
Herzlich willkommen bei UNBOXING TRANS. Dem Podcast Projekt, bei dem einzelne trans* Themen bis ins Detail ausgepackt werden. In jeder Folge bringen Kathleen und Julia jeweils Themen oder Objekte mit trans* Bezug mit, ohne dass das Gegenüber vorher davon weiß, diese unboxen wir dann :-)
In unserer zweiten Folge sprechen wir über das Thema Transition. Wie verläuft sie? Was zählt alles dazu? Und was bedeutet eigentlich Geschlecht? Außerdem sprechen wir über den Pulitzerpreis.
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LG Kathleen und Julia
Inhaltlicher Überblick
(00:01:10) Unboxing by Julia: Transition
(00:25:30) Anruf aus der Vergangenheit
(00:31:35) Community Teil
(00:33:30) Unboxing by Kathleen: Goldmünze
(00:40:00) Kulturempfehlungen
(00:44:41) Angstkatzenhäschen & Goldener Blumenstrauß
Unboxing by Julia - Transition
Als Transition wird der Prozess bezeichnet, der im Allgemeinen eine Art Übergang beschreibt. Trans* Personen machen häufig einen Übergang sowohl im sozialen Bereich, wenn sie ihr optisches Erscheinungsbild verändern oder auch rechtlich einen anderen Vornamen und anderen Geschlechtseintrag annehmen. Aber auch im medizinischen Bereich, wenn körperliche Veränderungen durch Hormontherapie oder chirurgische Eingriffe vorgenommen werden. Wichtig ist es zu unterscheiden, dass es zwischen den rechtlichen Veränderungen und den körperlichen Veränderungen keine Abhängigkeit gibt. Man kann eine optische und/oder rechtliche Transition machen ohne jemals medizinische Maßnahmen durchführen zu lassen. Man kann aber auch medizinische Maßnahmen in Anspruch nehmen ohne jemals einen Vornamen und/oder Geschlechtseintrag zu ändern.
Häufig wird das Wort „Geschlecht“ auf Binarität reduziert und oftmals allein auf die Fortpflanzungsfähigkeit abgestellt. Des sogenannte „Gender Unicorn“ zeigt auf, dass Geschlecht auf vielen verschiedenen Ebenen zu betrachten ist, welche alle in der Phase der Transition eine Rolle spielen. Die Definition von Geschlecht unterteilt sich in „Geschlechtsidentität“, „körperliche Merkmale“ und „Geschlechtsausdruck“. Davon losgelöst ist die „sexuelle oder romantische Anziehungskraft“.
Die Geschlechtsidentität ist das Wissen, das jeder Mensch im Laufe seines Lebens entwickelt, mit welchem Geschlecht man sich identifiziert. Auch Menschen, die nicht trans* sind haben eine Geschlechtsidentität. Der Unterschied ist, dass sie diese nicht in Frage stellen.
Die körperlichen Merkmale sind häufig die Voraussetzung für die Geschechtszuweisung bei Geburt. Das heißt, es reicht oft ein Blick zwischen die Beine des Babys und man wird einem Geschlecht zugeordnet. Aber auch der Hormonstatus oder die Chromosomensätze geben Aufschluss über einen bestimmten geschlechtlichen Stereotyp. Einfach nur „weiblich“ oder „männlich“ wäre da viel zu einfach gedacht. Es gibt bspw. Männer mit sehr niedrigen Testosteronwerten, welche sich außerhalb des Normbereichs befinden. Oder Frauen mit hohen Testosteronwerten, die in der Folge oft starken Haarwuchs haben. Auch bei den Chromsomen gibt es nicht nur XX und XY, sondern viele verschiedene weitere Varianten.
Als Geschlechtsausdruck wird die Art und Weise beschrieben, wie ein Mensch sich in der Gesellschaft präsentiert. Hier kann bspw. der Haarschnitt, die Kleidung oder auch der Vorname einem Geschlechtstyp entsprechen oder aber völlig neutral sein.
Fakt ist: Geschlecht ist viel komplexer, als die meisten Menschen es sich vorstellen und alle Ebenen spielen für die meisten trans* Personen eine große Rolle während der Transitionsphase.
Links:
Gender Unicorn: https://transstudent.org/gender/ (Abre numa nova janela)
Richtlinien für eine Transition vom Medizinischen Dienst: https://md-bund.de/fileadmin/dokumente/Publikationen/GKV/Begutachtungsgrundlagen_GKV/BGA_Transsexualismus_201113.pdf (Abre numa nova janela)
Empfehlungen des Bundesverband Trans*: https://www.bundesverband-trans.de/publikationen/praxistipps/ (Abre numa nova janela)
Das Urteil des Bundessozialgerichts vom 19.10.23, das eine medizinische Transition aktuell erschwert: https://www.bundesverband-trans.de/bsg-veroeffentlicht-urteil-zu-transgesundheitsversorgung/ (Abre numa nova janela)
Der Podcast, von dem Kathleen sprach, als es um die Diagnoseschlüssel ging, heißt: Transformer - ein Podcast von Bayern 2: https://www.br.de/radio/bayern2/transformer-christina-wolf100.html (Abre numa nova janela)
Anruf aus der Vergangenheit
Ernst Dora Richter ist eine trans* Frau, geboren am 16. April 1892 in Seifen und bekannt als die erste Person, die 1923 eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen ließ. In einer Zeit, in der Operationen noch nie zuvor durchgeführt wurden, hatte sie den Mut den ersten Schritt zu machen, und damit der trans* Chirurgie und Forschung einen erheblichen Dienst geleistet. Dora Richter starb am 26. April 1966 in Allersberg. Weitere Informationen in der Lili-Elbe-Bibliothek: https://lili-elbe.de/blog/2024/09/dora-lived/ (Abre numa nova janela)
Ausführlicher Artikel über Dora Richter: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2024/06/dora-richter-transgeschlechtlichkeit-drittes-reich-berlin-trans-magnus-hirschfeld.html (Abre numa nova janela)
Weitere Hintergrundinformationen zu Clara bzw. zur Lili Elbe Bibliothek:
https://lili-elbe.de/ (Abre numa nova janela)Community Fragen
Bei Instagram hat Julia einen Aufruf (Abre numa nova janela) gemacht und um Fragen aus der Community gebeten. Seitdem gehen auf unterschiedlichen Wegen Fragen bei Julia ein. Diesmal gab es ein Statement, dass wir als trans* Community nicht immer nur „Anhängsel“ sein sollten von Lesben und Schwulen.
Trans* Personen waren noch nie Anhängsel, sondern im Kampf gegen Unterdrückung und staatliche Repressionen eine führende Rolle. Eine der bekanntesten Stimmen war Marsha P. Johnson als zentrale Figur des Stonewall-Aufstands und eine Aktivistin für die Rechte von queeren Personen: https://www.soho.or.at/die-stonewall-riots-die-legende-der-marsha-p-johnson/ (Abre numa nova janela)
Unboxing by Kathleen
Der amerikanische Dramaturg Doug Wright erhielt 2004 einen Pulitzer Preis für sein Theaterstück I AM MY OWN WIFE - eine Hommage an Charlotte von Mahlsdorf.
Von Mahlsdorf war eine Transfrau in der DDR. Sie war außerdem Gründerin und Betreiberin des Gründerzeitmuseums in Mahlsdorf, das es auch heute noch gibt. 1992 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement zur gesellschaftlichen Anerkennung anders lebender Menschen und für ihre Arbeit zur Erhaltung des Gründerzeitmuseums in Mahlsdorf. In der taz-Berichterstattung von damals stand:
„Zum ersten Mal (ist) eine Tunte mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.”
Der Begriff ist aus der Zeit gefallen, sicher reden wir in kommenden Folgen über Entwicklungen von Sprache, auch im Kontext von trans*, intergeschlechtlichen und nicht-binären Menschen.
Mit dem Pulitzer-Preis wurde die Lebensgeschichte einer trans* Figur ins Zentrum gebracht. Allerdings fehlte es auch 2004 noch an der nötigen Sensibilität, über Repräsentanz und Teilhabe von trans* Schauspieler*innen an der Darstellung ihrer eigenen Geschichten nachzudenken. Die Hauptfigur des Einakters wurde damals von dem (cis) Schauspieler Jefferson Mays verkörpert.
Das Stück startete im Mai 2003 als Off-Broadway-Stück, wurde dann aber so erfolgreich, dass es ab Dezember an den Broadway ins Lyceum Theatre umzog.
Kulturtipps
Besuch des Gründerzeitmuseums von Charlotte von Mahlsdorf in Berlin-Mahlsdorf mit Führung
Rosa von Praunheims dokumentarischer Spielfilm: "Ich bin meine eigene Frau" (http://www.rosavonpraunheim.de/werke/rosafilme/92frau/w_meine_eigene_frau_1.html (Abre numa nova janela)) aus dem Jahr 1992 erzählt ebenfalls die Lebensgeschichte der Charlotte von Mahlsdorf (von Mahlsdorf spielt sich als Erzählerin auch selbst)
1. Oktober 25: Theaterpremiere an der Berliner Schaubühne mit dem Stück „Paradiesische Zustände“ von und mit Henri Maximilian Jakobs. Es basiert auf Jakobs gleichnamigen Buch. Es geht um die Geschichte einer Transition, die mit Einfühlungsvermögen und beißendem Humor erzählt wird: https://www.schaubuehne.de/de/produktionen/paradiesische-zustaende-2.html (Abre numa nova janela)
bis zum 26. Oktober läuft im Museum im Prediger in Schwäbisch Gmünd die Ausstellung „Wish you were queer. Un-Sichtbarkeit von LSBTI* in Kunst und Geschichte" https://www.museum-galerie-fabrik.de/wish-you-were-queer.html (Abre numa nova janela)
Beyond Labels Project (Abre numa nova janela) war vom 14. bis 19. Juli 2025 in Berlin und soll auch in anderen Städten ausgestellt werden:
Preise
Unser Angstkatzenhäschen verleihen wir an Personen oder Institutionen, die mit transfeindlichem Verhalten auffallen. Diesmal geht der Preis an die den Welt-Dart-Verband (WDF - World Darts Federation). Der Verband hat neue Regeln veröffentlicht, der trans* Frauen aus Frauenturnieren ausschließt. Das besondere daran ist: Die meisten Sportvereine, schließen trans* Frauen aus, weil sie angeblich den Frauensport gefährden, obwohl das keinerlei Belege dafür gibt. Nur Personen, die „von Geburt weiblich“ sind dürfen bei Frauen antreten. Das würde auch trans* Männern die Erlaubnis erteilen. Der Dartverband schließt nun aber zusätzlich auch trans* Männer aus und ist somit der erste Sportverband, der trans* Personen insgesamt ausschließt.
Unser goldener Blumenstrauß geht an Brigitte Macron, die Ehefrau des französichen Präsidenten. Sie wehrt sich gegen die Falschinformation, sie sei eine trans* Frau. Dieses Narrativ wird in Frankreich oft von regierungskritischen Kreisen verbreitet. Brigitte Macron ist kämpft schon seit vielen jahren gegen die falschen Behauptungen und stellt dabei klar, dass trans* sein kein Makel ist, sie beklagt vielmehr die Unwahrheiten, die verbreitet werden. Weil sie als nicht trans* Frau den Kampf gegen Transfeindlichkeit aufgenommen hat, verdient sie unseren Preis.
Hintergrundinfos:
https://taz.de/Brigitte-Macron-Die-Obsession-einer-rechten-Influencerin-mit-ihren-Genitalien/!6099152/ (Abre numa nova janela)https://www.queer.de/detail.php?article_id=54356 (Abre numa nova janela)Hinweise
Während der Aufnahme gab es ein technisches Problem, an manchen Stellen ist die Soundqualität etwas beeinträchtigt. Ärgerlich, aber noch hörbar - wie wir fanden. Es sind nicht eure Kopfhörer ;)
Credits
Konzept und Umsetzung: Kathleen und Julia
Musik: Moby
Produktion: heroess (Abre numa nova janela)
Steady: Julia
Ein besonderes Dankeschön geht an Clara Hartmann. Clara hat unseren Beitrag mit dem Anruf aus der Vergangenheit sehr bereichert.
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