Der Physikprofessor Tarl Cabot kehrt zusammen mit seinem Kollegen Watney, der das mentale Niveau eines Vierzehnjährigen hat, auf den Barbarenplaneten Gor zurück. Dort muss sich der einstige Held erneut in einer Welt voller Gefahren und Intrigen behaupten, um seine Geliebte, die Kriegerin Talena, wiederzufinden und die tyrannische Königin Lara sowie den bösen Priester Xenos vom Thron zu stoßen. Cabot gerät dabei in so manche Kämpfe und Abenteuer, aber vor allem gerät er ständig in Gefangenschaft, dann wieder in Freiheit, nur um wieder in Gefangenhaft zu geraten.
Der Geächtete von Gor aus dem Jahr 1988 ist ein US-amerikanischer Barbarenfilm von John Cardos und die Fortsetzung von Gor (1987). Der zweite Teil geht auf den gleichnamigen Roman von John Norman aus dem Jahr 1973 zurück, ist aber nur sehr lose adaptiert. Die Drehbuchautoren Harry Alan Towers und Rick Marx, die auch schon für das Drehbuch zum ersten Gor-Film verantwortlich waren, benutzten lediglich einige Namen aus der Romanvorlage und schrieben eine völlig andere Geschichte. Sexistisch ist der Film dennoch. Zwar gibt es in John Cardos´ Film mit Talena wieder eine starke Frauenfigur und sogar eine weibliche Hauptantagonistin, doch das macht die Art, wie in dem Werk mit Frauen gesprochen und umgegangen wird, nicht besser. Wie schon im ersten Teil spielen wieder Urbano Barberini, Rebecca Ferratti, Jack Palance und Larry Taylor mit.
Bereits in meiner Kritik zum Vorgängerfilm ging ich auf das auf Dominanz und Unterwerfung basierende Menschenbild von John Norman ein, welches er in seiner Gor-Roman-Reihe, die von 1966 bis 2022 lief, proklamierte. Normans Werke scheinen eine gewisse Faszination auszuüben und die in seinen Büchern beschriebenen Machtstrukturen zwischen unterwürfigen Frauen und dominanten Männern finden bis heute Beachtung in Teilen der BDSM-Szene. Seine Geschichten voller Dominanz und Submission werden dort entsprechend interpretiert und als Grundlage für Rollenspiele genommen. Die so genannten "Goreaner" orientieren sich an Normans Geschlechterbildern und Personenbeschreibungen und versuchen diese vor allem im Internet, z.B. in der virtuellen 3D-Welt "Second Life", nachzuleben.
Es bleibt fraglich und wird immer noch kontrovers diskutiert, ob John Normans Theorien zum Geschlechterverhältnis in der Gor-Reihe auf die Realität anwendbar sein sollen oder lediglich Ausdruck seiner sadomasochistischen Fantasien sind. In einem Interview äußerte sich der Autor dazu und bezeichnete seine Werke ganz offensichtlich als Fantasy. Doch noch im selben Interview argumentierte er wiederum, dass die Popularität seiner Gor-Bücher damit zu erklären sei, dass die Fantasie die Realität widerspiegele. Das kann man durchaus so lesen, dass er die in seinen Büchern dargestellten Geschlechterrollen nicht nur als reine Fiktion oder sexuelle Fantasie betrachtet, sondern ihnen eine tiefere psychologische oder philosophische Relevanz beimisst. Er beschreibt die Gor-Bücher nicht nur als Abenteuer-Fantasy, sondern auch als philosophische und psychologische Erzählungen. Norman nutzt die Darstellung menschlicher Gesellschaften mit dominanten Männern und unterwürfigen Frauen als fiktiven Rahmen, um vermeintlich tiefere Wahrheiten über die menschliche Natur und die Beziehungen zwischen Mann und Frau zu erforschen. Die Frage, ob dies für ihn eher eine Wunschvorstellung oder eine ernsthafte philosophische These ist, wird nicht exakt beantwortet. Sicher dürfte nur sein, dass die meisten Menschen innerhalb der BDSM-Szene die Welt von Gor und Normans Schriften als erotische Fantasie einstufen und nicht als eine für das alltägliche Zusammenleben geeignete Lebensphilosophie. Ich mag Filme, die einen weitschweifigen pop- bzw. subkulturellen Kosmos eröffnen. Gor und Der Geächtete von Gor sind solche Filme. Dabei ist für mich jener Kosmos oft interessanter als die Filme selbst.
Der Geächtete von Gor ist genauso schäbig und dümmlich wie der erste Teil. Auch die Kritik war sich wieder einig, dass der Fantasy-Streifen ein mieser, langweiliger, uninspirierter und primitiver Barbarenkitsch mit Logiklücken und grauenvoller Musik sei. Dem muss ich großteils zustimmen. Der nervige Watney, die platte Story und die billige Machart mit den schrecklichen Plastikschwertern, den lächerlichen Helmen und den zahlreichen Filmfehlern machen das Ganze nur schwer erträglich.
https://www.imdb.com/de/title/tt0098048/ (Abre numa nova janela)