Hi,
diese Woche haben uns zwei Artikel im Spiegel beschäftigt.
Der eine heißt: “Und wenn man die AfD doch ranlässt (Abre numa nova janela)” und ist ein Meinungsbeitrag von Nikolaus Blome zur AfD in Sachsen-Anhalt. Mach dir gern ein eigenes Bild davon, was du von diesem Artikel hältst. Wir finden ihn mehr als fragwürdig - viele Gründe dafür haben wir hier aufgeschrieben (Abre numa nova janela).
Der andere ist ein Text über die Polizeiliche Kriminalstatistik, die jedes Jahr die Gemüter umtreibt. Mit letzterem wollen wir uns heute beschäftigen - und legen dir vorab unser Interview mit Gina Wollinger aus dem vergangenen Jahr dazu ans Herz. (Abre numa nova janela)
Bleib achtsam und alles Liebe,

Um was gehts?
“Viele der jungen Männer, die etwa als Geflüchtete nach Deutschland kommen, sind in fundamentalistischen Regimen aufgewachsen. Ihnen wurde ein patriarchales, oft antisemitisches und frauenverachtendes Wertesystem vermittelt. Das heißt nicht, dass alle Syrer oder Afghanen, die hierherkommen, ein solches Mindset besitzen oder gewaltbereit wären. Viele fliehen ja gerade vor der Gewalt in ihrer Heimat. Die Mehrzahl der Migranten in Deutschland begeht keine Straftaten und ist gut integriert. Doch gerade deshalb ist es wichtig, die Kriminalstatistiken ehrlich zu betrachten. Ansonsten überlässt man die Deutungshoheit der AfD.” [1]
So steht es im “Spiegel-Leitartikel” aus der vergangenen Woche. Titel: “Warum wir bei Sexualdelikten auch über die Herkunft der Täter sprechen müssen.”
Dass der Spiegel das Thema jetzt aufgreift, liegt daran, dass gerade die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) veröffentlicht wurde [2].
Und die entfacht, anders als es der Spiegel darstellt, jedes Jahr aufs Neue genau diese Debatte: Was haben Herkunft und Kriminalität, beziehungsweise Gewalt miteinander zu tun?
Schauen wir uns den Artikel deshalb genauer an - weil er keine Ausnahme ist (2025 erschien beispielsweise in der FAZ ein Text mit dieser Überschrift: “Wir müssen ehrlicher über Straftaten von Migranten sprechen” [3]) und weil er nicht das ganze Bild beschreibt - und deshalb Anknüpfungspunkte für extrem rechte Narrative bietet.
Problem 1: Die Medien verzerren das Bild von “migrantischer Gewalt”
Die Überschrift des Spiegel-Textes unterstellt, bei Sexualdelikten werde zu wenig über Herkunft gesprochen.
Ob das so ist, stellen wir in Frage. Denn wenn es um Kriminalität im Allgemeinen geht, dann reden wir ständig darüber. Vor allem in den Leitmedien. Thomas Hestermann von der Macromedia Uni in Hamburg untersucht das seit rund 20 Jahren. Seine aktuelle Studie erschien im Oktober 2025 [4]:
“Deutsche Leitmedien berichten weit häufiger über Gewaltdelikte von Ausländern, als es ihrem Anteil in der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik entspricht.”
Herkunft wird ständig zum Thema gemacht: Wird sie genannt, dann handelt es sich im Fernsehen in 94,6 Prozent und in Printmedien in 90,8 Prozent der Fälle um nicht-deutsche Tatverdächtige. Leitmedien verzerren damit die Ergebnisse der PKS massiv. Sie stellen Ausländer:innen rund dreimal häufiger als Tatverdächtige dar, als es ihrem statistischen Anteil entspricht - dabei ist bereits dieser Anteil aus mehreren Gründen verzerrt. Dazu aber später mehr.
Problem 2: Die Unzulänglichkeiten der PKS
Der Spiegel-Text nimmt die aktuelle PKS als Aufhänger für seinen Text:
“Wie schon in den vergangenen Jahren ist der Anteil ausländischer Tatverdächtiger überproportional hoch. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ausländer als Tatverdächtiger erfasst wird, ist 2,6 Mal so hoch wie bei einem Deutschen.”
So ähnlich steht es in der Pressemitteilung zur aktuellen PKS [2].
Um die PKS zu verstehen, ist es wichtig, diese einzuordnen. Das ist unserer Meinung nach Aufgabe von Journalismus. Das geschieht hier aber nicht. Denn: Die PKS bildet nicht “die Kriminalität” ab. Sie ist auch kein Instrument, um Ursachen von Kriminalität zu erklären. Sie ist vielmehr ein “Nebenprodukt” polizeilicher Arbeit.
So beschreiben es Gina Wollinger und Nicole Bögelein. Die beiden Kriminologinnen haben eine “kritische Analyse” dazu geschrieben, was im Diskurs über Migration und Kriminalität schief läuft [5]. Wir kommen im Laufe des Newsletters immer wieder auf ihre Analyse zurück.
Darin werden viele Unzulänglichkeiten der PKS aufgelistet. Sie weist zunächst nur Tatverdächtige aus, nicht verurteilte Personen. Die Statistik wird nachträglich auch nicht bereinigt, wenn Verfahren eingestellt werden oder es gar nicht erst zu einer Anklage kommt. Die PKS zeigt also ausschließlich Fälle, die polizeibekannt werden. Das ist das sogenannte Hellfeld.
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Und das hat nur eingeschränkte Aussagekraft. Denn welche Fälle darin auftauchen, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: von der (politischen) Schwerpunktsetzung der Polizei bei ihren Ermittlungen und vom Anzeigeverhalten.
Wenn etwa Innenminister Alexander Dobrindt die Außengrenzen stärker überwachen lässt, werden sehr wahrscheinlich auch vermehrt Verstöße gegen das Asylrecht polizeibekannt. Wo intensiver kontrolliert wird, steigen in der Regel auch Fallzahlen.
Der zweite und wichtigere Faktor ist das Anzeigeverhalten: Welche Fälle werden angezeigt oder durch polizeiliche Kontrollen bekannt? Es ist gut untersucht, dass die Anzeigebereitschaft weitaus höher ist, wenn mutmaßliche Täter:innen als nicht-deutsch gelesen werden. Diese Verzerrung nennt auch der Spiegel:
“Bei manchen Delikten werden Verdächtige mit Migrationshintergrund offenbar eher angezeigt.”
Was nach einigen wenigen Fällen klingt, zeigt sich in einer Untersuchung, auf die Wollinger und Bögelein verweisen, sehr deutlich. Da werden nicht-deutsche Täter:innen doppelt so häufig angezeigt wie deutsche.
Problem 3: Sexuelle Gewalt passiert vor allem im Nahbereich
Im Spiegel-Artikel geht es vor allem um schwere Sexualstraftaten. Es wird der Anteil nicht-deutscher Tatverdächtiger bei Vergewaltigungen in der aktuellen PKS herangezogen: 38 Prozent.
Jetzt haben wir schon geschrieben, dass die PKS nur das Hellfeld zeigt. Wie groß aber ist das bei Sexualstraftaten? Eine Antwort gibt die Untersuchung “Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag” (Lesubia) [6]. Das ist eine Dunkelfeldstudie, die durch wissenschaftliche Befragungen ermittelt, welcher Anteil der Fälle angezeigt wird - also die Anzeigequote.
Demnach ist das Dunkelfeld bei sexuellen Übergriffen riesig: Nur drei Prozent der Frauen, die Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden sind, erstatten Anzeige. Nur diese drei Prozent können in der PKS auftauchen. Das bedeutet: 97 Prozent der sexuellen Übergriffe tauchen nicht in der PKS auf. Gerade dieser Kontext hätte im Spiegel nicht fehlen dürfen.
Dazu kommt ein zweiter Befund aus Lesubia, der zentral ist: Die Täter stammen bei sexuellen Übergriffen überwiegend aus dem sozialen Nahraum. Es handelt sich in 46,5 Prozent um (Ex-)Partner, in 24,8 Prozent der Fälle um flüchtig bekannte Personen und in 20,7 Prozent der Fälle um befreundete Personen.
Darauf hat auch Dirk Peglow vom Bund Deutscher Kriminalbeamter diese Woche im Interview mit Dunja Hayali hingewiesen (ab Minute 18:30 (Abre numa nova janela)) [7]. Auf die Frage, wie sich Frauen vor sexueller Gewalt schützen könnten, sagte er:
“Die Täter kommen überwiegend aus dem sozialen Nahraum. […] Wenn man nach der statistischen Anzahl geht, besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher, Opfer von physischer oder psychischer Gewalt zu werden. […]”
Peglow ergänzt noch, dass höhere Fallzahlen bei Sexualdelikten in der PKS nicht zwangsläufig bedeuten, dass es auch mehr Taten gab:
“Durch Kampagnen wie #MeToo und ‘Nein heißt Nein’ konnten wir das Anzeigeverhalten bei insbesondere jungen Frauen und Mädchen verbessern.”
Das könnte bedeuten, dass zuletzt die Anzeigequote gestiegen ist. Das lässt sich aber erst mit zukünftigen Dunkelfeldstudien herausfinden.
Problem 4: “Herkunft” wird in den Vordergrund gerückt
Kommen wir zum Hauptanliegen im Spiegel. Das ist: Wenn es um “den Schutz von Frauen geht”, sei es wichtig, “die Kriminalstatistiken ehrlich zu betrachten”. Die zeigten seit Jahren “eine Überrepräsentanz von Ausländern”.
Dass die PKS hier nur eingeschränkt aussagekräftig ist, haben wir gezeigt. Wohl deshalb verweist der Spiegel zusätzlich auf eine Studie zu Femiziden:
“Eine aktuelle Studie zu Femiziden in Deutschland mit Daten aus 2017 ergab […], dass rund ein Drittel der Täter und Opfer Ausländer waren.”
Wir haben uns diese Studie angeschaut. Darin werden die häufigsten nicht-deutschen Staatsangehörigkeiten unter den Tätern bei den insgesamt 133 untersuchten Femiziden aufgezählt: Sieben waren afghanisch, fünf syrisch und fünf rumänisch. Dazu kamen noch neun sogenannte “Russlanddeutsche”. Allein diese Zusammensetzung zeigt, “dass es sich nicht um eine homogene Gruppe handelt”, wie es in der Studie steht. Weiter heißt es da:
“Daher lassen sich die Taten nicht einseitig kulturell erklären. […] Femizide sind kein ‘importiertes Problem’, sondern Ausdruck patriarchaler Strukturen, die - wenn auch in unterschiedlicher Form - in allen Gesellschaften existieren.” [8]
Wie rahmt der Spiegel diesen Befund? Dort heißt es:
“Aus Angst, Rechtsextremen Argumente für ihr Weltbild zu liefern, tun sich viele im linken Spektrum schwer damit, Herkunft als einen Faktor anzuerkennen. Doch nur, wer ein Problem benennt, kann darauf Antworten finden. […] Was fehlt, sind Ansätze, die Zuwanderung nicht per se infrage zu stellen und dennoch anzuerkennen, dass es kulturspezifische Prägungen gibt. Und zwar nicht nur positive.”
Es geht also um Herkunft und um “kulturspezifische” Prägungen, die als Faktor berücksichtigt werden sollen, um in Zukunft Frauen besser vor Gewalt zu schützen. Der Text suggeriert, dass Kriminalstatistiken bislang nicht “ehrlich” betrachtet und der AfD die Deutungshoheit überlassen worden sei.
Was kriminologische Forschung sagt
Nur: Das stimmt nicht. Es sind genau diese Faktoren, die schon lange mit Gewalt in Verbindung gebracht werden. Die Kriminologinnen Gina Wollinger und Nicole Bögelein verweisen in ihrer Analyse auf Ergebnisse einer Jugendbefragung.
Sie zeigen: Wer …
aus einem Elternhaus mit geringen ökonomischen Ressourcen kommt,
selbst Gewalt in der Erziehung erfahren hat,
eine niedrige Schulform besucht hat,
mindestens fünf Freunde hat, die sich kriminell verhalten,
eher Aussagen über Männlichkeitsbilder zustimmt, die den Einsatz von Gewalt unter bestimmten Umständen legitimieren,
hat ein höheres Risiko, Gewaltstraftaten zu begehen. Diese fünf Merkmale begünstigen Kriminalität - und das unabhängig von der Herkunft. Wollinger und Bögelein schreiben über die Merkmale:
“Werden [sie] in einem statistischen Modell gemeinsam getestet, stellt der Migrationshintergrund keinen signifikanten Einfluss mehr dar. […] Eine grundlegende Erkenntnis der kriminologischen Forschung ist, dass eine Migrationsgeschichte keine Ursache für Kriminalität darstellt. Ebenso verhält es sich mit der Staatsangehörigkeit. Die Ursachen von Kriminalität sind unabhängig vom Migrationsstatus.”
Was stimmt: Die Merkmale kommen häufiger bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund vor. Auch bei Wollinger und Bögelein heißt es deshalb, das lege die Frage nach kulturellen Prägungen nahe: “So sind Erziehungs- und Männlichkeitsvorstellungen gesellschaftlich, man könnte auch sagen kulturell, vermittelt.”
Die Kultur präge, neben Faktoren wie Milieu oder Sozialisationserfahrungen, die Identität eines Menschen. Trotzdem handle es sich dabei um ein “schwammiges und schwer fassbares Konstrukt”. Sie raten deshalb davon ab, Kultur oder Herkunft als ein Merkmal, das Kriminalität begünstigt, heranzuziehen.
Ein zentraler Grund: Die Argumentation basiert darauf, Menschen “als grundsätzlich anders” darzustellen und damit ein “rassistisches Element” zu transportieren, das Nicht-Deutsche als “fremd” markiert. Dahinter stehe ein “kultureller Rassismus”, der unüberbrückbare Differenzen zwischen Kulturen betone, weil er Gruppen “kollektive, natürliche und unveränderbare Eigenschaften” zuschreibe. Wollinger und Bögelein ergänzen:
“Dabei stellt sich die Frage, warum die Kulturfrage bei bestimmten Täter:innen, nämlich migrantisierten, thematisiert wird, während sie bei anderen, deutschen, keine Rolle spielt.”
Genau das passiert im Spiegel-Text - Gewalt wird kulturalisiert. Dort heißt es, dass Männer aus Syrien, der Türkei und Afghanistan, aus Ländern also, in denen Frauen kaum Rechte hätten und in denen Gewalt zum Alltag gehöre, eher dazu neigen könnten, in Deutschland Straftaten zu begehen - weil ihnen ein “patriarchales, oft antisemitisches und frauenverachtendes Wertesystem” vermittelt worden sei. Auch wenn der Text betont, das bedeute nicht, dass “alle Ausländer gefährlich” seien.
Was der Blick auf die Herkunft verdeckt
Am Ende ähneln die Forderungen im Spiegel beinahe den Empfehlungen der beiden Kriminologinnen Wollinger und Bögelein. Aber eben nur beinahe.
Im Spiegel heißt es, dass bislang die “Sozialisierung im Herkunftsland” und “gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen” zu wenig Beachtung finden würden. Das Problem: Hier wird nur auf andere Länder geblickt.
Genau das ist die Gefahr, wenn man sich auf Herkunftsräume fokussiert und nicht auf dahinterliegende Merkmale, die Gewalt begünstigen: etwa Armut, Gewalterfahrung, strukturelle Benachteiligung, ungleiche Lebenslagen, krisenhafte Lebenssituationen, Einstellungen, das soziale Umfeld.
Herkunft kann den Blick darauf verdecken, dass es “gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen” in allen Gesellschaften gibt und traditionelle Geschlechterrollen und patriarchale Strukturen kein migrantisches Spezifikum sind [9]. In einer Befragung aus diesem Jahr [10] gaben beispielsweise 37 Prozent der deutschen Männer an, dass wir bei der Gleichberechtigung “zu weit gegangen” seien und deshalb mittlerweile Männer diskriminieren würden. 15 Prozent aller Befragten gaben an, Frauen sollten allein für die Care-Arbeit zuständig sein und Männer das Geld nach Hause bringen. Und neun Prozent waren überzeugt, dass Ehefrauen ihren Männern immer zu gehorchen hätten.
Dass darunter viele gefährliche Überzeugungen sind, zeigt eine Untersuchung aus Österreich aus dem Jahr 2025, die das Hell- und das Dunkelfeld berücksichtigt [11]. Darin werden viele gewaltfördernde Faktoren benannt. Ein Auszug: Eine ungleiche Erwerbsarbeitszeit erhöhte die Wahrscheinlichkeit für partnerschaftliche Gewalt. Frauen in “ökonomisch prekären Lagen” oder wenn sie von ihren Partnern abhängig waren, erlebten deutlich häufiger Gewalt, ebenso, wenn sie den Großteil der Erziehungsarbeiten übernahmen. Hatte der Vater “die Entscheidungsmacht” oder “das letzte Wort”, wurde er deutlich häufiger als Täter genannt als in Familien, in denen Entscheidungen gemeinsam getroffen wurden.
Gerade deshalb führt die Fixierung auf Herkunft in die Irre: Sie macht ein gesellschaftliches Problem zu einem Problem der anderen.
→ Das Problem an Texten wie dem im Spiegel ist nicht, dass sie über Gewalt sprechen - sondern wie sie es tun. Wer Herkunft als Erklärungsfaktor in den Vordergrund rückt, obwohl die kriminologische Forschung auf soziale Lage, Gewalterfahrungen, gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen und den sozialen Nahraum verweist, verzerrt die Ursachen und macht extrem rechte Deutungsmuster anschlussfähig: dass Gewalt vor allem von den “anderen” komme - und nicht aus patriarchalen Verhältnissen, die in allen Gesellschaften fortwirken.
Aussage:
Bei Sexualdelikten und Gewaltkriminalität muss auch über die Herkunft von Tatverdächtigen gesprochen werden. Die PKS zeigt seit Jahren eine Überrepräsentation nicht-deutscher Tatverdächtiger. Wer diese Zahlen aus Angst vor rechten Narrativen ausblendet, überlässt der AfD die Deutungshoheit.
Gegenrede:
Die Fixierung auf Herkunft kann sogar in die Irre führen. Kriminologische Forschung zeigt, dass Faktoren wie Armut, eigene Gewalterfahrungen, geringe Bildung, kriminelle Peer-Groups und gewaltlegitimierende Männlichkeitsbilder entscheidender sind als Staatsangehörigkeit oder Migrationsgeschichte. Wenn diese Faktoren gemeinsam betrachtet werden, verliert der Migrationshintergrund als Erklärung an Bedeutung.
Aussage:
Männer aus Ländern mit patriarchalen, frauenverachtenden oder fundamentalistischen Strukturen können durch diese Sozialisation stärker zu Gewalt gegen Frauen neigen. Deshalb muss man kulturspezifische Prägungen benennen, um Frauen besser schützen zu können.
Gegenrede:
“Kultur” ist als Erklärung zu ungenau und gefährlich pauschalisierend. Wenn Herkunft oder Kultur als zentrale Ursache dargestellt werden, werden migrantische Männer schnell als grundsätzlich anders oder gefährlicher markiert. Das macht rechte Deutungsmuster anschlussfähig. Sinnvoller ist es, konkret über Risikofaktoren zu sprechen: ökonomische Abhängigkeit, Gewalt in der Erziehung, patriarchale Familienstrukturen, und ungleiche Machtverhältnisse.
[1] (Abre numa nova janela) https://www.spiegel.de/panorama/kriminalstatistik-warum-wir-bei-sexualdelikten-auch-ueber-die-herkunft-der-taeter-sprechen-muessen-a-666a330d-82bc-408d-9ad8-ff1ec17aeec3 (Abre numa nova janela)
[2] (Abre numa nova janela) https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/PKS2025/Polizeiliche_Kriminalstatistik_2025/Polizeiliche_Kriminalstatistik_2025_node.html (Abre numa nova janela)
[3] (Abre numa nova janela) https://www.faz.net/premium/einspruch/exklusiv/warum-wir-ehrlicher-ueber-straftaten-von-migranten-sprechen-muessen-accg-200264700.html (Abre numa nova janela)
[4] (Abre numa nova janela) https://mediendienst-integration.de/fileadmin/user_upload/Expertisen/Mediendienst_Integration_Expertise_Kriminalitaet_und_Migration_in_deutschen_Medien_Thomas_Hestermann.pdf (Abre numa nova janela)
[5] (Abre numa nova janela) https://kriminologie.uni-koeln.de/sites/kriminologie/UzK_2015/dokumente/publikationen/Wollinger_Boegelein_2025_Kriminalitaet_im_Kontext_von_Migration.pdf (Abre numa nova janela)
[6] (Abre numa nova janela) https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Forschung/ForschungsprojekteUndErgebnisse/Dunkelfeldforschung/LeSuBiA/lesubia_node.html (Abre numa nova janela)
[7] (Abre numa nova janela) https://www.zdf.de/play/magazine/heute-journal-104/heute-journal-vom-20-april-2026-100 (Abre numa nova janela)
[10] https://www.kcl.ac.uk/assets/news/iwd-2026-global-charts-final.pdf (Abre numa nova janela)