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WeinLetter #106: Urlaubswein aus Friaul: Die sensationelle Collio-Cuvée vom Weingut Edi Keber

Liebe Weinfreund:in,

Du liest den WeinLetter #106. Heute gibt’s: Urlaubswein aus dem Friaul. Direkt von der italienischen Grenze zu Slowenien.

Das ist ja eine der Traditionen des WeinLetter: die Besprechung eines Urlaubsweins. Dies folgt dem Gedanken, dass ich keinen Wein aus meinem Weinkeller in den Urlaub mitnehme oder ähnlichen Schnick-Schnack mache, sondern konsequent lokal trinke. Da ich den Urlaub mit der Family aber nicht nach Weinanbaugebieten plane, sondern nach der Größe der Strände, der Berge, der Größe oder Anzahl der Pools oder der Fußballstadien, zum Beispiel das San Siro, kommt es doch häufig zur Erschließung neuer Themen: Zum Beispiel Urlaubs-Weißweine aus den Niederlanden (Abre numa nova janela) oder Analysen von Weinkarten in Familienhotels in Flachau (Abre numa nova janela). Eher klassisch war da schon: Montpellier und das Anbaugebiet L’Herault (Abre numa nova janela).

Jetzt also Friaul. Weil es im Prinzip vor der Haustüre Triests liegt, wo wir ein paar Tage waren. Und da ging es zum Weingut Edi Keber. Biodynamisch. Zwölf Hektar. Sie machen hier nur einen Wein. Eine Cuvée. Den Collio. Benannt nach dem Anbaugebiet Collio. Nix Friaul-Pino-Gridscho. Authentische, regionale Rebsorten. Und dann ist da noch das Ding mit dem Zement. Viel Spaß beim Lesen!

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Trinkt friedlich!

Euer Thilo

 

Veronika und Kristian Keber laufen durch einen Weinberg

Sie setzen voll und ganz auf den Collio: Veronika und Kristian Keber haben das Weingut Edi Keber ihres Vaters übernommen FOTO: FABRICE GALLINA

Die Zement-Cuvée vom Zegla-Hügel

von Thilo Knott

1. Wo befindet sich das Weingut Edi Keber?

Ich bin von Triest aus zum Weingut Edi Keber gefahren. 55 Minuten, die sich absolut lohnen. Zunächst geht es noch ein Stück weit den Golf von Triest entlang. Vorbei am Barcola-Strand mit seiner bekannten Uferpromenade und vorbei am Castello di Miramare, das Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich erbauen ließ. Kurz vor Monfalcone geht es ins Landesinnere – bis kurz vor die Grenze zu Slowenien. Das letzte Stück zum Weingut, da wird es hügelig. Typisch für diese Gegend, das Collio-Gebiet.

Das Weingut Edi Keber thront auf einem dieser Hügel, in Zegla, einem Teil der Gemeinde Cormons, nur ein paar Meter von der Grenze Sloweniens entfernt. Wir befinden uns hier im Osten der Region Friaul-Julisch Venetien.

Blick vom Zegla-Hügel auf die Weinberge des Weinguts Edi Keber

Blick vom Zegla-Hügel: Die Weinberge grenzen direkt an das Weingut Edi Keber an FOTO: THILO KNOTT

2. Was ist das Collio-Gebiet?

Es gibt im Friaul 4 DOCG, die höchste Klassifizierungsstufe für italienische Weine, und 12 DOC. Das Collio, genauer Collio Orientali de Friuli, direkt an der slowenischen Grenze, ist eines der kleineren Anbaugebiete in der Weißwein-Region Friaul. Collio ist DOC klassifiziert. Hier finden Weißweine ein ideales Mikroklima zwischen Alpen und Adria. Es ist nicht zu kalt, weil das hügelige Gebiet nicht viel von den kalten Winden der Alpen abbekommt. Es kommt genug mediterranes Klima nach oben. Das Wort Collio bedeutet entsprechend „Hügel“ oder „In den Hügeln“.

Mann trinkt Weißwein

Zwei Jahrgänge, ein Wein: Das Weingut Edi Keber baut einzig die Collio-Cuvee aus. Zur Verkostung gibt’s die Jahrgänge 2021 und 2022 FOTO: WEINLETTER

3. Seit wann existiert das Weingut Edi Keber?

Das Weingut Edi Keber bewirtschaftet seit 300 Jahren etwa 12 Hektar Weinberge im Collio-Gebiet. Die Weinberge beginnen direkt am Weingut auf dem Zegla-Hügel. Veronika Keber, die Tochter von Edi Keber, führt mich in die Vinothek, eine umgebaute alte Scheune. Hier verkosten wir den „Collio“. Ihr Bruder, Kristian, und sie führen mittlerweile das Weingut. Er macht den Weinberg und den Weinkeller, sie führt die Geschäfte.

Sie holt den jüngsten „Collio“, den Jahrgang 2022 aus dem Kühler. Pinot Grigio, Chardonnay oder Sauvignon Blanc? Die Klassiker, wenn man ans Friaul denkt? Gibt’s nicht.

Veronika Keber sagt: „Für uns ist der Wein die Übersetzung der Charakteristik des Anbaugebiets.“ Das geht einher mit dem Anbau Collio-typischer Rebsorten. Das geht einher mit naturnaher Landwirtschaft. „Seit 2013 arbeiten wir bio-dynamisch, seit 2020 sind wir zertifiziert“, sagt Veronika Kerber. Dann gießt sie den „Collio“ ins Glas. Es gibt nicht so etwas wie eine Probierkarte. Das hat einen Grund: Es gibt einen Wein, verschieden sind nur die Jahrgänge.

Regal mit Hunderten Flaschen Wein

„Seit 2008 gibt’s nur noch einen Wein”: Das Collio-Archiv im Flaschenkeller des Weinguts Edi Keber FOTO: THILO KNOTT

4. Was macht das Weingut Edi Keber so besonders?

Der Collio ist tatsächlich der einzige Wein, den das Weingut Edi Keber noch produziert – das ist das Besondere an diesem Betrieb. Unten, im Weinflaschenlager, „dem Archiv“, wie Veronika Keber das nennt, reihen sich die Collio-Jahrgänge in den Weinregalen. Je staubiger desto älter. Edi Keber hat sie gemacht, jetzt macht sie Kristian Keber.

 „Seit 2008 gibt’s nur noch einen Wein – den Collio“, sagt Veronika Keber. Davor gab es den Collio, aber auch noch Sauvignon oder Chardonnay. Die bekannten Rebsorten wurden ersetzt durch regionale, traditionelle Rebsorten. Der Collio ist eine Cuvée aus drei dieser Rebsorten.

Der Collio besteht aus 70 Prozent Tocai Friulano, 15 Prozent Ribolla Gialla und 15 Prozent Malvasia. „Wir setzen auf unsere autochthonen Rebsorten“, sagt Veronika Keber. Es gibt in der Region eine kleine Winzer-Gruppe, die diesen eigenen Weg gegangen ist. Nicht mehr auf die Allerwelts-Rebsorten setzen. Das Eigene herausarbeiten. Die heimischen Rebsorten. Das Terroir des Collio.

Im Weinlager des Weinguts haben sie die typische Gesteinsformation belassen und übermauert. Sie ragt jetzt in den Keller. Es sind Mergel und Sandstein, die das Anbaugebiet prägen. „Niemand hier hat über Terroir geredet, wir waren mit die ersten“, sagt Veronika Keber.

Es geht in den Weinkeller, das Reich von Veronika Kebers Bruder Kristian. Hier stehen viereckige Betontanks. Darin wird der Collio ausgebaut. Die Zementbehälter sind aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es gibt die kleinen Betontanks für 300 Liter und die großen für 975 Liter.

„12 Monate bleibt der Wein in den Betontanks“, sagt Veronika Kerber. Danach reift er noch sechs bis neun Monate im Stahltank, und auch noch ein paar Monate in der Flasche, ehe er in den Verkauf geht. Deshalb ist der Jahrgang 2022 noch der aktuelle Jahrgang. Demnächst, mit dem Herbstwechsel, kommt dann der 2023er in den Verkauf.

Drei Zementtanks zur Gärung von Wein

Zement aus den 60er Jahre: Das erste Jahr verbringt der Collio in diesen Betontanks FOTO: THILO KNOTT

5. Wie schmeckt jetzt der Collio des Weinguts Edi Keber?

Ich bin ein großer Fan von Cuvées. Und ich finde, dass die deutschen Winzer:innen zu wenig damit experimentieren. Warum sich das lohnt, zeigt der Collio, von dem es je nach Jahrgangsertrag zwischen 35.000 und 45.000 Flaschen gibt.

Zunächst: Die Hauptrebsorte Tocai Friulano (70 Prozent) sorgt für den Körper, die Struktur des Weins, der Ribolla Gialla für Säure und Mineralität und der Malvasia für die Aromatik.

Die Anteile sind sehr präzise ausgewählt, weil der Collio Eleganz und Power, Salzigkeit und wegen der malolaktischen Gärung auch Buttrigkeit sehr schön vereint. Vereint meint tatsächlich: Es ist ein sehr harmonischer Wein. Auch weil er in den Verkauf geht, wenn er schon ein paar Jahre gereift ist.

Zitrus und Birne bestimmen die Aromatik. Als Veronika Kerber den 2021er Jahrgang ausschenkt, ist er schon eine Spur kräuteriger als sein Nachfolger. Mit den 19 Euro ab Hof liefert er ein erstaunliches Preis-Genuss-Verhältnis ab. Denn: Der Collio ist etwas ganz Eigenes und man versteht, warum sie mit ihren 12 Hektar ganz auf diese eine Weincuvée setzen.

Info: Weingut Edi Keber, Collio Bianco DOC, 2022, Alkohol: 13 Prozent, 19 Euro ab Hof.

PS: Ist der Collio wirklich der einzige Wein des Weinguts Edi Keber?

Kompliziert. Es gibt noch eine kleine Charge Merlot, sie geht nicht in den offiziellen Verkauf, Restreben-Bestand, davon weiß nur keiner – jetzt schon. Im Prinzip ist der Collio daher der einzige Wein des Weinguts Edi Keber. Auf der italienischen Seite. Wie jetzt? Ja, auf der slowenischen Seite, es ist das neueste Projekt von Kristian Keber, bauen sie noch einen Orange aus - den Brda:

Kristian Keber wendet beim Brda keine klassische Mazeration an. Er nimmt ganze Trauben mit den Stielen. Veronika Keber beschreibt den Vorteil so: „Er zerstört die Trauben nicht, so bleibt der Wein elegant.“ Und am Ende, da sind sie undogmatisch, gibt’s auch bisschen Sulfite.

Auch beim Brda verläuft der Reifeprozess im Weinkeller des Weinguts. Er dauert drei Jahre: Zwei Jahre verbringt er im großen Holz, ein Jahr nochmal auf der Flasche. Ich bin kein großer Orange-Fan. Aber den hier finde ich richtig gut!

Brda ist übrigens das slowenische Wort für Collio. Also bauen sie doch nur Collio an.

Info: Weingut Edi Keber: Brda, 2021, Alkohol: 12 Prozent, 25 Euro ab Hof.

Kristian Keber läuft mit einer Kuh und einem Schaf durch seinen Weinberg

Der Orange-Wein Brda ist sein neuestes Projekt: Kristian Keber FOTO: FABRICE GALLINA

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