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Heute vor 107 Jahren …

Liebe Community,

Heute vor 107 Jahren fand im Deutschen Reich die erste reichsweite Wahl statt, zu der auch Frauen zugelassen waren. Zur Feier des Tages bekommt ihr in diesem Newsletter von mir eine kleine Vorschau auf das Vorwort der Vorkämpferinnen, die gerade im Schlusslektorat sind. Sie beginnen nämlich mit genau diesem Ereignis. 🗳️

Vorher habe ich aber noch eine Nachricht, die mich die Tage riesig gefreut hat: Wir sind auf Instagram jetzt eine Community von 50.000 Menschen (Abre numa nova janela)! Zu den Highlights des vergangenen Monats gehört für mich der Post über Else Ury (Abre numa nova janela), dessen Reichweite mich besonders freut. Letztere ist hauptsächlich euch zuzuschreiben, denn ohne eure Likes, Shares und Kommentare und ohne euer treues Abspeichern von Posts (was der Algorithmus besonders mag!) würde die Beiträge kaum jemand zu Gesicht bekommen - Zahl der Follower*innen hin oder her. Da kennt der Algo nix.

Also tausend Dank euch! 🫶🏻

Ansonsten gibt es zu berichten, dass wieder eine Podcast-Folge in Vorbereitung ist. Heute wird aufgezeichnet - freut euch auf eine spannende Gästin, ein etwas anderes Thema und einen kleinen Ausflug in das kriminelle Berlin der 1920er Jahre … 🎧

So. Nun aber zurück zu diesem bedeutungsschwangeren Datum und zum versprochenen Goodie. Genau so ⬇️ ist dieser Text jetzt zum vorletzten Mal (bzw. zum letzten Mal vor der wirklich aller-allerletzten Schlusskorrektur) an meine wunderbare Lektorin gegangen, und ich denke mal, allzu viel dürfte sich nicht mehr ändern. Ihr könnt ja dann mal vergleichen … 😉

Ich sag euch jetzt schon mal tschüss, bis nächsten Monat - und wenn ihr noch keine Steady-Mitglieder seid, es aber werden möchtet, dann schaut doch gerne mal auf meiner Abo-Seite (Abre numa nova janela)vorbei, ob da was für euch dabei ist. Alle Abos sind monatlich kündbar, garantiert ohne Rückfragen!

Herzlich,

Eure Bianca

Vorwort

An einem kalten, grauen Januartag im Jahr 1919 erfüllte sich für Minna Cauer ein lang gehegter Traum: Im Alter von 77 Jahren ging sie zum ersten Mal in ihrem Leben wählen. Wenige Wochen zuvor, am 12. November 1918, war in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt worden. Nun galt es, eine Nationalversammlung zu wählen, die der jungen Republik eine demokratische Verfassung geben sollte.

Im Lauf ihres Lebens hatte Minna Cauer viele Umbrüche erlebt. Schon als Sechsjährige hatte sie auf ihre Art an der Revolution von 1848 teilgenommen: Freiheitslieder singend, soll sie eine Kinderschar durch ihr Heimatstädtchen Freyenstein in der Prignitz geführt haben. Optimistisch hatte sie die Reichsgründung von 1871 miterlebt, mit Entsetzen vier Jahrzehnte später den Hurrapatriotismus zu Beginn des Ersten Weltkriegs verfolgt. Nun war der Krieg vorbei, das Kaiserreich am Ende. Die Republik war ausgerufen worden: „Traum meiner Jugend, Erfüllung im Alter! Ich sterbe als Republikanerin“, notierte Minna Cauer am 9. November 1918 in ihr Tagebuch.

Den Wahltag am 19. Januar des folgenden Jahres kommentierte sie dagegen in eher stiller Freude: „Rückblickend auf gestern muß ich sagen, daß es mir doch ein eigentümliches Gefühl war, als ich meinen Wahlzettel in die [sic] Urne stecken sah“, schrieb sie am Tag darauf. „Ich habe einen Dankbarkeitszettel eingeworfen, Dankbarkeit für das Geschenk.“

Dass ausgerechnet Minna Cauer ihre erste Wahl als „Geschenk“ bezeichnete, mag verwundern. Immerhin hatte sie selbst erheblichen Anteil daran gehabt, dass das Frauenwahlrecht eingeführt worden war: 1902 war sie Mitgründerin des ersten Frauenstimmrechtsvereins auf deutschem Boden gewesen; jahrzehntelang hatte sie einen der bekanntesten Frauenvereine im Land geführt und eine frauenpolitische Zeitschrift herausgegeben. Und auch mit fast 80 Jahren galt sie noch als eine der führenden Frauenrechtlerinnen ihrer Zeit.

Wem war sie also „dankbar“? Sie verrät es nicht. Vielleicht schimmert in diesem Satz die gläubige Protestantin durch, die ihrem Schöpfer Tribut zollt. Oder sie fühlt sich dem Rat der Volksbeauftragten zu Dank verpflichtet, der das Frauenwahlrecht im November 1918 mit den schlichten Worten proklamiert hatte:

Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.

Die Dankbarkeit hätte sie aber genauso gut an sich selbst und ihre vielen Mitstreiterinnen in der Frauenbewegung richten können. Ein „Geschenk“ war das Frauenwahlrecht nämlich keineswegs gewesen: Frauen hatten es sich in jahrzehntelanger, harter und oft zermürbender Arbeit erkämpft – gegen den erbitterten Widerstand der meisten Männer und auch so mancher Frau im Land.

Mehr - und vielleicht auch eine Antwort auf die Frage, wem sie denn dankbar sein könnte 😉 - gibt’s dann ab 29.4. im Buchhandel. Darin dann natürlich auch die Quellenangaben für die Zitate. Und wer mag: Bei Autorenwelt (Abre numa nova janela) und bei Dussmann - das Kulturkaufhaus (Abre numa nova janela) gibt’s die Vorkämpferinnen auch zum Vorbestellen als signierte Ausgabe.

Hier im Newsletter wird es bis dahin sicher noch die eine oder andere Leseprobe geben.

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