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Das solltest du wissen, wenn dir deine Bildschirmzeit Sorgen macht

Du liest Wie du nicht den Verstand verlierst – den Newsletter gegen mentalen Dauerlärm. Heute: Eine neue Studie zeigt, dass es vielleicht gar nicht so wichtig ist, wie viele Stunden du am Handy hängst – sondern wann.

Ein Handy und ein Buch liegen auf einem Bett
KI-generiertes Bild mit Midjourney

An meinem ersten Arbeitstag in diesem Jahr habe ich mir die Bildschirmzeit auf meinem Handy angeschaut. Falls du das noch nie getan hast: Du findest diese Info in den Einstellungen deines Smartphones, meist entweder unter „Bildschirmzeit“ oder „Digitales Wohlbefinden“.

Das Ergebnis war für meine Verhältnisse gut, also ziemlich niedrig: Mein Tagesdurchschnitt lag bei einer Stunde und 24 Minuten.

Ich hatte nicht etwa absichtlich Digital Detox betrieben. Oder mein Handy verloren. Ich hatte einfach anderthalb Wochen Urlaub gehabt. Und in dieser Zeit viel mehr Stunden als sonst damit verbracht, Bücher zu lesen, spazieren zu gehen und mit Freunden und Familie Tee zu trinken.

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Eine Woche nach dem Urlaub lag meine Bildschirmzeit dann aber schon bei fast viereinhalb Stunden:


Erst einmal war ich erschrocken und nahm mir (mal wieder) Gegenmaßnahmen vor. Ich hatte mir sogar schon eine ziemlich bekannte Fokus-App heruntergeladen, die Menschen helfen soll, das Smartphone weniger zu nutzen. Dafür blockiert sie in festgelegten Zeiträumen Websites und Apps auf dem Handy, die besonders viel Zeit fressen. In meinem Fall ist das vor allem Social Media. So sieht meine wöchentliche Bildschirmzeit aufgeschlüsselt nach App und Website-Aktivitäten aus:

Fast 9 Stunden hatte ich also mit Social Media verbracht. Ups.

Keine Zeit für Doktorarbeiten und Schaumbäder

Ich installierte die Fokus-App. Diese verstärkte meine Sorgen erst mal noch mehr. Sie zeigte mir eine furchterregende Rechnung: Dafür nahm sie meine Bildschirmzeit, erstellte eine Hochrechnung für mein ganzes Leben und verkündete, dass ich, wenn ich so weitermachen würde wie bisher, 17 Jahre meines Lebens auf mein Handy schauen würde.

17 Jahre am Handy! Wie viele Doktorarbeiten könnte man in dieser Zeit schreiben? Wie viele bedeutsame Momente mit echten Menschen verbringen? Wie viele Schaumbäder nehmen? Ich nehme nie Schaumbäder, weil ich denke, dass ich dafür keine Zeit habe.

Klar, die Rechnung, die diese App angestellt hat, kann man nicht allzu ernst nehmen. Sie basiert auf Annahmen und Durchschnittswerten – etwa meine Lebenszeit. Aber nehmen wir einmal an, dass sie ungefähr recht hat: Was richten 17 Jahre Handy mit meinem Gehirn an? Würde es mir womöglich viel besser gehen, wenn ich, sagen wir, nur zehn Jahre meines Lebens am Handy verbringen würde? Um das zu erreichen, würde ich meine Social-Media-Nutzung in den Griff kriegen müssen.

Die Fokus-App kostet im Jahr 99 Euro. Ich überlegte ernsthaft, das auszugeben. Dann aber fiel mir etwas ein. Nämlich eine neue Studie, die einen starken Hinweis darauf liefert, dass es vielleicht nicht bedeutsam ist, wie viele Stunden wir mit sozialen Medien verbringen. Sondern um welche Uhrzeit wir es tun.

Das ist wichtig, denn in der Debatte um soziale Medien und psychische Gesundheit konzentrierten sich Forschende häufig darauf, wie lange wir online sind. Laut der neuen Studie (Si apre in una nuova finestra) aber schadet vor allem Scrollen und Posten spät nachts und in den frühen Morgenstunden unserer psychischen Gesundheit. Mehr noch: Social-Media-Aktivitäten spät nachts hängen in den Daten mit schlechterem Wohlbefinden zusammen – ungefähr in derselben Größenordnung wie viel Alkohol trinken oder wenig Sport.

Warum die Uhrzeit unserer Posts zählt

Für die Studie nutzten die Forschenden Daten aus einer großen britischen Langzeitstudie, die seit den 1990ern dieselben Menschen begleitet, und verknüpften die Aktivitäten auf X (früher Twitter) von 310 Erwachsenen mit ihren Fragebögen zu Depression, Angst und allgemeinem Wohlbefinden – insgesamt 18.288 Posts.

Der Clou dabei: Ein gängiger Ansatz in Studien bestand bisher darin, Teilnehmende nur in „Tag-” oder „Nachtnutzer“ einzuteilen. Das war aber ziemlich grob. Jemand, der um 21:30 Uhr postete, wurde genau wie jemand erfasst, der um 4 Uhr morgens online unterwegs war. Stattdessen stellte das Team die durchschnittliche Social-Media-Zeit präzise auf einer 24‑Stunden‑Uhr dar.

Dabei fanden die Forschenden klare Hinweise: Die durchschnittliche Uhrzeit, zu der Menschen online posten, sagt etwas über ihre psychische Verfassung voraus.

  • Wohlbefinden: Die Uhrzeit erklärte fast 2 Prozent der Unterschiede zwischen den Teilnehmenden im allgemeinen psychischen Wohlbefinden. Das klingt erst mal wenig, ist in solchen Studien aber normal. Viele kleine Faktoren addieren sich. Die Post-Zeit macht einen kleinen, aber echten Unterschied darin, wie gut sich Menschen fühlen.

  • Der kritische Zeitraum: Teilnehmer, die durchschnittlich zwischen elf Uhr nachts und fünf Uhr morgens posteten, zeigten ein deutlich schlechteres Wohlbefinden als Tag-Nutzer.

Was dieser Effekt für dich bedeutet

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