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Handbremse.

Gedanken über das „Sich-selbst-ausbremsen“ und die wirklichen Herausforderungen, wenn es um Kreativität und Selbstständigkeit geht.

Gerade eben musste ich selbst nochmal den Newsletter überfliegen, den ich dir Anfang März gesendet habe – wie lange kann sich ein Monat nur anfühlen? Nun da ich mich selbst wieder auf den aktuellen Stand gebracht habe, möchte ich die ein oder andere Erkenntnis der letzten Wochen mit dir teilen.

Es fand für meine Verhältnisse reger Austausch statt, durch den mir einige Punkte klar wurden, die eigentlich schon zuvor völlig offensichtlich waren. Manchmal muss man Dinge eben selbst aussprechen oder von anderen Menschen hören, um sie sich einzugestehen. Kennst du diese Situation auch?

In meinem Fall fiel der Schleier in Sachen Selbstständigkeit. Wie viele Stunden habe ich schon mit Grübeleien darüber verbracht, was ich nur mache, wenn das nicht funktioniert? Wie viele unpassende Bewerbungen für den Plan B (wieder in Festanstellung gehen) habe ich geschrieben, während ich eigentlich weiter an meinem Plan A hätte arbeiten können. Sollen. Nicht so viele, wie ich befürchtete, aber ich denke, dass jeder Moment, den ich meiner Angst vor dem Versagen widme, einer zu viel ist. Wobei ich auch hier versuche, nicht allzu streng mit mir zu sein, denn am Ende ist der Zweifel doch einfach menschlich, nicht wahr? Solange er in einem gewissen Rahmen bleibt.

Umso mehr weiß ich die Rückmeldungen von anderen Kreativen und Menschen aus meinem Umfeld zu schätzen. Ich halte mich einigermaßen ok, was meine Sichtbarkeit auf Instagram und LinkedIn angeht (auch wenn es sich weiterhin eher unangenehm anfühlt) und gerate dadurch ab und an in Gespräche mit Gleichgesinnten. So entstand ein Nachrichtenwechsel mit einer ebenfalls selbstständig-kreativ ambitionierten Followerin und sie schrieb mir in einer Nachricht alles, was ich brauchte, um eine entscheidende Sache zu verstehen: Meine Gedanken, meine Ideen, Pläne sind durchaus realistisch, es gibt einen Markt und ich muss sie einfach nur umsetzen. Und: Ich habe einen Wert.

Warum fällt es so schwer, diese Dinge, die sich in meinem Kopf gut anhören und für innerliche Begeisterung sorgen, auch im Außen durchzuziehen und mit dieser Leidenschaft in die Freiheit zu entlassen? Es fühlt sich an, als würde ich dauernd mit angezogener Handbremse durch die Gegend fahren und mich dann wundern, dass die Ausfahrt immer noch nicht in Sichtweite ist. Dabei sehe ich doch ganz genau, warum ich so langsam fahre!

Genau deshalb bin ich so dankbar über diesen Austausch. Er zwingt mich, hinzusehen und eine Entscheidung zu treffen: Die Bremse lösen und endlich da lang fahren, wo ich hin möchte oder stehenbleiben und darauf warten, bis mich irgendjemand einsammelt und dahin zurückbringt, wo ich hergekommen bin.

Zum Glück ist der Blick zurück trotz der Angst vor dem Unbekannten so unattraktiv, dass ich doch lieber etwas Gas gebe. Manchmal bremse ich noch ab und muss mich rückversichern, dass ich doch nicht lieber zurückfahren will. Aber es geht weiter voran. Und mit jedem Meter bzw. jeder Mail, die ich an Agenturen und mögliche Kund*innen oder Kooperationspartner schicke, sammle ich kleine Erfolge. Erste Gespräche, zartes Interesse und ein sorgfältiges Abwägen, ob ich hier gerade an der richtigen Stelle tanke.

Für meine Selbstständigkeit lerne ich gerade nochmal ganz neu, was es heißt, seinen Wert zu kennen und sich im Klaren darüber zu sein, was man eigentlich zu bieten hat. Selbstwert. Selbstbewusstsein. Diese beiden Dinge sind nicht verhandelbar, wenn man seine Existenzgrundlage ganz und gar auf sich selbst aufbauen möchte. Man muss genau hinsehen, sich Fehler und Unsicherheiten eingestehen und Feedback einfordern und annehmen können. Das ist einer der größten Denkfehler, die ich hatte: Es geht nicht nur darum, gute Ideen zu haben oder auf das Schreiben bezogen, textsicher zu sein. Diese Dinge passieren wie von selbst, fast nebenbei. Ich bin so dankbar, dass mir bisher noch nicht die Ideen ausgegangen sind. Ganz im Gegenteil: Es kommen immer neue dazu und sie werden größer und mutiger – aber die großen Ideen zu verkaufen, erfordert für mich schon deutlich mehr Mut als hier und da einen 15-Euro-Workshop zu hosten. Wobei auch das mir zu Beginn nennenswerten Respekt eingeflößt hat. Und heute gehe ich ganz entspannt da durch… Ja, man muss wohl einfach da durchgehen und am Ende war es halb so wild und wird vielleicht noch besser?

An dieser Stelle möchte ich uns beide ermutigen: Geh durch die Unsicherheit und die Angst vor Neuem hindurch. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich. Lass uns doch mal sehen, was passiert, wenn wir die Handbremse lösen. Wir müssen ja nicht gleich mit 200 Sachen über die Autobahn brettern (das muss meiner Meinung nach sowieso überhaupt niemand). Aber mal mit den erlaubten 50 km/h durch die Stadt? Das kriegen wir hin, oder?

Bis bald!

Alles Liebe

deine Sarah

PS: Falls du ein bisschen Schreibmut oder Inspiration möchtest – ich poste jeden Montag auf Instagram einen Schreibimpuls. Schau gerne mal vorbei ♥️

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