Liebe BOMLs,
ihr seid hoffentlich gut ins neue Jahr gestartet, vielleicht sogar mit der neuen Folge. Ja, welche beiden Titel den BOML Award 2025 erhalten haben, dürfte wenig überraschen. Wenn ihr schon den Blick nach vorne richtet und euch fragt, was ihr dieses Jahr spielen könnt, sei noch der Blick in die Shownotes der Folge (Abre numa nova janela) empfohlen - das sind alles Titel, die im Discord erwähnt wurden. Dort wurde auch dieses Video (Abre numa nova janela) verlinkt für alle, die sich zweieinhalb Stunden Zeit nehmen möchten, eine Auswahl in Videoform präsentiert zu bekommen.
Zwischen den Jahren™ habe ich was gespielt.
Das ist an sich keine Neuigkeit, aber - schluck - von einer Stunde oder so in “Abscission” abgesehen bin ich in einem Remaster versackt. Eines Spiels, das kein Adventure ist. Und es hat nicht mal was damit zu tun, dass davon ein WEITERES Remaster angekündigt wurde und auch ein neuer Titel. Nein, gekauft und angespielt hatte ich es schon viel früher, aber jetzt habe ich es wieder gestartet, und was soll ich sagen, Teil 1 hab ich durch und bei Teil 2 schon im letzten Drittel:
https://store.steampowered.com/app/2478970/Tomb_Raider_IIII_Remastered_Starring_Lara_Croft/ (Abre numa nova janela)Ja, pure Nostalgie, und ja, objektiv sind gerade die ersten Teile nicht so toll gealtert. Das muss ich aufschlüsseln:
Nostalgie vor allem deswegen, weil Tomb Raider das erste Spiel war, das ich damals auf meinem PentiumII-PC gespielt habe, der mit einer 3dfx-Karte aufgerüstet wurde. Aus ruckeligen Frames und groben Texturen wurde flüssige und (gefühlt) fotorealistische Grafik. Der erste Auftritt des T-Rex hat sich seinen Legendenstatus verdient - auch wenn die Szene heute ähnlich bedrohlich wirkt wie der King Kong aus den 1930ern.
Bei “nicht toll gealtert” denken die meisten Leute wahrscheinlich an das Leveldesign. Diese großen, leeren Welten, in denen man oft einfach nur in einer abgelegenen Ecke einen Schlüssel finden muss, um ihn am anderen Ende nach langem Laufweg benutzen zu können. Gelegentlich beschleunigt man das Aussterben einer gefährdeten Tierart, und wenn man anfängt, die Umgebung logisch zu denken, kapituliert man schnell kichernd. Wie ist die Uzi-Muni in dieser abgelegenen Ecke des Tempels gelandet? Was ist mit Gegnern, die hinter einer Tür auftauchen in einem kleinen Raum, in dem sonst nix ist?
Und auch nicht toll gealtert, weil damals schon Humbug: die Story. Klar, die alten Tomb Raider sind Comics ohne Angst vor Klischees, ein dünnes Schmiermittel zwischen den Levels, oft in einer Rendergrafik, die technisch und inszenatorisch selbst die niedrigste Qualitätshürde reißt. Hat dem Erfolg keinen Abbruch getan. Gerade so, als wäre Story in Games für viele Leute gar nicht so wichtig, potztausend!
Kurz: so viel kann man an der Spielwelt kritisieren, vor allem mit fast 30 Jahren Abstand. Und doch - mich packt es. Während ich in einem Adventure schnell die Geduld verliere, wenn ich irgendeine unlogische Objektkombination nicht verstehe oder mir das Interface Steine in den Weg legt, so sehr mag ich es, mir die 3D-Umgebung der alten Tomb Raider zu erschließen. Diese eine Kante zu finden, die ich übersehen habe. Den Tunnel da hinten. Die alten Tomb Raider sind keine Adventures, aber die Exploration ist ähnlich, fühlt sich für mich sogar eher noch als solche an als das Pixelhunting eines Adventures.
Was eigentlich ein Nachteil ist, wird bei mir zum Vorteil: das quaderbasierte Weltendesign. Jede Kiste hat Normgröße, und der Boden ist exakt so beschaffen, dass die Kiste sich nur an gewünschte Stellen verschieben lässt. Sprunghöhe und Sprungweite ist immer gleich - und damit berechenbar. Oft sehe ich das Setup eines Raums und erkenne, was ich tun soll, es geht nur noch um die Umsetzung. Wäre das reiner Denksport: LANGWEILIG. Aber ein falscher Schritt und die Schwerkraft wird tödlich: SPANNEND!
Oh, ist nicht so, als würde Tomb Raider mich nicht nerven. Vor allem wegen der Sache mit dem falschen Schritt. Das Speichern ist schnell in mein Muskelgedächtnis zurückgekehrt. Wie viele Spielstände ich während des Durchgangs von Teil 1 angelegt habe? Über 600. Wurde ein schwieriger Sprung bewältigt oder ein Gegner mit Uzi-Argumenten überzeugt: SPEICHERN.
Spiele sind oft Eskapismus. Eine willkommene Flucht vor der Realität.
Während ich das hier geschrieben habe, ist in Venezuela etwas passiert, das vermutlich immer mit Januar 2026 verbunden bleiben wird. Wie es nun in unserer Realität weitergeht, in der die Protagonisten alle wie unglaubwürdige Bösewichte aus einem alten Tomb Raider wirken, weiß niemand.
Ich werde dann mal in den verschneiten chinesischen Tempel zurückkehren, der primär aus Quadraten besteht und in dem irgendwer netterweise Health Packs an den genau richtigen Stellen abgelegt hat, um dort der Schwerkraft zu trotzen, die die Realität gerade immer erdrückender macht.
Bleibt abenteuerlich und bekämpft das Böse, wo ihr es seht
Falko