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Newsletter DREIZEHN

Also, okay. Es ist passiert. Der Newsletter kommt einen Tag zu spät. Das ist traurig. Noch trauriger ist allerdings: Es hat sich gar niemand beschwert. Keine erbosten Mails: “Ich freue mich schon den ganzen Montag auf deinen Newsletter, aber nix! Sofort abbestellt!!!!1!!!.” Scheint also nicht zu schlimm zu sein. Trotzdem tut es mir natürlich leid. Ich mag Gewohnheiten und Rituale. Alles muss so sein wie immer, finde ich. Nun, Dienstag ist der neue Montag. Viel Spaß beim Lesen!

WAS IST NEU?

Wetter

Immer schön als Einstieg: Übers Wetter reden. Also, in Berlin ist ja Winter. So richtig. Gefühlt seit etwa acht Monaten. Schnee, Eis, Glätte, Eisregen. Auch hier im Newsletter ging’s schon darum. U-Bahnen fallen aus, S-Bahnen sowieso, Fahrradwege vereist, Straßenbahn fährt nur manchmal, dann war auch noch Streik. Ich hab das alles gar nicht so gemerkt, weil die Berliner Verkehrsbetriebe (kurz: BFICKG!) ohnehin für fünf Monate meine nächstgelegene U-Bahnhaltestelle geschlossen haben. Wie jedes zweite Jahr. Und natürlich poppen gleich die typischen Kommentare auf: In Deutschland funktioniert gar nichts mehr! Wir sind eine Bananenrepublik! Wir brauchen einen starken Mann wie Putin oder Trump, der mal so richtig aufräumt. Was weiß ich. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Warum fährt die Bahn unzuverlässig? Warum wird der Schnee nicht überall geräumt? Warum gibt es zu wenig Personal bei der BFICKG? Weil seit 30 Jahren gespart wird! Und zu wenig Geld für Infrastruktur und gute Löhne ausgegeben wurde. “Wir wollen mehr Effizienz”, hieß es immer. Ein Euphemismus für: “Wir sparen!” ABER: Es funktioniert ja doch noch erstaunlich viel: Ich kann in den Supermarkt gehen und Himbeeren kaufen, die erstaunlich gut schmecken. Im Februar. Und natürlich Kiwi und Bananen aus Südamerika. Sonst auch alles. Sehr viel Alkohol zum Beispiel. Wenn ich krank bin, gehe ich in eine Apotheke und kaufe mir so ein geiles Nasenspray für ein paar Euro. Viele Leute können vom Home Office aus arbeiten, wenn sie nicht in die Kälte rauswollen. Schule und Kita sind geöffnet. Viele Straßen sind schnell von Eis befreit. Man muss immer aufpassen, wenn es wieder heißt, Deutschland sei dysfunktional. Natürlich gibt es viele Probleme. Doch meistens wollen die, die von Deindustrialisierung schwafeln, nur Geld verdienen. Nämlich indem sie fordern, Umweltstandards auszuhebeln, um mehr Öl und Gas zu fördern. Oder weil sie wieder Geschäfte mit dem Kriegsverbrecher Putin machen wollen. Oder sie lenken ab und behaupten, die Migranten seien daran Schuld, wenn wir keine Zahnarzt-Termine bekommen. Erstes bekommt man recht einfach einen Zahnarzt-Termin, und zweitens gibt es sehr viele Zahnärzte und Ärztinnen und Menschen, die im Gesundheitssektor arbeiten, die eine Migrationsgeschichte haben. Also, nur weil in Berlin GAR NICHTS MEHR FUNKTIONIERT UND ICH MICH WAHNSINNIG AUFREGE, WEIL KEINE UBAHN FÄHRT - muss ich mich wieder beruhigen. Weil es ist ja immer was. Im Sommer ist es mir zu heiß. Im Frühling hab ich Allergie und im Herbst windet es immer so nervig von vorne in mein Gesicht.

DAS TELEFONAT

Ich rufe meine Mutter in meiner Heimatstadt Freiburg an.

Es klingelt sehr, sehr lange. Ich will gerade wieder auflegen, als plötzlich jemand abnimmt. Aber nichts sagt.

"Hallo?", frage ich.

Stille. „Hallo?“

„Wer stört?“, ruft plötzlich mein Vater.

Vor Schreck fällt mir der Telefonhörer aus der Hand. „Papa, seit wann gehst du denn ans Telefon?“

„Deine Mutter ist gerade beim Gottlieb einkaufen!“

„Wo?“, frage ich

„Na, das heißt jetzt Kaisers Tengelmann oder so…“

„Du meinst Rewe?“

„Und danach wollte sie noch zu Schlecker”, sagt mein Vater.

„DM!“

„Sohn, es heißt schon lange Euro.“

„Sehr lustig, Papa".

„Und bei der Galerie Kaufland ist sie auch noch. Oder bei Hertie?“

„Warum kannst du dir eigentlich nie Namen merken?“, frage ich.

„Weiß ich auch nicht, Stefan“, sagt mein Vater und legt auf.

SONGS FOR THE LEFTOVERS -

Lieder, die ich gerade höre.

Ben Kweller: Don’t Cave (Abre numa nova janela)

Letztes Jahr kam fast unbemerkt ein tolles Indierock-Folk-Album raus. Ben Kweller war so etwas wie das Alternative-Wunderkind der Nuller Jahre. Und machte dann einfach weiter. Inzwischen ist er Mitte 40 und hat einen Sohn bei einem Autounfall verloren. Und darüber - wie man sich danach fühlt, wie man überhaupt noch weitermachen kann, wie man die Erinnerung aufrecht erhält - geht dieses Lied - und fast das ganze Album namens “Cover the Mirrors”. Selbstverständlich ist es teilweise sehr traurig. Aber er singt auch “A new day is coming for me.” Doch das erste Lied auf dem Album heißt “Going Insane”. Ein weiteres “Depression”. Und vielleicht ist es so, dass dieses Album zu schreiben, diese Songs aufzunehmen und zu singen, ihn davor schützen, wirklich verrückt zu werden. In “Don’t Cave” heißt es: “We’re not lost, we’re on the brink.” Große Musik.

WAS STEHT AN?

Die Premiere meines neuen Soloprogramms in Karlsruhe hat total Spaß gemacht. Jetzt mache ich eine kleine Pause, dann geht es wieder los mit Auftritten. Am 19.2. im SO36 in Berlin feiere ich 10 Jahre Bühnenjubiläum. (Abre numa nova janela) Dann geht es am 26.2. nach Osnabrück (Abre numa nova janela). Im März komme ich nach Tübingen (Abre numa nova janela), Dresden (Abre numa nova janela) und Leipzig (Abre numa nova janela). Holt Euch Karten, ein paar Termine sind tollerweise schon ausverkauft.

Alle Termine: www.sebastianlehmann.net (Abre numa nova janela)

VIELEN DANK FÜRS LESEN.

Bis in zwei Wochen! Hoffentlich am Montag. Dein Sebastian.

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