
Der beliebte Hamburger Musikclub Molotow hat in seiner 36-jährigen Geschichte bereits einige, nicht immer freiwillige Umzüge hinter sich. Doch nun scheinen die Nomaden vom Kiez angekommen zu sein, seit etwas über einem Jahr residiert das Molotow in den Räumen des ehemaligen Moondoo-Clubs auf der Reeperbahn. Weniger rau und etwas gediegener als zuvor, doch auch an einem solchen Wohlfühlort darf Subkultur stattfinden.
Der Vergnügungsmeile ist man treu geblieben, nicht immer angenehm ist der Weg durch trunkene Junggesellenabschiede und orientierungslose Musicalbesucher hin zum Einlassbereich. Doch diese Anstrengung lohnt sich, denn das Booking des Clubs ist weiter erstklassig und seit Jahrzehnten legendär. Die Wände und Erinnerungen sind voll mit bekannten Bands, die gefühlt einst bei ihrem Konzert im Molotow den Durchbruch schafften.
In diesen Momenten dabei zu sein, ist vor allem für Musiknerds beinahe Pflicht. Und es macht ja auch deutlich mehr Spaß, als Weltstars in viel zu großen Hallen für viel zu viel Geld aus der Ferne zu beobachten, wie sie eher routiniert ihre Hits abspielen. Also lieber auf Entdeckungstour gehen in die kleineren Clubs wie das Molotow und mit den Auftritten junger aufstrebender Bands.

So wie Floodlights aus Melbourne, die am Wochenende neben ihren Instrumenten auch die Hitze Australiens mitgebracht haben. Auf der dunkel gehaltenen Bühne tut sich einiges: Während Sänger Louis Parsons mit eindringlicher Poetenstimme singt, treiben nicht nur Gitarre, Bass und Schlagzeug das musikalische Indie-PostPunk-Folk-Geschehen voran, sondern immer wieder die von Sarah Hellyer gespielte Trompete oder auch eine Mundharmonika. Ein Gemisch, das in vielen Fällen missglücken könnte, hier jedoch zur besonderen Energie beiträgt, die Floodlights mit ihren Songs verströmen.
Kein Wunder, dass die 2018 gegründete Band nun mit ihrem dritten Album „Underneath“ einen Plattvertrag bei dem bekannten Indie-Label Pias Recordings unterzeichnen konnte und ihre Shows in Australien alle ausverkauft sind. Auf der Europa-Tour ist das noch nicht überall der Fall und auch im Molotow gab es ein wenig Platz. Das dürfte sich aber bis zu ihrem nächsten Konzert dort ändern, ehe dann wahrscheinlich auch Floodlights den Weg in die großen Arenen gehen – so wie in der Molotow-Geschichte schon so viele Bands zuvor.
Ein aktuelles Floodlight-Konzert gibt es hier zu sehen:
https://www.youtube.com/watch?v=CAnIBwisQCc&list=RDCAnIBwisQCc&start_radio=1 (Si apre in una nuova finestra)Und hier noch ein Konzertbericht aus dem “alten” Molotow:
https://steady.page/de/wolkendecke/posts/7efd7023-ee78-4e40-8dc1-d6769b9da275 (Si apre in una nuova finestra)