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As It Was (12/50)

Dass dieser Newsletter eine feste Anfangszeit hat,
liebe Koapier-Community,

wirkte vielleicht anfangs nur wie eine Spielerei. Heute sehen wir an einem ganz konkreten Beispiel wie dieses Denken das Publizieren eines Buchs (das dieser Newsletter ja vielleicht auch irgendwie ist*) verändern kann. Denn niemals könnte ich diesen Satz in ein gewöhnliches Buch schreiben, hier aber funktioniert er prima: Unser heutiger Gast geht in 90 Minuten gemeinsam mit Stefan Niggemeier live auf seinem Instagram-Kanal* um sein jüngstes Buch zu feiern. Begrüssen Sie mit mir: Lukas Heinser! Autor des kleinsten Buchs zum größten Musikereignis (Abre numa nova janela).

Dass Stefan Niggemeier dabei ist, erwähne ich deshalb weil die re:publica diese Woche angekündigt hat (Abre numa nova janela), dass auch ich gemeinsam mit ihm “live” sein darf: auf der Bühne der größten Internet-Konferenz im Mai in Berlin. Wir wollen über bessere Diskussionen sprechen (Abre numa nova janela). Vielleicht kommst du ja auch.

Jedenfalls hat mich dieser Bezug zu Lukas mehr zur aktuellen kapiert-Folge inspiriert als das “As It Was”-Original von Harry Styles. Sie handelt zumindest indirekt auch von besseren Diskussionen: Es geht mal nicht um kopierte Inhalte, sondern um kopierte Accounts.

Jetzt aber zu Lukas’ Vorschlag, der natürlich einen ESC-Bezug hat - und ein sehr schöner Ohrwurm ist.

Wünsche Euch beste Kopier-Kompetenz!
Dirk
P.S.: Die *-Sterne löse ich ganz am Ende auf. An dieser Stelle danke ich aber schon mal für Eure tollen Antworten auf meinen moped-Abschlussgag von vergangener Woche (Abre numa nova janela)!

As It Was

As It Was (Abre numa nova janela)” (Harry Styles) in der Version von Maro (Abre numa nova janela). Vorgeschlagen von Lukas Heinser, geboren 1983. Er ist freier Autor und Journalist aus Bochum. Seit 2007 betreibt er das popkulturelle Blog coffeeandtv.de (Abre numa nova janela), von 2010 bis 2014 leitete er das medienkritische BILDblog. In den Jahren 2010 bis 2012 berichtete er gemeinsam mit Stefan Niggemeier in Videoblogs (Oslog, Duslog, Bakublog) vom Eurovision Song Contest, seit 2013 ist er als Assistent des deutschen Kommentators (erst Peter Urban, seit 2024 Thorsten Schorn) ganz nah dran am Geschehen. Er hat schon mehrere verschiedene Podcasts moderiert und produziert und verschickt seit 2016 seinen eigenen Newsletter „Post vom Einheinser“ (Abre numa nova janela).

Sein Buch zum ESC erscheint: Heute! (Abre numa nova janela)

Ich versuche den Menschen schon seit Jahren zu erklären, dass der Eurovision Song Contest längst nicht mehr diese lustige Quatsch-Veranstaltung ist, als die er vielleicht in den 1990er und 2000er Jahren nicht ganz zu Unrecht galt (und schon gar nicht ein übel beleumundeter „Schlager-Grand-Prix“). Gerade seit der Corona-Zwangspause 2020 ist der ESC für mich wirklich das, als was er mal erfunden wurde: ein Festival des zeitgenössischen europäischen Popsongs. Wer am Ende eines ESC-Abends nicht wenigstens einen Song mindestens okay fand, mag vielleicht einfach gar keine Musik.

Besonders angetan hat es mir die Musik von Maro aus Portugal, die 2022 in Turin mit ihrem phantastischen Song „Saudade, Saudade“ (Abre numa nova janela), einer akustischen Ballade über ein spezifisch portugiesisches Gefühl, auf Platz 9 gelandet war, und deren Schaffen ich seitdem engagiert verfolge.

Maro heißt eigentlich Mariana Secca, sie wollte ursprünglich Tierärztin werden, entschied sich dann aber doch für die Musik und studierte am renommierten Berklee College of Music in Boston und zog nach Los Angeles, kehrte im Zuge der COVID-19-Pandemie aber wieder nach Portugal zurück. Seit 2018 hat sie fast jährlich neue Alben veröffentlicht, zuletzt Ende Januar „So Much Has Changed“, das den typischen Maro-Sound (filigrane Gitarren, introspektive Texte, organische, aber auch experimentelle Sounds, viel Melancholie und ein leicht verschlafen vernuschelter Gesang) weiterentwickelt. Erst gerade war sie in Deutschland auf Tour.

Im vergangenen Jahr hat sie eine EP mit Akustik-Live-Versionen herausgebracht. Darauf auch eine Coverversion von „As It Was“ von Harry Styles, dargeboten gemeinsam mit Charlotte Cardin und der französischen Sängerin November Ultra (Abre numa nova janela).

Nun ist Harry Styles, gerade in den Wochen nach seinem jüngsten Album-Release, natürlich ein Popkultur-Phänomen, das weit über seine Musik hinausstrahlt. (Spötter würden sagen: Er war immer schon mehr Meme als Popstar.) Aber so, wie Maro und ihre Kolleginnen den Song (Abre numa nova janela) singen, klingt er noch mal ganz anders: Ohne das „Take On Me“-Keyboard, mit weniger Spannungsbogen, einer ähnlichen, aber doch ganz anderen Entrückung in der Stimme. Wenn sie in perfekter Harmonie „In this world it’s just us“ deklamieren, glaubt man, dass es wirklich eine sehr überschaubare Anzahl von Menschen (am Ende womöglich gar zwei) geben könnte, die alleine, zumindest aber anders als der ganze Rest sind. Und es klingt nach einem Versprechen.

Kopier-Kompetenz

(E9) Der Satz klingt so einfach und doch vergessen wir ihn oft: “Maschinen sind keine Menschen (Abre numa nova janela)!” ist die wichtigste Richtschnur für eine Form der Medienkompetenz, die ich Kopierkompetenz nennen würde. Gemeinsam mit dem Wissen um die Tatsache, dass digitale Güter keine rivalen Güter sind (Abre numa nova janela), ist sie eine bedeutsame Orientierungshilfe im digitalen Ökosystem und sie wird am Ende ein ganzes Kapitel einnehmen.

Maschinen sind keine Menschen - erinnert uns daran, dass all die Zahlen, die Social-Media-Plattformen veröffentlichen sich ausdenken, nicht von Menschen, sondern von Accounts handeln. Und ein Account ist nicht zwingend ein Mensch. Deshalb sind nicht alle Follower Menschen, nicht alle Likes stammen von Menschen und auch bei den Kommentaren solltest du bedenken: Sie müssen nicht zwingend von einem Menschen stammen.

Bei Kommentaren und anderen Inhalten sind wir vielleicht sensibilisiert, dass sie nicht stimmen können. Denn über Fake-Inhalte sprechen wir vergleichsweise oft. Über Fake-Accounts hingegen sprechen wir nicht so häufig. Dabei sind ihre toxischen Folgen nicht weniger schlimm: Denn sie verzerren unsere Wahrnehmung mindestens so sehr wie Lügen und Hass.

Daran zu erinnern, dass die ohnehin erfundene Anzahl an Followern (Abre numa nova janela) nicht mit Menschen gleichzusetzen ist, könnte ein Anfang sein, praktische Kopier-Kompetenz im Umgang mit sozialen Medien einzuüben - vielleicht sogar verpflichtend (Abre numa nova janela).

… ich war auf der Leipziger Buchmesse. Deshalb habe ich oben den *Stern beim Buch gesetzt. Denn diese überaus sympathische Messe fiel im Jahr 2026 mit zwei Dingen auf: Erstens mit einem absurden Auftreten von Wolfram Weimer und zweitens mit einem Besucherrekord. Letzteres liegt vor allem an der Idee, die Messe gemeinsam mit der Manga Comic Con (Abre numa nova janela) abzuhalten. Ersteres hingegen lag leider nicht an lustigen Verkleidungen, sondern an einer Parade der Peinlichkeiten (Abre numa nova janela).

Mir jedenfalls haben die Tage in Leipzig sehr viel Freude gemacht, nicht nur weil die Messe super inspirierend war (beim SZ-Institut gibt es demnächst ein White Paper (Abre numa nova janela)), sondern auch weil die Menschen auf der Messe und in der Stadt so freundlich waren. Deshalb glaube ich, dass diese Beschreibung hier nicht ganz falsch ist (Abre numa nova janela):

Frankfurt ist Zahlen - Leipzig ist Gefühle (Abre numa nova janela)
Screenshot: Threads

Dazu habe ich übrigens noch zwei Bitten: Mir ist schon klar, dass im Thema Cosplayen ein krasser Bezug zum Kopieren steckt. Falls du also dazu Expertise und/oder Freude hast: sag mir gerne Bescheid. Ich würde dazu gerne hinzulernen. Und auch das Thema “Tiktok-Musik” mit den Phänomenen Phonk und Sped-Up-Kopien (Abre numa nova janela) würde ich gerne vertiefen. Falls du dazu Wissen hast: schreib mir gerne!

*So und jetzt kommt alle auf Lukas’ Insta, wo er wie gesagt in 90 Minuten live ist (Abre numa nova janela)!