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Middle Grade: der Boden unter den Füßen der Buchbranche

In meinem letzten Newsletter-Post habe ich nach der Leseförderung ab 10 (Si apre in una nuova finestra) gefragt. Dass es damit nicht weit her ist, habe ich in meinem Autorinnenleben vor allem durch ausbleibende Lesungsanfragen erfahren müssen und dem allgemeinen Klagen, “wie schwierig das alles mit den Lesungen” sei. Begleitet von einem traurigen Schulterzucken. Kann man nix machen.

Nun ist es offiziell: Die traurigen Zahlen zum Buchmarkt für 2025 sind da. (Si apre in una nuova finestra) Laut Börsenblatt ist der Grundumsatz gesunken, und besonders schlecht steht es dabei um das Middle Grade, also die Literatur für Kinder ab 10: Hier sind die Käufer:innen um –30,6 % eingebrochen. Als Grund wird neben “Bürokratie” und “der gesamtwirtschaftlichen Lage” auch genannt: “sinkende Lesekompetenz”.

Aha.

Mein erster, zugegebenermaßen etwas ich-bezogener Gedanke war: Natürlich hab ich mir als persönliches Steckenpferd ausgerechnet den Bereich ausgesucht, der am unbeliebtesten ist! Das kommt mir irgendwie sehr bekannt vor, habe ich gedacht, ich liege immer relativ unknapp neben dem Mainstream mit meinen Interessen.

Aber dann fiel mir auf: Das hier ist etwas anderes. Es ist kein Nischenthema, sondern etwas viel Grundlegenderes, im wahrsten Sinne des Wortes. Und zwar nicht nur für mich. Es ist der Boden unter den Füßen der Buchbranche. Wer jetzt die armen Middle-Grade-Autor:innen bemitleidet und dazu rät, doch lieber mal Young Adult zu schreiben, hat gar nichts verstanden. Oder man hat es vielleicht doch verstanden und zuckt bloß traurig mit den Schultern.

Trotzdem lässt sich leider nicht ignorieren, wie kurz gegriffen so ein Gedanke ist. Denn die Young-Adult-Leser:innen von heute sind ja die Middle-Grade-Leser:innen von gestern (zum Beispiel Harry Potter … aber eben auch die vielen anderen Romane für Kinder ab 10). Und wenn es heute keine Middle-Grade-Leser:innen mehr gibt, wie viele YA-Leser:innen wird’s dann morgen wohl noch geben …?

Die Antwort ist klar.

Und klar ist ja wohl auch, was man dann macht, oder, so als Buchbranche, wenn man sich nicht selbst abschaffen will, oder? Ja, natürlich: in Leseförderung ab 10 investieren! Damit man auch morgen noch Leser:innen hat. Ganz einfach.

Na gut, so einfach ist es dann wohl doch nicht, denn da sind ja immer noch die Bürokratie und die allgemeine Wirtschaftslage. Aber, hm, was ist denn die Alternative? Aufgeben? Mit einem traurigen Schulterzucken auf den Abgrund zujuckeln?

Währenddessen könnte man sich ja trotzdem schon mal ein bisschen intensiver mit Leseförderung befassen. Ich zum Beispiel habe ich gerade angefangen, einen neuen Roman zu schreiben. Für Kinder ab 10. Nebenbei übe ich mich im Finanztetris, um die ausbleibenden Lesungshonorare irgendwie aufzufangen. Bürokratie. Die allgemeine Wirtschaftslage.

Natürlich wurde das Buch schon so oft totgesagt, dass die Wiederholung schon fast etwas Meditatives haben könnte, wenn es sich nicht jedes Mal wieder so erschreckend anfühlen würde, als wäre es das erste Mal. Letztendlich kam dann immer irgendein “Phänomen” um die Ecke (wobei Harry Potter das bekannteste sein dürfte).

Wollen wir darauf warten?