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Wildes Herz

Ich liebe die Natur, Tiere, Wanderungen.

Manchmal träume ich von einer einsamen Hütte im Wald. Absolute Stille, höchstens das friedliche Rauschen der Blätter im Wind, das Klopfen eines Spechts oder der Ruf einer Elster. Stundenlanges Wandern zwischen den Bäumen, anschließend einen heißen Becher Kaffee vor dem Holzofen. Herrlich.

Aber nicht auf Dauer.

Ich brauch meine wenigen auserwählten Menschen um mich herum, egal, wie gerne ich auch allein bin. Wenn ich ein Tier wäre, dann wohl ein Wolf, der hin und wieder sein Rudel verlässt, um auf einsame Streifzüge zu gehen, aber stets zurückkehrt. Immer.

Von Wölfen bin ich seit meiner Kindheit schon fasziniert. Sie sind uns Menschen so viel ähnlicher als viele denken. Und so viel weiser als mancher von uns. Ich hab so einige Bücher über sie gelesen, auch schon welche in Wildparks gesehen. Aber mein absoluter Traum wäre es, einem wilden Wolf in Natura zu begegnen. Frei.

Mein liebstes Wolfsbuch, das ich jedem wärmstens empfehlen kann, der sich für diese wundervollen Geschöpfe interessiert

Tatsächlich war ich vor einigen Monaten schon näher dran, als ich jemals gedacht hätte …

Mein Mann, unsere Tochter und ich sind vor 1,5 Jahren aus der Stadt ins Dorf gezogen (zugegeben, mit 3000 Einwohnern ist es ein großes Dorf, aber trotzdem sehr ländlich). Der Wald ist bei uns um die Ecke, wir können ihn aus den Fenstern sehen.

Und letzten Sommer passierte es plötzlich eines Abends: Wolfsgeheul. Praktisch direkt vor der Haustür. Wow, ich war so aufgeregt! Mein Mann behauptet immer noch, das war ein Kind, das so getan hat, aber ich glaube das nicht. Tatsächlich hatte es schon in der Nähe Sichtungen gegeben. Am nächsten Tag ging ich natürlich in den Wald und fand nach einer halben Stunde bereits das abgenagte Bein eines Rehs am Wegrand. Für mich ein Beweis. Der Wolf war hier.

Ein schönes Gefühl, wenigstens um seine Existenz zu wissen, auch wenn ich ihn nicht zu Gesicht bekommen habe.

Natur und Tiere. Beides hat mich schon immer begleitet und war mir Heimat, wenn es Bücher gerade nicht sein konnten. Wenn ich als Kind nicht gelesen habe, dann hab ich jede freie Minute draußen verbracht. Wälder und Wiesen waren mein Spielplatz.

Meine Sommerferien verbrachte ich viele Jahre bei meinem Großvater in Polen im Dorf (und diesmal wirklich ein Dorf-Dorf mit nur einer Straße und gefühlt 20 Häusern). Den ganzen Tag streunte ich mit den Nachbarskindern und dem schwarzen Hund, von dem niemand wusste, wem er gehörte, der aber oft bei uns war, durch die wilde Gegend. Wir fingen am Teich im Wald kleine Frösche und Kaulquappen, bauten aus Schrott und alten Brettern Höhlen, umschlichen mit klopfendem Herzen die gefährlichen Gänse eines Nachbarn, die ein Feld hüteten, als wäre dort ein Goldschatz vergraben (wer weiß, vielleicht war er das auch). Wir hatten so viel zu tun und zu entdecken da draußen, dass wir oft zu spät zum Essen wieder heimkamen und einen grummeligen und besorgten Großvater vorfanden.

Ich hatte schon immer einen guten Draht zu Tieren. Als Kind hatte ich Hamster, später einen Hund und Ratten. Ich hatte Pflegepferde und Reitbeteiligungen. Das Reiten hab ich mir selbst beigebracht. Wie? Ich hab Bücher darüber gelesen und hab beim Reitunterricht zugeschaut. Und den Rest hat mir meine alte Halla, eine liebe und geduldige alte Pferde-Oma beigebracht. Um diese kümmerte ich mich freiwillig im Reitstall im Ort, immer nach der Schule, und durfte auch mal draufsitzen. Als ich dann irgendwann doch Unterricht nahm, durfte ich schon zu den Fortgeschrittenen. Welch ein Kompliment für meine Arbeit!

Unser Gasthund Barney ist ein ganz besonderer Geselle. Ein sanfter, lustiger Riese mit dem Herzen am rechten Fleck

Heute habe ich leider keine eigenen Tiere, dafür immer wieder einen lieben Gasthund, der bei uns ein zweites Zuhause gefunden hat.

Natur. Tiere.

Sie entschleunigen uns. Bringen uns das Hier und Jetzt nahe. Erinnern uns daran, dass auch der Mensch ein Teil der Natur ist, auch wenn wir das in unserer modernen und schnelllebigen Welt schnell mal vergessen. Wenn ich Luft brauche, oder in meinem Projekt nicht weiterkomme, dann gehe ich in den Wald. Die geringeren Reize für die Sinne schaffen Raum im Kopf. Platz für kreative Gedanken, die reifen und gedeihen können. Wie oft fand ich bereits die Lösung für meine Blockaden einfach nur zwischen den Bäumen. Manchmal betrete ich den Waldpfad hinterm Haus ohne große Absichten und komm 45 Minuten später mit einem kompletten Plot für ein neues Buch im Kopf (oder bereits ins Handy gehämmert) zurück.

Der Wald ist mein Ruhepol, meine Muse, mein Rückzugsort. Wäre ich ein Ökosystem, dann wisst ihr, welches ich wäre.

Schlägt auch in deiner Brust ein wildes Herz? Wie sieht dein Ruhepol aus? Oder unter welchen Bedingungen ist es für dich am wahrscheinlichsten, dass dich die Muse küsst?

Schreib mir gerne in die Kommentare 🙃

Tópico DIE AUTORIN

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