Hallo,
das ist die erste Ausgabe des Media-Rewilding-Newsletters. Ich freue mich sehr, dass du bereits zum Start dabei bist! Heute möchte ich dir einen kleinen Einblick geben, was ich vorhabe, warum ich das mache und was du künftig in diesem Newsletter lesen kannst.
Eine wichtige Bitte vorab: Leite diesen Newsletter gerne an Menschen in Redaktionen, Verlagshäusern und Medienorganisationen weiter, die sich für das Thema interessieren. Und falls du diesen Newsletter von jemandem weitergeleitet bekommen hast, kannst du ihn hier abonnieren: media-rewilding.de (Abre numa nova janela)
Worum es geht
Es ist doch so: Journalismus wird immer schwerer sichtbar. Das Mediennutzungsverhalten entfernt sich von traditionellen Medienkanälen. Die Algorithmen der großen Plattformen messen journalistischen Inhalten zunehmend weniger Bedeutung bei und zeigen sie nicht in ihren Streams an. Mit dem Ausrollen von KI-Technologien kommt nun die nächste Herausforderung: Es wird nicht mehr lange dauern, bis der digitale Raum so mit KI-generierten Inhalten geflutet ist, dass journalistische Inhalte noch weiter darin untergehen werden. Unser Content ist dann noch da, aber er verliert seine Kontaktpunkte zu den Menschen, die sich vielleicht dafür interessieren.
Was also tun? Jeff Jarvis sagte neulich in einem Interview im Journalist (Abre numa nova janela):
„Wir müssen uns eben von der Vorstellung lösen, dass Journalismus gleichbedeutend mit Content ist.“
Mich hat dieser Satz sehr bewegt. Und darin bestärkt, mich mit Media Rewilding auf die Suche zu begeben, wie wir Journalismus wieder besser mit Menschen in Verbindung bringen. Eine Antwort darauf ist: Wir brauchen echte Orte, an denen Menschen Recherchen erleben, mitgestalten und gemeinsam diskutieren.
Es gibt seit Jahren immer wieder spannende Ansätze mit journalistischen Events, Pop-up-Newsrooms, Community-Journalismus oder Dialog-Formaten – im Lokalen ebenso wie überregional. Doch wir blicken meist nur anekdotisch und isoliert auf einzelne Leuchtturmprojekte, ohne daraus valide Ableitungen für die Medienbranche zu erarbeiten. Jede Redaktion startet deshalb bei (fast) null, wenn sie sich neu in diesen Bereich bewegt. Oder sie macht es gar nicht erst, weil ihr die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme angesichts des Aufwands zu ungewiss ist.
Mit Media Rewilding will ich das ändern. Media Rewilding untersucht, wie Live-Events und Dritte Orte dazu beitragen können, dass wir Journalismus in die Mitte der Gesellschaft bringen.
Dieses Wissen soll Medienorganisationen dabei helfen, neue Wege zu gehen, nachhaltige Geschäftsmodelle in diesem Bereich zu entwickeln und sich so unabhängig von Plattform-Algorithmen und digitalen Reichweitenmodellen neu in der Gesellschaft zu positionieren.
Was ich machen werde
Konkret werde ich herausfinden, wie wir journalistische Recherche aus dem überfüllten digitalen Raum in analoge oder hybride Formate überführen können. Also wie wir systematisch Orte oder Veranstaltungen schaffen oder nutzen, an denen Menschen Recherchen erleben, mitgestalten, diskutieren und dadurch direkten Zugang zu hochwertigem Journalismus erhalten können. Und wie sich das alles finanzieren lässt.
Dafür mache ich eine Bestandsaufnahme dessen, was bereits in diesem Bereich ausprobiert wird, recherchiere die Erfahrungen der Redaktionen damit, untersuche die Geschäftsmodelle dahinter und systematisiere die Erkenntnisse als Blaupause für die Medienbranche.
In diesem Newsletter berichte ich euch von meinen Learnings, gebe euch Einblicke in meine Recherchen und biete euch Briefings, wie ihr selbst aktiv werden könnt.
Auf der Website von Media Rewilding (Abre numa nova janela) veröffentliche ich zudem Interviews mit Macher:innen, die bereits mit Live-Events und Dritten Orten im Journalismus experimentiert haben. Und ich werde Steckbriefe solcher Projekte erstellen.
Es wird eine spannende Reise, da bin ich sicher. Es wird überraschende Erkenntnisse geben, wir werden gemeinsam auf Herausforderungen blicken, aber auch Lösungsansätze sehen, die den Weg frei machen.
Was bedeutet Media Rewilding?
Der Begriff ist neu. Ich habe ihn mir ausgedacht. Er leitet sich von dem unter anderem von der Unternehmensberatung Accenture als gesellschaftliches Trendthema identifizierten Social Rewilding ab. Dabei geht es um das Bedürfnis der Menschen nach authentischen Verbindungen und Erlebnissen in der realen Welt als Antwort auf die zunehmend technologische Vernetzung ihres Lebens.
Media Rewilding betrifft die Frage, wie Journalismus und Medienhäuser auf dieses Bedürfnis reagieren können. Ich habe diesen Namen gewählt, weil für mich das Bild einer Renaturierung des Journalismus für eine Vision steht, wie wir Medien in der Zukunft denken müssen: als nahbarer Teil der Gesellschaft. Und wie damit ein Baustein für die Zukunftsfähigkeit von Journalismus geschaffen werden kann.

Warum ich das mache
Als Journalist und Branchenbeobachter (falls du mich nicht kennst, habe ich ganz unten noch eine kleine Kurz-Bio von mir hinterlegt ⬇️) habe ich in den letzten Jahren intensiv begleitet, wie die digitale Transformation die Medienwelt verändert. Nach meinen Erfahrungen und Experimenten mit Community-Journalismus in den vergangenen Jahren bei Krautreporter hat sich mein Verständnis von unserer Arbeit bereits sehr verändert. Ich bin mir sicher, dass wir Journalismus zumindest zum Teil neu denken müssen.
Der Gedanke, journalistische Arbeit in neuer Form und nachhaltig in den analogen Raum zu bringen, begleitet mich dabei schon länger. Ich habe in vielen von mir geleiteten Workshops darüber gesprochen, wie Journalismus-Orte Authentizität, direkte Interaktion und gesellschaftlichen Diskurs vereinen können. Doch richtig zusammenführen konnte ich die Puzzleteile, die bislang auf dem Tisch liegen, noch nicht. Das werde ich jetzt ändern.
Ich hoffe, du hast Lust, dieses Puzzle gemeinsam mit mir zu lösen. Falls du Anregungen, Kritikpunkte oder konkrete Ansatzpunkte zu Media Rewilding hast, freue ich mich auf eine Mail von dir. Und falls du jemanden kennst, der diesen Newsletter unbedingt lesen sollte: Leite ihn bitte unbedingt an diese Person weiter. Das würde mir sehr helfen!
Ansonsten melde ich mich schon bald mit der nächsten Ausgabe – darin wird es um die Frage gehen, wie viel Theater der Journalismus verträgt. 🧐
Bis dann
Alexander
(Abre numa nova janela)Mein Name ist Alexander von Streit. Ich bin Journalist und beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Spannungsfeld, das die Digitalisierung in der Gesellschaft erzeugt. Von München aus arbeite ich an Konzepten und Projekten für eine nachhaltige Medienwelt – unter anderem habe ich die Nonprofit-Organisation Vocer und das unabhängige Online-Magazin Krautreporter mitgegründet, für das wir mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet wurden. Mit den Learnings aus meiner Arbeit begleite Medienhäuser, Verlage und Organisationen in der digitalen Transformation.
Mich treibt das tiefe Vertrauen darauf an, dass sich Dinge wirklich verändern lassen, wenn man dafür bei sich selbst anfängt. Und wenn man sich dabei von seinen Werten leiten lässt. 💚
Hier ist meine Website: von-streit.de (Abre numa nova janela)
Hier ist mein LinkedIn-Profil: linkedin.com/in/vonstreit (Abre numa nova janela)
Hier ist die Website von Media Rewilding: media-rewilding.de (Abre numa nova janela)
Möglich macht mir das alles übrigens eine Förderung des Media Lab Bayern, das mich im Rahmen des Future of News Fellowships (Abre numa nova janela) unterstützt.