mir mangelnde Willenskraft zu unterstellen, wenn ich die Hanteln zwischendurch mal ablege. 

So streng sind wir nur, wenn es um Konzentration geht. Aus irgendeinem Grund gibt es den Anspruch, acht Stunden am Tag dauerpräsent bei der Arbeit zu sein. Schafft keiner, weiß jeder, trotzdem gilt es als Maßstab. Realistisch leistbar sind für die meisten Menschen eher drei bis fünf Stunden echte Konzentration. Über den Tag verteilt, nicht am Stück.

Tatsache ist: Mentale Anstrengung kostet Energie. Die Psychologin Gloria Mark, die seit Jahrzehnten zu Aufmerksamkeit forscht und das Buch „Attention Span“ geschrieben hat, beschreibt Aufmerksamkeit als endliche Ressource. Sie schwankt im Tagesverlauf. Langes Fokussieren verbraucht sie. Und das ständige Springen zwischen Aufgaben – Task Switching – macht es noch schlimmer, weil jedes Zurückfinden mentale Energie kostet. 

Wenn ich also mitten beim Schreiben eines Texts plötzlich den Drang habe, ein Reel zu schauen oder Mails zu checken, sehe ich das nicht mehr als Disziplinproblem. Es ist ein Signal, dass mein Gehirn eine Pause braucht. Schnell mal die Nachrichten auf dem Handy checken oder gucken, was dieser Panda auf Instagram gerade zu bieten hat, ist allerdings keine echte Pause fürs Gehirn. 

Wann immer möglich, lege ich deshalb mein Handy auf ein Buch. Denn ich möchte, dass mein Gehirn eine Wahl hat: das Handy in die Hand nehmen oder das Buch aufschlagen?

Es muss kein Buch sein. Meine Steady-Kollegin Barbara-Vorsamer beschreibt in diesem Artikel, (Si apre in una nuova finestra) dass Sticken ihr geholfen hat. Wichtig ist nur, dass die Alternative für das Gehirn etwas ist, das man gerne tut. Also vielleicht nicht die Steuererklärung. 


Zweitens: Der überraschendste Tipp für mich kam von meiner Therapeutin. Er heißt Urge Surfing,  was man mit „den Impuls reiten“ übersetzen könnte. Klingt bizarr, ist aber eine wirklich smarte Methode.

Entwickelt wurde sie in den 80ern von dem Suchtforscher Alan Marlatt und der Psychologin Judith Gordon. Die Idee ist, dass ein starker Impuls – wie der, nach dem Handy zu greifen und zu schauen, was das jetzt schon wieder für eine Benachrichtigung war – einer Welle gleicht. Sie rollt heran, erreicht einen Höhepunkt und flacht wieder ab, wenn man ihn nicht weiter antreibt. Der intensivste Moment dauert oft nur rund 90 Sekunden.

Die Welle reiten heißt, den Impuls zu beobachten, statt ihn zu befriedigen. Dabei hilft ein ziemlich cooler Trick: Wenn du nach dem Handy greifen willst, die Bewegung der Hand in Zeitlupe zurückführen. So bist du beschäftigt, während der Impuls abflacht. Und das Gehirn lernt, dass ein Drang nicht automatisch zu einer Handlung führen muss.

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