Hallo zusammen,
vorige Woche schickte mir ein Abonnent einen Beitrag vom Triathlon Magazin.
https://tri-mag.de/szene/zeugen-gesucht-nach-dem-ironman-hamburg-ermittelt-jetzt-die-kriminalpolizei/ (Abre numa nova janela)Darauf zu sehen: Athleten mit Reifenpannen, die sie beim IRONMAN Hamburg hatten - aufgrund der Metallsplitter, die Anwohner auf die Strasse geworfen hatten.
Kurz nach dem Rennen hatte mich schon eine andere Abonnentin angeschrieben „Es wäre spannend zu wissen, was in solchen Menschen vorgeht. Wieso tun die so etwas? Evtl. könnte das ein spannender Beitrag sein.“
Der unfassbare Vorfall beim Ironman in Hamburg.
Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Mitten auf der Radstrecke in Kirchwerder haben Unbekannte millimeterkleine Metallsplitter gestreut. Das Ergebnis? Zweihundert bis dreihundert zerstörte Reifen, geplatzte Träume nach monatelangem, hartem Training. Jan Frodeno hat es danach im Interview treffend formuliert: „Das jemandem wegzunehmen, weil man mal ein paar Stunden nicht raus kann, ist zu viel.“
Da steht man nun als Beobachter und fragt sich genau das, was meine Abonentin umtreibt: Was zur Hölle geht in solchen Menschen vor?
Und wenn wir ehrlich sind, müssen wir die Lupe gar nicht so weit weglegen. Wir sehen dasselbe Phänomen der extremen Reaktionen gerade im ganz großen Stil: Schaut euch an, wie unverhältnismäßig persönlich und aggressiv wir uns auf Bundestrainer wie Julian Nagelsmann (oder andere öffentliche Personen) stürzen, sobald etwas nicht nach Plan läuft. Aus sachlicher Kritik wird in Sekundenbruchteilen eine Hetzjagd.
Wer einen Blick in die Sportgeschichte wirft, merkt schnell: Das Phänomen ist nicht neu, nur die Kanäle sind heute digitaler. Wer aktuell die ARD-Dokumentation über das WM-Team von 1994 sieht, erkennt die exakt gleiche Dynamik: Wie damals mit dem Bundestrainer Berti Vogts umgegangen wurde, wie er und die Mannschaft medial und gesellschaftlich regelrecht fertiggemacht wurden – das war pure, unreflektierte Destruktivität unter dem Deckmantel der sportlichen Enttäuschung.
Als systemischer Coach schaue ich mir solche Dynamiken selten mit moralischer Empörung an, sondern eher wie eine Verhaltensbiologin. Wenn wir die Emotionen kurz beiseitelegen und das Ganze psychologisch sezieren, stoßen wir auf drei erschreckende Mechanismen, die sowohl auf der Hamburger Radstrecke als auch in den Kommentarspalten der Republik greifen: