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WeinLetter #115: Deutscher Wein-Fail in Japan? Der Faktencheck zu Teil 2 von “Drops of God”

Liebe Wein-Freund:in,

Du liest den WeinLetter #115. Heute gibt’s: die Fakten zur Apple-Wein-Serie „Drops of God”, Teil II (Abre numa nova janela). Denn: Hier wird zwar viel Wein getrunken und verkostet. Aber: Es ist kein einziger deutscher Wein dabei! Nicht mal Riesling! Das kann doch eigentlich nicht sein! Dachten wir uns schon während der Produktion der “Drops of God”-Rezension von Philipp Bohn im WeinLetter #114. Im Faktencheck beleuchten wir jetzt den japanischen Markt – welche Rolle Deutschland spielt und warum eben nicht Frankreich anders als in “Drops of God” den Markt dominiert. Sondern? Im WeinLetter analysieren wir die deutschen Chancen mit Fabian Fleckenstein, der bei Dr. Bürklin-Wolf den Export verantwortet. Mit Martin Tesch vom gleichnamigen Weingut. Mit Max Rohde vom VDP. Und wir wollten wissen: Schmeckt deutscher Wein zu japanischem Essen? Und welcher Wein genau? Deshalb gibt’s zusätzlich noch das Interview mit Kerstin Bauer und Max Goldberg, die in der Pfalz das Sterne-Restaurant „Irori“ führen. Spoiler: Kabinett-Rieslinge sind es…! Nicht? Oder doch? +++ Viel Spaß beim Lesen unseres großen Japan-Drops-of-God-Faktenchecks! Und jetzt empfehlt (und shared) diesen WeinLetter bitte.

Aber vor allem: Trinkt friedlich!

Euer Thilo

Deutscher Wein spielt keine Rolle: Camille Léger (Fleur Geffrier) und Issei Tomine (Tomohisa Yamashita) in “Drops of God” FOTO: APPLE TV

Ist für deutschen Wein der Drops gelutscht? Der Japan-Faktencheck!

Von Philipp Bohn und Thilo Knott

1. Welche Rolle spielt deutscher Wein in der Serie „Drops of God“

Wieviele deutsche Weine kommen in den 44 Bänden des Original-Manga „Drops of God“ vor? Es sind vier. Ausschließlich Rieslinge. Kabinett von Egon Müller. Kabinett der Vereinigten Hospitien aus Trier. Riesling Sekt des Weinguts Ratzenberger. Und Eiswein von Joh. Jos. Christoffel Erben, was es als alleinstehendes Weingut gar nicht mehr gibt.

Und deutsche Weine in der 1. Staffel der Apple-Serie? Einer, wieder Riesling, Trockenbeerenauslese von Egon Müller (1981).

Und Staffel 2? Die ernüchternde Wein-Liste für die deutsche Weinbranche sieht dann so aus:

Frankreich: Billecart-Salmon, Pol Roger, Jacques Selosse, Hermitage Domaine Jean Louis Chave, Domaine Marquis d’Angerville, Terrasse du Larzac Mas Jullien, Château d’Yquem, Domaine Roulot, Saint-Joseph Domaine Merlin, IGP Aveyron, Domaine Montrozier Calibre 12, Domaine des Comtes Lafon, Volnay Domaine Y. Clerget, Domaine Emmanuel Darnaud, Château Grillet, Clos des Tart, Bourgogne Domaine d’Eugenie.

England: Gusbourne Estate Brut Sparkling.

Italien: Amarone Azienda Agricola Giuseppe Quintarelli, Cortona Azienda Agricola Stefano Amerighi.

Korsika: Clos Venturi Chiesa Nera

Griechenland: Tinos Island T-Oinos

Argentinien: Mendoza Monasterio PerSe

Georgien: Marani Ruispiri Giorgi Aladashvini

Mexiko: Baja California Dominio de las Abejas

Neuseeland: Marlborough Fromm Winery

USA: Santa Rita Hills Racine

Es gibt keinen deutschen Wein mehr in der Manga-Verfilmung, Teil 2: Was sagt das über die deutsche Weinbranche und das Exportland Japan aus? Steht es wirklich so schlecht um den deutschen Wein im japanischen Markt? Nicht ganz. Hier ist der Faktencheck.

2. Wie sieht der Weinmarkt prinzipiell in Japan aus?

Der japanische Weinmarkt befindet sich in einer stabilen Entwicklungsphase und zeichnet sich durch einen hohen Importanteil aus. Laut der International Organisation of Vine and Wine konsumierten die Japanerinnen und Japaner 2024 circa 309 Millionen Litern

Trotz eines vielfältigen und zunehmend qualitätsorientierten heimischen Angebots stammt der Großteil des in Japan konsumierten Weins weiterhin aus dem Ausland. Laut japanischen Zollstatistiken importierte Japan im Jahr 2024 knapp 205 Millionen Liter Wein. Also mehr als zwei Drittel des Weinkonsums. (Die Zahlen variieren teilweise je nach Quelle)

Hauptlieferanten sind Chile, Frankreich und Spanien, die sowohl volumen- als auch wertmäßig die Spitzenpositionen einnehmen.

3. Welche Rolle spielen deutsche Weine in Japan – und wer dominiert?

Der deutsche Wein spielt im japanischen Markt trotz hoher Reputation eine vergleichsweise kleine Rolle. Deutschland gehört zu den „Top‑10“ der Lieferländer, bewegt sich volumenmäßig jedoch im unteren Mittelfeld hinter Chile, Spanien, Frankreich, Italien, den USA und Australien. Das japanische Importprofil ist traditionell stark preis- und segmentgetrieben: Während deutsche Weißweine im Premium- und Fachhandelssegment geschätzt werden, dominieren andere Länder sowohl im Mengengeschäft als auch im Wert. Diese Marktstruktur bildet den zentralen Rahmen für die Position deutscher Weine im Wettbewerb um Sichtbarkeit und Regalfläche.

Nach den jüngsten verfügbaren Daten führen Chile, Spanien und Frankreich den Importmarkt an — allerdings in unterschiedlichen Dimensionen. Chile ist mit 63 Millionen Litern der mengenmäßig wichtigste Lieferant und deckt damit rund 30 Prozent des japanischen Importvolumens ab. Der Erfolg basiert vor allem auf dem Freihandelsabkommen zwischen beiden Ländern, das chilenische Weine auch im Preiseinstiegssegment extrem wettbewerbsfähig macht. Spanien folgt als weiterer volumenstarker Anbieter mit einem Marktanteil von etwa 18 bis 20 Prozent, bleibt jedoch hinter Chile zurück.

Im Premiumbereich zeichnet sich ein anderes Bild: Frankreich dominiert mit großem Abstand den Wert des japanischen Weinimports. Mit 873 Millionen Euro erreicht Frankreich 57 Prozent Marktanteil am Importwert, getragen vor allem durch stark nachgefragte Produkte wie Champagne und hochwertige AOP‑Weine. Dahinter folgen Italien mit 196 Millionen Euro (rund 13 Prozent Marktanteil) sowie Chile (133 Millionen Euro, etwa 9 Prozent). Auch Spanien (111 Millionen Euro) und die USA (109 Millionen Euro) gehören zu den wertstärksten Herkunftsländern. Die Rangfolge zeigt, wie klar der japanische Markt zwischen preisgetriebenen und premiumorientierten Segmenten differenziert.

Und Deutschland? Nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) engagieren sich ungefähr 300 deutsche Weinbetriebe in Japan, darunter auch kleinere Erzeuger. Sie erzielen im japanischen Markt vergleichsweise hohe Durchschnittspreise: 5,39 Euro pro Liter bekamen die Exporteure 2024. Der Durchschnittspreis für alle Weinexporte lag laut DIW bei gerade einmal 3,24 Euro pro Liter. Noch höhere Margen wie in Japan erzielt die deutsche Weinbranche nur noch in Kleinstmärkten wie Südkorea, Taiwan, Hongkong oder Australien. Das deutet auch hier auf mehr Importe im Premiumsegment hin.

Insgesamt wurden 2024 laut DIW und dem Statistischen Bundesamt 23.000 Hektoliter an Wein nach Japan exportiert. Ein Plus von sieben Prozent. Der Gesamterlös liegt bei 12 Millionen Euro.

Nur zum Vergleich: Das Top-Exportland für die deutsche Weinbranche sind die Niederlande. In das Nachbarland exportieren die deutschen Winzerinnen und Winzer 170.000 Hektoliter. Der Erlös liegt in den Niederlanden allerdings bei lediglich 2,12 Euro pro Liter. Und damit weit unter dem Durchschnittserlös für Weine nach Japan.

„Wir versuchen das Geschäft weiter auszubauen”: Export-Chef Fabian Fleckenstein vom Weingut Dr. Bürklin-Wolf FOTO: LGreiner-Medienagenten

´4. Wie sieht die deutsche Weinbranche ihre Chancen? Drei Einschätzungen.

Der Verein für Prädikatsweingüter, besser bekannt als VDP, hat jüngst einen eigenen Japan-Ambassador ausgebildet. „Japan ist für viele VDP.Weingüter ein strategisch interessanter Markt, weil dort Herkunft, Handwerk und Präzision eine hohe Wertschätzung genießen“, sagt Max Rohde, Sprecher des VDP. Gerade die Pairing-Kultur in der Spitzengastronomie – mit Umami, Fermenten und zunehmend auch Schärfe – passe hervorragend zu vielen VDP-Weinstilistiken - „klar, balanciert, mit Frische und Struktur statt Dominanz“, sagt er. Gerät Japan ins Blickfeld, weil die USA als zweitwichtigster Markt nach den Niederlanden mit der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump immer unsicherer wird? Max Rohde sagt: „In einem volatilen globalen Umfeld schauen unsere Mitglieder zudem stärker auf Diversifikation – stabile, partnerschaftlich aufgebaute Märkte wie Japan spielen dabei eine wichtige Rolle."

Das Pfälzer Weingut Dr. Bürklin-Wolf gehört dem VDP an und liefert in der Regel 1.200 Flaschen Wein pro Jahr nach Japan. „Wir erleben Japan als sehr traditionellen, stark inhabergeprägten Markt mit hoher Wertschätzung für Herkunft und Qualität. Doch der schwache Yen und die sinkende Kaufkraft bremsen aktuell die Dynamik deutlich“, sagt Fabian Fleckenstein, der bei Bürklin-Wolf den Export verantwortet. Sie arbeiten mit einem kleinen, japanischen Importeur zusammen, der im Jahr zwei Paletten abnimmt. Ein Selbstläufer ist das allerdings nicht, betont Fleckenstein: „Wir versuchen das Geschäft weiter auszubauen.
Exklusivität ist gefragt – aber bei kleinen Umsätzen lässt sich das für ein Weingut unserer Größe wirtschaftlich kaum darstellen.“

“Hugo Boss, Porsche, Kraftwerk, Karl Lagerfeld“: Martin Tesch, Winzer von der Nahe FOTO:

 „Deutschland muss mit seinen Weinen in der Moderne ankommen“, sagt Martin Tesch, Winzer von der Nahe, wenn er über Japan spricht. Er verkauft seine Weine dort seit Jahrzehnten. „Zu lange schon dominieren traditionelle Bilder des 19. Jahrhunderts mit Prädikatspoesie, Schnörkeletiketten und Mosel-Romantik“, sagt er. „Das Deutschlandbild der vergangenen Jahrzehnte war in Japan aber ein ganz anderes: Hugo Boss, Porsche, Kraftwerk, Karl Lagerfeld.“ Für ihn stehen diese Marken für „lebensfreudige Präzision, die man spürt und gleich wiedererkennt, die aber nicht schreit“.

In diese Reihe sollten sich auch deutsche Winzerinnen und Winzer mit ihren Produkten und Botschaften stellen, empfiehlt er. Und gleichzeitig die nächsten Schritte gehen. „Globale Trends wie digitale Disruption, Nachhaltigkeit und Premiumisierung – also weniger aber besser kaufen – ordnen überall die Weinwelt neu und schaffen Wachstumspotenziale.“

“Hier gibt es Potenzial”: Kerstin Bauer und Max Goldberg bringen im „Irori“ japanische Küche und europäische Weine zusammen FOTO: IRORI

„Gegrillter Kabayaki-Aal passt perfekt zum Kastanienbusch-Riesling“

Interview: Philipp Bohn

In der zweiten Staffel der Manga-Verfilmung “Drops of God” tauchen keine deutschen Wein auf. Passen sie denn nicht zur japanischen Küche? Kerstin Bauer und Max Goldberg wissen was geht und was nicht. Denn sie betreiben das Sterne-Restaurant „Irori“ mit japanischer Küche in der Pfalz. Das WeinLetter-Interview.

WeinLetter: Frau Bauer, Herr Goldberg, Ihr Konzept verbindet eigentlich fremde Genusswelten. Wie passt japanischen Küche mit deutschen und französischen Weinen zusammen?

Max Goldberg: Die gehobene japanische Küche wechselt mit den Jahreszeiten. Es wird generell wenig gewürzt und gesalzen, so dass die einzelnen Zutaten tatsächlich zu erschmecken sind. Daher sind wir immer sehr flexibel für das einzelne Pairing. Grundsätzlich harmoniert ein gereifter Riesling mit etwas Fruchtnote, Säure und Grip gut mit japanischen Gerichten. Je nach Gang sind aber auch Sorten wie Chardonnay oder Gutedel passende Begleiter.

WeinLetter: Was ist ein Beispiel für das perfekte Pairing von Ihrer Karte?

Kerstin Bauer: Die Kombination aus einem gegrillten Kabayaki-Aal mit seiner leicht süßlichen Umami-Sauce und einem gereiften Riesling mit Fruchtkomponente ist wunderbar. Wir würden dazu beispielsweise den Kastanienbusch von Rebholz oder den Pechstein von Bürklin-Wolf anbieten, Jahrgang 2014.

WeinLetter: Gibt es auch Kombinationen, die gar nicht funktionieren?

Kerstin Bauer: Am Tisch wird ab und zu nach Kabinett-Weinen gefragt. Dazu raten wir aber tendenziell ab. Fruchtsüße Weine passen gut zu scharfen Gerichten, was man vielleicht allgemein mit asiatischer Küche verbindet. Die japanische Küche ist eher nuanciert, milder und ausgewogen. Und Bordeaux passt natürlich nicht zu Sashimi, also rohem Fisch.

WeinLetter: Sake und Tee sind die ursprünglichen Speisebegleiter der japanischen Küche. Steht das dem Wein im Weg?

Kerstin Bauer: In der japanischen Esskultur gibt es so viele Küchenstile, dass man das pauschal gar nicht sagen kann. In den Izakaya-Bars trinken die Gäste vor allem Bier. Bei einem traditionellen Kaiseki-Menü wird die Gangfolge mit einem Matcha-Tee beendet. Es gibt auch eine Cocktail-Kultur, die viele unterschiedliche Getränke verknüpft. Aber wir sehen den Trend zu weniger Sake und mehr Wein in Verbindung mit japanischen Aromen. Tendenziell sind vor allem Champagner, Burgunder und Naturweine gefragt.

WeinLetter: Sie bieten im Irori eine gemischte Menübegleitung an: Wie entscheiden Sie bei den Gerichten, ob dazu Wein oder Sake besser passt?

Max Goldberg: Nach unserem Geschmack passt Sake umso besser, je japanischer und dezenter das Gericht ist. Spargel oder Käse ist auch eine interessante Sake-Kombination. Das servieren wir aber eher unseren etwas experimentierfreudigeren Gästen mit erfahrenem Geschmacksprofil.

WeinLetter: Bei „Drops of God“ dominieren Weine aus Frankreich und Italien, deutsche Weine spielen kaum eine Rolle. Sie sind regelmäßig in Japan und pflegen dort enge Kontakte: Welche Bedeutung hat deutscher Wein in Japan?

Max Goldberg: Deutsche Weine sind in der japanischen Gastronomie tatsächlich nicht so verbreitet. In Dreisterne-Sushi-Restaurants stehen schon mal Rieslinge von Klaus Peter Keller aus Rheinhessen auf der Karte. Das liegt neben der exzellenten Qualität aber auch wesentlich am Preis und der Seltenheit der Weine. Je höher und rarer, desto besser.

WeinLetter: Welche Sorten und Stilistiken kommen in Japan gut an?

Max Goldberg: Der französische Wein dominiert und dabei oft ein burgundischer Stil. Tendenziell gibt es wenig Riesling, was man ja am ehesten mit dem Weinland Deutschland verbinden würde. Hier gibt es Potenzial, wenn man die Gepflogenheiten des japanischen Marktes kennt. Beispielsweise sind die Beziehungen zwischen Händlern und Lieferanten von extrem hoher Loyalität geprägt. Wenn man das respektiert, kann man gut und langfristig ins Geschäft kommen.

Das Irori in Knittelsheim bei Nacht FOTO: IRORI

Das ist das Irori

Die Gastronomen Kerstin Bauer und Max Goldberg sind seit 2021 mit unterschiedlichen kulinarischen Konzepten unter dem Namen „Irori“ selbständig. 2021 haben sie zunächst im pfälzischen Wachenheim und nun in Knittelsheimer Isenhof ihre feste Heimat gefunden und wurden mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.

Max Goldberg hat als Sternekoch Stationen im Opus V, Taubenkobel, Emma Wolf von Dennis Meier, dem Oxalis in der Mühle Schluchsee und dem Intense in Wachenheim durchlaufen.

Kerstin Bauer bringt lange Erfahrung im Service, der Restaurantleitung und Sommelerie ein, u.a. ebenfalls im Opus V in Mannheim und dem Oxalis.

Info: Irori (Abre numa nova janela)", Hauptstraße 15a, 76879 Knittelsheim. Menü, 9 Gänge: 140 Euro pro Person.

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