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Am unscheinbaren Tag (1)

Prolog

Da sind die lauten und die leisen Tage. Die lauten Tage sind wie reißende Flüsse mit starken Strömungen, unberechenbaren Wasserstrudeln und gefährlichen Untiefen, aus denen messerscharfe Felskanten ragen. In solchen Flüssen zu schwimmen verlangt höchste Aufmerksamkeit und kostet Kraft.

Die leisen Tage sind wie die langsam dahin fließenden Wasser tiefgründiger Flüsse, an deren sanft abfallenden Ufern ge­schliffene Kiesel liegen. In solchen Flüssen lässt man sich treiben, um dabei zu träumen. Solche Flüsse inspirieren und schenken Kraft.

An den leisen Tagen kommt der Mensch erst zur Geltung. Dann beginnt er zu wirken. Denn der Mensch braucht eine Zeit, die völlig für sich steht. Eine herkunftslose Zeit ohne Anspruch auf Zukunft. Eine solche unbelastete Zeit zeigt sich am unscheinbaren Tag.

An einem solchen Tag entsteht Musik aus dem Rascheln einer Papiertüte, ein Bühnenstück aus dem Auftreten der Gäste im Hotel, ein Kunstwerk aus den Mustern im zotteligen Bettvorleger oder ein Buch über den unscheinbaren Tag selbst.

Hast du ihn schon einmal gehabt, den unscheinbaren Tag?

Wie deine Lieblingsjeans. So ist der unscheinbare Tag.

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