
Wie soll ich die vergangenen sechs Monate beschreiben? Sie waren heftig. Aber es wäre nicht fair, sie nur als das zu bezeichnen. Schließlich waren sie auch schön. Reich an Erlebnissen und Begegnungen. Zum vergangenen halben Jahr gehören unvergessliche Momente, unvergesslich schön, aber auch unvergesslich traurig. Begegnungen auf meinen Touren. Der Tod meines Vaters. Die HossaCon, eine Veranstaltung, bei der Menschen, die sich nicht kannten, in kürzester Zeit Freund*innen wurden. Die Reise nach Griechenland und die damit verbundene Begegnung mit uralter Geschichte. Das Genießen von Geschichten und Liedern gemeinsam mit freundlichen, wohlgesonnenen Menschen.
Du hast mich durch all diese Momente hindurch begleitet, entweder aus der Ferne oder tatsächlich leibhaftig, wenn wir uns irgendwo begegnet sind. Danke dafür! Es ist mir ein Anliegen, Begegnungen und Erlebnisse zu schaffen, die reichhaltig sind und tiefgehen. Als Künstler mache ich das mit den Mitteln der Kunst. Und ich freue mich, wenn Du zu denen gehörst, die das hier und da erfahren haben.
Die zurückliegenden Wochen und Monate haben Energie gekostet. Ich merke, dass ich eine Pause brauche, bevor es in die nächsten Ereignisse und Begegnungen geht (zum Beispiel das Freakstock vom 30. Juli bis 02. August oder unsere HossaRudelTalkTour vom 03. Bis 06. September in Magdeburg, Erfurt, Chemnitz und Dresden). Dieses GOFIZINE ist deshalb das letzte vor der Sommerpause. Die nächste Ausgabe wirst Du wieder im August erhalten.
Ich wünsche Dir einen schönen Sommer. Bis bald!
Dein Gofi
Mein neuer Roman erscheint im September

WUT. LIEBE. FILMRISS. wird bald beim Verlag ru (Abre numa nova janela)ach.jetzt erscheinen. Du kannst ihn aber jetzt schon vorbestellen (Abre numa nova janela).
Kurzgeschichte
Was uns antreibt (Auszug aus meinem neuen Roman)
Als der Mann viel zu früh aus dem Schlaf aufschreckt, ist die Stadt unter ihm schon wach. Nur leise dringt das Rumpeln der Straßenbahnen durch die dicken Vorhänge und schallisolierten Scheiben des Hotelzimmers im sechsten Stock. Weil er seine Brille nicht aufgesetzt hat, liest er die Uhrzeit falsch ab. Er wirft die Decke von sich, zieht die Vorhänge zurück und öffnet die Fenster. Jetzt ist der Lärm deutlich zu hören: das Klingeln der Bahnen und das Rattern ihrer Räder auf den Schienen, die Motoren der Busse und Taxis, vereinzelte Stimmen von Menschen, die auf dem Weg zur Arbeit sind. Dazwischen ertönen Schreie von Möwen, die über den Bahnhofsvorplatz segeln und sich auf den Dächern der Haltestellen niederlassen.
Der Mann setzt seine Brille auf und erkennt, dass es erst kurz nach fünf ist. Weit hinten im Osten schiebt sich das Licht des anbrechenden Tages unter die dichte Wolkendecke des Bremer Himmels. Es mag zu spät sein, um wieder einzuschlafen, denkt sich der Mann, aber es ist nicht zu früh zum Schreiben. Er zieht sich an und kocht Kaffee.
Während die Maschine plätschert und gurgelt, lehnt er im Fensterrahmen und beobachtet, was unten auf der Straße geschieht. Bahnen und Busse treffen ein und fahren wieder ab. Menschen stehen und warten auf sie, steigen ein, andere steigen aus, nehmen die Plätze der Wartenden ein oder hasten über den Platz und verschwinden schließlich in der Bahnhofshalle. Manche müssen rennen, um ihre Verbindung noch erreichen zu können. Andere warten weiter.
Sie alle haben irgendein Ziel, irgendeinen Anlass, um so früh schon in den Straßen der Stadt unterwegs zu sein. Wenn sie es sich leisten könnten, würden sie vielleicht noch im Bett liegen oder, wenn sie schon wach sind, beim Bäcker Brötchen kaufen für ein gemütliches Frühstück. Wer weiß, denkt sich der Mann, vielleicht ist das der einzige Grund, warum sich manche auf den Weg gemacht haben. Und das wäre doch bei Weitem nicht der schlechteste.
Was treibt euch, denkt er. Was treibt uns an? Mich? Warum liege ich nicht im Bett und schlafe, sondern sitze hier und schreibe?
Von denen, die dort unten stehen, gehen, warten, rennen, kennt kaum einer den anderen. Ihre Leben scheinen keine gemeinsamen Berührungspunkte zu haben, bis auf diese eine flüchtige Begegnung am Morgen. Wie Fäden einer verwirrenden Textur kreuzen sie sich, ohne dass ein Grund dafür erkennbar wäre, abgesehen von einer zufälligen Gleichzeitigkeit. Doch wenn man einen höheren Standpunkt einnehmen könnte, denkt sich der Mann, noch höher als ein Hotelzimmer im sechsten Stock, dann könnte man vielleicht die Muster und Strukturen erkennen, die uns alle verbinden, von denen wir alle ein Teil sind. Manche dieser Muster sind uns vorgegeben. Wir folgen ihnen, ob wir wollen oder nicht, ob wir sie gutheißen oder verachten. Andere entstehen im Vollzug, und wir tragen unseren Teil dazu bei, wissentlich und unwissentlich, als Protagonisten unserer eigenen Geschichten.
Unten, an der Haltestelle der Linie 24, steht ein Arbeiter, trinkt Kaffee, raucht und bereitet sich auf seinen Tag vor. Er trägt eine neonorange Hose und eine neonorange Kappe. Er räkelt sich und versucht, sich die Müdigkeit aus den Gliedern zu strecken. Ein jüngerer Mann in einem weißen Hoodie, mit einer Tasche über der Schulter, nähert sich. Er stellt dem Arbeiter eine Frage. Der antwortet, macht dazu eine kleine Geste. Der jüngere Mann nickt und geht weiter. Ein Bus fährt vor. Ein Bus fährt ab. Der Arbeiter ist fort.
Podcast
Kinderglauben - Kinderfragen und Himmels-Antworten
https://youtu.be/9yJTx1Uo66k?si=sYpt7jTPuGwnpYdV (Abre numa nova janela)In dieser Folge sprechen Jan, Gofi und die Heilpädagogin Sarah van der Werff über Kinderfragen und die überraschende Tiefe, die oft in ihnen steckt. Unter dem Titel "Kinderfragen - Himmels Antworten" geht es um Glauben, Neugier und die besondere Art, wie Kinder die Welt verstehen.
Ausgehend von echten Kinderfragen wie "Wie hat Gott die Welt erschaffen?" oder "Warum kann ich Gott nicht sehen?" entdecken die drei, dass Kinder oft Fragen stellen, die Erwachsene längst nicht mehr zu stellen wagen. Dabei wird deutlich, wie wichtig es ist, Kinder in ihren Gedanken und Gefühlen ernst zu nehmen und gemeinsam nach Antworten zu suchen.
Zwischen persönlichen Erfahrungen, pädagogischen Einblicken und theologischen Gedanken entsteht ein Gespräch über Fantasie, Vertrauen und die Fähigkeit zu staunen. Eine Folge darüber, was Erwachsene von Kindern lernen können - und warum manche Fragen ein Leben lang spannend bleiben.
Ich bin Gofi, Künstler, lebe in Marburg und engagiere mich für den Erhalt von Kunst, Kreativität, Gemeinschaft und einer menschenfreundlichen Spiritualität. Das GOFIZINE veröffentliche ich bewusst kostenlos für alle, weil ich möchte, dass jede/r Zugang zu guten Inhalten hat, unabhängig von Einkommen und finanziellen Möglichkeiten. Wenn Du mir bei meiner Arbeit helfen und freiwillig etwas für diesen Newsletter bezahlen möchtest, bin ich Dir sehr dankbar.