K.P./Jekal Hollywood/ Film “Der inszenierte Mord” /Sartre und de Beauvoir 1967/Ottolenghi&Fitgreenmind

Zu Beginn meines Geschichtsstudiums konnte ich noch kein Latein, das gab es auf unserer Schule nicht im Angebot. Ich hab es später, zur Zwischenprüfung, nachgeholt. Dennoch wollte ich am Proseminar zur mittelalterlichen Geschichte teilnehmen und setzte mich also schon mal rein. Was sollte passieren. Gleich in der ersten Sitzung war aber ein Lateintest vorgesehen: Eine Quelle wurde verteilt und die sollte übersetzt und vorgelesen werden, jeder ein Satz, immer schön der Reihe nach. Die Komilitonen bekamen es gut hin, aber ich sah mit einiger Unruhe, wie die Aufrufe näher kamen. Noch zwei Sätze, dann käme ich an die Reihe. Für diese absolut vorhersehbare Situation hatte ich keinen Plan.
An diese akademische Meisterleistung muss ich denken, wenn ich Nachrichten schaue. Der amerikanische Präsident hat einen Krieg begonnen, ohne sich darauf vorzubereiten, dass der Iran sich wehrt. Selbst wer nur ab und zu Zeitung liest, kennt den Iran als Produzenten schrecklicher, billiger Kampfdrohnen, die in der Ukraine schon viel zu viele Todesopfer gefordert haben. Auf deren Einsatz waren die amerikanischen Streitkräfte aber nicht vorbereitet. Es gab auch außer der Allianz mit Israel keine Partnerschaft, keine Koalition mit anderen Ländern der Region, um diese gewaltige Aufgabe gemeisam anzugehen – nicht nur militärisch, sondern humanitär und diplomatisch, um die Zeit danach vorbereiten. Im Zweiten Weltkrieg begannen die Aliierten schon 1943 mit den Planungen für das Deutschland danach. Heute gibt es Planungen höchstens übers Wochenende.
Die Wende zu einem demokratischen Iran würde die Welt verändern wie der Fall der Mauer 1989 – aber große Projekte brauchen einen Plan und Partner. Hat Trump beides nicht.
Ebenso wenig wie die Bundesregierung. Im Februar 2022 wurde die Bundesregierung von Putin überrascht, drei Jahre später von Donald Trump. Dabei lagen beide Entwicklungen völlig im Rahmen der Möglichkeiten: Putin drohte seit Jahren, hatte die Krim besetzt und Truppen zusammen gezogen.
Der Clash mit dem Iran gehörte auf jeden Fall zu den Szenarien, die man mal durchspielen durfte. Kreise der Republikaner und Politiker in Israel wollen den Iran seit Jahren schon angreifen. In den letzten Wochen, seit der Ermutigung der Proteste durch Trump, stieg die Wahrscheinlichkeit dafür nochmal deutlich.
Niemand hat eine Kristallkugel, aber ich wünsche mir eine Regierung, die Pläne macht. Einen Bundeskanzler, der seine Kommunikation nicht improvisiert, sondern eine langfristige, werteorientierte Strategie verfolgt und seine Einschätzungen differenziert. Einen Außenminister, der weiß, ob sein Amt eine Reisewarnung ausgesprochen hat oder nicht. Und eine Wirtschaftsministerin, die uns aus der fatalen Abhängigkeit von fossiler Energie herausfürht, nicht tiefer hinein. Seit ich ein Schüler bin, höre ich in den Nachrichten von der schmalen Straße von Hormuz. Warum sind wir immer noch davon abhängig? Jeder Konzern, jedes Minsterium, jede Partei - einfach jede größere Institution hat eine Grundsatz- und Planungsabteilung. Dort werden keine Daumen gedreht, aber die Ergebnisse ihrerArbeit finden keine Beachtung, vermute ich. Allein der Begriff der Planung erinnert wohl an Kommunismus. Politik stolpert derzeit von Tag zu Tag, von Tweet zu Tweet.
Im Seminarraum nahm es ein gutes Ende: Die anderen Studierenden machten ihre Sache so gut, dass der Dozent den Test plötzlich beendete, ich war gar nicht aufgerufen worden. Sitzungen, Klausur und Hausarbeit waren danach kein Problem. Allemal besser ist es, sich schon vorher etwas zu überlegen.
Die Dialektik einer Freundschaft mit den USA ist kein neues Thema. Schon der große Ephraim Kishon wusste, dass der liebe Gott all jene, die er besonders plagen möchte, zu Verbündeten der Vereinigten Staaten macht. Eine ähnliche Erfahrung machten auch die deutschen Exilanten im Hollywood der dreißiger und vierziger Jahre. Vicky Baum, Billy Wilder, Marlene Dietrich und Hanns Eisler, die Marcuses und die Manns. Erst wähnen sie sich im Paradies auf Erden, schöner noch als die Riviera, doch schon bald müssen sie sich vor dem FBI und der grassierenden Kommunistenfurcht in acht nehmen. es geht um Informanten, Überwachungsmaßnahmen, Einschüchterungen und druchwühlte Mülltonnen. Ein Buch mit vielen Anklängen an unsere Gegenwart, dabei so spannend geschrieben wie ein Roman.

Paranoia ist auch ein Motiv in diesem vergessenen, nun wieder abrufbaren französischen Film zum Thema Linksterrorismus. Jean Rochefort und Philippe Noiret sollen im Auftrag des Geheimdienstes eine deutsche Terroristin ausschalten - irgendwie eine Synthese aus Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin. Damals sah die französische Linke in allem und jedem das Werk der CIA und ihrer Kollegen. Als Mitterrand 1981 Präsident wurde, waren seine Genossinnen und Genossen davon überzeugt, dass er in Gefahr war, zu enden wie Salvador Allende.
https://www.arte.tv/de/videos/127952-000-A/der-inszenierte-mord/ (Abre numa nova janela)Auch der Tod der RAF-Insassen zu Stammheim galt manchen linken Kreisen in Frankreich noch ganz lange ein Beleg für Machenschaften der Geheimdienste.
Es ist kompliziert, denn natürlich gab es solche Machenschaften im Zusammenhang mit dem Terrorismus damals. Der Film lohnt sich aber auch wegen Ausstattung , Kostümen und der generellen Stimmung. (Dank an Dirk Liedke für den Hinweis)
Zum Tag der Frauen war ich auf der Suche nach einer neuen Dokumentation über Leben und Werk von Simone de Beauvoir, fand aber stattedessen eine alte kanadische Reportage aus dem Jahr 1967 über den Alltag des Philosophenpaares. Es ist immer wieder überraschend festzustellen, in welchem begrenzten Gebiet Sartre und de Beauvoir ihr Leben verbracht haben, von Reisen abgesehen. Zwischen den Wohnungen ihrer Kindheit, ihren späteren Wohn- und Arbeiststätten und dem Friedhof, auf dem sie heute ruhen, liegen nur wenige hundert Meter.
https://www.youtube.com/watch?v=tSRuzzdcJgQ (Abre numa nova janela)Der Kult um die beiden konnte schon bizarre Züge annehmen. Aber heute ist solche Intellektualität völlig unauffindbar,
Gerade in unübersichtlichen Zeiten muss man Tag für Tag angehen und darf den Genuss nicht vernachlässigen. In diesen sonnigen Tagen kann man also rihig schon mal in Richtung Mittelmeer kochen, unter der friedlichen und genialischen Schirmherrschaft des großen Ottolenghi.
https://ottolenghi.co.uk/pages/recipes/roman-fried-chicken-tomatoes-crisp-oregano (Abre numa nova janela)Ebenso sonnig, aber vegan ist der Ausflug, den unsere saarländische Köchin Maya Leinenbach aka fitgreenmind nach Lissabon unternommen hat:
https://www.youtube.com/watch?v=YPGO1A30mN4 (Abre numa nova janela)Kopf hoch,
ihr
Nils Minkmar
PS: Über zehntausend Menschen erhalten heute diesen Newsletter. Möglich ist das durch die Mitgliedschaften, die mich finanziell bei dieser Arbeit unterstützen. Wenn Du das auch möchtest, hier entlang: