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How the Story ends (3/50)

Jetzt wird’s spannend, liebe Koapier-Community,

wir sind erst in der dritten Folge und schon passiert, worauf ich gehofft hatte, was aber nicht planbar ist: Die Realität tritt ein - und nimmt Einfluss auf dieses Projekt.

Ursprünglich hatte ich in meinem (ohnehin lockeren) Plan für diese Woche eine andere Kopie vorgesehen und der korrespondierende Kapier-Punkt des Rückwärts-Geboren-Seins war eigentlich für andere Songs und erst später geplant. Aber dann machte mir eine Band einen Strich durch die Rechnung, von der ich bis vergangenen Donnerstag noch nie gehört hatte. Und zu verdanken habe ich diesen Erkenntnismoment - wenig überraschend - dem Thema, das uns hier verbindet: der Kopie!

Genau an diesem Moment der Planänderung zeigt sich, warum dieses Projekt ein Prozess sein soll - und nicht bloß ein Produkt: Weil auf dem Weg Dinge passieren, die spannender sein können als das bloße Ankommen am Ziel.

Auf eine weiterhin gute Erkenntnis-Reise

Dirk

Howthe Story Ends

See, hidden in the pages of my notes
is a letter that I wrote to you, but never sent,
and that's how the story ends.

Mit diesen titelgebenden Zeilen endet der Song, den Carolyn Berk, Kerby Ferris und Emily Kingan im Jahr 2011 in die Seiten ihrer Notizen steckten. Mir war “How the story ends” der Band “Lovers” aus Portland (Abre numa nova janela), im US-Bundesstaat Oregon, nicht bekannt - bis die Münchner/Weilheimer Band “The Notwist” ihn aus den Notiz-Seiten holten und als Cover-Version abschickten. Erstmals hörte ich ihn im Sommer 2025 als “The Notwist” ihre Version auf einem besonderen Doppelkonzert im Münchner Import/Export spielten; am Ende einer Woche, in der sie das neue Album “News from Planet Zombie” aufnahmen, das am 3. März erscheinen wird.

Als zweite Single von “News from Planet Zombie” wurde in dieser Woche “How the Story Ends (Abre numa nova janela)” in der Notwist-Version veröffentlicht. Eine klassissches Cover: gleicher Song, (fast) gleiche Länge, aber andere Stimme und andere Instrumentation. Diese Veränderung konnte mir aber natürlich nicht auffallen, weil “How the Story Ends” keine Cover-Version ist, die mir durch ihren besonderen Zugang des Original neu vorstellt. Dieses Cover-Version stellt mir das Original überhaupt vor. Und das ist eine besonders ehrenvolle Aufgabe, die Cover übernehmen können: mit Hilfe der Kopie, Musik bekannt machen.

In diesem konkreten Fall war das ein besonders schöner Start einer Geschichte: Ich habe Original und Cover in den vergangenen Tagen in Dauerschleife gehört - und dann angefangen weitere Songs von “Lovers” zu hören … and that's how the story starts.

Hinzulernen

(B3) Vom US-Schriftsteller Jonathan Lethem stammt die Formuliereung des Rückwärts-Geboren-Seins für diese Art der (pop-)kulturellen Orientierung, die erst durch die Kopie möglich wird. Lethem schreibt in seinem Essay “Ecstasy of Influence” (Abre numa nova janela):

Die Welt ist eine Wohnung, übersät mit Produkten der Pop-Kultur und deren Emblemen. Beim Aufwachsen wurde ich überschwemmt mit den Parodien auf Originale, die mir unbekannt und geheimnisvoll waren – ich kannte die Monkees früher als die Beatles und Belmondo früher als Bogart [. . .]. Ich stehe nicht allein damit, dass ich rückwärts geboren bin, hinein in ein chaotisches Reich der Texte, Produkte und Bilder – in eine Kommerz- und Kultur-Umwelt, die unsere natürliche Umwelt zugleich ergänzt und auslöscht. Sie gehören mir genauso wenig wie die Gehsteige oder die Wälder der Welt, dennoch wohne ich darin.

Beide Bilder - des Wohnens und Rückwärts-Geboren-Seins - mag ich sehr: Sie beschreiben die Bindung an Werke, die bereits in der Welt sind (bekannt wie unbekannt) und zeigen, wie wir uns in dieser Welt heimisch fühlen können - durchs Kopieren. Was meiner Einschätzung nach das passive Konsumieren von Kopien ebenso einschließt, wie das aktive Produzieren durchs Kopieren z.B. von Memes.

Für diese Woche möchte ich es aber bei der Idee der Orientierung in und durch Kopien belassen - und dazu Jamie Hewlett zitieren, dessen Band Gorillaz diese Woche ebenfalls einen neuen Song veröffentlicht hat (“Orange County”). Im Jahr 2005 sprachen Hewlett und Damon Alban in Wired (Abre numa nova janela) über ihre Band Gorillaz. Das Gespräch ist noch immer lesenswert - u.a. wegen dieser Einschätzung von Jamie Hewlett:

“The coolest thing is that kids are catching the references we put in the music and the visuals, and then they're going out to learn about the original pieces of culture we were inspired by. The payoff is that the next generation of artists and writers might say, "I learned a lot from listening to the Gorillaz when I was 15."

Es gibt eine klare Definition dessen, was ich als Kopie lobenswert finde (Abre numa nova janela). Und für mich zählt zu Kopierkompetenz das Wissen darum, welche Rolle deine Aufmerksamkeit spielt (Abre numa nova janela).

Ich habe in dieser Woche sehr viel “How the Story Ends” gehört - und nebenbei eine Liste auf der Steady-Seite angelegt (Abre numa nova janela), in der ich all eure Vorschläge für gute Cover-Versionen und musikalische Kopien sammle. Falls du also Empfehlungen hast: Bitte schicke sie mir!

Meine Empfehlung: Schau dir mal die Newsletter von Alexander von Streit (Abre numa nova janela) und Sebastian Esser (Abre numa nova janela) an - beide haben nämlich in der vergangenen Woche “Kopieren kapieren” auf ihrer Steady-Seite empfohlen. Vielen Dank!