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Warum du mehr Kontrolle über dein Leben hast, als du denkst – Bewusstsein, Gehirn und Selbstbestimmung

Kurzfassung, worum’s geht

Hast du diese Aussage auch schon mal gehört? „Nur 5 % sind Bewusstsein, 95 % sind Unterbewusstsein oder unbewusst.“

Wenn das für dich klingt, als wäre dein Kopf wie ein PC mit zwei getrennten Festplatten – oben „du“, unten „irgendeine Maschine“, fühl ich.

„Bewusstsein“ nach dieser Auffassung ist das, was du aktiv wahrnimmst und steuerst – der kleine, fokussierte Teil deines Erlebens.

Wenn man aber davon ausgeht, dass alles Bewusstsein ist, gibt es nichts „außerhalb“ davon. Auch deine Muster, Trigger, Traumata, Automatismen – alles passiert in deinem Bewusstsein, nicht daneben.

“Alles ist Bewusstsein“ meint, dass die gesamte Realität, inklusive Gedanken, Gefühle und Welt, nicht mehr und nicht weniger ist als eine Erscheinung dieses einen Bewusstseins.

Es kommt drauf an, was mit Bewusstsein gemeint ist

Relatives Bewusstsein (Awareness, Gewahrsein):

  • ist begrenzt auf deine aktuelle Aufmerksamkeit: Du denkst bewusst über etwas nach und der Rest (Automatismen, Körperfunktionen) läuft „unbewusst“.

  • ist wie ein Spotlight: Nur 5–10% deines Erlebens wird beleuchtet, der Rest bleibt dunkel.

Absolutes Bewusstsein (nondualistisch, Consciousness):

  • Es existiert keine Trennung: Gedanken, Emotionen, Körper, Welt – alles ist Bewusstsein, das sich selbst als „Vielfalt“ zeigt.

  • Beispiel Ozean und Wellen: es gibt verschiedene einzelne Wellen (Inhalte), sie bleiben aber immer Wasser (Bewusstsein).

Aspekt Awareness (Bewusstheit) Consciousness (Bewusstsein) Funktion Gelenkte Aufmerksamkeit, fokussiert auf Objekte (Gedanken, Gefühle). Kann begrenzt sein. Das umfassende Feld, in dem alles erscheint. Eins, nicht teilbar, jenseits von Objekten. Beispiel Du bemerkst deinen Atem bewusst. Du bist ihm gewahr. Der Raum, in dem Atem, Gedanke und Welt einfach sind – ohne „Wer beobachtet?” Nonduale Sicht Awareness (Gewahrsein) ist Consciousness mit Inhalt/Fokus. Consciousness ist das Substrat: Immer da, auch ohne Objekte.

Du kannst also sagen:

  • Nicht: „Nur 5 % bin ich, 95 % ist mein Unterbewusstsein.“ — Sondern: „Ich bin 100 % Bewusstsein.“

  • Und das, was Leute „Unterbewusstsein“ nennen, ist eher der Teil von dir, der auf Autopilot läuft: Kindheitsprägungen, harte Erfahrungen, Familie, Kultur, alles, was du gelernt hast, um zu überleben – aber es ist trotzdem du als Bewusstsein, nicht irgendein fremdes Programm.

Wenn dir jemand sagt „Du kannst nur 5% bewusst steuern, der Rest läuft unbewusst, ohne dass du es merkst“, kannst du sagen:

„Bruder, ich bin Bewusstsein. Ohne Bewustsein, gibt’s gar nichts. Ein Teil davon ist dir gerade klar vor Augen, der Rest läuft aus Gewohnheit – aber es ist trotzdem du, nicht irgendein fremder Block in deinem Kopf.“

Es sind nur unterschiedliche Zustände desselben Bewusstseins.

Einleitung

Durch deine schwierige Vergangenheit, fühlst du dich gefangen in deinem eigenen Kopf und Körper. Du erlebst Stress, Flashbacks, emotionale Überforderung – und vielleicht glaubt du, dass dein Gehirn, deine Biologie oder äußere Umstände über dich bestimmen.

Wenn du dann so fix scheinende Daten hörst wie: „Nur 5-20 % ist Bewusstsein, der Rest ist unbewusst“ – wundert es nicht, wenn du dich dadurch ohne Macht über dich selbst fühlst.

In Wahrheit ist die Beziehung zwischen Gehirn, Bewusstsein und Erfahrung vielschichtiger, und dein Nervensystem begrenzt dich nicht so stark, wie viele dich vielleicht haben glauben lassen.

In diesem Artikel erkläre ich, warum das so ist und wie du es für mehr Selbstkontrolle, Selbstwirksamkeit und Freiheit nutzen kannst.

1. Bewusstsein ist nicht dasselbe wie Erinnerbares Wachbewusstsein

Oft wird Bewusstsein auf das reduziert, was du gerade bewusst wahrnimmst, an das du dich erinnern oder von dem du berichten kannst. Psychologen sprechen dann vom „bewussten Anteil“ und dem „Unterbewusstsein“.

Das ist nicht das gleiche wie Bewusstsein selbst. Ich finde “Gewahrsein” oder “Aufmerksamkeit” in dem Fall passender, oder vielleicht “Sinnesbewusstsein.”

Neurowissenschaftlich heißt es: Dein narratives Ich (das, was denkt „Ich bin hier, ich erlebe das“) ist nur ein Teil deiner Erfahrung.

Aber: Unter Narkose, in traumatischen Situationen oder in frühen Kindheitsphasen kann dein Körper trotzdem reagieren, Emotionen verarbeiten und Erlebnisse auf neuronaler Ebene speichern, auch wenn du dich später nicht daran erinnerst.

Nicht erinnerbares Erleben” heißt nicht “kein Bewusstsein”.

Dein Nervensystem arbeitet weiterhin, Erfahrungen werden verarbeitet, dein Gehirn reagiert, dein Körper reagiert, auch wenn das narrative Ich offline ist. Da ist Leben, da passiert was, ohne dass deine Aufmerksamkeit anwesend ist und dieses Leben ist, was mit Bewusstsein gemeint ist.

2. Das Gehirn als Filter, nicht als Produzent

Viele sind der Annahme, Bewusstsein entsteht im Gehirn. Moderne Ansätze – u.a. Filter‑ oder Receiver‑Modelle – schlagen vor:

  • Das Gehirn reduziert, fokussiert und lokalisiert Erfahrungen.

  • Es ermöglicht dir, individuell und zielgerichtet zu handeln.

  • Das heißt nicht, dass sich Bewusstsein hierauf beschränkt, sondern beschreibt einen Mechanismus, um die vielfältigen Informationen aus der Welt und deinem Körper zu verarbeiten.

Neurowissenschaftlich gesehen, kann Bewusstsein nur über das Nervensystem gemessen werden, aber das sagt nichts darüber aus, dass es aufhört, wenn du es nicht messbar machst.

Dein Nervensystem liefert dir die Mittel, um Erfahrungen auch dann zu verarbeiten, wenn du sie noch nicht bewusst wahrnimmst oder erinnerst.

Was zählt: Du, das woraus du gemacht bist, ist nicht „gefangen“ in 20 % Bewusstsein, oder weniger, kontrolliert und bestimmt durch ein ungreifbares Unterbewusstsein. Es ist umgekehrt, du als Bewusstsein bestimmst über dein Unterbewusstsein.

3. Bewusstsein ist mehr als das, woran du dich erinnern kannst

Erfahrungen, an die du dich nicht erinnerst, können trotzdem wirken, sie sind Ausdruck von dir als Bewusstsein:

  • Sie beeinflussen deine Emotionen, deine Reaktionen, deine Lernfähigkeit.

  • Dein Körper speichert implizites Wissen, das dein Verhalten steuert.

  • Traumata, Stress oder positive Erfahrungen wirken weiter, auch wenn du dich nicht daran erinnerst oder nicht aufmerksam warst.

Für dich: Auch wenn du dich manchmal gefangen oder hilflos fühlst, sind deine Fähigkeiten, deine Emotionen und dein Nervensystem nicht blockiert oder gestört, sondern funktionieren subtil und leistungsfähig. Und du kannst sie als Bewusstsein beeinflussen. Du gibst vor, dass sie in deinem Sinne für dich arbeiten.

4. Epistemische Grenzen und die Rolle der Wissenschaft

Eine epistemische Grenze ist eine Grenze dessen, was eine Methode messen oder wissen kann – nicht eine Grenze dessen, was existiert.

Neurowissenschaft kann zum Beispiel neuronale Aktivität messen, aber Bewusstsein an sich – das pure Erleben – ist nicht direkt messbar.

Das bedeutet: Nur weil sich etwas durch menschliche, wissenschaftliche Methoden nicht erklären lässt, heißt das nicht, dass es nicht so ist. Das, was die Wissenschaft bewiesen hat, hatte sich längst so verhalten.

Praktische Konsequenz für dich: Du bist nicht machtlos, nur weil jemand dir sagt, dass nur 20 % deines Bewusstseins „aktiv“ sind. Deine Realität und deine Erfahrung haben viele Ebenen, die du nutzen kannst, auch wenn sie wissenschaftlich noch nicht messbar sind.

5. Verantwortung, Schuld und Selbstwirksamkeit

Wenn du manchmal mit Schuld oder Überforderung kämpfst, weil du glaubst, du müsstest immer alles unter Kontrolle haben. Ich verstehe das.

Aber, rein menschlich:

  • Dein Nervensystem verarbeitet Erfahrungen und Reaktionen, aber nicht alles ist immer in deiner direkten Kontrolle. Aber du hast mehr Kontrolle als du bisher dachtest.

  • Dein Nervensystem und Gehirn sind nicht dein Gefängnis, sie sind nützliche Werkzeuge.

  • Du kannst das Gefühl bewusst erkennen, verarbeiten und zurückgeben – und dich selbst als handelnde, wirksame Person erleben.

6. Kernaussage

Dein Bewusstsein ist nicht auf irgendwelche % reduziert. Es ist grundlegend und aktiv, auch in Momenten, die dir unzugänglich erscheinen. Dein Gehirn ist Filter, nicht Fessel.

Du hast immer mehr Kontrolle über dich, deine Wahrnehmung, deine Entscheidungen und deine emotionale Regulation, als dir oft gesagt wird.

Schuldgefühle, scheinbare Begrenzung, Materielles, Herkunft oder dein Körper selbst schränken dich nicht vollständig ein.

Wer das versteht, kann sich selbstwirksam, bewusst und frei erleben – auch wenn das Leben herausfordert.

Wenn du das nicht nur verstehen, sondern leben willst, komm in meinen Club der Freiheit.

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