Bevor ich heute etwas über den Weißspitzen-Hochseehai und die Körpersprache von Haien erzähle, gibt es allgemeine Neuigkeiten rund um wildwasserfarben. Vielleicht habt ihr es schon gelesen: Franzi und ich werden ab 2026 getrennte Wege gehen. Allerdings nur im Business, nicht in unserer Freundschaft. Mehr über die Hintergründe könnt ihr in unserem Instagram-Feed nachlesen. Der Hauptgrund ist der, dass ich mich immer mehr von unseren anfänglichen Themen entfernt habe. Familie, Kinder und das Lettering sind ja schon eine Weile nicht mehr das, womit ich mich beschäftige(n möchte). Und so sehr ich fand, dass wir uns sehr lang toll ergänzt haben, möchte ich nun gern versuchen, wie es ist, meiner eigenen Themennische, dem Naturschutz, nachzugehen und damit sichtbar zu sein. Ich möchte mich journalistisch weiterentwickeln und das Schreiben, die Fotografie und das Illustrieren zu einem stimmigen Gesamtpaket schnüren.
Daher auch die wichtigste Info für alle Steady-Mitglieder und euch Meer-Montag Enthusiast*innen: hier auf Steady bleibt alles wie es ist. Genau das hier will ich machen und ausbauen.
Franzi und ich werden beide jeweils einen Onlineshop ab nächstem Jahr haben und für diesen Neustart gibt es in unserem Shop grad einen großen Sale. Viele Artikel sind bis zu 80% reduziert, um unser Lager zu leeren. Falls ihr also noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken seid, sind wir eine passende Adresse.
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Meer-Montag #45
Wir haben hier beim Meer-Montag bereits mehrere Haie kennengelernt. Heute möchte ich euch einen weiteren vorstellen, der seit meiner Kindheit zu meinen Favoriten gehört: der Weißspitzen-Hochseehai (Carcharhinus longimanus) . Der Name passt perfekt, denn mit seinen leuchtend weißen Spitzen an den auffallend großen und runden Flossen ist er leicht zu erkennen. Er gehört zu den Requiemhaien und lebt im offenen Ozean in den tropischen, subtropischen und warm-gemäßigten Regionen. Dort ist die Nahrungsdichte relativ gering und Raubtiere müssen sehr weit schwimmen, um ihre Beute zu finden. Außerdem ist die Biodiversität nicht so hoch wie beispielsweise an einem Korallenriff. Es gibt wenige ökologische Nischen zu füllen und der Weißspitzen-Hochseehai ist nicht besonders wählerisch, was seine Mahlzeiten betrifft. So gehören mehrere große Fischarten, Meeresschildkröten, Tintenfische, Meeresvögel und sogar Schwertfische und Delfine zu seinem Speiseplan. Er nimmt, was zur Verfügung steht. Das führt dazu, dass er einer der (wenigen) Haie ist, die als für den Menschen gefährlich eingestuft werden. Immer wieder gibt es Berichte von Angriffen und auch Videos, in denen Taucher von diesem Hai gebissen werden. Genau diese Videos sind allerdings nützlich, um zu sehen, wie es zu solch einem Angriff kommt und wie man ihn verhindern kann. Bevor ein Hai zubeißt, signalisiert er nämlich vorher oft durch seine Körpersprache, dass mehr Abstand die bessere Wahl für den Menschen wäre.

Da der Weißspitzen-Hochsee ein Nahrungsgeneralist ist, ist alles, was ihm über den Weg schwimmt, potentielles Futter und es gehört zu seiner Strategie, es näher zu untersuchen. Deshalb gibt es häufig Begegnungen zwischen diesem Hai und Menschen, entweder beim Tauchen oder auch beim Schwimmen im Meer. Wir dürfen nie vergessen, dass wir dort in ihrem Zuhause zu Besuch sind. Und nicht nur für den Menschen sind solche Begegnungen neu: wahrscheinlich hat auch der Hai noch nie einen von uns gesehen und möchte untersuchen, ob für ihn etwas dabei herausspringt. Viele Haie schwimmen dabei erst einmal am Menschen vorbei und verringern nach und nach den Abstand. Schaut euch mal Drohnenaufnahmen von Surfstränden an: überall sind Haie, oft auch Weiße Haie, die zwischen den Menschen unbemerkt ihre Bahnen ziehen, ohne, dass jemandem etwas passiert. Sie checken uns aus der Entfernung aus und schwimmen weiter. Mit ihren feinen Sinnen wie den Lorenzinischen Ampullen und ihrem Seitenlinienorgan können sie einschätzen, ob ein Mensch Nahrung ist oder nicht und es kommt nur äußerst selten zu der Entscheidung, dass man es ja mal mit einem Biss versuchen kann. Im Jahr 2024 gab es weltweit 47 nicht provozierte Angriffe [1] von Haien auf Menschen, wovon 4 tödlich endeten [2]. In manchen Jahren sterben genauso viele Menschen allein in Deutschland durch Angriffe von Hunden. Es ist also bei Haien wichtig, unsere Ängste in Relation zu setzen und ihnen Lernen und Faszination entgegen zu setzen.
Zurück zur Körpersprache. Mittlerweile haben Forschende über 30 Signale in der Körpersprache von Haien und ihre Bedeutung beobachtet und beschrieben. [3] Nur von einigen wenigen Haien ist bisher bekannt, dass sie Geräusche machen. Die Kommunikation über andere Sinne, wie z.B. den Geruch würde eine längere Zeit vom Sender zum Empfänger benötigen, weshalb die Körpersprache das Mittel der Wahl ist. Aber letztendlich ist es einfach die Option, die wir von außen beobachten und interpretieren können, weshalb es hierüber die meisten Erkenntnisse gibt. Oft wird gesagt, dass die Brustflossen ein guter Hinweis darauf sind, ob das Tier grad entspannt oder gestresst ist. [4] Wenn er die Flossen parallel zum Boden hält und wie ein Flugzeug durchs Wasser gleitet gilt er als entspannt. Wenn er sie jedoch weiter nach unten hält und dabei noch einen leichten Buckel macht, kann das ein Anzeichen dafür sein, dass die Situation brenzlich werden könnte. Ich schreibe hier nicht von Aggression, denn das ist viel zu oft eine menschliche Interpretation von tierischem Verhalten. Aber ein angespanntes Tier sollte mehr Raum bekommen, um sich nicht bedroht zu fühlen und in eine Fight-or-Flight-Situation gedrängt zu werden. Es gibt mehrere Videos von Haien, die aufeinander zuschwimmen und dabei die nach unten gerichteten Brustflossen zeigen. Kurz bevor sie aufeinander treffen, drehen sie in dieselbe Richtung ab und schwimmen parallel nebeneinander. Es wird vermutet, dass sie dabei abschätzen, wer von ihnen das dominantere Tier ist. Die Körpersprache ist hier also eine friedliche Vorstufe zu Auseinandersetzungen, in denen Zähne involviert wären und somit weniger Verletzungsgefahr für beide Individuen bedeutet. Auch Weißspitzen-Hochseehaie werden immer wieder dabei beobachtet, wie sie sich bei hoher Nahrungsverfügbarkeit (z.B großen Fischschwärmen oder bei Frachtern, die Fischabfälle ins Meer leiten) versammeln und dort ein stark konkurrenzbetontes Fressverhalten zeigen. In solchen Situationen zeigen sie häufig genau die oben beschriebenen, rivalisierenden Interaktionen, die durch spezifische Körpersignale wie das Krümmen des Rückens, das Senken der Brustflossen und ruckartige Bewegungen gekennzeichnet sind. Sie klären damit immer wieder neu die Rangordnung während sie physische Auseinandersetzungen vermeiden. Eine tauchender Mensch, der diese Art der Kommunikation nicht kennt oder versteht, läuft Gefahr, die nächste Eskalationsstufe zu erreichen.
Beim Recherchieren merke ich, wie groß dieses Themenfeld ist und wie schnell sich die Erkenntnisse verändern, je häufiger und genauer Haie beobachtet werden können. Wir kommen also vielleicht nochmal an einem anderen Meer-Montag darauf zurück.

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[1] Deutschlandfunk: “Ungewöhnlich wenige Haiangriffe weltweit” (Abre numa nova janela)
[2] Statista: Anzahl von Todesfällen aufgrund von Hundebissen in Deutschland in den Jahren 1998 bis 2023 (Abre numa nova janela)
[3] Video Sharkbyts “What If You Could READ Shark Body Language?” (Abre numa nova janela)
[4] Video Sharkbyts, 6:39min “How To Recognise Shark THREAT Displays” (Abre numa nova janela)
Weiterlesen:
Andrew Currie, Ralph S. Collier, 2023, Studie “First Recorded Account of a White Shark Agonistic Pectoral Fin Depression Behavior at Guadalupe Island, Mexico” (Abre numa nova janela)