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Hildegard von Bingen: „Pflege das Leben, wo du es triffst!“

Nach der Vorstellung der Benediktinerin und Universalgelehrten ist die Welt gerade im Frühling durchströmt von der „Grünkraft“.

Mittelalterliche Darstellung der Erde, in den Farben gold, rot, blau und grün. (Abre numa nova janela)
Mittelalterliche Darstellung einer Erdkugel mit verschiedenen Jahreszeiten. Illustration von Hildegard von Bingens "Werk Gottes" (Public Domain)
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Hildegard von Bingen (1098 bis 1179), vor fast 1000 Jahren im rheinhessischen Bermersheim geboren, war ein Multitalent: Naturforscherin, Mystikerin, Lehrerin, Komponistin, Dichterin, Klostergründerin und Heilkundige. Mit 16 Jahren wurde sie Benediktinerin (Abre numa nova janela), mit 38 Äbtissin des Klosters.

Ein zentraler Begriff in den Schriften, die Hildegard verfasste, ist die „Grünkraft“, lateinisch „viriditas“. Diese Grünkraft Gottes durchströmt ihrer Auffassung nach alle Lebewesen und alles (von Gott) Geschaffene, also den Menschen, Tiere, Pflanzen, aber auch Steine und Mineralien.

Hildegard verglich die grünende Lebenskraft – als Wirkkraft in allem Lebendigen – mit dem Baumsaft, der das Gewächs von der Wurzel bis in die Krone durchströmt. „Die Welt auf dem Höhepunkt des Frühlings ist erfüllt von ‚viriditas‘, Gott haucht den Bewohnern des Gartens Eden den Atem der ‚viriditas‘ ein, die Sonne bringt das Leben der ‚viriditas‘ in die Welt“, schreibt die Psychologin Almut Furchert in einem Artikel (Abre numa nova janela).

Hildegard von Bingens mittelalterliches Konzept spiegelt sich, so die Theologin Hanna Strack (Abre numa nova janela), auch heute noch in unserer Alltagssprache wieder – in der Symbolik des Wachsens und Blühens: „Sie ist in der Blüte ihrer Jahre“, „die Blüte des Alters“, „über sich hinauswachsen“, „an einer Aufgabe wachsen“, „sich entfalten“, „Gaben entfalten“, „Frucht bringen“.

Noten (Abre numa nova janela)

Hildegard erwähne auch die Gegenkraft der „viriditas“, das Verblühen, das Zurückkehren zur Erde und wieder zu Erde werden, also das, was meist unter Vergänglichkeit verstanden werde, so die Psychiaterin Luise Reddemann in ihrem Buch „Schlussstücke – Gedanken über Vergänglichkeit und Tod“: „Sie begreift das gesamte Geschehen von Viriditas und Vergehen als einen natürlichen Prozess.“

Auch jede Genesung von einer Erkrankung beruht nach Hildegard von Bingen auf der Grünkraft. Ohne Licht könne diese Grünkraft nicht existieren. Monotone Arbeiten in Innenräumen schwächten diese Lebenskraft, Aufenthalte im Freien (Abre numa nova janela), wie das Wandern oder die Erholung in freier Natur, stärkten sie.

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Hildegard betont, dass der Mensch durch die Grünkraft fest in der Schöpfung verwurzelt sei. Eines ihrer Zitate: „Schaffe Grünkraft dort, wo Grünkraft ist“, kann man heute vielleicht übersetzen mit „Pflege das Leben dort, wo du es antriffst.“

Wir hätten die Aufgabe, die Viriditas zu schützen und wiederherzustellen und ihren grünenden Geist in alle Bereiche des menschlichen Lebens zu tragen, einschließlich der Philosophie und der Wissenschaften (viriditi sciencia), schreibt Almut Furchert über die Mystikerin: „Hildegard scheut sich nicht, praktische Ratschläge zur Wiederherstellung der viriditas zu geben, wobei sie sich an der benediktinischen Lebensweise orientiert: zum Beispiel durch die (Wieder-)Verbindung mit der Erde und dem Schöpfer, durch die Förderung eines gesunden Lebensstils und einer gesunden Ernährung sowie durch gesunde Beziehungen zwischen Körper, Seele und Geist“.

„Die Lebenskraft treibt neue Blüten aus trockenem und verdorrtem Holz hervor.“ (H. v. Bingen)

Aufgabe der menschlichen Lebensreise sei es (Abre numa nova janela), „ganz“ zu werden und „ganz“ zu bleiben, indem man Trockenheit überwinde und Grün kultiviere.

„In ihrem ganzheitlichen Verständnis des Universums zeigt sich das Innere im Äußeren, und das Äußere spiegelt das Innere wider. Das Individuum spiegelt den Kosmos wider, und der Kosmos spiegelt das Individuum wider“, schreibt der Franziskanerpater (Abre numa nova janela) und US-Autor Richard Rohr in einem Text über Hildegard.

Das ist ein wirklich guter Gedanke: Die Kraft und Selbstverständlichkeit, mit der die Natur jetzt im Frühling neues Leben hervorbringt, atmet, wächst, ergrünt und sich vermehrt, genau diese Kraft steckt auch in jedem von uns.

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Tópico Spiritualität + Rhythmus

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