Das StrateKI-Frühstücksbuffet No. 3
Liebe Leserin, lieber Leser,
wie auch schon im letzten Jahr öffnete die re:publica dieses Jahr mit einer Keynote zu Künstlicher Intelligenz (Abre numa nova janela) – nur dass mit Karen Hao statt Björn Ommer (Abre numa nova janela) nicht mehr ein wissenschaftlicher Erklärbär, sondern eine der schärfsten und profiliertesten Kritikerinnen auf der Bühne stand. Basierend auf ihrer mehrjährigen Recherche im Inneren von OpenAI setzte sie den Ton für die folgenden Tage: Das Silicon Valley beherrscht die KI, damit vielleicht irgendwann die ganze Welt, und Europa müsse sich dem entschieden entgegenstellen. Zustimmender Applaus. Auch wenn der Forschungsabstand zwischen den Kontinenten eigentlich keine neue Entwicklung ist, fühlt er sich in der aktuellen politischen Lage vermutlich besonders akut an.
Hao endete ihren eindringlichen Appell damit, dass große KI-Modelle die Raketen der KI seien: teuer, ressourcenfressend und unter strengem Regulierungsbedarf – was durchaus zutrifft. Was wir bräuchten, seien Fahrräder, also kleine spezialisierte Modelle. Etwa (Googles) AlphaFold (Abre numa nova janela), das vorhersagt, wie sich ein Protein aus seiner Aminosäuresequenz faltet und in der Wirkstoffforschung unterstützen kann, oder andere Modelle, die sogar beim Klimaschutz helfen könnten (Abre numa nova janela).
Nur kann ich mich mit dem Bild der Rakete nicht vollständig anschließen. Es schert erstens alle großen Sprachmodelle über einen Kamm und unterschätzt gleichzeitig gefährlich, was diese Modelle als praktische Textverarbeiter leisten. Eine Rakete kann genau eine Sache, nämlich Menschen vom Planeten befördern. Ein Sprachmodell kann viele.
Allein in jüngerer Vergangenheit habe ich mir damit unter anderem einen Einspruch gegen ein Knöllchen formulieren lassen (erfolgreich!), habe Zitate in Interview-Transkripten gegengecheckt und mir einen Dienst aufgesetzt, der meine Lesezeichen regelmäßig auf meinen E-Reader schickt – alles ausgehend von einem Chatbot-Interface. Unabhängig von allen abstrusen Zukunftsversprechen der KI-Firmen spüre ich an vielen Stellen mit heute verfügbarer Technologie nicht nur eine Arbeitserleichterung, sondern sogar eine Verbesserung, die nur noch schwierig wegzudenken ist.
Erst diese Woche hat Anthropic – das gerade einen knappen Vorsprung im B2B-Markt (Abre numa nova janela) verzeichnete – ein neues Modell enthüllt (Abre numa nova janela), die neuste „KI-Rakete“ also. Das Unternehmen hat zuletzt vor allem sein größtes Modell, Opus, immer weiter skaliert und beschreibt es als besseren Mitarbeiter über die ganze Breite, vom Programmieren über Recherche bis zur Finanzanalyse. Einher geht ein Versprechen, das Modell weise häufiger auf eigene Unsicherheiten hin und behaupte seltener Unbelegtes. Der konsequente Fokus auf Skalierung überrascht angesichts der nach wie vor geltenden „Bitter Lesson“ (Abre numa nova janela) nicht – mehr Daten, mehr Rechenleistung, mehr Nutzen.
Dabei treibt Anthropic nicht nur die nötige Rechenleistung für das Vortraining immer weiter in die Höhe, sondern auch die Zeit, in der das Modell seine Antwort formuliert. Denn hier zeigen sich nach wie vor Zusammenhänge zwischen Qualität und „Denktiefe“, die von „Low“ bis „Max“ für jede Anfrage manuell eingestellt werden kann. Genau hier wäre in meinen Augen eine Stellschraube, um den Ressourcenbedarf eines Modells zumindest ein Stück weit einzudämmen. Das Ziel muss es sein, sich von solchen Parametern gänzlich zu lösen, damit das Modell selbstständig entscheidet, wie viele Schritte es geht. Diese Nuss bleibt aber hart zu knacken, und ob das einen signifikanten Unterschied macht, bleibt fraglich.
Die allgemeine Entwicklung darf Frustration auslösen, doch auch wenn europäische KI im Hintertreffen bleibt, beginnt digitale Souveränität schon viel früher. Ich habe die letzten Tage damit verbracht, mich ein Stück weit zu entgoogeln und hole meine Daten zurück, ohne gleich mein ganzes Konto zu löschen. Geholfen hat mir dabei ironischerweise ein Chatbot, ohne den ich längst hingeschmissen hätte. Doch statt „in der Cloud“ liegen meine Kontakte, Fotos und Kalendereinträge jetzt auf meinem eigenen Server. Der steht zwar nicht bei mir zuhause, sondern im Vogtland. Da könnte ich im Zweifel sogar mit dem Rad hin.
Herzliche Grüße
Jonathan
PS: Es gibt noch einige Resttickets für die nächste Session am 10. Juni, in der Franziska Transformationsmanagerin Nicole Lehmann dazu befragt, wie sie für KI begeistert - jetzt hier kostenlos sichern. (Abre numa nova janela)
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Das StrateKI-Frühstücksbuffet erscheint einmal im Monat: Themen, die uns gerade beschäftigen, zum Selbstausprobieren. Wie bei einem echten Buffet. Vielleicht nimmst du dir von allem etwas. Vielleicht ist auch nur ein Thema genau das Richtige für dich und du steigst dort tiefer ein.
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