Saltar para o conteúdo principal

6. Juli 2026

In diesem Newsletter:

  • Live in Berlin: Heike Faller diskutiert mit Manuela Müller über ihr Buch „Die Jugend malt wieder Hakenkreuze"

  • Rettung fürs Biotop: Die Riffreporter kämpfen ums Überleben. Bitte spendet. Es fehlen noch 20.000 Euro.

  • Werkstattbericht: Wie Simone Catharina Gaul den preisgekrönten Podcast „Irma“ über den Völkermord in Srebrenica baute.

Liebe Leute,

wir wollen wieder live über das reden, was uns bewegt: das gute, lange, relevante Erzählen. Und wir tun das am 15. Juli um 19 Uhr im Halleschen Haus in Berlin-Kreuzberg mit einer Kollegin, die in den letzten Jahren die Reportage-Szene ziemlich aufgemischt hat: Manuela Müller.

Wer das ist? Das fragten sich viele, als die Reporterin der Freien Presse aus Chemnitz plötzlich für die wichtigsten Preise des Landes nominiert wurde. Inzwischen hat sie den Reporter:innen-Preis zweimal gewonnen. Sie schreibt eine ziemlich besondere Mischung aus Essay und Reportage, klar, elegant und … ach, kommt vorbei und lernt sie selbst kennen.

Aus einer ihrer Recherchen ist gerade ein Buch geworden: „Die Jugend malt wieder Hakenkreuze – vom Rechtsruck einer Generation (Abre numa nova janela)“. Es geht um Jugendliche, die Rechtssein als Lifestyle inszenieren, und um die Frage, wie ein ehemals harmloses Moped-Treffen ein Ort für Nazis werden konnte.

Wir wollen uns an diesem Abend auf der Bühne mit ihr über das Handwerk unterhalten: Wie gelingt der Sprung von der Reportage zum Buch? Wie hat sie ihren Stil gefunden? Und wie wird eine Regionalzeitung eigentlich zu einem Nest für gute Geschichten?

Kommt vorbei, redet mit. Wir freuen uns auf euch!

Eure Heike Faller

Wenn ihr kommen mögt, meldet euch bitte unbedingt hier an:

Eine Bitte der Riffreporter

Hallo!

Ich bin Katharina Jakob, freie Wissenschaftsjournalistin und Riffreporterin. Ich schreibe das mit einigem Stolz, auch wenn ich manchmal noch höre: Riff-was?

Die Riffreporter sind im Ozean der Medien ein einzigartiges Biotop. Es gehört uns: den Autorinnen und Autoren sowie den Anteilseignern, weil es genossenschaftlich organisiert ist. Wir verzichten auf Werbung, Daten-Tracking und Clickbait. Und wir sind Tieftaucher: Riffreporter recherchieren lang und zäh, bleiben an ihren Themen dran, liefern aufwendige Reportagen und Geschichten voller Lösungen, die andere nicht sehen. Das alles auf eigene Rechnung. Wir verkaufen unsere Stücke direkt an die Leserinnen und Leser, ohne Verlag im Rücken. Freier als wir kann Journalismus gar nicht sein.

Seit rund zehn Jahren schlagen wir uns wacker. Doch jetzt ist dieser kostbare Lebensraum in seiner Existenz bedroht. Eine wichtige Förderung ist ausgeblieben. Wir haben rasch reagiert, schmerzhafte Einsparungen vorgenommen. Trotzdem gibt es eine Finanzierungslücke, die wir jetzt überbrücken müssen. Und mit jetzt meine ich jetzt. Wir haben ein Crowdfunding ins Leben gerufen. Uns bleiben – Stand 6. Juli – noch sieben Tage, um unser Überleben zu sichern. Mit 75.000 Euro können wir das Riff weiterleben lassen und unsere Reichweite steigern. Dazu fehlen uns noch rund 20.000 Euro.

Deshalb bitten wir um eure Unterstützung. Alles hilft: Geld, Mundpropaganda, den Crowdfunding-Link teilen, Anteile kaufen, wirklich alles. Das Riff hat eine echte Chance, diese Krise zu überwinden. Aber dazu braucht es jetzt seine Freunde.

Mit innigem Dank,

Katharina Jakob, Riffreporterin

Wie arbeitest du, Simone Catharina Gaul?

Simone Catharina Gaul, Jahrgang 1984, hat Romanistik und Politikwissenschaften studiert und anschließend Regie für Dokumentarfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg. Sie arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Redakteurin für DIE ZEIT, erst im Gesellschaftsressort, heute im Podcast-Team. Sie ist außerdem Regisseurin für Dokumentarfilme. Ihre Filme und Podcasts wurden national und international mehrfach ausgezeichnet.

Du hast in diesem Jahr zusammen mit Bastian Berbner den Reporter:innen-Preis gewonnen, für einen Podcast: „Irma, das Kind aus Srebrenica“, über ein kleines Mädchen, das im Bosnienkrieg von seinem Vater getrennt wird. Wie habt ihr zusammengearbeitet?

Sehr eng. Die Recherchereisen haben wir größtenteils gemeinsam gemacht, was sehr gut war, weil wir das Erlebte direkt reflektieren und besprechen konnten. Die Schreibarbeit haben wir aufgeteilt und uns dann gegenseitig redigiert und überarbeitet. Zu den Aufnahmen sind wir dann wieder zusammen ins Studio. Schnitt und Postproduktion passierten oft abends remote, wenn alle Kinder schliefen.

Wie seid ihr auf die Geschichte gekommen?

Wie so oft: über einen Zufall. Ich habe durch eine andere Recherche Christine kennengelernt. Sie hat von ihrer Zeit in Srebrenica erzählt, von all den Telexen, die sie aufbewahrt hat, und in einem Nebensatz von Baby Irma. Und dann hat sie erzählt, dass die erwachsene Irma ihr geschrieben habe. Und dass die beiden sich treffen wollen. Bastian und ich haben dann entschieden: Da wollen wir dabei sein.

Du hast Dokumentarfilm studiert, machst auch Dokumentarfilme und bist Redakteurin im Podcast-Ressort der ZEIT. Wie sieht dein Set-up, dein Arbeitsalltag aus?

Beide Arbeitsbereiche sind getrennt. Für DIE ZEIT mache ich Podcasts. Filme mache ich in unregelmäßigen Abständen als freie Regisseurin. Allerdings hilft die Dokumentarfilmerfahrung beim Storytelling-Podcast: die Nähe zu den Protagonisten aufbauen, gute O-Töne bekommen, spannende Szenen mit dem Mikro begleiten und hinterher aus vielen, vielen, vielen Stunden Rohmaterial eine Geschichte basteln – das ist ein ähnlicher Prozess wie beim Film.

Viele schreibende Journalistinnen, denen lang recherchierte Geschichten wichtig sind, gehen zunehmend in den Podcast-Bereich. Ist da mehr Zeit? Wie waren eure Bedingungen?

Podcast-Serien sind toll, weil für die Geschichten viel Raum und viel Erzählzeit da ist. Aber sie brauchen auch viel Produktionszeit. Im Podcast-Team der ZEIT haben wir zum Glück die Möglichkeit und die Freiheit dafür bekommen. Allerdings hatten wir für „Irma“ am Ende trotzdem nur vier Monate, vom ersten Recherchetermin bis zur Veröffentlichung, weil wir um den Srebrenica-Jahrestag herum erscheinen wollten. Das war ziemlich irre und ging nur mit vielen Nachtschichten. Aber wir lernen – und versuchen, unsere aktuellen und künftigen Projekte zeitlich zu entzerren.

Welche Anreize gibt es im zunehmend online geprägten Journalismus für Qualität, die vielleicht nicht direkt Abos bringt?

Der größte Anreiz ist für mich: Geschichten erzählen, die relevant sind und die helfen, Dinge zu verstehen, Vorurteile abzubauen und Menschen näher zusammenzubringen. Wenn das gelingt, wenn unsere Geschichten die Hörenden berühren, bekommen wir viel positives Feedback, viele Hörer-Mails. Das ist schön.

Deine Dramaturgie-Tricks, um Leser zu fesseln?

Nah an den Protagonisten bleiben. Nicht zu viel zu früh verraten. Und Hintergrund-Info-Passagen sparsam und vor allem an den richtigen Stellen platzieren.

Was kann Reportage heute besser als vor 15 Jahren?

Subjektiver sein, menschlicher, emotionaler.

Ein Recherchetrick?

Im Interview nach der ersten Antwort auf eine Frage genau da weiterfragen. Was genau meint die Person? Je präziser und detailreicher die Antworten, desto anschaulicher wird der Podcast.

Ein Schreibtick?

Mir fällt das Anfangen oft wahnsinnig schwer. Musik hilft. Und Snacks.

Auf welchen deiner Texte bist du heute stolz?

Auf unseren Irma-Podcast. Weil wir während des Prozesses oft gezweifelt haben. Interessiert das die Leute wirklich? Auch heute noch, 30 Jahre später?

Gutes Redigieren heißt für dich?

Zeit nehmen. Und sehr genau hinschauen. Alles Unnötige raus und Liebe für die Feinheiten.

Welchen Text einer anderen Autor:in hättest du gern selbst geschrieben?

Weil ich das Thema Jugendhilfe wahnsinnig spannend und wichtig finde: Julia Kopatzkis „Darf ich raus?“ ist großartig!

Geheimtipp, der jeden Text besser macht?

Alles Erwartbare und Langweilige raus. Und: Ich drucke jeden Text am Ende aus. Diese andere Lesesituation hilft mir sehr. Auch wenn ich am Bildschirm dachte, der Text sei gut, finde ich auf dem Papier immer, wirklich immer, Wörter und Sätze, die mir doch nicht gefallen.

Ein Buch, das dich journalistisch geprägt hat (und warum)?

„Das Leiden anderer betrachten“ von Susan Sontag. Weil ihre Gedanken, wie wir auf Krieg und Elend blicken und vor allem wie wir beides darstellen und davon erzählen, wahnsinnig klug sind.

Drei Podcast-Tipps für News, Serie und Talk (außerhalb des ZEIT-Kosmos)?

The Daily (New York Times), The Idiot (Serial, New York Times) und, schon älter, aber witzig, unterhaltsam und interessant: Paardiologie.