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Bitte hier Begründung eintragen - mein verlorenes Vertrauen

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Wie diesen Text hier.

 Es fällt mir schwer ihn zu schreiben, weil ich finde, ich klinge ein wenig wie eine Corona-Leugnerin. Nur ist es nun einmal so: Ich habe mein Vertrauen in die „etablierten Medien“ verloren. Denn das, was sie von sich selbst behaupten, stimmt in weiten Teilen einfach nicht. Sie sind nicht die 4. Gewalt. Sie sind Wirtschaftsunternehmen, die schauen wo sie bleiben. Und Haltung ist da im Zweifel hinderlich. Das hat gerade Disney im Fall Kimmel demonstriert.

Bis heute hatte ich ein Abo der Süddeutschen Zeitung. Im großen und ganzen aus alter Vertrautheit. Obwohl ich mich oft genug über die Macho-Haltung in vielen Bereichen (ja, Feuilleton, du bist gemeint) geärgert habe.

Seit Trumps Staatsstreich pack ich es aber nicht mehr. Diese Berichterstattung kann und möchte ich nicht mehr finanziell mittragen. Auch bei anderen Zeitungen wie FAZ, Welt, NZZ etc natürlich nicht. Aber die habe ich eh nicht abonniert.

Hier meine Kündigungsschreiben:

 

„Bei außerordentlicher Kündigung, bitte hier Begründung eintragen:

Mein letzter Auslöser für diese Kündigung ist der Artikel "Eine Waffe namens "Hassrede" von Jörg Häntzschel. vom 19. September 2025. Ich lese die SZ schon lange - und lange dachte ich, dass diese Zeitung klar im Antifaschismus verankert ist. In den letzten Monaten ist die Berichterstattung zu den USA (aber auch in anderen Bereichen) immer wieder verstörend, ahnungslos und voller Hybris. Wie kann im Feuilleton-Aufmacher zu diesem Zeitpunkt ein Both-sideism propagiert werden, wo systematisch regierungskritische Stimmen DURCH DIE REGIERUNG zum verstummen gebracht werden?! Und zwar nicht wirklich linksradikale, nein, JIMMY KIMMEL! Der zwar halbwegs links einzuordnen ist, aber nun wirklich kein Systemstürzler oder ähnliches ist, sondern ein Teil dessen, was vor kurzem noch das Establishment war?! Wie kann das sein?

Aber gut, es war an der Zeit. Einmal hatte ich schon gekündigt. Bin zurückgekehrt. Es war ein Fehler. Es ist deutlich, dass das, was im Journalismus wichtig ist, heutzutage von anderen Stimmen getragen wird, wie etwa Volksverpetzer, Annika Brockschmidt, Übermedien und anderen. Ich gebe mein Geld lieber denen. Denn die Redaktion erkennt die Zeichen der Zeit nicht. Das ist brandgefährlich. Das will und darf ich nicht länger unterstützen. Ja, es gibt gute Leute bei Euch. Alexander Hagelüken, Vera Schroeder, Hannah Wilhelm, Ronen Steinke, um ein paar zu nennen. Und viel zu viele sind hoch problematisch. Wie ein Hilmar Klute, der einen launigen Text darüber schreiben darf, wie es ist, mit einer Maga-Cap durch die Gegend zu laufen. Und das offenbar für unterhaltsam hält? Klar. Wenn man als ältlicher weißer Mann davon ausgehen kann, dass im Zweifel die anderen draufgehen werden - dann kann man sich natürlich einen kleinen Jokus aus dem Faschismus machen. Wie ihr lest: Es ist höchste Zeit für mich zu gehen. Schöne Grüße, hoffen wir, dass wir nicht bald erleben müssen, wie Ihre Zeitung vor einer AfD-Regierung einknickt.
Weshalb kündigen Sie Ihr Abo (optional): Bitte auswählen“

 

Ich glaube, was in dieser Kündigung extrem polemisch klingt, ist der tatsächliche Punkt. In Zeiten wie diesen ist manchen Menschen klar, dass die Dinge ungemütlich werden. Aber sie wissen ziemlich sicher, dass es für sie noch reichen wird. Und damit ist das alles nicht mehr so wichtig. Denn der Nabel, um den ihre Welt kreist, wird ja bis auf weiteres bestehen.

Ich habe auch eine absolut ernst gemeinte Sorge: Wir sind in Deutschland nicht so weit von den USA entfernt, wie viele glauben wollen. Unser System funktioniert ein bisschen anders, unsere Kultur ist ein bisschen verklemmter und gehemmter. Das wars aber auch schon.

Wir müssen jetzt jede klar antifaschistische Stimme stärken, wie es uns eben möglich ist. Wir müssen jetzt neue Strukturen weben, jenseits von Konzernen und großen Organisationen, die im Zweifel sehen, was „die Wirtschaft“ so macht. Das hat der Fall Kimmel gezeigt. Bei Disney arbeiten keine erklärten Faschist*innen, so wenig wie bei der Süddeutschen Zeitung. Aber im Zweifel geht es eben ums Geld und da schmeißt man unter den Bus, was nötig ist – und sei es die Demokratie.

Denn der Tag endete ja auch nicht mit dem Rausschmiss von Jimmy Kimmel. Sondern den Drohungen von Trump, Alle zu jagen, die er für Antifa erklärt. Aber daran sind die Linken vermutlich wieder einmal selber Schuld. Vielleicht veröffentlicht die SZ dazu bald ein paar launige Zeilen. Ich werde sie jedenfalls nicht mehr lesen.

 

Antifa Graffiti, schwarz auf grauer Wand, darunter ein durchgestrichenes Hakenkreuz.https://www.flickr.com/photos/adam_jones/
Copyright: https://www.flickr.com/photos/adam_jones/

Ich bin seit heute übrigens neue Abonnentin von Krautreporter und taz und neue Steady-Unterstützerin von Rebekka Endler.

Tópico Das stimmt ja gar nicht

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