Wie viele von Euch schon wissen, die hier regelmäßig mitlesen, ist der Traum von den “Pink Panthers” einer, der Tadzio Müller und mich antreibt, der auch eine der Grundideen hinter dem Kollapscamp war und wesentlicher Motivator für das Mutual Aid H.E.A.T. (Abre numa nova janela) dieses Jahr ist. Wir sind gespannt, wie viele Schritte wir Ende September machen können, um diesem Traum in welcher Form auch immer ein Stückchen näherzukommen.
Historischer Hintergrund
Inspiriert ist unsere Idee von der Black Panthers Party und der Pink Panthers Patrol (oft kurz Pink Panthers genannt). Dabei handelte es sich um eine zivile Patrouillengruppe, die in den 1970ern von Mitgliedern der Queer Nation in New York City gegründet wurde. Sie entstand als Reaktion auf eine Zunahme von LGQBTI*-feindlicher Gewalt im West Village von Manhattan. Die Gruppe wurde gegründet, um queere Menschen im öffentlichen Raum zu schützen und präventiv gegen Angriffe vorzugehen, inspiriert von den Guardian Angels. Die Mitglieder patrouillierten durch queere Viertel, um Präsenz zu zeigen und im Ernstfall einzugreifen, was als Form des queeren Selbstschutzes und Widerstands verstanden wurde. Die Pink Panthers Patrol steht damit in der Tradition queer-feministischer Selbstverteidigung, die darauf abzielt, den öffentlichen Raum für LGQBTI*-Personen sicherer zu machen. Der Name ist eine Anspielung auf den „Rosaroten Panther“ (Pink Panther), wobei das „rosa“ Dreieck historisch mit queerer Verfolgung verbunden ist und in diesem Zusammenhang nicht mit den Juwelendieben zu verwechseln ist.

Das Schutz für uns an immer mehr Orten nach wie vor und leider wieder verstärkt nötig ist, wird kaum jemand bezweifeln und das wir für diesen Schutz auch und zunehmend selbst sorgen müssen bzw. sollten, zeigt sich in mehr als 1 entsprechenden Schlagzeile (Abre numa nova janela)täglich. Aktuell sind aufgrund der bevorstehenden Pride-Saison wieder mehr und mehr CSD - Organisator*innen teilweise sehr verzweifelt auf der Suche nach Menschen, die helfen können, CSDs zu schützen. In immer mehr Orten sollen und werden im Sinne von “jetzt erst recht” CSDs stattfinden und das sorgt eben auch dafür, das die alle potenziell gefährdet sind und somit Schutz benötigen. Es fehlt an allen Ecken und Enden an entsprechenden Strukturen und Menschen in auch nur ansatzweise ausreichender Zahl. Wir möchten helfen, daran etwas zu ändern, weil wir selbst direkt betroffen sind.
Was also tun?
Thematisch verankert ist diese Idee und das, was wir uns bis September dazu überlegen werden im Themenstrang, der sich mit dem kollektiven Selbstschutz beschäftigt. Wie schon mehrfach erklärt, geht es dabei nicht ausschließlich und nicht in 1. Linie darum, Angriffen auch physisch etwas entgegensetzen zu können. Darum wird und muss es auch gehen, weil es im Ernstfall einfach zwingend nötig sein kann, sich selbst verteidigen und schützen zu können. Nur dann bin ich nämlich auch in der Lage, anderen zu helfen.
Es wird aber ebenso in einem Schwerpunkt darum gehen, gar nicht erst in eine Situation zu kommen, in der mensch diese Entscheidung treffen und entsprechend handeln muss. Die beste Verteidigung und der beste Schutz besteht nun einmal darin, gar nicht erst angegriffen zu werden. Unter den aktuellen Umständen sind wir leider aus zu vielen Gründen immer weniger in der Lage, uns darauf verlassen zu können, dass wir nicht mit solchen Situationen konfrontiert werden und das andere (Staat, Polizei, Gesetze, Menschen, die sehen, was passiert…) uns schützen. Wir müssen also Wege finden, selbst dafür zu sorgen, dass wir nicht oder selten(er) tatsächlich in diese Situationen kommen und uns im schlimmsten Fall selbst daraus befreien können. Um das zu erreichen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: immer in der Überzahl sein - kaum umsetzbar. Potenziell gefährliche Situationen meiden - ebenfalls kaum umsetzbar, weil es davon zu viele gibt und diese mit Zuschreibungen zu marginalisierten Gruppen beinahe exponentiell zunehmen (weiblich, queer, trans, nicht weiß, zu viel dies und zu wenig das…). Potenziell gefährliche Situationen zu meiden bedeutet, das eigene Leben völlig einzuschränken: keine Demos mehr, keine Party, keine Dates, kein Kino, keine Spaziergänge und schon gar nicht nach Einbruch der Dunkelheit, kein Schwimmbad - die Liste kann bis ins Unendliche fortgesetzt werden. Neben der Vorbereitung auf potenzielle Gefahren und im schlimmsten Fall Angriffe/körperliche Übergriffe, inklusive der Fähigkeiten sich selbst bis zu einem gewissen Grand verteidigen zu können, ohne Kampfsportprofi zu sein und der realistischen Einschätzung von möglichen Risiken, um diese so gut es geht zu minimieren, bleibt die “Abschreckung”, das Ausstrahlen von Selbstsicherheit, der Ruf, der vorauseilt, das Auftreten und das optische Erscheinungsbild.
Alle diese Punkte sind Teil der Ideen und Trainings, die wir für den Bereich “kollektiver Selbstschutz” im Rahmen des HEAT mitdenken und bei denen wir versuchen, sie mit Leben und konkreten Angeboten zu füllen. Das tun wir mit besonderem Fokus auf queere und trans*-Personen und wir tun dies bereits in der inhaltlichen Ausgestaltung des Trainings, bei der Auswahl der Trainer*innen und der Menschen, die teilnehmen. Mindestens 5 von 6 Menschen, die sich mit diesem Training und der Ausgestaltung befassen, sind schwul, queer, non-binär, trans* und das zeigt Wirkung bezogen auf die Inhalte und diejenigen, die als Teilnehmende dabei sein wollen. Dieser Trainingsstrang wird nicht (nur) für queere Menschen gestaltet, sondern von ihnen und ich bin sehr zuversichtlich, dass mensch ihm das auch ansehen wird - in jeder Beziehung.
Hier kommt jetzt auch ihr, liebe Leser*innen, ins Spiel. Wir haben ein paar kreative und toll-verrückte Ideen, die ich hier natürlich nicht alle verraten werde - wo bleibt denn sonst der Spaß und die Überraschung für den September? Außerdem sind Ideen auch dazu da, wieder verworfen und von anderen ersetzt zu werden. Aber bei der Umsetzung einer dieser bunten Ideen könnt ihr helfen.
Get creative and inspire us
Wie oben bereits erwähnt, ist der Auftritt und die Außenwirkung die “halbe Miete”, wenn es um Schutzkonzepte geht und so beschäftigt uns momentan u.a. der Gedanke von “war paint”, was natürlich auch aus Sicherheitsaspekten keine Idee ist, die zu schnell verworfen werden sollte.

Wenn ihr also Ideen habt, her damit. Es gibt ein paar Vorgaben:
das Gesicht muss komplett bedeckt sein
Farben: pink, silber, schwarz
Es muss einfach zu machen sein, ohne das es einen Make-up-Artist braucht
Tobt euch aus und schickt uns gerne Vorschläge:
kontakt@mutualaidheat.de (Abre numa nova janela)
Wir sind gespannt und wer weiß, vielleicht schminken wir im September ;-)