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Mythos Langsames Üben

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Übezeit #6/50

Lesezeit: 6 Minuten

Anmerkungen zum Langsamen Üben

Aus der Perspektive eines Paukers

von Arend Weitzel

Das Langsame Üben ist der Klassiker unter den Hilfsmitteln, die dazu dienen sollen, uns das Erlernen und Üben schwieriger oder herausfordernder Passagen leichter zu machen. Aber was genau passiert denn, wenn wir das Tempo reduzieren? Und ist diese Methode alternativlos?

Wenn wir beim Spielen das Tempo reduzieren, wirkt sich dies unmittelbar auf unsere Bewegungen aus.

Denn Musizieren ist ohne Bewegung undenkbar. Ob kleine, große, schnelle, langsame Bewegungen, ob Bewegungen der oberen oder unteren Extremitäten, oder Bewegungen die im Innernen unseres Körpers stattfinden (z.B. die Atmung): Bewegungen der unterschiedlichsten Art sind immer wesentlicher Bestandteil des Musikmachens.

Ein besonders interessanter Aspekt beim Thema Bewegung ist der Faktor Zeit. Musikalisch ausgedrückt: der Rhythmus bzw. das Timing unserer Bewegung und folgerichtig unseres Musizierens.

Arend Weitzel

Arend Weitzel ist seit 1995 1. Solopauker der Bochumer Symphoniker. Er studierte in Stuttgart, Hannover und Berlin und musizierte als Pauker und Schlagzeuger bereits mit Orchestern wie dem SWR-Sinfonieorchester Stuttgart, den Stuttgarter Philharmonikern, dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks, dem Gewandhausorchester Leipzig, den Berliner Philharmonikern, dem Orchestre Philharmonique Royal de Liège, den Bamberger Symphonikern und vielen anderen.

Neben seiner täglichen Arbeit als Pauker beschäftigt er sich seit seinem Studium intensiv mit der Entwicklung methodischer Literatur für sein Instrument, die ihn international bekannt gemacht hat und vielerorts als Standardliteratur gilt.
Bei der Entstehung seiner zahlreichen Veröffentlichungen macht er sich nicht nur seine Expertise als Orchestermusiker zunutze. Auch seine über viele Jahre gewonnenen Erfahrungen und Kenntnisse als semiprofessioneller Tangolehrer, die Beschäftigung mit Aikido, Dispokinesis, Alexander-Technik, der Franklin-Methode sowie das Musizieren als Hobby-Hornist fließen direkt oder indirekt in seine pädagogische Arbeit ein. Arend Weitzels besonderes Verständnis für Bewegungsabläufe prägt daher seine Unterrichtskonzepte, die ihn zu einem gefragten Lehrer im In- und Ausland werden ließen.

Vom Uhrpendel zum Gehen: Die Magie des natürlichen Flusses

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass für rhythmische Gleichmäßigkeit und Präzision jene Bewegungsabläufe besonders gut geeignet sind, die sich möglichst gleich- und regelmäßig wiederholen.

Typisches Beispiel ist in diesem Zusammenhang das Uhrpendel: So ein Uhrpendel ist vollkommen unmusikalisch und hat auch keine Ahnung von Rhythmus oder Timing. Aufgrund seiner Bauweise kann es genau eine Sache wirklich gut: von einer Seite zur anderen schwingen. Und weil dieses Hin- und Herschwingen so wunderbar gleichmäßig geschieht, kann das Uhrpendel ein grandios regelmäßiges Uhrticken erzeugen.

Aber noch ein anderes Beispiel ist uns eigentlich buchstäblich geläufig: das menschliche Gehen.
Im Normalfall genügt die Intention von A nach B gelangen zu wollen, um unsere Beine dazu zu bringen in beeindruckend rhythmischem Gleichmaß die Schritte zu setzen. Natürlich immer vorausgesetzt, dass wir nicht zwischendurch bemerken, dass wir uns beeilen müssen den Bus noch zu kriegen, o.ä...

Die Gleichmäßigkeit bezieht sich hier sowohl auf die Schrittgröße als auch auf die Geschwindigkeit. Und noch etwas ist normalerweise gut zu beobachten: die Bewegungen erfolgen grundsätzlich rund und fließend. Ein Grund dafür ist sicherlich die damit verbundene Effizienz unserer Bewegungen und der damit einhergehende ökonomische Umgang mit unserer Energie.

Und als wäre all das noch nicht genug, sind wir sogar dazu in der Lage, rhythmisch gleichmäßig zu gehen und gleichzeitig an etwas völlig anderes zu denken oder uns sogar nebenbei zu unterhalten.
Es ist vermutlich unserer evolutionären Vergangenheit geschuldet, dass wir diese tolle rhythmische Gleichmäßigkeit als ehemalige Vierbeiner nicht nur mit den Beinen bewerkstelligen können, sondern selbstverständlich auch mit unseren Händen und Armen.

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Argomento Kreativ Üben

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