Dieses Aufschrei gewordene Video hat wie alles, was ich anfasse wieder NICHTS bewirkt
https://www.youtube.com/watch?v=MUzPvP9o5d8 (Abre numa nova janela)Soweit zur Weltrettung. Guten Sonntagabend liebe Menschen, die ihr durchgeweicht in Dachgeschosswohnungen in Oberursel liegt und euch nach einem eleganten Ort sehnt -also ein Ort, an dem ihr nicht seid. Hättet ihr jetzt einen geliebten Menschen, könntet ihr spontan eine Reise anzetteln. So etwas macht man doch nicht allein, zu faul, zu müde, zu heiss und
Fast 50% der Bindungsfähigen Erwachsenen in Europa sind alleinstehend, las ich und das ist viel. Das ist fast die Hälfte. Da muss man völlig umdenken, denn das ist ein prächtiges Markensegment zum Beispiel für Reiseführer.
Zürich zum Beispiel.
Zürich ist unbedingt eine Reise wert. Es ist nah von überall, HATTE eine schöne Airline und ist so angenehm teuer, dass man hier kaum betrunkene Kegelverbandreisende trifft. Es ist eine Stadt, die unbedingt für Alleinreisende taugt. Bedingt. Also Jahreszeitenbedingt. Im Winter ist es hier so blöd wie überall. Dunkel, Regen, und der Alleinreisende steht auf der Straße, nass und kalt wie ein Hund, in den Häusern kleine Familien (so um die1.50) Kaminfeuer brennen und alle sagen: ich liebe dich Daddy. Auch der Daddy selbst würde das sagen und die Familie würde sich umarmen und wären sie keine Familie, sondern ein Paar, dann würden sie sich halten, in Bauernbetten mit karierter Bettwäsche, während draußen der Schnee die Welt leise atmen macht und Oma wäre noch am Leben und brächte Kuchen. Und so weiter, aber nehmen wir an es ist warm--- das geht wunderbar. Wenn es hell ist-kein Problem alleiner Mensch. Du läufst durch die Stadt, die den unbedingten Vorteil hat, dass man durch sie eben laufen kann. Von einer Ecke zur anderen, alles mit Füssen machbar. Will man nicht mehr laufen, dann leiht man sich ein Rad, das ist hier umsonst, um die Umwelt zu streicheln. Zürich, bye the way, im Sommer ist ein einziges Streicheln. Die Luft ist Luftwarm, die Menschen angenehm leise und uninteressiert, in der genau richtigen Dosierung: Freundliches schauen, kein blödes Anquatschen. Keine Sorge muss man haben um seine Besitztümer, denn wo auch immer du herkommst: es ist für die Schweizer die 3.Welt.Der Alleinreisende Mensch kann also ungestört herumlaufen und fahren, alle 3 Meter gibt es Kaffee, frischen Saft, hübsche Läden, in denen er sich nichts kaufen kann wegen zu teuer, und klares Wasser. So klares Wasser, das es albern wirkt, in Kombination mit den weißen Alpen irgendwo weiter hinten. Und überall hat es Badeanstalten. Am Fluss am, See, Hunderte. Die meisten aus Holz und sehr alt, mit Türmchen und verrosteten Schildern, die einem lehren nicht ins Wasser zu spucken, mit sauberen Wiesen und gesiebtem Strand, mit kleinen Kiosken ( aus Gold). Leise ist es, gepflegt dümpelt die Stadt und Kinder wurden in Akademien zum Schweigen erzogen. Gesittet und ebenfalls wunderschön laufen sie mit entspannten Kindergesichtern herum. Man könnte eine ganze Woche damit zuzubringen den See zu umrunden, der in den Fluss übergeht, und alle zehn Minuten könnte man sich in einer neuen Badeanstalt aufhalten. Wunderbar, denkt man sich, als Alleinreisender und ist mit nichts auf die Gefahren der Dunkelheit vorbereitet. Die Haut so frisch vom Schwimmen, der Bauch so angenehm gefüllt mit feinen Speisen fürchtet man nichts, doch schleichend, böse, wenn dann der Abend langsam kommt, die Restaurants sich füllen, die Luft voll mit teurem Parfüm und Seide und der Boden aussieht wie Marmor, wird der Alleinreisende auf einmal schwer. Er weiß noch nicht zu sagen warum, vielleicht ist es das zu viel an Perfektion, die ihm die eigene Vergänglichkeit klar macht. Die Stadt wird leise, Gläser klirren, Amseln beginnen ihre Arbeit. Die Badis verwandeln sich zu exotischen Bars, wenn die Nacht eintritt. Farbiges Licht, Fackeln, Sitzkissen, Wasser gluckert, Luft streichelt. Und da sitzt er dann, der alleine Mensch. Die schönste Badi bar ist die, in der unter Tag koschere Judenmänner schwimmen, ein uraltes Ding, mitten in der Stadt an einem kleinen Flussausläufer. Hügel beschützen sie, Holz verwahrt vor neugierigen Blicken, und in der Nacht ist man hier, wie auf einer Insel, in Asien, oder in einer besseren Welt. Es riecht so, wie es an Flüssen in einer Sommernacht riecht. Ab und zu sieht man einen gepflegten Menschen ins Wasser gleiten, überall zarte Gespräche, sanfte Luft und für so viel Schönheit ist keiner allein eingerichtet. Was kann man da tun, allein, auf einem Sitzkissen, Fackeln werfen perfekte Schatten, das Getränk hat genau die richtige Temperatur--soll man mit sich reden? Mit einer Taschenlampe Murakami lesen? Nichts kann man machen, außer sich vielleicht betrinken, was die Sache aber auch nicht leichter werden lässt. Hier inmitten des Traumes einer besseren Welt in der es keine Angst gibt und keine Not, keine Hässlichkeit und Krankheit, sitzt man und sieht sich: ALLEIN.
Und dann, auf einmal, wo doch alles so perfekt ist, möchte man nicht mehr hier sein. Am besten nicht auf der Welt und wenn das zu kompliziert ist vielleicht einfach nur im Bett, irgendwo wo es normal hässlich ist und kalt. Wo es nicht weiter auffällt, dass da niemand ist, der gut riecht, dessen Hand man halten kann, der einem leise Schwachsinn erzählt, bis man müde wird, der dann fragt bist du müde, wollen wir zu Bett? Und dann bleibt ihr noch ein wenig, fast schlafend, und seht all das Heile um euch, und es ist nicht mehr als eine Fototapete, und das Wasser macht nur für euch Geräusche, und es ist schön, wegzugehen aus der Badi später, irgendwo auf dem Bauch eines anderen Menschen dann schlafen zu können, und es könnte überall sein. Doch all das ist nicht, merkt der Alleinreisende Einsame, es ist ein verdammter geborgter Traum, in dem du sitzt, allein in der Nacht und dann wirst du wieder heimfahren müssen, wo hin, da es garantiert nicht schöner ist, aber der Alltag ist da, UND DU BIST allein.
Nie, und merken sie sich: nie sollten sie einsam in der Nacht in Zürich unterwegs sein, und sehen sie eine dieser Badeanstalten Bars, die sie lockt mit Fackeln und leisem Gluckern: laufen sie, laufen sie um ihr schönes einsames Leben.
So und jetzt ab ins Bett, schlaft schön und Morgen geht es an die die Ostflanke

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