Du liest Wie du nicht den Verstand verlierst – der Newsletter gegen mentalen Dauerlärm. Heute: Wie resilient du wirklich bist.
Hi!
Neulich Abend las ich einen Post auf LinkedIn und war danach total gestresst. Es war die Art Post, in der jemand vor einem der Riesenprobleme unserer Zeit warnte und alle Lesenden aufforderte, „aufzuwachen“, bevor es zu spät sei.
Ich mag es nicht, wenn man mich auffordert, aufzuwachen und Probleme zu erkennen. Ich fühle mich ziemlich wach. Sogar überwach, ich kann manchmal nicht schlafen vor Sorgen – zum Beispiel, wenn ich kurz vorher so einen Post gelesen habe.
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Was mich an Social Media so fertig macht – und nicht nur an Social Media, sondern überhaupt an der Art, wie wir ständig informiert werden, ob wir wollen oder nicht –, ist nicht, dass es zu wenige gute Nachrichten und zu viele dringende Krisen gibt. Sondern, dass immer viel zu viel gleichzeitig passiert, so dass man nie Zeit hat, etwas ordentlich zu Ende zu verarbeiten. Dieses ungebremste Nebeneinander von Kriegsbildern, Zimtschnecken-Rezepten, Trump, der als Jesus posiert, und Werbung für eine App, die dir zeigt, warum deine Zimmerpflanzen braun werden – aber Achtung, sie kostet 12,99 Euro, jetzt gerade 5,99 Euro, aber nur, bis dieser nervige Countdown oben links an deinem Bildschirm abläuft. Wie wäre es in der Zwischenzeit mit einer Push-Nachricht? Es ist nämlich gerade schon wieder etwas Schlimmes in der Welt passiert, das du sofort wissen musst.
Die Ironie dabei ist: Wir sind permanent mit Dingen konfrontiert, die wir nicht verarbeiten können – und gleichzeitig unterschätzen wir massiv, wie gut wir eigentlich mit echten Krisen umgehen können.
Noch besser als Atemübungen
Das ist ziemlich wichtig zu verstehen. Denn wenn wir ständig beunruhigenden Nachrichten ausgesetzt sind, verändert dies das Gehirn. Die Kognitionswissenschaftlerin Dusana Dorjee erklärt in diesem Artikel (Si apre in una nuova finestra), dass sorgenvolle Gedanken über existenzielle Bedrohungen die Amygdala verstärkt aktivieren – also die Gehirnregion, die auf Gefahr reagiert. Das setzt Stresshormone frei, zunächst im Gehirn selbst, dann in der Nebennierenrinde.
Diese Hormone stören, wie gut wir uns konzentrieren, Probleme lösen und Entscheidungen treffen. Denn sie wirken auf zwei Hirnregionen, die eigentlich dafür sorgen könnten, dass wir weniger Stress erleben: den präfrontalen Kortex und den Hippocampus. Je öfter das passiert, desto schlechter arbeiten sie. Chronischer Stress kann beide Hirnregionen auf Dauer schädigen. So entsteht ein Kreislauf aus Angst, der sich selbst verstärkt. Und schon liege ich nachts und frage mich, wo in meiner 2,5-Zimmerwohnung ohne Keller ich am besten Doseneintopf für den Krisenfall lagere.
Dusana Dorjee empfiehlt als Gegenmittel Strategien, die du vermutlich schon kennst: Entspannungsübungen, Bewegung, Verbindung zu anderen Menschen. Alles sinnvoll, aber auch ein bisschen frustrierend. Atemübungen und Dankbarkeitstagebücher wirken etwas hilflos angesichts der Weltlage. Mir hat zuletzt etwas ganz anderes geholfen: